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  • Avatar von andy
    Gestern, 21:07
    andy hat auf das Thema Mehrheits-Text vs. WH/NA im Forum Grundtextfragen geantwortet.
    Warum werden die vielen übereinstimmenden und unabhängigen Handschriften so wenig bevorzugt behandelt? Die Byzantinische Textform ist nicht der Textus Receptus, sondern die Textform in der griechisch sprachigen Welt, die zwischen dem 4. und 16. Jahrhundert vorherrschte, also vor der Erfindung des Buchdruckes und weit vor den modernen textkritischen Untersuchungen. Eine andere Bezeichnung für den Byzantinischen Text ist der Mehrheitstext. Dieser umfasst knapp 5800 einzelne Handschriften, das sind ca. 99 % aller Handschriften, die zwar nicht immer das gesamte Neue Testament beinhalten, jedoch sind für die einzelnen Bibelbücher mehrere Handschriften vorhanden. Je nach Buch mehr oder weniger. So sind für die Paulusbriefe ca. 600 Handschriften pro Buch vorhanden und für die Offenbarung ca. 308. Beinahe 100 % aller Handschriften sind mit dem eigentlichen Byzantinischen Text in der Lesart übereinstimmend. Mit «Lesart» ist eine Stelle gemeint, die in mehr als einer Variante in den Handschriften auftritt. Solche Handschriften mit abweichender Lesart betreffen weniger als 1 % der gesamten Handschriften. Handschriften, die uns erhalten blieben, wurden von Kopisten geschrieben, die ein Interesse hatten, dies so genau wie möglich zu machen. Zu dem hatten sie auch noch länger die Möglichkeit direkt aus dem Original abzuschreiben bis teilweise ins 7. Jahrhundert hinein. Das unter diesen Bedingungen exakte Abschriften entstanden, sollte nicht verwundern. Genau so wenig sollte es erstaunen, dass Kopisten, die wenig Griechisch und weit von dem Original weg waren, ungenauer kopieren konnten. Meist auch Kopien von Kopien erstellen mussten. Solche schlechten Kopien, wenn sie auch älter sein mögen, sollten nicht bevorzugt behandelt werden, als handle es sich um ein Original. Diese schlechten Kopien sind nur eine Minderheit unter sehr vielen sehr guten Abschriften. Zwar muss eine Mehrheit nicht zwingend recht haben, siehe die Demokratie, handelt es sich aber um unabhängige Abschriften des gleichen Originals, so sind gleiche Abschriften ein Zeugnis für genaues Abschreiben, ein deutlicher Hinweis, dass vom Original abgeschrieben wurde und nicht von einer Kopie. Kopien von Kopien wurden meist dann gemacht, wenn das Original nicht in der Nähe war. Dies führte dazu, dass eigene Lesarten einflossen. Hat die Handschrift hohe Eigenanteile, so weisst dies auf eine grosse Distanz zum Original hin. Häufig auch, dass es eine Kopie der Kopie ist. Diese Handschriften sind jedoch in der Minderheit und selten. Ergo sind viele gleiche Handschriften, die unabhängig voneinander abgeschrieben wurden, ein Gütesiegel für eine genaue Überlieferung des Neuen Testaments. Genau das liegt uns vor, ein Neues Testament, welches von Gott bewahrt wurde, bis auf den heutigen Tag. Es verwundert daher nicht, dass es genau so gut überliefert wurde wie das Alte Testament. Uns, und da meine ich uns alle, die am Wort Gottes Interesse haben, ist es heute möglich mit Computerprogrammen, z. B. Bibleworks oder vergleichbaren, einzelne Worte, Phrasen, Auslassungen nachzuschlagen. Eine bekannte Datenbank ist der CNTTS (New Testament Critical Apparatus), mit welchem genau dies möglich ist, um unter den verschiedenen Manuskripten, Codizes, Papyri etc. zu untersuchen. Wobei beachtet werden muss, dass dieser Apparat die Quantifikation auf den Kopf stellt. So wird es als qualitativ eingestuft, wenn ein früh datierter und bevorzugter Codex eine Auslassung im Vergleich zu den mehrheitlich anderen Handschriften aufweist. Es steht bei der modernen Textkritik alles Kopfüber und 180° gegenüber dem Wort Gottes. Es wird von Seiten dieser Wissenschaft alles unternommen, dass die vereinzelten schlechten Handschriften bevorzugt werden und am liebsten dem inspirierten Buchverfasser eine schlechte Rechtschreibung vorwerfen, was natürlich absurd wäre. Natürlich alles im akademischen Stil, möglichst kompliziert und verworren und obendrauf zum Schein nachprüfbar. Wird dies überprüft, wird es noch verworrener. αὐτό τε τὸ ἰδιόχειρον τοῦ εὐαγγελιστοῦ, ὅπερ μέχρι τοῦ νῦν πεφύλακται χάριτι θεοῦ ἐν τῇ Ἐφεσίων ἁγιωτάτῃ ἐκκλησίᾳ, καὶ ὑπὸ τῶν πιστῶν ἐκεῖσε προσκυνεῖται TLG CHRONICON PASCHALE Chronogr. et Hist. Chronicon paschale {2371.001} (A.D. 7) Page 11 line 6 Kontext: Der Chronist zitiert aus dem Johannesevangelium. Dann schreibt er: "So enthalten es die genauen Kopien, auch die eigene Handschrift des Evangelisten (Anm: des Apostels Johannes) selbst, wie sie bis auf den heutigen Tag durch die Gnade Gottes in der allerheiligsten Versammlung in Ephesus aufbewahrt ist, und von den Heiligen dort verehrt wird". Übersetzung: Peter Streitenberger
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