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Thema: 3 Farben

  1. #1
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    3 Farben

    Liebe Freunde
    Ein Prophet erblickte sie hinter immergrünen Sträuchern, es gibt sie in drei Farben und sie sind ein Symbol für je eine Nation. Wer ist dieser Prophet und wer sind „sie“?
    Liebe Grüsse
    Martin
    Im Herrn Jesus Christus
    Martin Wy

  2. #2
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    AW: 3 Farben

    Lieber Martin
    Du musst helfen.
    Herzliche Grüsse
    Hans Peter

    1. Mo 15,6 Und er glaubte Jehova; und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit.
    ===
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  3. #3
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    AW: 3 Farben

    Liebe Freunde
    Ich habe dabei an diesen Vers (weil ich gerade in diesem Buch der Schrift zu Lesen begonnen habe) gedacht:

    Sacharja 1.8
    Ich schaute des Nachts, und siehe, ein Mann, der auf einem roten Rosse ritt; und er hielt zwischen den Myrten, welche im Talgrunde waren, und hinter ihm waren rote, hellrote und weiße Rosse

    Hoffe, das war ein Rätsel und nicht ein Ärgernis...

    Liebe Grüsse
    Martin
    Im Herrn Jesus Christus
    Martin Wy

  4. #4
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    AW: 3 Farben

    Lieber Martin,
    spannend gut ausgedrückt.

    Prophet: Sacharja
    Sie: Rosse
    Strauch: Myrte

    Welche Nationen sind symbolisch gemeint? Was bedeuten die Farben?
    Weiß ich nicht.
    Liebe Grüße

    Matthias

  5. #5
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    13.011

    AW: 3 Farben

    Lieber Martin
    vielen Dank
    an welche Nationen denkst Du?

    Grüsse mir auch bitte Micha Peleg und natürlich alle Deine Angehörigen!
    Herzliche Grüsse
    Hans Peter

    1. Mo 15,6 Und er glaubte Jehova; und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit.
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  6. #6
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    AW: 3 Farben

    Der Mann zwischen den Myrten

    „Ich schaute in der Nacht, und siehe, ein Mann, der auf einem roten Pferd ritt; und er hielt zwischen den Myrten, die im Talgrund waren“ (Sach 1,8).

    Im Propheten Sacharja stoßen wir immer wieder auf Christus. In den ersten Kapiteln sind es eher versteckte Hinweise. Dann, im Verlauf des Buches, tritt der verheißene Messias immer wieder und immer deutlicher hervor. Sacharja teilt uns mehr über Ihn mit als alle anderen kleinen Propheten zusammen. In diesem Artikel befassen wir uns mit dem ersten Beispiel, dem Mann zwischen den Myrten.

    Nun hängt die Art und Weise, in der Propheten über den Herrn Jesus sprachen, oft mit den Umständen derer zusammen, unter denen sie wirkten (denn Prophezeiung soll ja gerade auf den jeweiligen Herzenszustand der Empfänger einwirken). Daher sollten wir uns kurz die Situation des Volkes Gottes zur Zeit Sacharjas vergegenwärtigen

    .
    Die Zeit Sacharjas: kein Mangel an Herausforderungen

    Sacharja lebte und wirkte nach der babylonischen Gefangenschaft. Kores hatte 538 v. Chr. dazu aufgerufen, den Tempel Gottes in Jerusalem wieder aufzubauen. Eine kleine Minderheit von etwa 43.000 Juden war diesem Aufruf gefolgt und hatte bereits mit dem Bau begonnen, dann aber über mehrere Jahre ihre Arbeit niedergelegt – bis zum zweiten Jahr des medo-persischen Königs Darius (Esra 4,24). Das war das Jahr, in dem Sacharja seine erste uns überlieferte Botschaft aussprach (Sach 1,1). Nun wurde die Arbeit wieder aufgenommen, und sie gelang auch, und zwar gerade durch den Dienst Sacharjas und seines Zeitgenossen Haggai (Esra 6,14). Es ist schön zu sehen, dass diese beiden Propheten so erfolgreich zusammenarbeiteten, obwohl ihr Stil so verschieden war:

    • Haggai sprach das Gewissen des Überrests an. Er nahm kein Blatt vor den Mund. Er wollte aufrütteln. Mit klaren und sehr direkten Ermahnungen weckte er sie aus ihrer Lethargie: „Richtet euer Herz auf eure Wege“, etc. Darüber hinaus ermutigte er sie, indem er auf die zukünftige Herrlichkeit des Hauses hinwies, an dem sie bauten (Hag 2,9).
    • Sacharjas Dienst hatte einen ganz anderen Charakter. Er sah Nachtgesichte und schilderte – oft in symbolischer Sprache -, wie Gott sich wieder über Jerusalem erbarmen würde. Dazu sprach er immer wieder von Christus, von seinem Kommen (z. B. Sach 9,9) und Leiden (Sach 11-13) und von seiner heute noch zukünftigen Erscheinung (Sach 13 und 14).

    Zur Zeit Sacharjas gab es viele noch ungelöste Probleme: Gott erkannte Israel nicht mehr als sein Volk an. Sie waren Lo-Ammi (Hos 1,9) und hatten keinen König mehr. Zeitangaben richteten sich nach den Königen der Nationen. Sie waren wenige und ihre Geschichte war traurig: Gott hatte sie bestrafen müssen (vgl. Sacharjas erste Botschaft in Kapitel 1,2-6). Auch hatten sie keinen sichtbaren Beweis der Gegenwart Gottes. Gott hielt zwar immer noch alles in seiner Hand, bewegte sich aber hinter den Kulissen.

    Dieser Hintergrund hilft uns zu verstehen, warum das in Sacharja 1 berichtete Gesicht, das den Mann zwischen den Myrten vorstellt, so trostreich war.

    Ein wichtiges Jahr

    „Am vierundzwanzigsten Tag, im elften Monat, das ist der Monat Schebat, im zweiten Jahr des Darius, erging das Wort des HERRN an Sacharja, den Sohn Berekjas, des Sohnes Iddos, den Propheten, indem er sprach …“ (V. 7).Das zweite Jahr des Königs Darius war äußerst ereignisreich gewesen, besonders was prophetische Mitteilungen anging:
    • 6. Monat, 1. Tag: Haggai spricht seine erste Botschaft aus (Hag 1,1)
    • 6. Monat, 24. Tag: Der Bau des Hauses wird wieder aufgenommen (Hag 1,15)
    • 7. Monat, 21. Tag: die zweite Botschaft Haggais (Hag 2,1)
    • 8. Monat: die erste Botschaft Sacharjas (Sach 1,1)
    • 9. Monat, 20. Tag: die dritte Botschaft Haggais (Hag 2,10)
    • 9. Monat, 24. Tag: die vierte Botschaft Haggais (Hag 2,20)
    • 11. Monat, 24. Tag: die zweite Botschaft Sacharjas (Sach 1,7).

    Diese dichte Abfolge von Prophezeiungen gerade im Jahr der Wiederaufnahme der Arbeit zeigt uns, wie wichtig der prophetische Dienst ist. Dazu wird klar, dass die nun folgende Botschaft des Trostes erst ausgesprochen werden konnte, nachdem die Juden ihre Haltung geändert hatten und wieder fleißig ihrer noblen Aufgabe nachgingen.

    Die Begegnung im Tal

    „Ich schaute in der Nacht, und siehe, ein Mann, der auf einem roten Pferd ritt; und er hielt zwischen den Myrten, die im Talgrund waren, und hinter ihm waren rote, hellrote und weiße Pferde. Und ich sprach: Mein Herr, wer sind diese? Und der Engel, der mit mir redete, sprach zu mir: Ich will dir zeigen, wer diese sind. Und der Mann, der zwischen den Myrten hielt, antwortete und sprach: Diese sind es, die der HERR ausgesandt hat, um die Erde zu durchziehen. Und sie antworteten dem Engel des HERRN, der zwischen den Myrten hielt, und sprachen: Wir haben die Erde durchzogen, und siehe, die ganze Erde sitzt still und ist ruhig“ (V. 8-11).

    In seinem ersten Nachtgesicht sieht der Prophet einen Mann, der auf dem roten Pferd reitet und dann zwischen Myrten anhält. Ein Blick auf Vers 11 zeigt uns, dass es sich dabei um keinen anderen als den Engel des HERRN handelte. Er wird klar von dem „Engel“ unterschieden, der mit Sacharja redete und bestimmte Erklärungen abgab (V. 9.14). Wir wissen aus anderen Stellen, dass der Herr Jesus vor seiner Menschwerdung verschiedenen Personen als Engel des HERRN erschienen war (s. z. B. 2. Mo 3,2-18; Ri 6,11-22 und 13,3-21). Im Verlauf unseres Abschnitts werden wir mehrere Umstände entdecken, die diese Sichtweise bestärken.

    Der Ort, an dem der Reiter anhält, ist interessant: zwischen den Myrten, und zwar im Tal. Myrten sind immergrüne Bäume oder Sträucher, die prächtig blühen und angenehm duften. Sie kommen noch an drei anderen Stellen im Alten Testament vor. Aus diesen Versen können wir die schöne Bedeutung dieser Pflanzen erkennen:


    • Jesaja teilt uns mit, dass Gott folgende Verheißungen gab: „Ich werde Zedern in die Wüste setzen, Akazien und Myrten und Olivenbäume, werde in die Steppe pflanzen Zypressen“; und: „Statt der Dornsträucher werden Zypressen aufschießen, und statt der Brennnesseln werden Myrten aufschießen. Und es wird dem Herrn zum Ruhm, zu einem ewigen Denkzeichen sein, das nicht ausgerottet wird“ (Jes 41,19 und 55,13). In der ersten Stelle geht es darum, dass diese immergrüne Pflanze einmal wachsen wird, wo es bisher nur Wüste gab. Die zweite Stelle betont den Charakter des Segens im Gegensatz zum Fluch, dessen Folge die Dornen ja waren.
    • In Nehemia 8 verwenden die Juden unter anderem Myrtenzweige, um das Laubhüttenfest zu feiern, das ja von der Zeit des Segens und der Freude im 1000-jährigen Reich spricht.

    Damit wird klar, dass Myrten in der Bibel mit Segen und Wiederherstellung zusammenhängen. Der Umstand, dass der Engel des HERRN erscheint und zwischen den Myrten hält, lässt schon vermuten, dass der junge Prophet mit einer ermutigenden Botschaft rechnen darf. Wir werden sehen, dass das tatsächlich der Fall ist: Sacharja darf „gute Worte, tröstliche Worte“ hören (V. 13).

    Allerdings standen diese Myrten „im Talgrund“. Das Wort, das hier benutzt wird, kommt sonst im Alten Testament so nicht vor, bedeutet[1] aber so viel wie „niedriger Punkt“, „Tal“ oder auch „Schatten“, vermutlich deshalb, weil Täler oder niedrig gelegene Orte viel länger im Schatten liegen als Bergspitzen. Die Bedeutung „Tiefe“ oder „tief gelegener Punkt“ wird auch dadurch gestützt, dass ein verwandtes Wort die Tiefe des Meeres bezeichnet (11x im AT, z.B. in 2. Mo 15,5; Ps 69,16; Jona 2,4; Mich 7,19). Das Volk Israel befand sich an einem der Tiefpunkte seiner nationalen Geschichte. Aber der Mann auf dem roten Pferd kommt bis in den Talgrund und bringt gerade dort eine Botschaft des Trostes. Der Herr blickt „auf den Elenden“ und wohnt „bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen“ (Jes 57,15; 66,2). Das gilt auch heute noch.

    Der Mann ritt auf einem roten Pferd. Pferde stehen in der Bibel für Macht, insbesondere militärische Macht. Viel spricht dafür, in diesen Pferden – wie auch in Kapitel 6,1-8 – ein Bild der vier Weltreiche[2] zu sehen, von denen Daniel schon gesprochen hatte (Dan 2 und 7). Aus der Sicht eines treuen Juden waren diese Weltreiche mehr als nur Störfaktoren. Es waren Mächte, die dem Volk Israel in vieler Hinsicht weit überlegen waren und unter denen es für sie viele Feinde gab. Sie hatten das Heiligtum Gottes und die „Stadt des großen Königs“ zerstört. Aber hier lernen wir die tröstliche Wahrheit, dass selbst diese Weltreiche nicht willkürlich handeln konnten, sondern von Gott gesteuert werden: „Diese sind es, die der HERR ausgesandt hat, um die Erde zu durchziehen“ (V. 10).

    Wenn wir Christus in diesem Engel des HERRN entdecken, ergibt sich ein schönes und in der Tat tröstliches Bild: Er hat und behält die Kontrolle über diese Reiche. Er sitzt auf dem roten Pferd, das heißt, Er lenkt und kontrolliert es, und die anderen Pferde folgen. Wenn auch noch mehrere Jahrhunderte vergehen mussten, bevor Er tatsächlich als Messias zu seinem Volk kommen würde (und noch viele Jahrhunderte mehr, bevor Er diese Reiche endgültig richten würde), war Er doch schon jetzt derjenige, der den Lauf der Weltgeschichte kontrollierte.

    Die Fürsprache und die Antwort

    Allerdings schien es den Nationen sehr gut zu gehen. Sie hatten Ruhe. Sie sagen: „Wir haben die Erde durchzogen, und siehe, die ganze Erde sitzt still und ist ruhig“ (V. 11). Es gab auch nicht das geringste Anzeichen, dass sich an ihrer Machtposition etwas ändern würde. Doch vernimmt Sacharja noch einmal die Stimme des Engels des HERRN:

    Da hob der Engel des HERRN an und sprach: HERR der Heerscharen, wie lange willst du dich nicht über Jerusalem und die Städte Judas erbarmen, auf die du zornig warst diese siebzig Jahre?“ (V. 12).

    Hier sehen wir Christus als Fürsprecher. Er verwendet sich bei Gott für das Volk. Natürlich weiß Er, was Gott tun wird und wann, aber Er drückt aus, was die Treuen in Gottes Volk empfinden. Diese Tatsache erinnert uns daran, dass der Herr sich auch für uns verwendet, das heißt, dass Er uns vertritt und unsere Angelegenheiten vor Gott bringt (Röm 8,34 und Heb 7,25).

    „Und der HERR antwortete dem Engel, der mit mir redete, gute Worte, tröstliche Worte. Und der Engel, der mit mir redete, sprach zu mir: Rufe aus und sprich: So spricht der Herr der Heerscharen: Ich habe mit großem Eifer für Jerusalem und für Zion geeifert“ (V. 13.14).

    Die Fürsprache des Engels des HERRN bleibt nicht ohne Wirkung. Sacharja hört nun „gute Worte, tröstliche Worte“, das heißt Worte, die die Güte Gottes zeigen und gleichzeitig Trost bringen. Der Engel des HERRN hatte sich an den HERRN der Heerscharen, das heißt an den Gott, dem gewaltige Armeen unterstehen, gewandt, aber die Antwort kam von dem HERRN (Jehova).

    Diese Antwort, die zuerst einmal an den Engel gerichtet wurde, der mit Sacharja sprach, zeigt, dass der äußere Anschein der Dinge nur trügen konnte: Es sah so aus, als sei Gott auf der Seite der Nationen. Nun darf Sacharja hören, dass es sich in Wirklichkeit ganz anders verhielt: Für eine Weile ließ Gott diese Weltreiche gewähren (V. 11), aber in Wirklichkeit war Er zornig auf sie gewesen diese 70 Jahre (V. 14.15). Und Jerusalem war Ihm absolut nicht gleichgültig: Er „eiferte mit großem Eifer“ für diese Stadt. Er hatte beschlossen, dass sein Haus dort wieder gebaut werden sollte und die Stadt und das Volk wieder gesegnet werden sollten. Dieses Gesicht von dem Mann zwischen den Myrtenbäumen musste eine gewaltige Ermutigung sein.

    Eine Botschaft des Trostes

    Diese Tatsache, nämlich dass Gott in Wirklichkeit Erbarmen für Jerusalem hat, aber zornig auf die Nationen ist, ergibt eine gewaltige Schlussfolgerung, die mit dem Wort „darum“ eingeleitet wird.

    „ Darum, so spricht der HERR: Ich habe mich Jerusalem mit Erbarmen wieder zugewandt; mein Haus, spricht der HERR der Heerscharen, soll darin gebaut und die Mess-Schnur über Jerusalem gezogen werden. Rufe ferner aus und sprich: So spricht der HERR der Heerscharen: Meine Städte sollen noch überfließen von Gutem; und der HERR wird Zion noch trösten und Jerusalem noch erwählen“ (V. 16.17).

    Der erste Teil dieser Antwort (V. 16a) bezieht sich auf das, was schon zur Zeit Sacharjas zutraf: Gott hatte sich bereits über Jerusalem erbarmt. Dann folgt der Hinweis auf den Bau seines Hauses und die Mess-Schnur. Einerseits wurde der Bau schon durchgeführt; andererseits wird es einen zukünftigen Bau geben, wo auch die Mess-Schnur, das Zeichen des aufmerksamen Interesses Gottes an diesem Ort, wieder benutzt werden wird (vgl. Hes 40,3 ff.; Off 11,1.2; Sach 4,8-10). Insofern hat Vers 16b eine doppelte Anwendung. Aber der restliche Teil der Antwort (V. 17) hat eine rein zukunftsbezogene Bedeutung, denn zu Lebzeiten Sacharjas konnte davon, dass Gottes „Städte noch von Gutem überfließen“ würden, nicht die Rede sein. Bevor Gott sein Erbarmen vollständig und endgültig erweisen konnte, musste erst der Messias kommen und leiden und sterben und schließlich von einem (auch heute noch zukünftigen) Überrest des Volkes unter Buße angenommen werden. Diese Auffassung, dass Vers 17 auf die damals noch ferne Zukunft abzielt, wird durch die einleitenden Worte „Rufe ferner aus und sprich“ gestützt. Außerdem ändert sich nun die Ausdrucksweise: Während es in Vers 16 einfach hieß, „soll gebaut werden“, lesen wir in Vers 17 dreimal, dass etwas „noch“ geschehen soll oder wird. Auch dieser Umstand deutet darauf hin, dass es zurzeit zwar noch nicht der Fall war, aber dennoch einmal geschehen würde. Drittens wird es durch den Zusammenhang unterstrichen, denn die Rückkehr aus Babylon kann hier nicht gemeint sein (sie war bereits geschehen) und es ging ja gerade darum, dass die Nationen noch herrschten, dass Jerusalem noch in Trümmern lag und Israel keinen König hatte, sondern den Weltreichen unterstand. Das wird sich erst dann ändern, wenn der „Stein“ aus Daniel 2 das Bild Nebukadnezars schlägt, das heißt, wenn Christus in Macht und Herrlichkeit erscheint.

    Wenn die Prophetie Ereignisse vorstellt, die noch in ferner Zukunft liegen, dann soll das immer eine Auswirkung in der Gegenwart haben. So auch hier. Die glühenden Voraussagen über den zukünftigen Segen Jerusalems dienen dazu, den Überrest zur Zeit Sacharjas zu ermutigen.

    Alle diese Aussagen, ob in Bezug auf Gegenwart oder ferne Zukunft, waren eine Antwort auf die Fürsprache des Mannes zwischen den Myrtenbäumen im Tal. Er war derselbe, der auch heute noch in unsere Umstände hineinkommt und Fürbitte für uns tut – und zwar nicht mehr als Engel des HERRN, sondern als nach vollbrachtem Erlösungswerk verherrlichter Christus zur Rechten Gottes!

    Zusammenfassung:
    Sacharja spricht auffallend oft von Christus. Im ersten Kapitel sieht er Ihn in einem Gesicht als einen Mann, der auf einem roten Pferd reitet und zwischen den Myrten im Tal anhält. Myrten sprechen von Wiederherstellung und Segen. Der Mann ist Christus, der als Engel des Herrn beschrieben wird. Er wendet sich an Gott, und zwar in Fürsprache für Jerusalem. Als Antwort darauf hört Sacharja tröstende Worte. Auch heute noch kommt der Herr Jesus zu uns ins Tal. Er ist unser Fürsprecher, und Gott antwortet mit Trost und Ermutigung.

    Fußnoten:
    • Wilson’s Word Studies.
    • Bzw. die Mächte oder „Geister“, von denen sie angetrieben und geführt werden (s. Fußnote zu Kapitel 6,5 und vgl. Dan 10,13: Offensichtlich stehen hinter den Weltreichen Mächte, die Gott in seiner Vorsehung benutzt).

    Michael Hardt
    Einordnung: Im Glauben leben, Jahrgang 2018, Heft 8, Seite 12Bibelstellen: Sacharja 1,7-12.16.17;Stichwörter: Botschaft, Myrte, Sacharja, Trost
    Herzliche Grüsse
    Hans Peter

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  7. #7
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    AW: 3 Farben

    Vielen lieben Dank für obigen Artikel, das ist sehr hilfreich und bereichernd.
    Ich versuche das Buch / den Propheten Sachjara mal mit einer „anderen / neuen“ Brille zu lesen und halte mich noch ein wenig zurück wer denn nun die Nationen sind. Die Datierungen machen es eigentlich straight, einfach. Ich suche und vergleiche (Idee, Ansatr, Versuch) dazu das Geschriebene im Buch Daniel, das braucht Zeit.
    Liebe Grüsse
    Martin
    Im Herrn Jesus Christus
    Martin Wy

  8. #8
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    Sacharja (F. Duane Lindsey)

    EINLEITUNG

    In einer oft zitierten Äußerung nannte George L. Robinson das Buch Sacharja "die messianischste, apokalyptischste und eschatologischste aller Schriften des Alten Testaments" ( International Standard Bible Encyclopedia . Grand Rapids: Wm. B. Eerdmans Publishing Co., 1956, 5,136). Diese Betonung des messianischen Aspekts ist sicherlich eine Erklärung dafür, daß Sacharja im Neuen Testament so häufig zitiert wird. So zählen Nestle und Aland 41 Zitate und Anspielungen (Eberhard Nestle und Kurt Aland, Hrsg., Novum Testamentum Graece . New York: American Bible Society, 1950, S. 670 - 671).
    Der Prophet Sacharja

    Der nachexilische Prophet Sacharja kam in Babylon zur Welt. Er war ein in Babylon geborener Levit ( Neh 12,1.16 ), ein Sohn des Berechja und Enkel des Priesters Iddo ( Sach 1,1 ). Esra und Nehemia nannten ihn einen "Sohn Iddos" ( Esr 5,1; Esr 6,14 ; vgl. Neh 12,4.16 ), was vielleicht darauf hindeutet, daß Sacharjas Vater früh starb, so daß Sacharja die Nachfolge seines Großvaters antrat (vgl. Neh 12,4.16 ). Sacharja war also, wie schon vor ihm Jeremia und Hesekiel, Prophet und Priester. Sein Name, den außer ihm noch 30 andere Personen des Alten Testaments tragen, bedeutet "Jahwe gedenkt".
    Sacharja, ein Zeitgenosse des Propheten Haggai, des Statthalters Serubbabel und des Hohenpriesters Jeschua ( Esr 5,1-2; Sach 3,1; 4,6; 6,11 ), war zusammen mit etwa 50 000 anderen jüdischen Exilanten aus Babylon nach Jerusalem zurückgekehrt. Als er sein Prophetenamt antrat, war er wahrscheinlich noch ein relativ junger Mann (vgl. Sach 2,8 ), im Gegensatz zu Haggai, der wohl bereits ziemlich betagt war.
    Der historische Hintergrund Die Eroberung Jerusalems durch die Truppen Nebukadnezars im Jahr 586 v. Chr. bedeutete das Ende des Königreiches Juda, so wie die frühere Niederlage gegen die Assyrer im Jahr 722 v. Chr. zum Untergang des Nordreichs Israel geführt hatte.
    Die meisten Einwohner Jerusalems wurden, wie der Prophet Jeremia geweissagt hatte ( Jer 25,11; 29,10 ), nach Babylon deportiert, wo sie 70 Jahre im Exil lebten.
    In der Zeit des Exils wurde dem Propheten Daniel offenbart, daß so lange heidnische Könige über Juda und Israel herrschen sollten, bis Gott sein Königreich auf Erden unter der Herrschaft des Messias errichten werde ( Dan 2;7 ).
    Jesus Christus bezeichnete diese Periode in der jüdischen Geschichte als die "Zeiten der Heiden" ( Lk 21,24 ).
    Als das babylonische Reich an die Perser gefallen war (539 v. Chr.), erließ Kyrus der Große ein Dekret, in dem er den Juden die Rückkehr nach Jerusalem und den Wiederaufbau des Tempels gestattete ( Esr 1,2-4 ; vgl. Jes 44,28 ).
    Doch nur eine kleine Minderheit von ungefähr 50 000 Juden (darunter auch Haggai und Sacharja) machte sich dann - unter der Führung des Statthalters Serubbabel und des Hohenpriesters Jeschua - tatsächlich auf den Heimweg ( Esr 2 ). In Jerusalem wurden schon bald, auf einem neu erbauten Altar für Brandopfer, die levitischen Opferungen wieder aufgenommen ( Esr 3,1-6 ), und im zweiten Jahr der Rückkehr wurde dann der Grundstein für den Tempel gelegt ( Esr 3,8-13; 5,16 ). Äußerer Druck und innere Niedergeschlagenheit brachten die Bautätigkeit jedoch rasch zum Erliegen - für nahezu 16 Jahre. Diese Zeit religiöser Apathie hielt bis zur Regierungszeit des persischen Königs Darius Hystaspes (522 - 486 v. Chr.) an. Im zweiten Regierungsjahr von Darius (520 v. Chr.) schickte Gott den Propheten Haggai, der die Juden zum Weiterbau ermutigen sollte ( Esr 5,1-2; Hag 1,1 ). Haggai hielt in vier Monaten vier Ansprachen und verschwand dann wieder vom Schauplatz der Geschichte. Zwei Monate nach der ersten Botschaft Haggais trat der Prophet Sacharja sein Amt an (vgl. Hag 1,1; Sach 1,1 ). Auch er machte den Menschen Mut zu einem religiösen Neuanfang und motivierte sie zur Weiterarbeit am Tempel, indem er ihnen Gottes Pläne für Israels Zukunft verkündigte. Solchermaßen unterstützt, konnte Israel den fertiggestellten Tempel im Jahr 515 v. Chr. einweihen ( Esr 6,15 ). Die Prophezeiungen Sacharjas, die mit genauen Daten versehen sind, fallen in die Zeit der Arbeit am Tempel. Die undatierten Teile ( Sach 9-14 ) stammen wahrscheinlich aus einer späteren Zeit.
    Die folgende Tabelle enthält eine Gegenüberstellung der wichtigsten Daten der Amtszeiten Haggais und Sacharjas (vgl. die Tabelle "Chronologie der nachexilischen Propheten" bei Esr 1,1 ). Wichtige Ereignisse zur Zeit Haggais und Sacharjas
    29. August 520 v. Chr. Haggais erste Predigt ( Hag 1,1-11; Esr 5,1 )
    21. September 520 Wiederaufnahme des Tempelbaus ( Hag 1,12-15; Esr 5,2 )
    17. Oktober 520 Haggais zweite Predigt ( Hag 2,1-9 )
    Oktober/November 520 Beginn des Dienstes von Sacharja ( Sach 1,1-6 )
    18. Dezember 520 Haggais dritte und vierte Predigt ( Hag 2,10-23 )
    15. Februar 519 Sacharjas achte Vision ( Sach 1,7- 6,8 )
    7. Dezember 518 Delegation aus Bethel ( Sach 7 )
    12. März 515 Tempeleinweihung ( Esr 6,15-18 )
    Die Einheit des Buches Sacharja

    Zweifel an der Einheit des Buches wurden zum ersten Mal laut, als einige Forscher die Kapitel 9 - 14 einem vorexilischen Autor wie Jeremia zuschrieben (vgl. Sach 11,12-13; Mt 27,9-10 ). Die Mehrheit der Kritiker plädierte jedoch im allgemeinen dafür, daß die Kapitel lange nach Sacharja entstanden (ungefähr im 3. Jahrhundert v. Chr.). Die Argumente für eine spätere Datierung stützen sich dabei vor allem auf stilistische Unterschiede und angebliche historische Diskrepanzen. Diese Argumente wurden jedoch von den Anhängern der konservativen Bibelforschung weitgehend widerlegt, die den Nachweis führten, daß das ganze Buch Sacharja wirklich von einem einzigen Propheten geschrieben wurde (z. B. Hobart E. Freeman, An Introduction to the Old Testament Prophets . Chicago: Moody Press, 1968, S. 337 - 344; Merrill F. Unger, Commentary on Zechariah , S. 12 - 14). Der Wechsel des Themas, die literarische Form und auch die Tatsache, daß der Text von Kapitel 9 - 14 wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt in Sacharjas Leben entstand, bieten eine hinreichende Erklärung für die stilistischen Abweichungen in diesem Teil des Buches. Auch der Umstand, daß in Sach 9,13 von Griechenland die Rede ist, ist für sich allein genommen kein Grund für eine spätere Datierung, wenn man davon ausgeht, daß eine Prophezeiung ja immer Weissagungscharakter hat.
    Stil und literarische Gattung des Buches Sacharja

    Sacharjas Stil zeichnet sich durch die gedrängte Form und eine sehr bildhafte, anschauliche Sprache aus. Die Themen, die der Prophet aufgreift, sind denen seiner Vorgänger durchaus verwandt. Doch ebenso groß ist Sacharjas eigenständige gedankliche und formale Kreativität, in der ihn der Geist Gottes zur Niederschrift der göttlichen Offenbarung, die ihm zuteil wurde, inspirierte.
    Das Buch Sacharja weist Merkmale mehrerer literarischer Gattungen auf. Nach der anfänglichen Ermahnung (einem Aufruf zur Buße; Sach 1,2-6 ) beschreibt Sacharja acht prophetische Traumvisionen, die er alle in einer einzigen Nacht sah ( Sach 1,7-6,8 ). Diese Visionen sind in der Form apokalyptischer ("Offenbarungs"-) Literatur wiedergegeben - sehr anschauliche, in höchstem Grade bildhafte Beschreibungen eschatologischer Ermutigung. In Kapitel9 -14 folgen dann zwei prophetische "Lasten" (vgl. den Kommentar zu Sach 9,1 ), die vor allem Verheißungen über Israels zukünftige Erlösung enthalten.
    GLIEDERUNG
    I. Die acht symbolischen Visionen ( Kap. 1-6 )

    A. Die Eiführung zu den Visionen ( 1,1-6 )
    1. Das Vorwort zum Aufruf zur Buße ( 1,1 )
    2. Die Einzelheiten des Aufruf zur Buße ( 1,2-6 )

    B. Die Mitteilung der Visionen ( 1,7-6,8 )
    1. Die Vision des Reiters auf dem roten Pferd zwischen Myrten ( 1,7-17 )
    2. Die Vision der vier Hörner und der vier Schmiede ( 2,1-4 )
    3. Die Vision des Mannes mit der Meßschnur ( 2,5-17 )
    4. Die Vision der Reinigung Krönung Jeschuas ( Kap.3 )
    5. Die Vision des goldenen Leuchters und der zwei Ölbäume ( Kap.4 )
    6. Die Vision der fliegenden Schriftrolle ( Kap.5,1-4
    7. Die Vision die frau in der Tonne ( 5,5-11 )
    8. Die Vision der vier Wagen ( 6,1-8 )

    C. Der symbolische Schlußakt der Visionen ( 6,9-15 )
    1. Der symbolische Krönung ( 6,9-11 )
    2. Die Botschaft für den Propheten ( 6,12-13 )
    3. Die sichtbare Erinnerung ( 6,14 )
    4. Die universale Bedeutung ( 6,15 )

    II. Die vier Erklärungen( Kap. 7-8 )

    A. Die Botschaft über die Fastenfrage ( 7,1-3 )
    B. Die Botschaft des Herrn ( 7,4-8,23 )
    1. Der Verwies ( 7,4-7 )
    2. Die Buße ( 7,8-14 )
    3. Die Wiederherstellung ( 8,1-17 )
    4. Die Freude ( 8,18-23 )

    III. Zwei Offenbarungen ( Kap. 9-14 )

    A. Der gesalbte König wird nicht empfangen ( Kap. 9-11 )
    1. Die Bestrafung der Nachbarvölker Israels ( 9,1-8 )
    2. Die Segnungen des Messias ( 9,9-10,12 )
    3. Die Ablehnung des guten Hirten und die Folgen für Israel ( Kap.11 )

    B. Die Inthronisation des verschmähten Königs ( Kap. 12-14 )
    1. Die Erlösung Israels ( Kap. 12-13 )
    2. Die Rückkehr des Königs ( Kap. 14 )
    AUSLEGUNG

    I. Die acht symbolischen Visionen
    ( Sach 1-6 )

    A. Die Einführung zu den Visionen
    ( 1,1 - 6 )

    Das Vorwort des Buches Sacharja enthält gleichsam eine Einführung in die acht apokalyptischen Visionen des Propheten. In einem machtvollen Aufruf zur Buße nennt er die Vorbedingungen für die Segnungen, die Israel in den acht folgenden Visionen verheißen werden. Verhärteten Herzen wird Gott keinen Trost gewähren. Sein Bund mit Abraham (vgl. 1Mo 12,2-3; 15,5-21 ) und David (vgl. 1Sam 7,8-16 ) besiegelte zwar, daß er seine Pläne mit Israel letztlich wahrmachen würde, doch dieser Bund hob nicht die Notwendigkeit auf, daß sich jede Generation ihm aufs neue gehorsam erweisen mußte, um seinen Segen zu erlangen.


    1. Das Vorwort zum Aufruf zur Buße
    ( 1,1 )

    Sach 1,1

    Vers 1 nennt in einem Atemzug die Zeit, die Quelle und den Überbringer des Aufrufs zur Buße. Der genaue Tag im achten Monat (der am 27. Oktober 520 v. Chr. begann) wird nicht angegeben; er scheint also unwichtig zu sein. Wichtiger ist dagegen die Tatsache, daß ein jüdischer Prophet seine Prophezeiung nach der Regierungszeit eines heidnischen Monarchen datierte. Das war für alle Zuhörer Sacharjas eine deutliche Erinnerung daran, daß sie in den "Zeiten der Heiden" (vgl. Lk 21,24; Dan 2;7 ) lebten und daß kein Davidssproß in Jerusalem auf dem Thron saß (vgl. Hos 3,4-5 ). (Zu einer Auflistung der Daten in Esra, Haggai und Sacharja vgl. die Einführung .)
    Sacharja war nur der Überbringer der Prophezeiung, nicht ihre Quelle; ihm geschah , wie vielen anderen wahren Propheten vor ihm, das Wort des HERRN (z. B. Hos 1,1; Joe 1,1 ; u. a.). Als Prophet war Sacharja nur Knecht und Bote, berufen, Gottes Wort dem Volk zu verkündigen. Über seine Herkunft, die in Sach 1,7 noch einmal angegeben wird, steht in Esr 5,1 und Esr 6,14 etwas anderes; hier wird Sacharja als " Sohn Iddos " bezeichnet. (Im Hebräischen meint das Wort "Sohn" häufig ganz allgemein einen Nachkommen.) Auf diese Weise wird der Prophet mit seinem berühmten Großvater in Verbindung gebracht. (Die Angaben zu Jehus Abstammung in 2Kö 9,2.14; 1Kö 19,16 und 2Kö 9,20 veranschaulichen dasselbe Phänomen.)
    2. Die Einzelheiten des Aufrufs zur Buße
    ( 1,2 - 6 )
    Die feierliche Warnung, nicht in die Sünden der Väter zu verfallen (vgl. Paulus' Warnung in 1Kor 10,11 ), sollte jegliche falsche Sicherheit, in der sich Sacharjas Zeitgenossen angesichts der großen Dinge, die Gott mit Israel vorhatte, vielleicht wiegen könnten, von vornherein im Keim ersticken. Die Warnung für die Gegenwart, die sowohl den göttlichen Zorn ( Sach 1,2 ) als auch Gottes Gnade hervorhebt (V. 3 ), schöpft ihren Ernst aus einer dreifachen Lehre aus der Vergangenheit - sie warnt vor Ungehorsam (V. 4 ), Aufschub der Reue (V. 5 ) und Zweifel (V. 6 ).


    Sach 1,2

    Sacharja bestätigt, daß die Zerstörung Jerusalems und das Exil - Erfahrungen, die die vorherigen Generationen durchmachen mußten - ein Ausdruck göttlichen Zorns waren. Die Wendung " Der HERR ist zornig gewesen " (wörtlich: "zornig im Zorn") bekundet das extreme Mißfallen Gottes. Der Herr ("Jahwe"), der eine persönliche Bundesbeziehung mit dem Volk Israel eingegangen war, war zornig über dessen Väter, besonders über die letzte Generation vor der Gefangenschaft (vgl. jedoch 2Kö 21,14-15 ), weil sie sich ihm widersetzt hatte.
    Sach 1,3

    Die Sünden der Väter hatten zur Zerstörung des Tempels geführt, und die Sünden der jetzt Lebenden verursachten die Verzögerungen bei seinem Wiederaufbau. Dennoch lädt der HERR Zebaoth in seiner Gnade die Menschen noch immer zur Buße ein. Die dreifache Wiederholung des göttlichen Namens betont den göttlichen Befehlscharakter dieser Aufforderung zur Reue. Der einfache Entschluß, den Tempel weiterzubauen, reicht allein nicht aus, um den göttlichen Segen zu erhalten. Es ist vielmehr nötig, sich zu Gott - nicht nur zu seinem Gesetz oder zu seinen Wegen, sondern zu dem Herrn selbst - zu bekehren. Die Reue der Menschen zwei Monate zuvor (vgl. Hag 1,12-15 ) war anscheinend eher unverbindlich geblieben, denn der Weiterbau am Tempel war wieder erlahmt. Nun soll ihnen eine vorbehaltlose Bekehrung zum Herrn Gottes Segen bringen: " so will ich mich zu euch kehren. "
    Sach 1,4

    Die Warnung vor Ungehorsam erinnert an das schlechte Beispiel ihrer Väter, die sich nicht nur dem Herrn widersetzten, sondern es auch ablehnten, auf die Warnungen der vorexilischen Propheten zu hören. Diese früheren Propheten waren von Sacharja und seinen Zeitgenossen durch die Jahre des Exils in Babylon getrennt. Ein Hauptanliegen (wenn auch nicht der einzige Gehalt) der vorexilischen Predigten war der Ruf zur Buße: " Kehrt um von euren bösen Wegen und von eurem bösen Tun! " Daran wird der Charakter prophetischer Botschaften für die jeweils eigene Generation deutlich (vgl. Jer 3,12-14; 18,11; 25,5-6; Hes 33,11; Hos 14,2; Joe 2,12-13; Am 5,4-6 ). In Sacharjas Amt überwiegt dagegen ein anderer Aspekt der Prophezeiung (die Weissagung; vgl. Sach 9-14 ). Die Ablehnung der Väter ( aber sie gehorchten nicht und achteten nicht auf mich ) offenbarte sich bereits den früheren Propheten (z. B. Jer 17,23; 29,19; 36,31 ).
    Sach 1,5

    Die Warnung vor dem Aufschub der Reue wird in zwei glänzende rhetorische Fragen gekleidet, die auf die Kürze des menschlichen Lebens verweisen. Sacharja fragt: " Wo sind nun eure Väter? " Sie sind umgekommen durch Schwert, Hunger und Pest oder auch eines natürlichen Todes gestorben, wie die früheren Propheten geweissagt hatten. Sacharja fragt weiter: " Und die Propheten, leben sie noch? " Die Antwort lautet natürlich: "Nein!" Auch ihre Amtszeit war nur kurz, also sollte die Gelegenheit zur Buße, die sie boten, nicht vertan werden.

    Sach 1,6



    Sacharjas Worte über das sichere Eintreffen und die Wirksamkeit des göttlichen Gerichts enthalten eine Warnung vor dem Zweifel.
    Die Grundlage für die Botschaft des Gerichts sind " meine Worte " (über die drohende Strafe; z. B. Jer 39,16 ) und " meine Gebote " (d. h. Gerichtsbeschlüsse; z. B. Jes 10,3 ). Wenn auch die Propheten starben, so lebt doch Gottes Wort und wird erfüllt werden. Die Gewißheit seiner Erfüllung zeigt sich schon daran, daß Gottes Worte und Gebote die Väter der jetzt Lebenden getroffen haben.
    Das hebräische Wort für "treffen" ist ein Begriff aus dem Bereich der Jagd; er veranschaulicht, daß das Gericht Gottes die Übeltäter verfolgt und einholt. Dasselbe Wort wird in 5Mo 28 für das Gericht ( 5Mo 28,15.45 ) und für den Segen ( 5Mo 28,2 ) verwendet, steht aber auch für die Tat des "Bluträchers" ( 5Mo 19,6 ).
    Daß die Väter haben umkehren müssen , bedeutet nicht zwangsläufig, daß sie sich zu Gott wandten, sondern meint vielleicht nur, daß sie zur Vernunft kamen und erkannten, daß sie Strafe verdienten, womit Gott genau das erreicht hatte, was er mit ihrer Verbannung ins Exil bezweckt hatte ( Kl 2,17 ).
    Andererseits bereuten in der Zeit des Exils sicherlich viele Menschen aufrichtig und erwarben damit die Vergebung und die darauffolgende Wiedereinsetzung in ihr Land.
    Voraussetzung für die Erfahrung des Segens, der sich in Sacharjas Visionen und Prophezeiungen offenbart, ist also eine echte und aus ganzem Herzen kommende Bekehrung zum Herrn Zebaoth. Die Menschen sollen nicht wieder ungehorsam sein wie die frühere Generation, die durch das göttliche Gericht ins Exil


    Sach 1,7.8 (Sach 1,7b.8a)

    Die Quelle von Sacharjas Visionen wird mit der Wendung " geschah das Wort des HERRN " (vgl. V. 1 ) ganz klar bezeichnet. Diese prophetische "Formel" leitet stets eine göttliche Offenbarung ein. Die Visionen und teilweisen Deutungen, die der Prophet vor seinem inneren Auge sah, hatten die Bedeutung von Verbalinspirationen, die durch Worte Gottes ergänzt wurden. Die Worte " Ich sah " geben an, wie Sacharja die Offenbarung zuteil wurde. Sie beziehen sich nicht auf einen Traum und sind auch keine bloße literarische Formel. Sacharja war während des ganzen Geschehens wach, wie aus seinen Fragen und Einwürfen hervorgeht.
    Sach 1,8 b

    Die Vision umfaßt drei Dinge: (a) die Beschreibung dessen, was Sacharja sieht (V. 8 ), (b) die Deutung des Geschauten (V. 9 - 11 ) und (c) die Fürbitte des Engels des Herrn (V. 12 ).
    Die vorrangige Konzentration der Vision auf den Mann auf einem roten Pferde legt nahe, daß es sich bei ihm um den Anführer der Reiter handelte. Er hielt auf dem Pferd, als warte er auf den Bericht seiner Kundschafter. In Vers 11 wird er als "der Engel des Herrn" identifiziert. Dieser Bote (vgl. den Kommentar zu V. 11 ) befand sich zwischen den Myrten im Talgrund, möglicherweise im Kidrontal östlich oder südöstlich von Jerusalem, wo es diese duftenden immergrünen Sträucher wahrscheinlich im Überfluß gab. Hinter ihm standen weitere Reiter (die Bericht erstatten sollten; V. 11 ). Wichtig sind jedoch vor allem die Farben der Pferde: es waren rote (kastanienrot), braune (rotbraun) und weiße . Welche Bewandtnis es mit den Farben hat, wird nicht gesagt; hinzu kommt noch die Schwierigkeit, daß das hebräische Wort, das hier mit "braun" übersetzt ist, im Alten Testament nur an dieser einen Stelle vorkommt, so daß seine Bedeutung also keineswegs gesichert ist.
    Sach 1,9-11

    Auf Sacharjas Frage nach der Bedeutung der Vision ( Wer sind diese? ; vgl. Sach 2,2; 4,4.11; 6,4 ; vgl. auch Sach 5,6 ) antwortet ihm ein Engel. Im Unterschied dazu fragt in der fünften und sechsten Vision der Engel Sacharja, ob er die Bedeutung wisse ( Sach 4,2.5.13; 5,2 ) - wahrscheinlich, um seine Neugierde zu erregen. Dieser Engel, der mit mir redete ( Sach 1,13-14; 2,2.7; 4,1; 5,10; 6,4 ), ist jedoch nicht der Engel des HERRN ( Sach 1,11-12; 3,1-6 ). Er zeigt Sacharja die Bedeutung der Vision, indem er die in ihr auftretenden Personen zu Wort kommen läßt. Zunächst spricht die Hauptfigur, der Reiter auf dem roten Pferd, der von den anderen Reitern sagt: " Diese sind's, die der HERR ausgesandt hat, die Lande zu durchziehen ." Die Wendung "zu durchziehen" scheint hier die militärische Bedeutung von "patrouillieren" oder "kundschaften" zu besitzen. So wie die persischen Könige Botschafter in das ganze Reich entsandten, hat der Engel des Herrn berittene Engel ausgesandt, um zu erkunden, wie es in der Welt steht.
    Die Patrouille erstattet ihrem Führer, nun "Engel des Herrn" genannt, Bericht. Daß dieser "Engel" (wörtlich: "Bote") eine Manifestation des präinkarnierten Christus ist, wird im dritten Kapitel deutlich, wo er ganz direkt der "Herr" genannt wird (bei Luther steht auch hier der "Engel des Herrn"), der allerdings seinerseits von einem anderen "Herrn" spricht ( Sach 3,2 ). Darüber hinaus übt er das göttliche Vorrecht, Sünden zu vergeben, aus ( Sach 3,4 ). (Vgl. den Kommentar zum "Engel des Herrn" in 1Mo 16,7 .) DiePatrouille hat gemäß ihrem Auftrag die Lande durchzogen und hat die Erde ruhig und still , d. h. friedvoll und ohne kriegerische Auseinandersetzungen, gefunden. Israel hatte jedoch keineswegs Ruhe und Frieden. Enthält die Aussage der Kundschafter nun gute oder schlechte Nachrichten für das Volk? Wenn sie sich auf den Frieden im zweiten Regierungsjahr des Darius bezieht, so wären die Ruhe und der Frieden das Ergebnis persischer Unterdrückung und Ungerechtigkeit - also schlechte Nachrichten für die Israeliten, die unter der Herrschaft der Heiden leben. Doch vielleicht hat die Vision einen stärker eschatologischen Bezug und antizipiert das weltweite Königreich des Messias; die Reiter durchsuchten schließlich nicht nur das riesige persische Reich, sondern alle Lande . Andererseits kann "alle Lande" natürlich auch nur eine Redefigur (Synekdoche) für das persische Reich sein.
    Sach 1,12
    Die Fürbitte durch den Engel des HERRN ist ungewöhnlich. Normalerweise fungiert dieser göttliche Bote als Vertreter Gottes gegenüber dem Volk und nicht umgekehrt. Daß er im Gebet den HERRN Zebaoth anspricht, spricht für eine Unterteilung der Gottheit in mehrere Personen und stützt damit die These, daß die Lehre der Trinität im Alten Testament bereits implizit enthalten ist. Die Klageformel " wie lange noch? " ist ein Ausdruck dafür, wie dringend notwendig es ist, daß der Herr sich für Israel einsetzt. Die verheißenen siebzig Jahre der Gefangenschaft waren vorüber (vgl. Jer 25,12; 29,10 ), doch Jerusalem war noch immer nicht wiedererbaut.
    Sach 1,13

    Die erste Vision zeigte, daß Gott die Welt beobachtet und lenkt, doch nun folgt noch eine direkte, wörtliche Botschaft des Trostes für Israel. Diese Botschaft vom Herrn (es kann eventuell auch "der Engel des Herrn" aus Vers 12 sein) wird zunächst dem Engel überbracht, der Sacharja die Visionen deutet. Dieser gibt sie dann an Sacharja weiter, damit er sie dem Volk verkünden kann. Die Botschaft enthält (a) eine Aussage über Gottes Liebe zu Israel (V. 13 - 14 ), (b) Gottes Zorn über die Völker (V. 15 ) und (c) Gottes Segen für Israel (V. 16 - 17 ).
    Der Inhalt der " freundliche(n) und tröstliche(n) Worte ", die Gutes verheißen und Trost bringen, steht in den Versen 14 - 17 .
    Sach 1,14

    Gottes große Liebe für sein Volk ( Jerusalem und Zion ) spricht aus der Wendung " ich eifere mit großem Eifer " (wörtlich: "eifersüchtig vor großer Eifersucht"). Diese Formulierung drückt seinen brennenden Wunsch aus (vgl. Sach 8,2 ), seine Liebe zu seinem Bundesvolk Israel zu bewahren. Diesen brennenden und dadurch manchmal auch verheerenden Eifer Gottes erlebte Juda seit 70 Jahren ( Sach 1,12 ). Jetzt aber richtet sich Gottes Zorn gegen die Völker. Der Zorn Gottes ist denn auch das Thema der zweiten Vision ( Sach 2,1-4 ).
    Sach 1,15

    Gottes Zorn auf die Völker ( ich bin sehr zornig ; wörtlich: "mit großem Zorn bin ich zornig"; vgl. V. 2 ) wirkt doppelt bedrohlich auf dem Hintergrund der falschen Sicherheit, in der sie sich unvorsichtigerweise wiegen. Er ist so zornig auf sie, weil sie Israel viel zu lange und zu schwer bestrafen, obwohl er, Gott, doch " nur ein wenig zornig " war, d. h. sein Volk nur mäßig bestraft sehen wollte. Die Völker dagegen " halfen zum Verderben " Israels und überschritten die Grenzen, die Gott der Bestrafung des Volkes gesetzt hatte (vgl. Jes 47,6 ).
    Sach 1,16-17

    Gottes Liebe zu Israel und sein Zorn über die Heiden führt nun (darum) zu sechs Segensversprechungen für Israel: 1. die Gegenwart Gottes in Jerusalem ( ich will mich wieder Jerusalem zuwenden mit Barmherzigkeit ; vgl. Hes 43,5; 48,35 ) im Gegensatz zum Rückzug der göttlichen Herrlichkeit aus dem vorexilischen Tempel ( Hes 10,18-19; 11,22-23 ); 2. der Wiederaufbau des Tempels ( mein Haus soll wieder aufgebaut werden ; vgl. Hes 40-48 ); 3. der Wiederaufbau der Stadt ( die Meßschnur soll über Jerusalem gespannt werden ; vgl. Jer 31,38-40 ); 4. neuer Wohlstand für Israel ( meine Städte (sollen) wieder Überfluß haben an Gottes Segen, daß die Stadtmauern ihn kaum werden fassen können; vgl. Jes 60,4-9 ); 5. Trost für die Einwohner Jerusalems ( Zion ) durch die Erfüllung Gottes gnädiger Verheißungen (vgl. 5Mo 13,18; 30,3; Jes 14,1; 49,15 ); und 6. die Erwählung Israels (vgl. Sach 2,16; 3,2 ); das bezieht sich darauf, daß Gott seine Liebe über sie ausschütten wird und ist vielleicht zugleich eine Vorwegnahme des neuen Bundes mit Israel ( Jer 31,31-40 ; vgl. Röm 11,26-27 ).
    Aus der Sicht des Neuen Testaments tritt die endgültige Erfüllung dieser Segenssprüche bei der Wiederkunft Christi ein, wenn der Tempel des Tausendjährigen Reiches vollendet ist und das Heil dieser Zeit anbricht, wie die oben erwähnten Parallelstellen ausführen. Obgleich der Tempel etwa vier Jahre nach dieser Prophezeiung fertiggestellt ( Esr 6,15 ) und die Stadt etwa 80 Jahre später teilweise wieder erbaut war ( Neh 6,15 ), deuten die Textstellen aus Hesekiel darauf hin, daß Gott erst im Tausendjährigen Reich wieder im Tempel wohnen wird. Doch vielleicht glaubten die Zeitgenossen von Sacharja auch, der versprochene Segen stünde unmittelbar bevor; eine Überzeugung, die ihnen sicherlich eine Hilfe beim Wiederaufbau des Tempels war.
    Mehrere wichtige Details dieser ersten Vision werden in den beiden nächsten Visionen weiter ausgeführt. So wird in der zweiten Vision Gottes Mißfallen an den Völkern anschaulich gemacht, und die dritte handelt davon, daß Gott Israel durch den Segen seiner Gegenwart zu neuer Blüte bringt.
    2. Die Vision der vier Hörner und der vier Schmiede
    ( 2,1 - 4 )


    Der Trost, von dem in den Versen 1.13.17 die Rede ist, wird in den gegensätzlichen Bildern der zweiten und dritten Vision panoramaartig entfaltet. Die zweite Vision zeigt Gottes Gericht über all jene Völker, die Israel bedrängen ( Sach 2,1-4 ), während die dritte Vision ausmalt, wie Gott das blühende Israel segnen wird ( Sach 2,5-17 ). Die Vision der vier Hörner und der vier Schmiede stellt dar, wie Gott sein in Sach 1,15 bekundetes Mißfallen an den Völkern zu erkennen geben wird. Die Völker, die Israel zerstreut haben, werden nun selbst zermalmt werden.


    Aus:
    Herzliche Grüsse
    Hans Peter

    1. Mo 15,6 Und er glaubte Jehova; und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit.
    ===
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    Gedanken zum Propheten Sacharja
    von Charles Andrew Coates [C.A.C.]
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