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Thema: Körper, Geist und Seele - Hat der Mensch einen Geist

  1. #1
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    Körper, Geist und Seele - Hat der Mensch einen Geist

    Liebe Geschwister,

    neulich ist mir durch ein Video die Frage aufgekommen, ob es wirklich stimmt, dass der Mensch einen Geist besitzt?

    Beim Körper ist es völlig klar; es ist das was ich sehe und womit ich hier auf der Erde lebe.

    Dieser sagt mir wann ich essen, trinken oder auch schlafen gehen soll.

    Die Seel sah ich als das ich. Meine Persönlichkeit die auch mit emotionen ausgestattet ist.

    Schlägt man mich wird mein Körper; als mein Äüßeres beschädigt.

    Sagt man mir schlimme Worte zu, dann bin ich je nach Haltung und Prägung diesem Gegenüber anfällig und werde seelisch verletzt.

    Was ist nun mit dem Geist? Haben wir Menschen einen Geist? Oder ist deshalb die Stelle in Jakobus 2,26 so zu verstehen, dass der Mensch den Heiligen Geist braucht (Gott braucht) um durch Ihn zu leben?

    Ich kann dann nicht verstehen wozu wir einen Geist haben sollten? Oder wie diese Dinge zusammenhängen, denn wie Stelle in Jakobus 2,26 sagt
    26 Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.
    Setzt diese Stelle nicht voraus, dass der tote Mensch (keinen Geist hat)? Da jene die Christus angenommen haben und den Hl Geist empfangen haben mit diesem Geist sind?
    Liebe Grüße

    Onur S.

    Jesaja 55,6 Sucht den HERRN, während er sich finden lässt! Ruft ihn an, während er nahe ist.

  2. #2
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    AW: Körper, Geist und Seele - Hat der Mensch einen Geist

    Lieber Onur
    der Leib ohne Geist ist tod.
    Wenn der Geist aus dem Körper geht ist das biologische Leben zu Ende.

    Aber das wahre Leben, (Existenz) ist ja nicht im biologischen Leben, sondern im persönlichen Geist und der ist ab Zeugung ewig.
    Herzliche Grüsse
    Hans Peter

    1. Mo 15,6 Und er glaubte Jehova; und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit.




  3. #3
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    AW: Körper, Geist und Seele - Hat der Mensch einen Geist

    Lieber Onur,

    folgende Schriftstelle gibt bzgl. deiner Frage auch klare Auskunft:

    1.Thess. 5, 23 Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde tadellos bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.

    Liebe Grüße
    Hans

  4. #4
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    AW: Körper, Geist und Seele - Hat der Mensch einen Geist

    Römer 8,16 Abba, Vater! Der Geist selbst zeugt mit unserem Geiste, daß wir Kinder Gottes sind
    Lukas 8,53 Und sie verlachten ihn, da sie wußten, daß sie gestorben war. 54 Als er aber alle hinausgetrieben hatte, ergriff er sie bei der Hand und rief und sprach: Kind, stehe auf!
    55 Und ihr Geist kehrte zurück, und alsbald stand sie auf; und er befahl, ihr zu essen zu geben.
    Und die Einsicht des Predigers Salomo
    Denn der Mensch geht hin zu seinem ewigen Hause, und die Klagenden ziehen umher auf der Straße; – 6 ehe zerrissen wird die silberne Schnur, und zerschlagen die goldene Schale, und zerbrochen der Eimer am Quell, und zerschlagen die Schöpfwelle an der Zisterne; 7 und der Staub zur Erde zurückkehrt, so wie er gewesen, und der Geist zu Gott zurückkehrt, der ihn gegeben hat.
    8 Eitelkeit der Eitelkeiten! spricht der Prediger; alles ist Eitelkeit! 9 Und überdem, daß der Prediger weise war, lehrte er noch das Volk Erkenntnis und erwog und forschte, verfaßte viele Sprüche. 10 Der Prediger suchte angenehme Worte zu finden; und das Geschriebene ist richtig, Worte der Wahrheit.
    Herzliche Grüsse
    Olivier

    Sprüche 4,20-23
    Mein Sohn, merke auf meine Worte, neige dein Ohr zu meinen Reden. Laß sie nicht von deinen Augen weichen, bewahre sie im Innern deines Herzens. Denn Leben sind sie denen, die sie finden, und Gesundheit ihrem ganzen Fleische. – Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens. –

  5. #5
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    AW: Körper, Geist und Seele - Hat der Mensch einen Geist

    Lieber Onur
    Ergänzend zum bereits Gesagten. Unser Geist ist sozusagen die Instanz in unserem biologische geschaffenen Wesen, welche Gott erkennen kann. Dies im Unterschied zum Tier.
    Geist ist nichts biologisches, materielles, irdisch gebundenes, sondern etwas göttliches, ewiges.
    Seele ist dann mehr das was unsere Persönlichkeit ausmacht. Seele und Geist kann man einerseits mancherorts fast synonym gebrauchen, ist aber wiederum auch klar nicht als dasselbe zu unterscheiden.
    Wenn wir versuchen Seele und Geist mit dem Skalpell des eigenen Denkens zu trennen, gehen wir kirre. Deshalb machen wir das nur durch das zweischneidige Schwert Gottes, Sein Wort, genausoweit wie das Wort es in sich macht und glauben es.
    Herzliche Grüsse
    Olivier

    Sprüche 4,20-23
    Mein Sohn, merke auf meine Worte, neige dein Ohr zu meinen Reden. Laß sie nicht von deinen Augen weichen, bewahre sie im Innern deines Herzens. Denn Leben sind sie denen, die sie finden, und Gesundheit ihrem ganzen Fleische. – Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens. –

  6. #6
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    AW: Körper, Geist und Seele - Hat der Mensch einen Geist

    Aus einem Buch von Charles C. Ryrie, "Die Bibel verstehen", Kapitel 32, ab Seite 230
    Ch. C. Ryrie ist zwar Calvinist (!)... dennoch lese ich sein Buch und finde ich seine Ausführungen zu Seele Geist hilfreich.
    Prüfet alles am Wort und behaltet das Gute!


    Wer ist der Mensch?

    I. Das Wesen des Menschen

    a) Einheit in der Zweiheit

    Als Gott Adam erschuf, nahm er Staub vom Erdboden und blies seinen Lebens-
    odem in ihn, um ihn zu einem lebendigen Wesen zu machen (IMo 2,7). Der
    Mensch ist also in zwei Schritten erschaffen und doch eine Einheit, ein Lebewesen.
    Während der stoffliche Anteil dem Ackerboden entnommen war, stammte das Leben
    selbst aus dem Atem Gottes. Der stoffliche und der nichtstoffliche Anteil stel-
    len gemeinsam eine Einheit dar. Der sichtbare Anteil des Menschen besteht aus
    vielen verschiedenen Facetten: Blutgefäßen, Gehirn, Muskeln, Haaren usw. Das
    selbe gilt für den unsichtbaren Anteil: Seele, Geist, Herz, Wille, Gewissen usw.
    Ohne die Einheit des menschlichen Wesens aber könnte ihre Vielfalt nicht funk--
    tionieren. „Aus biblischer Sicht ist der Mensch ein Wesen von großer Vielfalt, den
    noch muß seine Einheit gewahrt bleiben. Diese ist sogar eine besondere Betonung
    der Bibel" (G. C. Berkouwer: Man: The Image of God [Grand Rapids:Eerdmans 1952], S.200).

    An der zweifachen Natur des Menschen besteht kein Zweifel. Der Mensch ist eine
    Einheit aus Materie und Nichtmaterie, wobei beide nicht voneinander geschie-
    den werden können. Der leibliche Tod ist die Trennung von Körper und Geist (Jak2,26).
    Die biblische Dichotomie hat nichts mit der Theorie Piatos zu tun, wonach
    der Körper vergänglich ist, die Seele aber bereits vor ihrer Menschwerdung in der
    reinen Form der Idee in der Himmelswelt existierte, weshalb sie nicht geschaffen
    und unsterblich ist, ein Teil der Gottheit. Die biblische Dichotomie bedeutet gewiß
    nicht, daß der Leib das Gefängnis der Seele wäre, welche beim Tod befreit wird,
    um in die Himmelswelt zurückzukehren oder in einem anderen Körper wieder
    Fleisch zu werden. Die biblische Dichotomie unterscheidet sich radikal vom plato
    nischen Dualismus.


    b) Keine Trichotomie (Dreiteilung)

    Aristoteles entwickelte die Zweiteilung Piatos weiter, indem er die Seele in
    (a) eine Tierseele (den Atem) und
    (b) die Vernunftseele (das Denken) teilte.

    Diese Unterscheidung wurde durch Thomas von Aquin und die römisch
    katholische Kirche weiterentwickelt. Unter dem Einfluß der Griechen meinten
    manche frühchristlichen Autoren, die Trichotomie ließe sich aus mehreren neute-
    stamentlichen Stellen belegen. Mit ihnen schließen sich viele heutige Autoren die
    ser Theorie an.
    Die populäre Trichotomie (der Mensch bestehe aus Körper. Seele und Geist) er-
    hebt den Geist über die Seele und Geist und Seele zusammen über den Körper. Der
    Körper bestimme demnach die Beziehung zu sich selbst, die Seele die Beziehung
    zur Welt, der Geist aber zu Gott. Den Geist und alles Geistliche sollen wir unter-
    stützen, Seele und Leib aber sind verwerflich. Diese Vorrangstellung ist unverein-
    bar mit dem gleichzeitigen Versuch der populären Trichotomie, eine Analogie zwi-
    schen der Dreieinheit Gottes und der Dreiteilung des Menschen zu bilden. Die drei
    Personen der Trinität sind jedenfalls gleichwertig, die Teile des Menschen wären
    dies nicht. Welcher Person der Trinität entspräche dann der Körper? Die Tricho-
    tomie, ob in ihrer populären oder formellen Variante, ist weder logisch noch bi-
    blisch noch durch den Vergleich mit der Trinität zu belegen.
    Wie deuten wir nun die Stellen, die gewöhnlich als Beleg für die Trichotomie
    zitiert werden?

    Hebräer 4,12 scheint die Seele vom Geist zu scheiden und damit die Dreiteilung
    des Menschen zu befürworten. Freilich sagt dieser Vers nicht, das Wort Gottes
    würde Seele und Geist voneinander trennen, es heißt vielmehr, das Wort dringt
    durch, um Seele wie Geist zu eröffnen und damit das Innerste des Menschen bloß
    zulegen. Die Aussage des Verses liegt darin, daß vor dem Wort Gottes nichts ver-
    borgen bleibt.

    Nach 1. Thessalonicher 5,23 scheint der nichtstoffliche Anteil des Menschen aus
    Seele und Geist zu bestehen. Nach dem Trichotomismus bedeuten Geist, Seele und
    Leib in diesem Vers die Teile des Menschen, nach dem Dichotomismus stehen sie
    stellvertretend für den ganzen Menschen. Würden diese drei Ausdrücke die Einzel
    teile des Menschen bedeuten, welche Rolle spielen dann Herz, Sinn, Wille und
    Gewissen? Warum führt Paulus sie in seiner Liste nicht an? Die Betonung dieses
    Verses liegt auf der Vollständigkeit der Heiligung.
    1. Korinther 15,44 scheint eine Unterscheidung zu treffen zwischen dem jetzigen
    (einem seelischen) Leib und dem (geistlichen) Auferstehungsleib. Dies bedeutet
    freilich nicht, der Geist wäre der Seele überlegen. Johannes sieht im Himmel die
    Menschen als „Seelen".(Offb 6,9; 20,4).

    Der Geist kann an der Beschmutzung des Fleisches teilhaben (2Kor 7,1). Nach
    dem Trichotomismus könnten nur Fleisch und Seele beschmutzt werden, nicht aber
    der Geist. Die fleischliche Lust führt Krieg gegen die Seele (IPetr 2,11). Nach der
    Trichotomie müßte das Fleisch gegen den Geist kämpfen oder die Seele gegen den
    Geist. Wie kann der Herr uns gebieten, ihn aus ganzer Seele zu lieben, wenn die
    Seele auf die Weit ausgerichtet ist und nicht auf Gott (Mk 12,30)? Nach der
    Trichotomie müßte hier stehen: „Aus ganzem Geist." Der Geist aber kommt in die
    sem Gebot überhaupt nicht vor. In Hebräer 10,38 wird sogar Gott eine Seele zuge-
    schrieben.

    Der Mensch hat zwei Bereiche: einen stofflichen und einen nichtstofflichen. Je-
    der der beiden ist wieder eine Vielfalt für sich. Die vielen Facetten des stofflichen
    und die vielen Facetten des nichtstofflichen Bereiches ergeben gemeinsam die Ein-
    heit eines Menschen. Der Mensch ist Vielfalt in der Einheit.


    II. Die Vielfalt des unsichtbaren Menschen

    Der Mensch ist wie ein Diamant mit vielen Facetten. Diese Facetten sind keine ge-
    trennten Substanzen, sie sind einzelne Sichtflächen des Ganzen. Sie mögen sich äh-
    neln oder überlappen, dennoch sind sie unterschiedlich. Es sind nicht Teile des
    Ganzen, sondern Facetten, Aspekte, Sichtflächen der Gesamtheit.

    a) Die Seele

    Die Grundbedeutung des hebräischen Wortes nephesch ist „Leben". Es bezeichnet
    den Menschen, wie er ursprünglich als lebendiges Wesen (Seele) geschaffen wurde
    (1.Mo 2,7). Derselbe Begriff wird für andere Lebewesen verwendet (1,20-21.24.30;
    3.Mo 17,11). Beachten wir auch 2. Mose 21,23 und Josua 2,13. In diesem Sinne
    sprechen auch wir von einem Menschen als einer Seele.
    Das Lebensprinzip Seele verläßt beim leiblichen Tod den Körper (1.Mo 35,18; Jer 15,2),
    aber auch der Leichnam wird Seele genannt .(3.Mo 21,11; 4Mo 6,6; 9,6).
    Im Alten Testament führt die „Seele" keine eigene, vom Körper getrennte Existenz,
    womit wieder die Ganzheit des Menschen betont ist. „Bei dieser überaus reichen
    Verwendung von n. [nephesch, Seele] für Leben bleibt zu beachten, daß der n. nie
    die Bedeutung eines im Unterschied zum leiblichen Leben unzerstörbaren Daseins-
    kerns zukommt, der auch getrennt von ihm existieren könnte" (Hans Walter Wolff:
    nthropologie des Alten Testaments [München: Chr. KaiserVerlag 1973], S. 40).

    Die Seele ist auch das Zentrum etlicher geistlicher und gefühlsmäßiger Erlebens-
    formen. Zu diesen gehören Mitgefühl (Hi 30,25); Verzweiflung (Ps 43,5);
    Betrübnis (2Kön 4,27); Haß (2Sam 5,8); Liebe (Hl 1,7; 3,1-4) und Trauer (Jer 13,17).

    Im Neuen Testament wird das Wort Seele (psyche) grundsätzlich ähnlich, doch
    mit einigen Abwandlungen gebraucht. Es bezeichnet den gesamten Menschen
    (Apg 2,41; 27,37), kann aber auch nur den nichtstofflichen Bereich des Menschen
    meinen (Mt 10,28). Es benennt zugleich Menschen im Übergangsstadium zwischen
    Tod und leiblicher Auferstehung (Offb 6,9).

    Die Seele spielt vor allem bei der Erlösung eine wichtige Rolle (obwohl natür-
    lich die Erlösung auch den Leib betrifft). Die wichtigsten Stellen sind Hebräer
    10,39; 13,17; Jakobus 1,21; 1. Petrus 1,9.22; 2,11.25.

    Zusammenfassung: Die Seele kann den ganzen Menschen meinen, lebendig oder
    nach dem Tod; sie kann auch nur den nichtstofflichen Anteil des Menschen be-
    zeichnen, vor allem seine Gefühle und Empfindungen; zugleich ist sie Ansatzpunkt
    für Wiedergeburt und geistliches Wachstum.

    b) Der Geist

    Das Wort Geist (ruach und pneumä) bezeichnet nur den unsichtbaren Anteil des
    Menschen, während die Seele auch den stofflichen Bereich umfassen kann. Der
    Mensch ist eine Seele, er ist aber nie ein Geist - er hat einen Geist.
    Der Geist stammt von Gott, und jeder Mensch hat einen Geist (4.Mo 16,22;
    Hebr 12,9). Es ist nicht biblisch, daß der Mensch keinen Geist hat, ehe er bei der
    Erlösung den Heiligen Geist bekommt.

    (vgl. 1 Kor 2,11; Hebr 4,12; Jak 2,26).
    Der Geist als Facette des nichtstofflichen Menschen ist das Zentrum verschiedener
    Fähigkeiten, Gefühle und Tätigkeiten. Dazu gehören das Denken (Jes 29,24),
    das Erinnern (Ps 77,7), Demut (Mt 5,3), Trauer (IMo 26,35), Betrübnis (Joh 13,21),
    Eifersucht (4.Mo 5,14), Überheblichkeit (Spr 16,18) und Zerknirschtheit (Ps 34,19).

    Weil der Geist falsche Gefühle verursachen kann, müssen wir ihm als
    Christen besondere Aufmerksamkeit zollen (Ps 51,10; 2Kor 7,1).

    Obwohl Seele und Geist dieselben Tätigkeiten und Gefühle umschreiben können,
    scheint ein Unterschied und sogar Gegensatz zwischen Seele und Geist zu be-
    stehen, vor allem bei Paulus. Darum betont er das Geistliche so stark (IKor 2,14;
    3,1; 15,45; Eph 1,3; 5,19; Kol 1,9; 3,16). Wie läßt sich das erklären? „Als Paulus
    Christus fand, wurde die Gotteserfahrung für ihn zum bestimmenden Faktor, nicht
    nur für sein Gottesbild, sondern für sein gesamtes Leben. Weil Paulus Jude war,
    prägte und beeinflußte seine Haltung zu Gott jeden seiner Gedanken. In seiner
    christlichen Erfahrung wurde die psyche, seine rein menschliche Lebenshaltung,
    unwesentlich; das pneuma dagegen, das seinen Ursprung bei Gott hat und dem
    Menschen eingepflanzt wurde, erhielt zentrale Bedeutung. Der Schlüssel zum Ver-
    ständnis liegt darin, daß Paulus das Wort psyche kaum verwendet ... Seine Er-
    kenntnis des Heiligen Geistes wurde zum Fundament seiner Anthropologie, womit
    das pneuma die Führungsrolle erhielt" (W. David Stacey: The Pauline View of Man
    [London: Macmillan 1956], S 126-127).

    Zusammenfassung:
    Der Geist bezeichnet nicht den gesamten Menschen, sondern
    seinen nichtstofflichen Anteil mit verschiedenen Funktionen und Empfindungen.
    Im paulinischen Denken erhält das geistliche Leben den absoluten Vorrang.


    c) Das Herz

    Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament nimmt das Herz eine wesentliche
    Stellung ein. Es kommt etwa 955mal vor und steht für Zentrum und Sitz des Lebens,
    sowohl des leiblichen als auch des seelischen. Nur relativ selten ist das
    Körperorgan Herz gemeint (2.Sam 18,14; 2Kön 9,24).
    Weit häufiger bezieht es sich auf den inneren Menschen,
    die Quintessenz der vielen Persönlichkeits-Facetten.

    Folgende Bedeutungen sind die häufigsten:
    1. Das Herz als Sitz der Vernunft. Das Herz kann erkennen (5Mo 8,5) und die
    Kenntnis des Wortes Gottes bewahren (Ps 119,11), es ist die Quelle böser Gedan-
    ken und Handlungen (Mt 15,19-20), es schmiedet Gedanken und Pläne (Hebr 4,12),
    es kann trügerisch sein (Jer 17,9).
    2. Das Herz als Sitz des Gefühlsiebens. Das Herz liebt(5.Mo 6,5), es ist Ursprung
    von Selbstvorwurf (Hi 27,6), es freut sich und ist fröhlich (Ps 104.15; Jes 30,29),
    es kann trauern (Neh 2,2; Rom 9,2), es hegt Wünsche und Begierden (Ps 37,4), es
    kann erbittert sein (73,21).
    3. Das Herz als Sitz des Willens. Das Herz sucht (5Mo 4.29), es kann sich gegen
    jemanden wenden (2Mo 14,5), es kann verstockt sein (8.15; Hebr 4,7), es kann sich
    entscheiden(2.Mo 7,22-23), es kann unbeschnitten sein (Jer 9,25; Apg 7,51).
    4. Das Herz als Sitz des geistlichen Lebens. Mit dem Herzen glaubt der Mensch
    zur Errettung (Rom 10,9-10). Im Herzen des Gläubigen wohnt der Vater (1.Petr.
    3,15), der Sohn (Eph 3,17), und der Heilige Geist (2Kor 1.22). Das gläubige Herz
    soll rein sein (ITim 1,5; Hebr 10,22) und sich beschneiden lassen(Rom 2,29).


    d) Das Gewissen

    Das Gewissen ist jene innere Stimme, die den Menschen dazu drängt, zu tun, was
    er für richtig hält. Das Gewissen sagt uns nicht, was richtig und falsch ist.
    Es treibt uns nur, das in unseren Augen Richtige zu tun. Man kann mit gutem
    Gewissen etwas Falsches tun, weil man richtig und falsch verwechselt hat (Apg 23,1).

    Das Gewissen kommt nur im Neuen Testament vor. Seine Funktionen werden im
    Alten Testament dem Herzen zugeschrieben (z. B. ISam 24.6; Hi 27.6).
    Im Neuen Testament begegnen wir dem Gewissen am häufigsten in den Paulusbriefen.
    Johannes verwendet ebenfalls das Wort Herz (siehe 1 Jo 3,19-21).
    Das Gewissen des Unerlösten kann ihm Zeugnis für die Wahrheit geben (Job 8,9;
    Rom 2,15). Es kann aber auch ein falscher Führer sein, obwohl dies für den
    Betreffenden nicht erkennbar ist (Apg 23,1; ITim 4,2; Tit 1,15; Hebr 10,22).
    Das Gewissen ist wie eine Alarmanlage mit Wackelkontakt. Es mag ihren Zweck
    erfüllen, ist aber nicht verläßlich.
    Das Gewissen des Christen überredet ihn in verschiedenen Lebensbereichen, das
    Rechte zu tun.
    (1) Es drängt ihn dazu, der Regierung gehorsam zu sein (Rom 13,5).
    (2) Es treibt ihn dazu, einen ungerechten Arbeitgeber zu ertragen (IPetr 2,19).
    (3) Das Gewissen eines schwachen Bruders, das ihm nicht gestattet, Götzenop
    ferfleisch zu essen, muß vom starken Bruder respektiert werden (IKor 8,7.10.12).
    (4) Das Gewissen wird als Zeuge für die Tiefe und Wahrhaftigkeit unserer geist-
    lichen Hingabe beschworen (Röm 9,1; 2Kor 1,12; 4,2).


    e) Sinn, Gesinnung und Verstand

    Wie das Gewissen gehört die Gesinnung vor allem ins Neue Testament. Im Alten
    Testament wird sie wieder durch das Herz vertreten. Sinn, Gesinnung und Vernunft
    umfassen Wahmehmungs- und Verständnisgabe, Gefühle sowie Urteils- und Ent-
    scheidungsvermögen. phroneo, nous und synesis sind die wichtigsten neutesta-
    mentlichen Wörter.

    Der Sinn des Unerlösten ist verworfen(Rom 1,28), nichtig (Eph 4,17), befleckt (Tit
    1,15), verblendet (2Kor 4,4) und verfinstert (Eph 4,18). Außerdem fehlt dem Un-
    gläubigen die Unterscheidungsgabe, die als synesis bezeichnet wird (Rom 3,11).

    Der Verstand des Gläubigen ist besonders wichtig für sein geistliches Wachstum.
    Gott verwendet ihn, um seine Wahrheit kundzutun (Lk 24,45; IKor 14,14-15). Ein
    gottgeweihtes Leben braucht einen erneuerten Sinn (Rom 12,2). Sinn und Verstand
    dienen dazu, in Zweifelsfragen Entscheidungen zu treffen (14,5), nach Heiligkeit zu
    streben (IPetr 1,13), den Willen des Herrn zu verstehen (Eph 5,17) und den Herrn
    zu lieben (Mt 22,37). Jeder unserer Gedanken muß unter den Gehorsam Christi ge-
    fangengenommen werden (2Kor 10,5).


    f) Das Fleisch

    Zwar bedeutet Fleisch auch Muskelgewebe (Lk 24,39) oder den stofflichen Anteil
    des Menschen (IKor 15,39; Hebr 5,7), als Facette des unsichtbaren Wesens bedeu-
    tet es aber die Neigung zu Sünde und Gottfeindlichkeit (Rom 7,18; IKor 3,3; 2Kor
    1,12; Gal 5,17; Kol 2,18; 2Petr 2,10; IJo 2,16). Das Fleisch versucht Gläubige wie
    Ungläubige in seine Gewalt zu bekommen.


    g) Der Wille

    Die Bibel hat wesentlich mehr über den Willen Gottes als den des Menschen zu sa-
    gen, und selbst das wenige, was sie sagt, ist unsystematisch. Der Wille des Gläubi-
    gen kann auf das Richtige oder deis Falsche gerichtet sein (Rom 7,15-25; ITim 6,9;
    Jak 4,4). Vielleicht ist der Wille eher eine Ausdrucksform der anderen Persönlichkeits-
    Facetten, nicht ein eigener Bereich des menschlichen Wesens.
    Dies sind die Facetten des unsichtbaren Anteils des Menschen, durch den er sich
    selbst ehren oder aber den Herrn verherrlichen und ihm dienen kann.
    Herzliche Grüsse
    Olivier

    Sprüche 4,20-23
    Mein Sohn, merke auf meine Worte, neige dein Ohr zu meinen Reden. Laß sie nicht von deinen Augen weichen, bewahre sie im Innern deines Herzens. Denn Leben sind sie denen, die sie finden, und Gesundheit ihrem ganzen Fleische. – Behüte dein Herz mehr als alles, was zu bewahren ist; denn von ihm aus sind die Ausgänge des Lebens. –

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