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  • Avatar von HPWepf
    22.09.2020, 20:54
    HPWepf hat das Thema WT Zeugen Jehovas im Forum Lehren und Irrlehren erstellt.
    Kleine Sektenkunde 1994 / 4 Zeugen Jehovas Dr. theol. S. Leuenberger I. Einige entwicklungsgeschichtliche Fakten 1. Charles Taze Russel als Initiant der Sekte Der 1852 in Pittsburgh/Pennsylvania geborene Russel betätigte sich als Fachmann in der Herrenmode. Bereits in jungen Jahren verfügte er über ein grosses Vermögen. Ursprünglich gehörte Russel der Presbyterianischen Kirche an. Dort fand er jedoch nicht die für ihn richtige Nahrung. Er meinte, die Kongregationalistenkirche könnte ihm die nötige geistliche Kost bieten. Doch auch in der Gemeinde der Kongregationalisten fühlte er sich nicht wohl, weil er dort auch der Lehre der doppelten Prädestination begegnete. Diese Lehre er- füllte ihn mit Abscheu. Für Rüssel kam nach dieser Enttäuschung eine Zeit, wo er an der Bibel irre wurde. Im Jahre 1870 kam er mit einer von den Adventisten abgespaltenen Gruppe in Berührung. Diese Splittergruppe lehrte, die Wiederkunft Christi werde 1872 oder 1873 stattfinden. Da sich die Prophezeiung nicht erfüllt hatte, wich die Splittergruppe auf das Jahr 1874 aus. Solche Machenschaften er weckten in Russel Misstrauen, und so verband er und sein Bibelgesprächs kreis sich mit ehemaligen Adventisten, die sich «Second Adventists» nannten. Dort fand er in N. H. Barbour, der das Blatt «The Heraid of the Morning» redigierte, einen Freund. Russel gelang es, in der Redaktion dieses Blattes mitzuarbeiten. Doch Lehrdifferenzen brachten die beiden aus einander, so dass sich Russel von Barbour 1878 trennte und aufgrund der gewonnenen Redaktionserfahrung einen eigenen Zeitschriftenverlag zu gründen wagte, nämlich «Zion's Watch Tower and Heraid of Ghrist's Presence» (Zions Wachtturm und Herold der Gegenwart Christi). Zeugen Jehovas 39 1879 heiratete er in Pittsburgh seine Verlagsangestellte Maria Francis Ackley. Es kam zu grossen Spannungen, weil Russel die literarische Tätigkeit seiner Gattin als Konkurrenz empfand. 1906 kam es zur Scheidung. Viele Anhänger distanzierten sich deswegen von Russel. Am Anfang seiner Wirksamkeit hatte Rüssel noch die Gelegenheit, in den etablierten Kirchen Vorträge zu halten; denn damals vertrat er auch noch die wahre Ökumene aller wahrhaft Gläubigen quer durch alle Konfessionen hindurch, was in den Ausgaben des Wachtturms aus dem Jahr 1910 noch spürbar war. Doch begannen sich etwas später fanatisierende Tendenzen immer mehr mit unbiblischen Ansichten zu paaren, so dass sich für ihn die Türen der Kirchen nach kurzer Zeit schlössen. Seine Reaktion auf die zu nehmende reservierte Haltung der Kirchen zeigte sich darin, dass er deren Mitglieder dazu aufrief, ihre Denominationen zu verlassen. Er sammelte nun vom Jahr 1878 an alle Leser der «Wachtturm-Traktate» zur sog. «Ecciesia», die er aber bis gegen das Jahr 1910 noch nicht als Konkurrenz zu den etablierten Denominationen verstand, sondern eher als ergänzende Gesinnungsgruppen, die den Akzent auf die unmittelbar bevor stehende Wiederkunft Christi setzten. Er teilte diese in weitere Gruppen auf. Die Hauptaufgabe einer Gruppe bestand darin, die Traktate Russels bekannt zu machen. Aus den Gruppen der «Ecciesia» rekrutierte er Kolporteure, welche die Traktate in die Häuser bringen und Kunden für ein Wachtturm-Abonnement gewinnen mussten. Mit dem Erlös hatten sie ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. 1889 verkaufte Rüssel sein Kleidergeschäft. Die dadurch flüssig gemachte Geldsumme investierte er in sein Werk, das er in eine Aktiengesellschaft umwandelte. Das Werk wuchs derart schnell, dass Rüssel in New York zwei Gebäude zu kaufen und das Werk zu einem Konzern auszuweiten vermochte. Im Jahre 1907 war es so weit, dass Rüssel der Wachtturmgesellschaft ein siebenköpfiges Direktorium gab; die Kompetenz zur Veröffentlichung von Wachtturm-Traktaten übertrug er einem fünfköpfigen Komitee. Seine Gründung erhielt 1939 den Namen «Watch Tower Bible and Tract Society of New York». Seit 1884 reiste Russel rastlos in den Staaten umher. Sein ungeheurer Fleiss zeigte sich darin, dass er seine Predigten und Vorträge an fast drei tausend Zeitungen in den USA und Europa versandte. Im Verlauf seines Lebens hat Russel gegen dreissigtausend Predigten gehalten und auf seinen Reisen 1.6 Millionen Kilometer zurückgelegt. Seine schriftlichen Erzeugnisse umfassen fünfzigtausend Druckseiten. Seine wichtigsten Lehren finden wir in den «Schriftstudien», die insgesamt eine Auflage von sechzehn Millionen Exemplaren erreicht haben. Russel leistete Enormes als Bibelforscher, Schriftsteller, Redner und Organisator, jedoch vor allem in quantitativer Hinsicht. Russel erging sich in Spekulationen über 40 Zeugen Jehovas die Wiederkunft Christi und das Tausendjährige Reich, dessen Anbruch er für das Jahr 1914 prophezeite. Fehlerhafte eschatologische Prognosen versuchte er immer wieder durch Flickwerk zu retten. Eines müssen wir Rüssel im Gegensatz zu seinem Nachfolger zugute halten: Er dachte in positivem Sinn über die Juden, deren zionistische Bewegung er als ein deutliches Zeichen der Endzeit wertete. Rüssel besuchte das Heilige Land und pflegte Kontakte zu Juden. Es war auf der Heimreise von einer Vortragstour, als er am 30. Oktober 1916 vom Tod ereilt wurde. 2. J. F. Rutherford baut die Wachtturmgesellschaft weiter aus Der Jurist J. F. Rutherford war stellvertretendes Mitglied jenes Gremiums, das für die Veröffentlichung der Wachtturm-Traktate die Verantwortung hatte. Das Direktorium wählte diesen tüchtigen Juristen als Nachfolger Russels Rutherford stammte aus einer baptistischen Farmerfamilie, die in Missouri ansässig war. 1894 lernte er die Wachtturmgesellschaft kennen. 1906 wählte diese ihn zum Rechtsberater. Rutherford zeichnete sich aus durch geschickte Taktik und grosses Können in organisatorischen Angelegenheiten. An Hingabe und Opferbereitschaft fehlte es Ihm nicht. Er formte Russels Lehren um, indem er diesen ein stark juristisches Gepräge gab. Als Rechtsgelehrter gehörte Rutherford zu den wenigen Akademikern der Wachtturm-Gesellschaft. Er fühlte sich deshalb auch über die etwas einfachen Gemüter dieser Organisation erhaben, was u.a. durch sein kaltschnäuziges Gebaren zum Ausdruck kam. Kraft seiner Stellung gelang es ihm, die Glaubensgenossen zu gehorsamen Funktionären zu machen. Rutherford gab zwei Mitarbeitern den Auftrag, das sechsbändige Werk Russels, seine «Schriftstudien», mit einem siebenten Band zu erweitern. Damit wollte er die Theologie Russels verfremden und untergraben. Nach dem man im Direktorium diese Machenschaften erkannt hatte, brach eine kräftige Opposition gegen Rutherford aus. Dieser schmiss jedoch die uniebsamen Kritiker heraus und besetzte das Direktorium eigenmächtig mit seinen Anhängern. Auf dem Kongress in Columbus/Ohio kam im Jahre 1931 der Name «Zeu gen Jehovas» auf. Die Wachtturm-Gesellschaft stützte diesen Namen auf Jes 43, 10-12 ab. Es kamen Namensergänzungen hinzu wie «Theokratische Organisation», «Neue Weltgesellschaft». Die typischen Züge einer Sekte traten erst mit dem Machtantritt Rutherfords in Erscheinung. Die Lehrveränderungen wurden seit der ersten grossen Versammlung unter Rutherford in Cederpoint/Ohio im Jahre 1919 deutlich, was sich in der Zeitschrift «Erwachet» zeigt. Unter Rutherford kam ein stark antizionistischer Zug auf, wobei die Behauptung eine grosse Rolle spielt. Zeugen Jehovas 41 die Juden seien nun nicht mehr das erwählte Bundesvolk Gottes, sondern diese Würde sei seit 1918 auf die exklusive endzeitliche Heilsgemeinde der Zeugen Jehovas übergegangen.^ Rutherfords Werk umfasst achtzehn Bände mit durchschnittlich 350 Seiten und 32 Traktate. Polemik und Beschimpfungen vermischt mit Bibelinterpretationen prägen seine schriftstellerischen Erzeugnisse. Unter seiner Führung ging die vorerst noch demokratische Organisation immer mehr verloren. Die Mitglieder konnten nicht mehr die Leiter der örtlichen Versammlung wählen; diese wurden unter Rutherford vom Direktorium bestimmt. Aus der anfänglich demokratischen Verfassung wurde eine autoritäre theokratische Ordnung. Rutherford rief jährliche Kongresse ins Leben, um die Anordnungen des Direktoriums bzw. der Zentrale den Mitgliedern bekannt zu geben. Gerade die Kongresse sollten durch ihre hervorragende Organisation Werbung nach aussen hin sein. Es gibt nicht nur Bezirks- und Länderkongresse, sondern auch Weltkongresse. Die Zeugen Jehovas gehören zu den kongressfreudigsten Glaubensgemeinschaften. 3. Nathan Homer Knarr und die weitere Entwicklung der «Theokratischen Organisation» Rutherford starb 1942. Sein Nachfolger wurde der 1905 geborene Nathan Homer Knorr. Dieser trug viel zum weiteren Ausbau der «Theokratischen Organisation» bei. Es gibt zwei juristische Körperschaften. Die wichtigste ist die «Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania». Diese ist die Weiterführung der von Rüssel 1881 gegründeten «Wachtturm-Gesellschaft». Die «Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania» stellt die Exekutive dar. In der «Watch Tower and Tract Society of fiew York» haben wir die zweite juristische Körperschaft. Knorr fügte eine dritte Körperschaft hinzu, nämlich die «International Bible Students Associatlon». Diese drei Organisationen bil den das Gesamtwerk. 1971 hat sich unter Knorr eine leitende Körperschaft mit elf Mitgliedern gebildet, die die Spitze darstellt. Die elf Mitglieder kommen im Selbstwahlverfahren lebenslänglich an die Macht und verstehen sich nach Mt 24, 45 als den «treuen und verständigen Sklaven». Die «Leitende Körperschaft» besitzt die Kompetenz der Legislative. Für den Druck von Bibeln und sonstigen Schriften ist seit 1944 die «Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania» verantwortlich. Diese ist die Exekutive und führt die Befehle der «Leitenden Körperschaft» aus. Derselben juristischen Körperschaft obliegt die Aussendung von Missionaren, die Gründung von Bibelschulen ------------- 1 Vgl. Im Herz! Year Book, Vol. V, den Artikel von Yona Malachy, «Jehovas Witnesses and their Attitüde toward Judaism and the Idea of the Return to Zion», 1963, 8. 200. 42 Zeugen Jehovas und der Betrieb von Radiosendern. Die «Walch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania» ist auf eine Mitgliedschaft von 500 Personen be grenzt. Die grosse Masse der Zeugen Jehovas darf keinen Einfluss nehmen auf die Wahl dieser 500 Mitglieder, auch nicht auf die Wahl des Gremiums der «Leitenden Körperschaft». Der ganzen «Theokratischen Organisation» mit den drei genannten Körperschaften steht ein Präsident vor, der zum Elfergremium der «Leitenden Körperschaft» gehört. II. Der Aufbau der «Theokratischen Gesellschaft» von unten her A. Die wichtigsten Einheiten 1. Die Versammlung Die Versammlung bildet die kleinste Einheit. Im Königreichsaal finden die Lehrvorträge jeweils statt. Älteste stehen der Versammlung vor. Doch diese können nicht von der Versammlung gewählt werden. Die 500 Mitglieder der Walch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania bestimmen darüber, wer Ältester sein darf während der Periode eines Jahres. 2. Der Kreis Mehrere Versammlungen bilden einen Kreis. Der für einen Kreis Verantwortliche ist der Kreisaufseher. 3. Der Bezirk Mehrere Kreise bilden einen Bezirk, für den es einen eigenen Vorsteher gibt. 4. Der Zweig Verschiedene Länder bilden zusammen einen Zweig mit eigenem Aufseher. B. Die wichtigsten Ämter und Gremien sowie Drillkurse im Dienst missionarischer Propaganda 1. Die Kolporteure und ihre Aufgaben Die «Theokratische Organisation» ist eine riesige Propagandamaschine. Es braucht Kolporteure, um ein Maximum an Traktaten an den Mann zu bringen. Diese Kolporteure müssen für den Konzern werben. Sie gehen von Haus zu Haus in Begleitung eines Glaubensbruders oder einer Glaubensschwester. Zuerst versuchen sie, den Wachtturm abzugeben für einen Franken oder eine Mark. Der wichtigste Inhalt der Werbung besteht darin, dem Bekehrungsobjekt zu versprechen, es dürfe sich darauf freuen, einmal auf einer ewig heilen Welt leben zu dürfen. Allerdings gehört zur Bedingung, ein Zeuge Jehovas zu werden. Nebenbei drohen die Kolporteure mit Zeugen Jehovas 43 der Schlacht von Harmagedon, wo alle, die nicht zu den Zeugen Jehovas gehören, der Vernichtung anheimfallen würden. Zeigt das Missionsobjekt Interesse, so findet kurz danach ein Nachbesuch von 15 Minuten statt. Bei diesem Besuch liegt der Hauptakzent auf Harmagedon. Ist der Nachbesuch positiv verlaufen, so geben die Kolporteure Anleitung zu einem Heimbibelstudium. Ein von der Organisation empfohlenes Buch müssen die Kandidaten lesen, aber auch den Wachtturm abonnieren, der übrigens mit einer Auflage von über 16 Millionen Exemplaren die quantitativ stärkste religiöse Zeitschrift ist. Das Heimstudium geschieht aufgrund eines Frage- und Antwortspiels, das den angestammten Glauben madig zu machen versucht. 2. Der Studienleiter und das Bezirksstudium Sobald die Kandidaten ihr Heimstudium beendet haben, gelangen sie in die Obhut eines Studienleiters, der ein sog. «Bezirksstudium» durchführt. Die Studienleiter bereiten die Kandidaten auf die Vorträge im Königreichsaal, dem eigentlichen Gottesdienstlokal der Zeugen Jehovas, vor. Der Kandidat muss sich dort Vorträge anhören, die ihn immer wieder davor warnen, den Kontakt zur Organisation abzubrechen. 3. Die Dienstversammlung Wenn der Kandidat das Soll an gottesdienstlichen Vorträgen im König reichsaal erfüllt hat, muss er der «Dienstversammlung» beiwohnen. Dort er hält er eine Ausbildung zum Prediger oder Verkündiger, um später als Kolporteur im Felddienst tätig sein zu können. Die Dienstversammlung ist nichts anderes als eine Schulung für die Erledigung missionarischer Aufgaben. Erst nach Abschluss dieser Schule geschieht durch die Taufe die Aufnahme in den Konzern der Zeugen Jehovas. Die Taufe geschieht durch Untertauchen, wobei der Kandidat seine Arme gekreuzt auf der Brust hält. Die Taufe ist zugleich die Ordination zum Predigtdienst und Kolporteur. Vergegenwärtigen wir uns noch einmal kurz die sieben Schritte des Kandidaten auf dem Weg zum formell anerkannten Zeugen Jehovas: Erstens: Ein Kolporteur und eine Begleitperson sprechen das Missionsobjekt an der Türe an und verkaufen ihm einen Wachtturm. Zweitens: Es findet ein Nachbesuch statt, der die Abonnierung des Wachtturms zur Folge haben muss. Drittens: Der Kandidat verpflichtet sich zu einem Heimbibelstudium. Viertens: Der Kandidat besucht unter der Führung eines Studienleiters das «Bezirksstudium» als Vorbereitung auf die Teilnahme an den Versammlungen im Königreichsaal. Fünftens: Das Bekehrungsobjekt hört sich im Königreichsaal die Vorträge an. 44 Zeugen Jehovas Sechstens: In der «Dienstversammlung» geschieht die weitere Ausbildung zum Kolporteur und Prediger. Siebtens: Die offizielle Aufnahme in die Organisation und die Ordination zum Verkündigungsdienst geschieht durch die Taufe. 4. Drillkurse und die täglichen Pflichten eines Zeugen Der weitere Weg eines Zeugen Jehovas geht über fortwährende Wiederholungs- und Fortbildungskurse. Diese Schulungen dauern lebenslang, wobei der Zeuge vier bis fünf Abende pro Woche investieren muss. Die Organisation verlangt, dass getaufte Zeugen Jehovas Kurse für Wachtturmstudien, Gesprächsführung und richtiges Sprechen besuchen. Dazu kommt der obligatorische Besuch von Kreisversammlungen und Kongressen. In diesen Kursen erhalten die Zeugen Unterlagen mit Frage- und Antwortmodellen als Anleitung zum Werbegespräch. Ein gewöhnlicher nebenamtlicher Kolporteur, der einem weltlichen Beruf nachgehen muss, ist verpflichtet, den grössten Teil seiner Freizeit übers Wochenende für den Felddienst und die Versammlungen im Königreichsaal zu opfern. Monatlich setzt ein Zeuge mindestens zwanzig Stunden nur für die Besuche im Felddienst ein. Zusätzlich kommen die Stunden, die er für die Leitung von Heimbibelstunden und Kursbesuchen einsetzen muss. Wendet jemand hundert Stunden im Monat auf für die Werbetätigkeit, so gilt er als «Pionier». Bringt es ein in einem weltlichen Beruf tätiger Zeuge nicht zustande, monatlich Pionierdienste zu leisten, so ist er verpflichtet, wenigstens die Ferien für Pionierdienste dranzugehen. Für einen Zeugen gibt es keinen Feierabend. Immer wieder muss er über die Bücher gehen und sei ne Protokolle über den Besuchsdienst auf dem neuesten Stand halten. Wir dürfen nicht vergessen, dass ein nebenamtlicher Zeuge die Werbeliteratur selber berappen muss. Der Gewinnanteil ist derart klein, dass er mit gut Glück gerade die Spesen decken kann. Von einem eigentlichen Gewinn kann man gar nicht sprechen. 5. Kreis- und Bezirksaufseher Männer und Frauen mit diesen Ämtern stehen im Vollzeitdienst. Sie tragen die Verantwortung dafür, die lokalen Versammlungen zu inspizieren. Sie verlangen von den Kolporteuren und Leitern der Versammlung die Besuchs- und Nachbesuchskarteien, um diese einzusehen. Kolporteure und Versammlungsleiter müssen über die Anzahl der Besuche und der verkauften Werbeliteratur Rechenschaft ablegen. Die hauptamtlichen Arbeiter krampten neben ihren Inspektionsarbeiten in Druckereien oder Farmen, wobei sie Kost und Logis gratis erhalten, jedoch keinen Lohn, sondern lediglich ein bescheidenes Taschengeld von ungefähr 120 Dollar. Zeugen Jehovas 45 III. Die Lehren der Zeugen Jehovas 1. Die Geschichtsschau und Eschatologie Die Geschichtsschau ist vor allem durch Rüssel geprägt, von Rutherford später modifiziert worden. Für die Geschichtsschau der Zeugen Jehovas sind Zahlenberechnungen in Bezug auf die Wiederkunft Jesu und den Weltuntergang typisch. Rüssel lehrte drei Hauptabschnitte der Heilsgeschichte. Der erste Zeitabschnitt währt von der Schöpfung bis zur Sintflut. Engelwesen hatten die Verantwortung für diese Periode. Es stellte sich ein zweiter Zeitabschnitt unter der Herrschaft Satans ein. Er dauerte von der Sintflut bis zum Kommen Christi. Die dritte Periode nahm mit dem Kommen Christi ihren Anfang und dauert bis zum Weltuntergang durch die Schlacht von Harmagedon. Nach dem Ereignis dieser Schlacht werden die übriggebliebenen Zeugen Jehovas mit Christus das Paradies auf Erden aufbauen. In der Geschichtsschau der Zeugen Jehovas geht es um das Drama des «Verlorenen Paradieses», das nun über viele Kämpfe zurückzugewinnen ist. Im wesentlichen sieht das für die Zeugen Jehovas folgendermassen aus: 4128 v. Chr. wurde das erste Menschenpaar erschaffen. Luzifer erhielt das Amt, die ersten Menschen zu betreuen. Doch im Drang, Gott gleich zu werden, verführte er sie zum Abfall von Jehova. 6000 Jahre stellt nun Gott der Menschheit zur Verfügung, um gegen Jehova kämpfen zu dürfen. Er will sich aber in diesem sechs Millenien dauernden Kampf vor der ganzen Welt rechtfertigen und sich als der Sieger über Luzifer erweisen. In dieser Zeitspanne sammeln sich Gott und Satan ihre Anhänger. Jehova hatte bereits wichtige Gegenmassnahmen ergriffen. Er brauchte Abel und Moses sowie andere Gottesmänner als die ersten «Zeugen Jehovas» im Kampf gegen Satan. Im Jahre 1513 v. Chr. erwählte Jehova das Volk Israel, dem er eine theokratische Regierung gab. Wegen der Untreue der Könige Israels entzog er im Jahre 606 v. Chr. Israel das Recht, weiterhin ein Vorbild theokratischer Regierung sein zu dürfen. Im gleichen Jahr nahm die Herrschaft der Heiden ihren Anfang. 2520 Jahre sollte diese dauern. Jehova sandte seinen Sohn Jesus, der sich zur moralischen Vollkommenheit emporarbeitete. Am Kreuz hat er den Lösepreis für alle Menschen bezahlt, um ihnen dadurch die Möglichkeit zur Rückkehr ins Leben zu geben anlässlich des Tausendjährigen Reiches. Die Urgemeinde war noch in Ordnung. Doch bereits im Jahr 100 n. Chr. begann der grosse Abfall einzusetzen. Mit dem Aufkommen kirchlicher Organisation nistete sich Satan in der Kirche ein. Nicht nur kirchliche Organisationen weisen diabolischen Charakter auf, sondern auch politische Systeme. Die wahren Nachfolger Jehovas sammeln sich ausserhalb der etablierten 46 Zeugen Jehovas Kirchen; denn diese sind Inbegriff des Bösen und sind schuld an der Kriminalität, der politischen Korruption, Habsucht, Rauschgiftsucht und an der Auflösung biblischer Ethik. (2) Interessant ist u.a. auch, wie die Zeugen Jehovas gerne zur Abqualifizierung Andersdenkender Bilder aus dem Bereich zügelloser Sexualität verwenden, was z.B. in jenem 1972 erschienenen Buch «Die Nationen sollen erkennen, dass ich Jehova bin» deutlich zum Ausdruck kommt. Dieses Buch bezeichnet die Kirche als Dirne, Ehebrecher, als Weib der Zügellosigkeit, als Bordell usw. Die Kirchtürme sind nach der Interpretation nichts anderes als ein Abbild des männlichen Phallus und drücken die Geilheit aus. Bereits zur Zeit Russels begann sich ein Stosstrupp zu bilden, den er «Theokratische Organisation» nannte. Nur wer zu dieser Organisation gehört, kann in der endzeitlichen Schlacht von Harmagedon überleben und sich eines ewigen irdischen Lebens in Wonne erfreuen. Jehova ist der grosse Rechner, der in der Bibel einen genauen Terminkalender für den Ablauf der heils- und gerichtsgeschichtlichen Ereignisse gegeben hat. (3) Wiederholen wir die wichtigsten Zahlen: 4128 v. Chr. wird das erste Menschenpaar erschaffen. 4126 findet der Sündenfall statt. Die Sündenherrschaft dauert 6000 Jahre. Hängt man 6000 Jahre an das Jahr des Sündenfalls, so kommen wir auf die Jahreszahl 1874 n. Chr. Auf 1874 setzte Russel die Wiederkunft Christi an. Doch er kam in jenem Jahr nicht leibhaftig auf Erden zurück. Rüssel wusste sich dadurch zu helfen, dass er nun plötzlich von einer unsichtbaren Wiederkunft zu sprechen begann und beauptete, Jesus throne nun als unsichtbares Geistwesen in den Lufträumen. Russel lehrte, von 1874 weg gäbe es noch eine vierzigjährige Zeit der Prüfung und Ernte. Das Ende der Geschichte träte 1914 ein und gäbe gleichsam den Auftakt zum Millenium. Als sich das angesagte Ende nicht eingestellt hatte, gab es eine grosse Verunsicherung unter Russels Anhängern. Rutherford wusste diese Verunsicherung auszunützen und den verunsicherten Zeugen aus der Patsche zu helfen. Er veröffentlichte eine Schrift mit dem reisserischen Titel «Die Welt ist am Ende - Millionen jetzt Lebender werden nie sterben». In dieser Schrift legte Rutherford eine neue Endzeitberechnung vor. Nach Lev 25 soll das Sabbathjahr mit dem Einzug der Israeliten in Kanaan seinen Anfang genommen haben. Rutherford setzte die Landnahme der Israeliten aufs Jahr 1575 v. Chr. fest. Ein Sabbathjahr wurde alle 50 Jahre gefeiert. Nach Jer 25, 11 muss es im ganzen 70 Jubeljahre geben. Bis zum letzten Sab- --------- (2) Vgl. Zeltschrift «Erwachet» vom 22.9.1971. (3) Vgl. Wachtturm vom 1. Oktober 1951. Zeugen Jehovas 47 bathjahr verstreichen 3500 Jahre. Fügt man nun zum Jahr 1575 v. Chr. 3500 Jahre, so gelangen wir zum Jahr 1925 n. Chr. Rutherford lehrte, 1925 würden die alttestamentlichen Propheten auf die Erde zurückkehren. Für den Empfang der Patriarchen Hess er in San Diego ein schönes Haus bau en mit dem Namen Beth Sarim. Da aber 1925 nichts Besonderes geschah, musste Rutherford die Aufmerksamkeit der Leute auf etwas Neues lenken. Er gab die Erklärung heraus, Jehova habe aus Barmherzigkeit eine Verzögerung gewollt, um besonders in der Alten Welt noch vielen zur Rettung Gelegenheit zu geben.^ So verstand es Rutherford, sich mit Schlauheit aus der Patsche zu helfen. Den apokalyptischen Alarm machte er zum Dauer zustand, indem er erklärte, Harmagedon stehe vor der Türe. Er gab aber vorläufig keine festen Daten bekannt; denn er wusste genau, dass die Leute eine Ruhepause benötigen, bevor man sie wieder mit einem Datum in Spannung versetzen kann. Das nächste veröffentlichte Datum war 1975, jedoch geschickterweise mit einem Fragezeichen versehen. Als Alternativen gab das Direktorium noch die Daten 1996 und 1997 heraus. Immerhin müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass der jetzige amtierende Präsident der «Leitenden Körperschaft», M. G. Henschel, in der Zeitschrift «Erwachet» vom 22. März 1993 auf S. 4 folgendes Eingeständnis gemacht hat: «Jehovas Zeugen haben in ihrem Enthusiasmus für Jesu zweites Kommen auf Daten hingewiesen, die sich als unkorrekt herausgestellt haben.» Was hat es nun mit diesem Harmagedon für eine Bewandtnis? Harmagedon ist jene Schlacht, wo Jehova nach Offb 16,14+16 mit all jenen Völkern abrechnen wird, die sich gegen ihn und sein auserwähltes Volk zu einem Vernichtungskampf aufgemacht haben. Es handelt sich um die endzeitliche hier auf Erden ausgetragene Schlacht schlechthin. Die Zeugen Jehovas fassen aber Harmagedon als eine Endzeitschlacht auf, die gegen sie selber gerichtet ist; denn sie, die Zeugen, sind ja das Auserwählte Volk. Jehova wird als der grösste Feldherr aller Zeiten mit himmlischen Heerscharen gegen alle politischen und falschen religiösen Mächte die gewaltige Schlacht gewinnen. Jehova wird vor dem ganzen Universum gerechtfertigt dastehen. (5)) Den von Jehova geführten Kampf schildern die Zeugen in blutrünstigen Bildern bis ins Detail. Vor allem im Wachtturm vom 15. März 1956 finden wir ein grausames Bild von Jesus. Dieser ist der grosse Keltertreter, der sich mit seinem Trupp in den Keltertrog stürzt, um die hochaufgehäufte Last fauler Früchte zu zerstampfen. Die Pferde, die unter dem Befehl Christi stehen, können beinahe im vergossenen Menschenblut schwimmen. Der Wachtturm vom 15. Juni 1967 malt in geradezu sadistischer Weise aus, wie die durch die Schlacht von Harmagedon entstandenen Leichenfelder ----------- (4) Vgl. Wachtturm vom 1. August 1955. (5) Vgl. Wachtturm vom 15. Mai 1990, S. 5. 48 Zeugen Jehovas zum Fest für die Aas fressenden Geier werden. (6) Alle Menschen, die sich nicht den Zeugen Jehovas anschliessen wollen, gehören zur Klasse der Böcke. Diese Greuelschilderungen sind in den Siebzigerjahren allerdings mehr in den Hintergrund getreten. Zur Sonderlehre der Zeugen gehört, dass Jehova sich eine besondere Heiligtumsklasse sammelt, die für den Aufbau des Tausendjährigen Reiches zugerüstet werden soll. Es handelt sich um die sogenannten 144'000. Zur Zeit Russels begann sich bereits der Stosstrupp zu bilden, eben die Theokratische Organisation. Nur wer zu dieser Organisation gehört, kann in der endzeitlichen Schlacht von Harmagedon überleben und sich eines ewigen irdischen Lebens in Herrlichkeit erfreuen. Nach Harmagedon, das termingerecht 1996/97 stattfinden sollte, folgt das Millenium. Beim Anbruch des Tausendjährigen Reiches gelangen alle verstorbenen Zeugen Jehovas zur Auferstehung. Mit ihnen zusammen erhalten alle jene ihr Leben zurück, die nie die Gelegenheit erhalten haben, die «Frohbotschaft» der Theokratischen Organisation kennen zu lernen. Vor allem jene Zeugen Jehovas, die zur besonderen Klasse der Geweihten gehören, also zu den 144'000, werden mit Christus zusammen die Leitung bei den Aufbauarbeiten im Millenium übernehmen. Dieses wird folgende Kennzeichen aufweisen: Es werden paradiesische Zustände herrschen, d.h. Tod und Krankheit sowie Kriege werden nicht mehr vorhanden sein. Unter den Tieren wird Frieden herrschen.^ Während des Milleniums werden ca. 14 Milliarden Verstorbene auferweckt werden. Die Zeugen Jehovas meinen, dass auf der dann 149 Millionen Quadratkilometer umfassenden Erde soviele Auferstandene Platz haben würden. Einer Bevölkerungsexplosion wird Jehova dadurch entgegenwirken, dass er den Menschen die Fortpflanzungsfähigkeit wegnimmt, im Millennium sollen pro Tag 55*000 Auferweckungen stattfinden. Jene, die noch nicht die Lehre der Zeugen Jehovas kennengelernt haben - und das sind Milliarden von Menschen - brauchen Lehrer. Durch Bekehrungen werden auch die Lehrkräfte im Jahr um drei Prozent zunehmen, so dass schliesslich alle nach Ablauf der tausend Jahre die Lehre der Theokratischen Organisation kennen durften dank einer genügenden Anzahl von Lehrkräften.® Wer sich am Ende des Milleniums nicht von Satan verführen iässt, darf dann ewig auf der paradiesischen Erde leben. Was die Eschatologie betrifft, denken die Zeugen mehr an die Wiederherstellung des ursprünglichen Paradieses, sie denken also mehr regressiv (9) ------------ (6) Vgl. auch Wachtturm vom 1. Februar 1985, S. 4. (7) Vgl. Jes 11, 6-9. (8) Vgl. Wachtturm vom 1. Dezember 1967. 8)) regressiv = hier: rückbildend, wiederherstellend. Zeugen Jehovas 49 Die biblische Sicht ist vor allem die einer Neuschöpfung, die den alten paradiesischen Zustand bei weitem übertreffen wird. Wir haben es also bei den biblischen Perspektiven mit einer progressiven Sicht zu tun. Werner Thiede stellt in seinem Aufsatz «Jehovas Zeugen - Sekte zwischen Fundamentalismus und Enthusiasmus» folgendes fest: «Die apokalyptische Hoffnung des Neuen Testamentes auf einen neuen Himmel und eine neue Erde wird als bloss 'symbolisch' gemeinte ausgegeben: Nach dem Mythos der Zeugen bleibt es bei der alten Erde, die lediglich mit einer neuen, theokratischen Herrschaftsform überzogen und sich entsprechend verändern wer de. Das universal gestimmte 'Siehe, Ich mache alles neu der Johannesapokalypse wird zurückgeschraubt auf ein mythologisch gefärbtes Renovierungsprogramm. »^ ° Typisch für die Zeugen bezüglich der Eschatologie sind die naiv-realistischen Bilder, die im menschlich-Allzumenschlichen verhaftet bleiben. Für die ernsten Bibelforscher ist auch der Zeitbegriff im materialistischen Sinne kalkulierbar und unterscheidet sich nicht von der Ewigkeit. 2. Die Gotteslehre a) Die Lehre von Gott als Jehova In engstem Zusammenhang mit der endzeitlichen Schlacht von Harmagedon erhielten wir bereits etwas Einblick ins Gottesbild. Der Jehova Gott zeigt sich als blutrünstiger Herrscher und Feldherr. Er erweist sich als eine Gottheit, die sich vor den Engeln und Menschen, ja vor dem ganzen Universum, rechtfertigen muss. Jehova sind gewisse sadistische Züge eigen; denn er findet Genugtuung, indem er im Gerichtsakt von Harmagedon sei ne Rachegelüste befriedigen kann. Jehova ist vor allem ein strenge Kontrol le ausübender Aufseher. b) Christologie Auch Jesus sehen die Zeugen Jehovas einseitig als zornigen Richter. Er ist keinesfalls der Heiland der Sünder, der mit werbender Liebe das «Kommt zu mir alle, die Ihr mühselig und beladen seid» spricht, sondern er ist der Vergelter im Auftrag Jehovas. Nach der Auffassung der Zeugen Jehovas ist Jesus Gott nicht wesensgleich. Er ist Geschöpf, dem sie allerdings Präexistenz zubilligen. Im präexistenten Zustand soll Jesus der Erzengel Michael gewesen sein. Während seines Erdenlebens entwickelte sich Jesus zum vollkommenen Menschen. Als sündlos gewordene Person war er imstande, ------------ (10) Werner Thiede, Jehovas Zeugen - Sekte zwischen Fundamentalismus und Enthusiasmus , in: Materialdienst der Evangelischen Zentrale für Weltanschauungsfragen, Stuttgart, 1. Oktober 1993, 8. 281. (11) Vgl. Wachtturm vom 15. Februar 1989. 50 Zeugen Jehovas am Kreuz Sühne zu wirken für jene Menschen, die sich zur Theokratischen Organisation berufen lassen. c) Pneumatologie Der Heilige Geist ist keine Person, sondern lediglich Gottes wirksame Kraft. d) Auseinandersetzung mit der Trinitätslehre a') Unhaltbarkeit von der Bibel her Vor allem verdient nun aber die Ablehnung der Trinität unsere Aufmerksamkeit. Nach der Auffassung der Zeugen Jehovas ist diese Lehre nicht klar und eindeutig in der Bibel formuliert. Wichtig ist ihnen, dass in der ganzen Heiligen Schrift nirgends ein Begriff auftaucht, der mit Trinität übersetzt wer den könnte. In der Sonderausgabe des Wachtturms von 1989 sind Zitate modernistischer Theologen mit einer negativ kritischen Haltung gegenüber der Trinität plötzlich gut genug, um die Auffassung der Zeugen Jehovas zu stützen. So zitieren sie namhafte katholische Theologen als Schützenhilfe wie Karl Rahner, Hans Küng, Herbert Vorgrimmler, aber auch evangelische Theologen. Was ich als erstaunlich erachte, ist das Bemühen, kurz auf das Zeugnis der Kirchenväter einzugehen. Das dürfte ein Novum unter den nicht besonders theologiegeschichtlich interessierten Zeugen Jehovas sein. Sie bringen Zitate der vornicänischen Väter, z. B. von Justin dem Märtyrer, Clemens von Alexandrien, Tertullian, Hippolyt und Origenes. Alle diese Zitate sollen die Auffassung der Zeugen Jehovas bekräftigen. Es ist aber typisch, dass man diese Zitate kaum nachkontrollieren kann.^^ Die Literaturangaben fehlen. Selbst mit dem Stichwortverzeichnis der deutschen Gesamtausgabe der Kirchenväter konnte ich diese Zitate nirgends lokalisieren. So behaupten die Zeugen Jehovas, Jesus vertrete einen strengen Monotheismus und weisen auf die in Mk 12, 29 zitierte Stelle aus Dtn 6, wo es heisst: «Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist allein Herr.» In diesem Zusammenhang ist für sie auch Jes 42, 8 wichtig: «Ich bin der Herr, das ist mein Name, und ich will meine Ehre keinem andern geben ...» Die Zeugen machen geltend, Jesus oder der Heilige Geist würden nirgends als allmächtig bezeichnet. Diese Qualifikation sei nur dem Jehovagott gegeben. Wenn es in Gen 1, 16 von Gott heisst: «Lasset uns Menschen machen nach unserm Bild», so behaupten sie, es handle sich hier lediglich um einen Pluralismajestatis (13) oder einen Intensitätsplural. ----------- (12) Vgl. Wachtturm Sonderausgabe von 1989 mit dem Titel «Sollte man an die Dreieinigkeit glauben?» (13) Pluralismajestatis = Majestätsplural. Zeugen Jehovas 51 Grossen Wert legen die Zeugen Jehovas auf die Präexistenz Jesu. Auch im präexistenten Zustand war er keinesfalls ein Teil einer dreieinigen Gottheit. Sie führen Kol 1, 15 an, wo Jesus als «Erstgeborener der Schöpfung» bezeichnet wird. Die Zeugen Jehovas beziehen Spr 8, 22-28 auf Jesus. Diese Verse sprechen von der Erschaffung der Weisheit, mit der Jesus identifiziert wird. Er ist der Werkmeister, durch den der Jehovagott die materielle Schöpfung ins Leben gerufen hat. Ein weiterer Beweis gegen die Gottheit Christi und somit gegen die Trinität ist der Tatbestand seiner Versuchung. Nach Jak 1, 13 kann Gott gar nicht versucht werden. Also ist Jesus nicht Gott. Hebr 2,9 redet davon, Jesus sei unter die Engel erniedrigt worden. Die Zeugen Jehovas sehen das als klares Indiz an, dass Jesus nicht göttlicher Na tur ist. Ein Gott würde sich niemals Engeln unterstellen. Auch Joh 1, 18 dient den Zeugen als Beweis dafür, dass Jesus Gott nicht wesensgleich sein kann. In 1. Kor 8, 6 unterscheide Paulus unmissverständlich Jesus vom Vater, wobei der Vater allein als Gott qualifiziert werde. Wesentlich ist den Zeugen weiterhin Mk 10, 18, wo Jesus einem reichen Mann antwortet: «Was nennst du mich gut? Niemand ist gut ausser Gott allein.» Weil sich Jesus nach Joh 5,19; 6,38 und 7,16 seinem Himmlischen Vater unterordne, könne er keinesfalls mit ihm wesensgleich sein. Apg 4, 27 spreche von Jesus als einem Knecht, was wiederum auf Unterordnung hin weise. Bei der Taufe Jesu bestätige der Himmlische Vater seinen Sohn, indem er sagt: «Dies Ist mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe.» Die Zeugen meinen nun, eine Wesensgleichheit Jesu mit dem Vater ergäbe den Widersinn, dass der Himmlische Vater sich selber ein Kompliment machen würde. Gott sagte aber dabei auch aus, dass er sein eigener Sohn sei, was wiederum ein Widersinn sei. Wäre Jesus Gott, so würde er beim Gebet zu sich selber beten. Auch der Verzweiflungsschrei Jesu am Kreuz «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» würde bedeuten, dass Jesus zu sich selber geschrieen und sich selber verlassen habe, falls er Gott wäre. Wenn Thomas Jesus als «Mein Herr und mein Gott» angesprochen hat, so ist diese Aussage für die Zeugen nicht stichhaltig. Sie argumentieren da mit, dass in der Bibel Menschen und Engel als Götter bezeichnet werden. Nach der Auffassung der Theokratischen Organisation ist es sogar eine Beleidigung Gottes, wenn von einem andern gesagt wird, er sei ihm gleich. In Hebräer 5, 8 heisst es, Christus habe Gehorsam lernen müssen. Die Zeugen meinen, für eine Gottheit sei es niemals nötig, in einem Lernprozess drinnen zu stehen. Auch machen sie geltend, Stephanus habe bei der ------ ( 14) Vgl. Jes 46, 9. 52 Zeugen Jehovas Steinigung zwei voneinander getrennte Personen gesehen, nämlich Jesus und den Himmlischen Vater, aber nicht den Heiligen Geist. Er sah also keine Trinität. Der Heilige Geist sei niemals eine Person, sondern lediglich Gottes wirksame Kraft. Wichtig ist für die Zeugen, dass der Heilige Geist als Symbol nie eine menschliche Gestalt angenommen hat, sondern die Gestalt einer Taube oder die Form des Feuers oder des Windes. b') Politische Machenschaften Politische Machenschaften sind schuld an der Trinitätslehre. Die Zeugen kommen zum Schluss, Kaiser Konstantin der Grosse habe in der Phase des Konzils von Nicäa der teilweisen Uneinigkeit unter den Bischöfen in bezug auf die Gottheit Christi sein Machtwort entgegengesetzt, um die Einheit des Reiches nicht durch religiöse Spaltungen zu gefährden. So habe er befohlen, die Untertanen seines Reiches müssten die Gottheit Christi als verbindliches Dogma anerkennen. Damit sei denn auch die Grundlage geschaffen worden, um auf dem Konzil von Konstantinopel im Jahre 381 die Trinitätslehre erstmals klar zu formulieren. Die Quintessenz für die Zeu gen Jehovas ist, dass die wichtigsten theologischen Verlautbarungen nicht aufgrund der Bibel entschieden worden sind, sondern aufgrund politischer und klerikaler Erwägungen. Die Formulierung der Trinitätslehre gehört also nach den Zeugen Jehovas zur Apostasie^® der Kirche. In diesem Zusammenhang stellen sie folgende Bibelstellen auf den Leuchter: 2. Thess 2,3+7; Apg 20,29-30; 2. Petr 2, 1; 1. Joh 4, 1-3; Judas 3, 4 sowie 2. Tim 4,3+4. c') Adaption an heidnische Vorbilder Der Hauptgrund zu dieser Apostasie der Trinitätslehre liegt nach den Zeugen Jehovas in der Adaption an heidnische Vorbilder. Die Zeugen meinen, Triaden der Gottheit in der babylonischen und ägyptischen Kultur seien Vorbilder zur Entwicklung der Trinitätstheologie gewesen, aber auch die griechische Philosophie, vor allem jene Piatos. d') Die Trinitätslehre verhindert die wahre Anbetung Gottes Die Zeugen Jehovas bezeichnen die Trinitätslehre sogar als teuflisch. Weil sie diese angebliche Irrlehre nicht vertreten, können sie im Wachtturm mit dem Artikel über die Trinität unter dem Titel «Sollte man an die Dreieinigkeit glauben» folgendes schreiben: «Wenn wir Gott als den Höchsten ehren und Ihn so anbeten, wie Er es will, können wir dem Gericht entgehen, das Gott bald an der abtrünnigen Christenheit vollziehen wird. Wir können statt des- -------- (15)Apostasie = Abfall. Zeugen Jehovas 53 sen mit Gottes Gunst rechnen, wenn das gegenwärtige System zu seinem Ende kommt...» 3. Die Anthropologie Die Anthropologie weist weitgehende Übereinstimmungen mit derjenigen der Adventisten auf. Der Mensch zerfällt als Ganzer. Die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele lehnen die Zeugen Jehovas radikal ab. Sie kennen weder eine Dichotomie"' (16) noch eine Trichotomie (17) , sondern vielmehr einen anthropologischen Monismus, d.h. Leib, Seele und Geist werden nicht unterschieden, sondern bilden eine nahtlose Einheit, die als Ganze sterblich ist. Der Mensch ist so etwas wie ein höher organisiertes Tier. Mit Vorliebe zitieren die Zeugen Jehovas dann auch Prediger 3, 18-20. Zur Anthropologie gehört auch die den Zeugen Jehovas eigentümliche Blutlehre. Sie stützen sich vor allem auf Dtn 12, 23-25 und Apg 15, 29. Blut dürfen die Zeugen weder in Speise noch durch eine Transfusion zu sich nehmen. Im Blut steckt das Wesen oder der Charakter des Menschen gleichsam wie eine materielle Substanz. Deshalb sind Bluttransfusionen strengstens verboten. Lieber stirbt ein Zeuge Jehovas bei einem Verkehrsunfall, als dass er sich Blut von einem anderen Menschen geben Hesse. Zeugen Jehovas tragen häufig auf der Brust eine Etikette mit der Aufschrift: «Bluttransfusion nicht erwünscht». Eine Bluttransfusion führt zu einer unzulässigen Wesensvermischung. In einer Sonderausgabe des Wachtturms vom Jahr 1990 mit dem Titel «Wie kann Blut dein Leben retten?» werden auf 31 Seiten vor allem medizinische Gründe aufgeführt, die gegen eine Bluttransfusion sprechen. An erster Stelle stehen Argumente, die von der Gefahr einer Übertragung von diversen Krankheiten sprechen. Für die Zeugen Jehovas gibt es also kein Jenseits. Auch eine Hölle existiert nicht. Unmittelbar nach der Schlacht von Harmagedon werden verstorbene Menschen durch einen Wiederherstellungsakt des Jehovagottes in die irdische Existenz zurückversetzt. Allerdings betrifft das nur zwei Kategorien von Menschen. Erstens: All jene Menschen, die während ihres Erdenlebens überzeugte Zeugen Jehovas geworden sind. Zweitens: All jene Menschen, die noch keine Gelegenheit erhalten haben, sich mit dem Heilsangebot der Theokratischen Organisation auseinanderzusetzen. All jene Ungläubigen, die die Belehrung der Zeugen Jehovas während des Milleniums nicht annehmen, werden annihiliert''® werden. Ihnen widerfährt das gleiche Schicksal wie jenen, die bei der Schlacht von Harmagedon um kommen sollen. Es gibt nun aber eine spezielle Gruppe unter den Zeugen (16) Dichotomie = Zweiteilung des menschlichen Wesens in Leib und Seele. (17) Trichotomie = Dreiteilung des Menschen in Leib, Seele und Geist, (18) (18) annihiliert = vernichtet. 54 Zeugen Jehovas Jehovas, die im Tod keiner provisorischen Annihilation zum Opfer fallen wie die übrigen Zeugen Jehovas. Es handelt sich um die 144'000, die beim Sterben direkt in den Himmel eingehen. Zum Menschenbild gehört wesentlich, dass eigenes Prüfen und Denken sowie freie Entscheidung klein geschrieben sind. Die Theokratische Organisation versteht den Menschen als ein Wesen, das sie durch Diktatur bevormunden und durch Kadavergehorsam formen muss. Der Mensch zählt als Individuum wenig. Die Theokratische Organisation schätzt vor allem die gehorsame und gefügige Masse. Bei den Zeugen wird der Gehorsam durch Drohungen und Strafmassnahmen erzwungen. Jerry R. Bergman spricht von einer ausgesprochenen Bestrafungsmentalität. Niemand darf Ausgeschlossene, die der Versammlung beiwohnen, grüssen. Jerry Bergman, der die Zeugen Jehovas in psychologischer Hinsicht analysiert hat, meint, Gemeinschaftsentzug diene vor allem als Druckmittel, um die Zeugen Jehovas zu konformem Verhalten zu zwingen.(19) In diesem Punkt unterscheiden sich nun die Adventisten wesentlich von den Zeugen Jehovas. Die Ideologie der Zeugen Jehovas versteht den Menschen kaum als Ebenbild Gottes, der mit seinem Schöpfer persönlichen Kontakt pflegen und sei ne geschenkten Gaben kreativ entfalten soll. In engstem Zusammenhang mit dieser Sicht des Menschen hängt auch die für die Zeugen Jehovas so typische Kulturlosigkeit zusammen. Zur gleichen Schlussfolgerung kommt Werner Thiede, wenn er schreibt: »Dadurch, dass die Leitende Körperschaft dem Durchschnittszeugen eine so grosse Zahl von Entscheidungen abnimmt, wird er auf Dauer in einem kindlichen Zustand gehalten... Ein derartig hilfloser, infantiler Zustand verhindert oder beschränkt die Entfaltung der meisten höher stehenden menschlichen Eigenschaften und Fähigkeiten, wie zum Beispiel die Kreativität, und blockiert den höchst individuellen Wachstumsprozess und das innere Ringen, das uns erst menschlich macht. (20) Ein eigenständiges Denken ist unter den Zeugen Jehovas wenig zu finden. Wenn wir nun zur Lehre der Erlösung übergehen, so stellen wir fest, wie sehr diese mit dem dargestellten Menschenbild korrespondiert. (Fortsetzung folgt) (19) Jerry R. Bergman, Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas, Ahrensburg 1991 S. 36. (20) Vgl. Werner Thiede, a.a.O., S. 287. ======================= Zeugen Jehovas 86 Fundamentum 1995/1 Kleine Sektenkunde Zeugen Jehovas Ideologie der Entmündigung 2. Teil Dr. theol. S. Leuenberger (Biographische Angaben finden sich am Ende des Artikels) 4. Die Soteriologle (1) Die Anthropologie der Zeugen Jehovas hat ihre klaren Konsequenzen. Weil der Mensch dem Tier gegenüber keinen Vorzug hat, deshalb gibt es auch keine geistigen Werte zu pflegen. Das zeigt sich in der Soteriologie. Erlösung beinhaltet lediglich ein Weiterexistieren auf Erden unter vollkommenen materiellen Bedingungen. Geistige Momente kommen kaum zum Tra gen. Weil die Zeugen Jehovas die biblische Lehre von der Wiedergeburt ablehnen, geht es bei der Erlösung nicht um den erneuerten Menschen mit der Frucht des Heiligen Geistes. Es geht um reinen Eudämonismus^, um Wohlfahrtserlebnisse. Bei den Vorstellungen vom Leben auf der Neuen Welt fehlt die himmlische Liturgie als Dank, Anbetung und Lobpreis. Bei der Erlösung handelt es sich um eine Existenz, das Leben eines «homo consumens» (3) ohne zeitliche Begrenzung führen zu können. Erlösung be deutet, sich für immer irdischer Wohlfahrt ohne Todesbedrohung freuen zu dürfen, wobei die Befriedigung biologischer Bedürfnisse im Vordergrund steht. 5. Ethik a) Dekalogethik Ein Zeuge Jehovas möchte den Dekalog' ( 4) ernst nehmen. ( 5) Libertinistische Tendenzen gibt es nicht. In der treuen Gesetzeserfüllung sind die Zeugen oft vorbildlich. Sie setzen viel dran, ihren Glauben in die Tat umzusetzen. -------------- (1) Soteriologie = die Lehre von der Erlösung, vom Heil. (2) Eudämonismus = Ethik, die behauptet, dass das Gute im Glück bestehe. (3) Homo consumens = konsumierender Mensch. (4) Dekalog = 10 Gebote. (5) Vgl. Wachtturm vom 15. November 1989. Zeugen Jehovas 87 Allerdings steckt dahinter häufig die Angst, in der Schlacht von Harmagedon nicht bestehen zu können. Die Zeugen haben sich vor allem im Dritten Reich unter schauderhaften Umständen bewährt. In den Konzentrationslagern fielen sie auf durch ihre Sauberkeit, aber auch durch ihre Hilfsbereitschaft selbst anders Gesinnten gegenüber. Trotz Folterungen und Prügelstrafen Hessen sie sich nicht zu Lästerungen oder dergleichen hinreissen. Die Kommunistin Margareta Buber-Neumann war Gefangene im Block 3 im Konzentrationslager zu Ravensbrück, wo sie vorwiegend mit Zeuginnen Jehovas zusammen war. In ihrem Buch «Als Gefangene bei Stalin und Hitler» berichtet sie darüber, wie vorbildlich sich die Zeugen Jehovas aufgeführt haben. Man konnte mit ihrer Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit rechnen. Sie teilten immer wieder Essensrationen mit solchen, die mehr Nahrung benötigten. Einschüchterungsversuche nützten nichts. Die Zeugen gingen lieber in den Tod als ihrer Lehre abzuschwören. Sogar ein grosser Naziführer wie Himmler fand würdigende Worte für die Zeugen. Ihre unglaubliche Opferbereitschaft hinterliess sogar bei den Folterknechten einen nachhaltigen Eindruck. Viele Zeugen Jehovas starben als Märtyrer. Sie waren bereit, für die Theokratische Organisation alles herzugeben, Hab und Gut, Gesundheit, ja selbst das Leben. Für die Theokratische Organisation ist es wichtig, dass ihre Mitglieder auf dem Arbeitsplatz durch ihr Verhalten ein besonders gutes Beispiel geben. b) Staatsethik Die Pflichten gegenüber Staat und Nation erfüllen die Zeugen nur mit Widerwillen; denn die Theokratische Organisation lehrt grundsätzlich, der Staat sei ein Werkzeug des Teufels. Allerdings herrscht heute in dieser Hinsicht etwas mehr Zurückhaltung. Der Staat gehört zum sog. «gegenwärtigen System», das man nicht durch eine Armee stützen darf. Deshalb verweigern die Zeugen den Wehrdienst. Immerhin verstehen sie seit 1962 die in Römer 13 erwähnte Obrigkeit als die von Jehova eingesetzte Macht zur Aufrechterhaltung von Ordnung. Die finanzielle Schuld gegenüber den Behörden zahlen sie im allgemeinen gewissenhaft. c) Der Geist der Engführung des Gesetzes («Gesetzlichkeit») Bei der sog. «Gesetzlichkeit» geht es darum, den vom Schöpfer den Menschen durch Verordnungen als Hilfe vorgezeichneten Weg schmäler zu machen, als er von Gott her ursprünglich ist. So wird das Gesetz zur Schikane und kann keine wirkliche Lebenshilfe mehr sein. Bei dieser Engführung der Ordnungen Gottes geht es oft um Extravaganzen, bei deren Erfüllung der Zeuge das Gefühl erhält, sich besondere Verdienste zu erwerben. Bei dieser Art von Gesetzeserfüllung verliert man den Blick für das Wesentliche. 88 Zeugen Jehovas So darf z.B. ein Zeuge an keinem Fest mit fröhlichem Rahmen teilnehmen, sei es an einem Jubiläum einer Firma oder an Hochzeiten von Verwandten, die nicht zur Theokratischen Organisation gehören. Alles, was den Charakter des Vergnügens hat, wie der Besuch eines Konzertes, einer Sportveranstaltung, eines Theaters usw., gilt als Vergeudung von Zeit, die man für den Zeugendienst einsetzen sollte. Ein Zeuge darf keinem Verein angehören, also keinem weltlichen Männer- oder Frauenchor, keinem Schachclub oder Schützenverein. Eine Ferienreise, ja überhaupt das Verbringen von Ferien, ist für die Zeugen Jehovas Luxus, auf den sie verzichten müssen. Dieser unnatürliche Opferzwang dürfte einer der Ursachen sein, weshalb Zeugen wenig Freude ausstrahlen. Zu diesem Geist der Engführung gehört vor allem auch das Verbot von Bluttransfusionen. Verpönt ist das Essen von Blutwürsten oder jeglicher Nahrungsmittel, wo Blutextrakt beigemischt worden ist. 6. Ekklesiologie a) Äussere Strukturen Beim frühen Russel zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist das Sektiererische noch nicht eindeutig zum Vorschein gekommen. Rüssel betrachtete anfänglich alle wahrhaft Gläubigen als zur Kirche Christi gehörig unabhängig von ihrer Konfession. Diese ökumenische Haltung findet man noch in einem Wachtturm aus dem Jahre 1910. Rutherford war es, der die Wachtturmgesellschaft mit ihren Anhängern zur endzeitlichen Heilsgemeinde erklärte. Schon die späteren Ersatznamen sind für die Ekklesiologie der Zeugen Jehovas bezeichnend. In den Dreissigerjahren ist der Begriff «Theokratische Organisation» entstanden. 1953 kam eine weitere Bezeichnung hinzu, nämlich «Neue-Welt-Gesellschaft». Bei der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas handelt es sich in erster Linie um eine kalte und geschäftstüchtige Organisation. Diese masst sich an - so weit es die «Leitende Körperschaft», also das höchste Gremium betrifft - Stellvertreter Gottes auf Erden zu sein. Die Organisation der Zeugen Jehovas können wir am besten mit einem riesigen Konzern vergleichen, der sich durch das Vertreiben von Traktaten zu einer Finanzmacht hohen Ranges aufgeschwungen hat. Doch dieser Konzerncharakter wird gut getarnt. Die «Theokratische Organisation» interpretieren die Zeugen als Jehovas eigene Schöpfung, die ihren Ursprung im Himmel hat. Was man organisatorisch auf Erden sieht, ist die Verlängerung der unsichtbaren Organisation der 144'000, die sich teilweise bereits im Himmel befinden. Die «Theokratische Organisation» ist gleichsam die Braut Jehovas. Bei der «Theokratischen Organisation» setzt sich das oligarchische (6) Prinzip durch ----------------- (6) Oligarchie = Herrschaft Weniger. Zeugen Jehovas 89 und zwar in der «Leitenden Körperschaft», die vor 1971 noch unter dem Namen «Direktorium» bekannt gewesen ist. Die «Theokratische Organisation» mit ihrer oligarchischen Führungsspitze ist irrtumslos und steht unter der vollkommenen Herrschaft Gottes, ja sie ist der direkte Verbindungskanal zu Jehova. Diese Organisation versteht sich als Jehovas Sturmbock gegen Satan. Sie ist die einzige Trägerin von Jehovas Verheissungen. Nur bei Ihr gibt es Rettung aus dem scheusslichen Gericht von Harmagedon. Gott handelt nicht mit Einzelpersonen. Er ist nur an der «Theokratischen Organisation» als Kollektiv interessiert. Nur wer dieser Organisation angehört, wird von Gott ernst genommen. ( 7) Die «Neue-Welt-Gesellschaft» versteht sich als Mittelpunkt der Geschichte. Alle grossen geschichtlichen Umwälzungen oder wirtschaftlichen Krisen infolge von kriegerischen Auseinandersetzungen gelten letztlich den Zeugen Jehovas, weil diese derart wichtig sind, dass alle Mächte dieser Welt sich gegen sie aufmachen. Zu diesen Mächten gehören die etablierten Kirchen, aber auch die Finanz- und Wirtschaftsmächte. Kritik gegenüber der «Theokratischen Organisation» gilt als Abfall. Den von der Leitung ausgehenden lehrmässigen Verlautbarungen schuldet der Zeuge absoluten Gehorsam. Die «Theokratische Organisation» versteht sich als Sklave Jehovas. Zur ekklesiologischen Eigenart der «Theokratischen Organisation» gehört es, dass sie sich gut mit einer Fabrik vergleichen lässt. Alle funktionieren den Räder sind in dieser Fabrik gleichsam durch Transmissionsriemen mit der Leitungsitze verbunden, wobei Christus als Produktionsleiter verstanden wird.® Christus leitet diese Organisation so, dass das Maximum an Produkten herausgewirtschaftet wird. Die einzelnen Zeugen sind die Arbeiter dieser Fabrik. Es geht vor allem um Riesenproduktion und Umsatz. Die von der Wachtturmgesellschaft herausgegebene Broschüre «Die Wahrheit, die zum ewigen Leben führt», hat eine Auflage von 63 Millionen erreicht. 1980 gelang es der Wachtturmgesellschaft, ihre Schriften in 106 Sprachen herauszugeben. Die «Theokratische Organisation» ist eine riesige Propagandamaschine. Damit man ein Maximum an Traktaten an den Mann bringen kann, braucht es Prediger und Kolporteure, die mehr oder weniger ehrenamtlich für den Konzern werben. b) Innere Strukturen Was sich in den Königreichssälen abspielt, dürfen wir nicht als Gottesdienst im eigentlichen Sinn bezeichnen. Lob und Preis sowie Verkündigung der -------- 7 Vgl. Wachtturm vom 1. April 1948. 8 ® Diesen Vergleich findet man im Wachtturm vom 1. März 1957. 90 Zeugen Jehovas Frohbotschaft kommen kaum zum Zug. Die Predigten sind einseitig Lehrvorträge mit einer Drohbotschaft. Es gibt keine Proklamation der freien Gnade und Liebe Gottes in Jesus. Selbst in den Liedern und Gebeten herrscht das Lehrmässige derart vor, dass Lob und Dank stark in den Hintergrund treten. Das 1966 neu eingeführte Liederbuch trägt zu Unrecht den Titel «Singt und spielt dabei Jehova in euren Herzen». Es handelt sich in diesem Buch um 119 Lieder, in denen das Lehrgut der «Theokratischen Organisation» in simplen Reimen zum Ausdruck kommt. Eine Strophe aus Lied 65 möge als Beispiel genügen: «Sei loyal zu deinem Bruder, hilf dem Neuen Immer gern. Mit dem Schwachen zu studieren hilf Ihm, Felddienst zu vermehren. So wie Im Familienkreise, zeigen wir Loyalität; nie misstrauen wir einander, jeder treu zum Bruder steht.» Alle guten traditionellen Melodien aus kirchlichen oder freikirchlichen Kreisen werden als von babylonischer Herkunft abqualifiziert. Es handelt sich bei den Liedern der Zeugen hinsichtlich der Melodien um eine Neuschöpfung. Das immer wiederkehrende Hauptthema ist der Ansporn zum Verkündigungsdienst. Treffend charakterisiert Kurt Hutten die Versammlungen der Zeugen Jehovas, wenn er sagt: «Die Versammlungen haben denn auch viel mit kommunistischen Agitatlons- und Propaganda-Trupps gemeinsam: Es sind Werbe- und Propagandagruppen, die zusammen kommen, um sich zu schulen und anfeuern zu lassen, Dienstanweisungen In Empfang zu nehmen und Ihre Werbemethode zu verbessern.» (9) Fassen wir diese Ekklesiologie in wenigen Sätzen zusammen: Es handelt sich bei der «Theokratischen Organisation» nicht um einen Organismus, sondern um eine starre, kasernenartige Ordnung zur Beherrschung dienstbarer Sklaven. Es geht im Wesentlichen darum, genügend Sklaven heran zuziehen, um die literarischen Erzeugnisse der Wachtturm-Gesellschaft in rentabler Welse zu vertreiben. Die Maschine des Traktatverteilungskonzerns darf ja nicht zum Stillstand kommen. Weil die Menschen bloss Räder im Getriebe sind, darf man sie jederzeit auswechseln. In diesen Rädern ist ja keine Seele mit postmortaler Existenz. Von dort her versteht es sich auch, weshalb Menschen verheizt werden dürfen. Liebeswerke im Sinn sozialer Hilfeleistungen finden in dieser ekklesiologischen Konzeption konsequenterweise keinen Platz. Fröhliche und herzliche Gemeinschaft können sich in diesem System nicht entfalten, da die ganze Mentalität auf Leistung und Akkord erpicht ist. Die dienstbaren Sklaven Jehovas werden von ihren ^ -------------- (9) Kurt Hutten, Seher, Grübler, Enthusiasten, Stuttgart: Quell-Verlag der Ev. Ges., 1982, 8. 113-114. Zeugen Jehovas 91 Vorgesetzten sogar ermuntert, Konflikte und Verfolgungen zu provozieren, weil es werbewirksam sei. 7. Schriftverständnis a) Ein widerbiblisches und unreformatorisches hermeneutisches Prinzip Auffallend ist, dass das reformatorische «sola scriptura (10) vergeblich zu suchen ist. «Fundamentalist» zu sein bedeutet noch lange nicht, das reformatorische «sola scriptura» ernst zu nehmen. Die Zeugen verstehen sich als strenge «Fundamentalisten». Jedes Wort ist vom Geist Jehovas eingegeben. Doch sieht die «Neue-Welt-Gesellschaft» die Bibel flächenhaft. Jede Aussage ist gleichwertig. Es gibt keine verschiedenen Akzente, was folgende ernste Konsequenz mit sich bringt: Das «scriptura sui ipsius interpres» ( 11) findet keinen Platz in ihrem Schriftverständnis. Das meines Erachtens sehr wesentliche hermeneutische Prinzip «Was Christum treibet» ( 12) ist unauffindbar. Das Zentrum der Bibel, auf das die ganze Interpretation der Zeugen hinausläuft, ist der auf das Millenium ( 13) zugehende Geschichtsplan Jehovas mit der Schlacht von Harmagedon. Die Bibel verstehen die Zeugen Jehovas als Baukasten mit jeweils kongruenten Bauelementen, die alle ineinander passen wie bei einem Lego-Baukasten. Kreuz und quer darf der Zeuge diese Bauelemente der Bibel aus dem Zusammenhang herausnehmen und willkürliche Verbindungen konstruieren, um die Ideologie der «Theokratischen Organisation» zu rechtfertigen. Was nun aber vor allem dem «sola scriptura» widerspricht, ist die Auffassung der nicht abgeschlossenen Offenbarung. Die «Leitende Körperschaft», die Spitze der «Theokratischen Organisation», hat die Kompetenz, neue Offenbarungen von Jehova zu empfangen und weiterzugeben. Für die Zeugen Jehovas besteht Bekehrung darin, sich davon überzeugen zu lassen, dass die Wachtturm-Organisation der Kanal Gottes ist und man ihr deswegen folgen muss. (14) Die richtige Interpretation der Bibel wird immer wieder durch die verlässliche Erkenntnis vermittelnden Traktate und Bücher der «Theokratischen Organisation» gegeben, so dass eine identitätsstiftende Gesamtorientierung zustande kommt. ----------------- 10 Sola scriptura = Allein die Schrift. 11 Scriptura sui ipsius interpres = Die Schrift ist ihr eigener Ausleger, 12 Martin Luther hat sehr viel Gewicht auf dieses «Was Christum treibet» gelegt. Für ihn war dies das wichtigste Auslegungsprinzip für das richtige Verständnis der Bibel. 13 Millenium = Das Tausendjahrreich. 14 Vgl. J. R. Bergmann, Zur seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas, Ahrensburg, 1991, S. 55 92 Zeugen Jehovas b) An den Haaren herbeigezogene Interpretationen Wichtige Begriffe im Schriftverständnis der Zeugen Jehovas sind Vorausschattung und Gegenbild An und für sich sind diese Begriffe durchaus brauchbar. Doch müssen wir uns an den Kopf greifen, wenn wir sehen, was die Zeugen aus diesen Begriffen machen. Hiob 40,15-41,25 soll eine Vorausschattung heutiger technischer Errungenschaften sein. Die Kapitel 40 u. 41 im Buch Hiob schildern ein Ungeheuer, das mit Behemot oder Leviathan bezeichnet wird. In diesem Ungeheuer sehen sie eine Vorausschattung für die Dampfmaschine und Dampflokomotive. 1940 gab das Direktorium eine andere Interpretation als verbindlich heraus: Der Leviathan sei eine Versinnbildlichung für die Organisationen Satans. Nahe verwandt mit den Vorausschattungen sind die sog. «Parallelisierungen». Der Unterschied besteht in folgendem: Eine Vorausschattung meint nur ein bestimmtes Ereignis der Zukunft. Eine Parallelisierung lässt sich für verschiedene Ereignisse in der Zukunft einspannen. Bekannt ist die parallelisierende Deutung von Simson und den 300 Füchsen, deren Schwänze er in Brand gesteckt hat. Die Füchse sind die Millionen von Traktaten der «Theokratischen Organisation», die den geistlichen Nahrungsvorrat aller falschen Kirchen in Brand gesteckt haben. Der er grimmte Simson, der mit einem Eselskinnbacken 1000 Philister erschlagen hat, ist das Mundwerk der Zeugen Jehovas. Diese haben damit unzählige Anhänger der falschen Religion mundtot gemacht. Die Zeugen bemühen sich überhaupt nicht um den Literalsinn der Bibel. Der geschichtliche und kulturelle Zusammenhang wird sehr einseitig und vor allem nicht auf einem akzeptablem Niveau reflektiert. c) Begriffsverfremdungen durch die «Neue-Welt-Übersetzung» mit ihrem spiritistischen Hintergrund 1961 kam die «Neue-Welt-Übersetzung» heraus, welche die Bibel als Propagandaschrift für die «Theokratische Organisation» umfunktioniert. Die von den Zeugen Jehovas geschaffene Terminologie prägt diese Übersetzung. Im Neuen Testament wird das für Christus im Grundtext gebrauchte Wort «Kyrios», was Herr bedeutet, mit Jehova übersetzt. Als Beispiele mö gen folgende Stellen dienen: 1. Kor 1,31 wird nicht übersetzt mit «Wer sich rühmt, rühme sich des Herrn», sondern «Wer sich rühmt, rühme sich in Je hova»; Kol 3, 23 wird nicht übersetzt mit «Was immer ihr tut, daran arbeitet von Herzen als für den Herrn», sondern «Was immer ihr tut, daran arbeitet mit ganzer Seele als für Jehova ...» Eine Stelle, die einige Kommentatoren auf Christus beziehen, ist jenes Ich-bin-Wort von Offb 1, 8, wo es heisst: ^®Vgl. Wachtturm vom 15. Mai 1967. Zeugen Jehovas 93 «Ich bin das A und O, sagt Gott der Herr, der ist und der war und der kommt, der Allmächtige.» Diese Stelle gibt die Neue-Welt-Übersetzung mit «Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Jehova Gott...» wieder. Überall, wo die Trinitätslehre anklingt, wird sie aus dem Text herausgenommen. Der universelle Versöhnungswillen Gottes wird im Text derart abgeändert, dass der Heilswille Gottes sich nur auf die Schar der Zeugen Jehovas bezieht. Das griechische Wort «aion», das im Urtext des Neuen Testaments je nach Zusammenhang mit Zeitabschnitt, Zeit oder Ewigkeit über setzt werden kann, gibt die «Theokratische Organisation» mit «System der Dinge» wieder. Die «Neue-Welt-Übersetzung» ändert jene Wörter sinnverfremdend ab, die mit Verkündigung zu tun haben. Statt «verkündigen» heisst es dann «unterweisen», «lehren». Überall, wo im griechischen Grundtext «Ekklesia» (Kirche, Gemeinde) steht, verwenden die Zeugen Jehovas den Begriff «Organisation». In der neuesten Übersetzung wird mit «Versammlung» übersetzt. Das Wort Kreuz wird in «Pfahl» abgeändert. Wo die Rede von der allerbarmenden Liebe Gottes ist, gilt diese nur den Zeugen. Der Verlorene Sohn ist einer, der eingesehen hat, dass er zur «Theokratischen Organisation» zurückkehren muss. Dass es in dieser Organisation der Zeugen Jehovas nicht um die Freiheit der Kinder Gottes geht, sehen wir in der für die ernsten Bibelforscher so typischen Übersetzung von Römer 12, 11, wo folgendermassen übersetzt wird: «Dient als Sklaven für Jehova» statt «Seid für den Herrn zum Dienst bereit.» Das hermeneutische Prinzip ist nicht die Selbstauslegung der Bibel und schon gar nicht das «was Christum treibet», sondern «was Harmagedon treibet». Die Bibel kann grundsätzlich nur durch die Schriften Russels und Rutherfords richtig verstanden werden. Alarmierend muss es für uns sein, wenn wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass die «Neue-Welt-Übersetzung» sich teilweise an die Übertragung des Neuen Testaments durch einen ehemals führenden Spiritisten anlehnt. Es handelt sich um Johannes Greber (1876-1944), der nach seinem Austritt aus der katholischen Kirche nach dem ersten Weltkrieg in New York eine spiritistische Gemeinschaft gründete. Er übersetzte das Neue Testament aus dem Griechischen, wobei ihm abgeschiedene Geister geholfen haben sollen. Diese Übertragung wurde unter dem Titel «Das neue Testament aus dem Griechischen neu übersetzt und erklärt» herausgegeben. Die «Neue-Welt-Übersetzung» zeigt die Anlehnung an diese Übersetzung des Neuen Testaments von Greber In jenen Passagen, die für die Christologie von Bedeutung sind. Kolosser 1, 15 wird in engster Verbindung mit Grebers Übersetzung so paraphrasiert, dass Jesus nicht mehr der unerschaffene Sohn Gottes ist, sondern «ein Erster unter den Geistgeschöpfen.» Die Spekulation, Jesus sei in seinem präexistenten Zustand der Erz- 94 Zeugen Jehovas engel Michael gewesen, haben die Zeugen Jehovas von Greber übernommen. Grebers Übertragung von Johannes 1, 1 geriet ebenfalls in die «Neue-Welt-Übersetzung», wo die Stelle folgendermassen wiedergegeben wird: «Und das Wort war ein Gott» statt «das Wort war Gott.» Es ist vordergründig paradox, dass ausgerechnet die Wachtturmgesellschaft, die ein materialistisches Weltbild kennt, sich in jenen für die Christologie wichtigen Passagen den Textmodifikationen eines Spiritisten an gleicht. Und doch ist eine gewisse Verwandtschaft gerade im Hinblick auf den Materialismus zwischen den Zeugen Jehovas und dem Spiritismus festzustellen. Bei beiden ist nämlich das Leben nach dem Tod im grossen und ganzen eine Fortsetzung des irdischen Lebens unter vollkommenen Bedingungen. Der Unterschied zu den Zeugen Jehovas besteht lediglich darin, dass es bei den Spiritisten keine provisorische Unterbrechung durch Annihilation gibt. Die Botschaften des verstorbenen Mediums Beatrice Brunner von der spiritistischen Kirche «Geistige Loge Zürich» waren immer wieder gekennzeichnet durch Beschreibungen irdischer Wünsche, die man ins Jenseits verlagerte. So vernahm man vom abgeschiedenen Geist Josef, der jeweils durch Beatrice Brunner gesprochen haben soll, wie gewisse Verstorbene nun in ein neues schönes Haus eingezogen seien und sich elegante Kleider beschafft hätten usw. Was bei den Spiritisten ein Jenseits ist, zeigt sich bei den Zeugen Jehovas als ein mit Unterbruch fortgesetztes Diesseits. Die Wahrheit «les extremes se touchent ( 16) bestätigt sich hier. Im Wachtturm vom 1. Juli 1983 musste die «Theokratische Organisation» Rechenschaft darüber ablegen, weshalb sie den Spiritisten Greber für ihre Bibelübersetzung zuhilfe genommen hatten. Die Antwort lautete, sie hätten Greber nur gelegentlich verwendet, um gewisse Stellen in der «NeuenWelt-Übersetzung» stützen zu können. Es geht aber um das Zentrale, um die Christologie. Liest man im Buch von Johannes Greber «Verkehr mit der Geisterwelt», so entdecken wir weitgehend die Christologie der Wachtturmgesellschaft. Es lohnt sich, Grebers «Neues Testament aus dem Griechischen neu übersetzt und erklärt» aus dem Jahr 1936 zu konsultieren und mit der «Neuen-Welt-Übersetzung» zu vergleichen. Aufschlussreich ist eine Gegenüberstellung der «Neuen-Welt-Übersetzung» von Mt 27, 52-53 mit Grebers Version. Die «Neue-Welt-Übersetzung» lautet folgendermassen: «Und die Gedächtnisgrüfte wurden geöffnet und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden aufgerichtet und Leute, die nach seiner Auferweckung von den Gedächtnisgrüften herkamen, gingen in die Stadt und sie wurden vielen sichtbar.» Nun die englische Fassung von Johannes Greber: «Tombs were laid open, and many bodies of tho (16) franz.; Die Extreme berühren sich. Zeugen Jehovas 95 se buried were tossed upright. In this posture they projected from the graves and were seen by many who passed by the place on their way to the cIty.» Auf Deutsch müsste man das so wiedergeben: «Grüfte wurden geöffnet und viele beerdigte Leichname wurden in aufrechtstehender Haltung hochgeschleudert. In dieser Position ragten sie aus den Gräbern heraus, wobei sie vielen, die an der Stelle auf ihrem Weg in die Stadt vor beizogen, sichtbar wurden.» Im Wachtturm vom 21. Juli 1962, der in Bogota erschienen ist, finden wir einen interessanten Kommentar zu dieser Stelle von Mt 27. Der Kommentar zeigt ein Verständnis, das in Zusammenhang mit Grebers Übersetzung stehen muss. Die Übersetzung dieses Kommentars aus dem Englischen sieht folgendermassen aus: «Wie dem auch immer sei, ein Vergleich der Auferstehungstexte macht es deutlich, dass diese Verse keine Auferstehung beschreiben, sondern lediglich den Auswurf von Körpern aus den Gräbern vergleichbar mit Ereignissen in Equador 1949 und wiederum in Bogota 1962, als 200 Leichname anlässlich eines gewaltigen Erdbebens im Friedhof aus den Gräbern geschleudert wurden.» Ein ehemaliges Mitglied der «Leitenden Körperschaft», R. Franz, hat in seinem Buch «Der Gewissenskonflikt» eine gründliche Abrechnung mit den Lehren der Zeugen Jehovas gemacht. Er schreibt in bezug auf das Schriftverständnis folgendes: «Alle Veränderung in mir erwuchs aus der Einsicht, dass ich die Bibel aus einer total sektiererischen Sicht heraus gesehen hatte - wovor ich mich eigentlich geschützt geglaubt hatte. Als ich die Heilige Schrift für sich selbst sprechen Hess, ohne dass alles erst durch den Trichter einer fehlbaren menschlichen Einrichtung als 'Kanal' gegangen war, machte ich die Entdeckung, dass sie erheblich an Aussagekraft gewann. Ich war höchst erstaunt darüber, wieviel Wichtiges mir vorher entgangen war.» (17) Wie weit die «Theokratische Organisation» im Sektiererischen steckt, se hen wir besonders auch daran, dass weder Weihnachten, Ostern, Himmel fahrt, noch Pfingsten gefeiert wird. (Fortsetzung folgt) 17 Raymond Franz, Der Gewissenskonflikt, München: Claudius Verlag, 1988, S. 215. 96 Zeugen Jehovas Der Autor: Pfr. Dr. Samuel Leuenberger wurde als Sohn eines reformierten Pfarrers 1942 in l\/loutier geboren. Bereits in den Teenager-Jahren machte sich bei ihm ein starkes Interesse am römischen Katholizismus bemerkbar. Dank seiner wertvollen Kontakte mit einem katholischen Jugendseelsorger er hielt er die Möglichkeit, mehrere Jahre in einem Benediktinerkollegium zu studieren und dort im Jahre 1964 die Matura zu absolvieren. Seine Auseinandersetzung mit dem Katholizismus fand eine notwendige Ergänzung durch die Studienjahre an der evangelisch-reformierten Fakultät in Bern. Ein Auslandssemester in Oxford 1966/67 führte auch zur eingehenden Beschäftigung mit dem Anglikanismus. Nach dem Staatsexamen in Bern folgten zwei Studienjahre in den USA, in die auch ein einjähriges Gemeindepraktikum eingeschlossen war. in den USA entdeckte Samuel Leuenberger erweckliches Christentum, dessen Impulse er in seiner Tätigkeit als landeskirchlicher Pfarrer in der Schweiz weiterzugeben versucht. 1975 begann er mit seiner Doktorarbeit und promovierte im März 1984 in Stellenbosch/Südafrika. Während der Auseinandersetzung mit seiner Doktorarbeit wurde er von der Richtigkeit der reformatorischen Wahrheit überzeugt. Pfr. Dr. Samuel Leuenberger ist seit 1986 Pfarrer an der reformierten Kirche in Schlossrued und lehrt seit 1985 an der STH Basel Kirchen-, Sekten- und Weitanschauungskunde. Veröffentlichungen: - »Cultus Ancilla Scripturae, das Book of Common Prayer als erweckliche Liturgie - ein Vermächtnis des Puritanismus», in: Bo Reicke (Hrsg.), Theologische Dissertationen, Bd. XVII, Basel: Friedrich Reinhardt Kommissionsveriag, 1986 (Vorstellung dieser Dissertation in FUNDAMENTUM 4/1984, S. 86-106). - «Archbishop Cranmer's Immortal Bequest», Grand Rapids: Eerdmans, 1990. - «Die theosophischen Wurzeln von New Age», in: P. Beyerhaus/L. von Padberg (Hrsg.), Eine Welt - eine Religion?, Assiar: Schulte & Gerth, 1988. - «Jesu Sicht der Heiligen Schrift», FUNDAMENTUM 2/1989. - «Zum 500. Geburtstag des englischen Reformators Thomas Cranmer», FUNDAMENTUM 4/1989. - -«Pluralistisches New Age: Seine totalitären Elemente», FUNDAMEN TUM 2/1991. - «Die Homöopathie Hahnemanns in der Sicht Herbert Fritsches», FUN DAMENTUM 1/1992. ============ 1995/2 Fundamentum Zeugen Jehovas Kleine Sektenkunde Zeugen Jehovas Ideologie der Entmündigung Schluss Dr. theol. S. Leuenberger (Biographische Angaben finden sich in FUNDAMENTUM 1/1995, S. 96) V. Versuch einer seelsorgerlichen Konfrontation und Argumentation 1. Werkgerechtigkeit Bei den Zeugen Jehovas sollten wir bei der Werkgerechtigkeit einsetzen. Glauben bedeutet bei den Zeugen Jehovas in erster Linie Felddienst tun. Es handelt sich um den ausweisbaren und verbuchbaren Einsatz, mit dem man sich in der «Theokratischen Organisation» die Rettung erkaufen kann. Diese Werkgerechtigkeit könnten wir mit Zeugen Jehovas, die uns besuchen, anhand von Galater 2, 15-16 sowie 3, 10-11 und Römer 3, 23ff reflektieren. Reflexion dürfte für die Zeugen etwas Neues und Unbekanntes sein, das sich vom Indoktriniert werden wohltuend abheben könnte. Mit diesen Stellen geben wir ihnen die Chance, dass sie etwas von der Selbstinterpretation der Heiligen Schrift ahnen können. Man muss die Zeugen bei ihren Monologen unterbrechen und ihnen mit Vollmacht kundtun, dass wir für sie eine Frohbotschaft hätten. Wie wäre es, sie darauf hinzuweisen, wie menschenfreundlich doch unser biblischer Gott ist, der nicht einen krampf haften Einsatz auf Kosten der Familie und der Gesundheit von einem verlangt? Sie müssen das zu hören bekommen, dass in Christus die Menschenfreundlichkeit Gottes erschienen ist, und dass es zu dieser Menschenfreundlichkeit gehört, uns Freizeit zur Erholung zu gönnen. Wir dürfen den Zeugen zurufen: Gott befreit euch in Jesus vom Zwang, Ihm eure Ver dienste vorrechnen zu müssen. Der Zeuge braucht die Herausforderung durch die Heilige Schrift, z.B. durch Titus 3, 4-7. Dieser Text und mit ihm viele andere Steilen widerlegen eindeutig eine gesetzliche Verdienstethik. 94 Zeugen Jehovas 2. Das Gottesbild a) Das Bild vom Jehovagott Dieses Bild, das unter Jehova den sich an Racheakten weidenden und sich vor der Menschheit rechtfertigenden Gott sieht, widerspricht dem Zeugnis des Alten und Neuen Testaments. Psalm 103 zeigt ein wesentlich anderes Bild von Gott als das der Zeugen Jehovas. b) Das Verständnis von Jesus Den Zeugen sollte man aufzeigen, wie die Ablehnung der Gottheit Jesu nur durch einen «Murks» möglich ist. Es ist auffällig, wie die Zeugen in ihrer Literatur zur Widerlegung der Gottheit Christi die so wichtigen johanneischen Ich-Bin-Worte Jesu nicht heranziehen. Ein Mensch, der nur Geschöpf wäre, könnte niemals von sich behaupten, das Licht der Welt, der Weg, die Wahrheit, das Leben, die Auferstehung, die Türe, der wahre Weinstock, das Brot des Lebens und das A und O zu sein. Auch das Zeugnis der Schrift, dass Jesus ohne Sünde durch dieses irdische Leben gewandelt ist, ist nur denk bar, wenn wir die Gottheit Christi voraussetzen. Die Sicht Anselms von Canterbury (1033-1109) scheint mir für die Auseinandersetzung in dieser Frage hilfreich zu sein. Wenn Menschen den unendlichen Gott durch ihren Abfall beleidigt haben und als Strafe ewige Trennung vom Himmlischen Vater gewärtigen müssen, so kann nur ein Wesen zwischen Gott und den Menschen vermitteln, das beide Seiten in sich vereinigt, die göttliche und die menschliche; ein Tier ist nicht nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, weshalb es für die Vermittlung nicht in Frage kommen kann. Ein gewöhnlicher Mensch vermag wegen seiner Begrenzungen und Unzulänglichkeiten für den beleidigten vollkommenen Gott nie und nimmer die sühnende Zahlung zu leisten. Nur ein vollkommenes Wesen, das aber beide Seiten in sich vereinigt, vermag diese Zahlung zu leisten, nämlich Jesus als wahrer, jedoch sündloser Mensch und wahrer Gott. Auch Matthäus 28,18 steht im Widerspruch zur Auffassung, Jesus sei nicht Gott, sondern nur ein ausserordentlich begnadeter und ethisch einzigartig hochstehender Mensch. Wenn Offenbarung 19, 13 Jesus als das «Wort Gottes» bezeichnet, so meint der Begriff «Wort Gottes» den Ausfluss des ureigensten Gedankens und Wesens Gottes. Im Wort drückt eine Person ihr Wesen aus. Wenn Jesus den Würdetitel «Das Wort Gottes» trägt, so liegt es auf der Hand, dass Er mit dem Himmlischen Vater Wesen und Natur gemeinsam haben muss. Im gleichen Kapitel lässt sich der doxologische Ehrentitel «König der Könige und Herr der Herren» kaum erklären, wenn Jesus nicht Gott wäre. Schliesslich sind all jene Stellen im Buch der Offenbarung eindeutig, wo Jesus in der himmlischen Liturgie Anbetung empfängt wie z.B. in Offb 5, 12-14. Nach Hebräer 1, 6 beten Engel Jesus an. Eine Zeugen Jehovas 95 sehr hilfreiche Stelle ist auch Titus 2,13, wo es heisst: «Wir warten auf die selige Hoffnung und auf die Erscheinung der Herrlichkeit unseres grossen Gottes und Heilandes Jesus Christus, der sich für uns dahingegeben hat...» Für den bei den Zeugen Jehovas so hochgespielten Namen «Jehova» gibt es keine Grundlage. Apg 4, 12 weist unmissverständlich darauf hin, dass der Name Jesus der höchste Name ist. Eindeutig lehrt das Neue Testament, dass Wundertaten im Namen Jesu geschehen sind und noch geschehen, seien es Krankenheilungen, Dämonenaustreibungen und sogar Auferweckungen. Nach Kolosser 3,17 sind wir dazu angehalten, die alltäglichen Aufgaben im Namen Jesu zu erledigen: «Und alles, was ihr tut mit Wort oder mit Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus, indem ihr Gott, dem Vater, durch Ihn dankt.» c) Dreieinigkeit Das Problem bei den Zeugen Jehovas ist das Unvermögen, drei zum einen Gott vereinte Personen als Realität hinnehmen zu können. Die Zeugen denken in Kategorien eines platten Rationalismus. Ihnen dürfen wir aufzeigen, dass gerade die Dreifaltigkeit mit der Liebe Gottes engstens zusammenhängt. Gott ist eben kein Einzelgänger wie Allah. In Ihm drinnen gibt es eine lebendige Gemeinschaft drei verschiedener Personen, die uns gleich sam das Modell und Urbild für die richtige Gemeinschaftsweise unter den Menschen gibt. Die Zeugen Jehovas sind durch die Meinung fixiert, Unterordnung sei für Gott eine Unmöglichkeit. Unterordnung bedeutet eben ein Werturteil im disqualifizierenden Sinn, das sich auf Gott nicht anwenden lässt. Wenn in der Dreieinigkeit Über- und Unterordnung vorhanden sind, so legitimiert das auch Über- und Unterordnung im gesellschaftlichen Leben. Ohne die trinitarische Struktur Gottes würde uns das wichtigste Modell fehlen für alles, was letztlich mit echter und tiefer Gemeinschaft zu tun hat. Im Johannesevangelium dürfen wir sehen, wie Jesus mit Seinem Himmlischen Vater umgeht. Wichtigste Elemente im gemeinschaftlichen Umgang zeigen uns die Gespräche zwischen Jesus und dem Himmlischen Vater, nämlich gegenseitiges Vertrauen, Ehrerbietung, Liebe, Anteilnahme, ge genseitige Rücksichtnahme und lebendige Auseinandersetzung. Wer den Heiligen Geist als Person leugnet, dem verschliesst sich dieser Geist, so dass es gar nicht zur Selbstauslegung der Heiligen Schrift kommen kann. Deshalb stellen wir ja auch bei den Zeugen eine naiv willkürliche Schriftinterpretation fest. Folgende Stellen weisen u.a. auf den Heiligen Geist als Person: Mk 3, 28; Lk 12,12; Joh 14,26; Joh 15, 26; Joh 16, 7-15. Die wahrscheinlich wichtigste Stelle für die Einheit der drei göttlichen Personen ist Johannes 17, 20-23. 96 Zeugen Jehovas Theologiegeschichtlich handelt es sich bei den Zeugen um ein Wiederaufleben des alten Arianismus\ wenn auch in viel primitiverer Form. d) Anthropologie (2) Die monistische^ Anthropologie müssen wir streng unter die Lupe nehmen. Obschon der Mensch ein gefallenes Wesen ist, bleibt ihm die Ebenbildlichkeit Gottes, wenn auch in verzerrter Weise. Wenn der Mensch nichts dem Tier voraushaben soll im Tod nach Prediger 3,19-20, so steht das im Konflikt mit der dem Menschen zugedachten Würde, auch Träger geistiger Qualitäten sein zu dürfen. Der bekannte amerikanische Theologe Norman Geisler sieht in dieser Stelle von Prediger 3 nicht eine Lehre, sondern viel mehr eine Darstellung Salomes, zu welcher Schlussfolgerung ein materialistisch gesinnter Mensch kommen muss. Salome präsentiert also den Nihilismus' (4) eines materialistisch eingestellten Menschen. Natürlich darf eine Weiterexistenz über den Tod hinaus niemals mit Rettung verwechselt wer den. Auch der nicht gerettete Mensch ist Ebenbild Gottes und ein gemeinsames Schicksal mit dem Tier im Sinn einer Annihilation widerspricht dieser Ebenbildlichkeit: zur Ebenbildlichkeit gehört ja auch, dass Gott den Menschen einmal zur Rechenschaft ziehen wird für all seine Taten und Gedanken. Andernfalls gäbe es keine Verantwortung, die doch ein für die Ebenbildlichkeit konstitutives Element ist. Denken wir zunächst einmal vom Alten Testament her über die Frage nach, was nach dem Tod geschehen wird. In Gen 25, 8 heisst es: «So starb Abraham in schönem Alter, alt und lebenssatt, und ward versammelt zu seinen Stammesgenossen.» Der bedeutende amerikanische Alttestamentler Barton Payne weist in seiner «Theologie des älteren Testaments» darauf hin, dass diese «Versammlung zu den Vätern» vor der Beerdigung geschehen sei. Dasselbe berichtet uns Gen 35,29 in bezug auf Isaak: «Dann verschied Isaak und starb und ward versammelt zu seinen Stammesgenossen, alt und lebenssatt; und seine Söhne Jakob und Esau begruben Ihn.» Barton Payne weist darauf hin, dass dieses Versammeltwerden demnach nicht mit der Beisetzung im Grab identifiziert werden darf, wo manchmal verschiedene Leichname zusammengekommen sind ( 5) Abraham und Jakob (1) Arianismus = Lehre, die die Gottheit Christi ablehnt. Er ist lediglich das bevorzugte Geschöpf Gottes, aus dem Nichts erschaffen. (2) Anthropologie = Lehre vom Menschen. (3) Monistisch = den Monismus (Einheitslehre, nach der die Wirklichkeit einheitlich und von einer Grundbeschaffenheit ist) betreffend. (4) Nihilismus = Überzeugung von der Nichtigkeit alles Bestehenden. (5) Barton Payne, Theology of the Older Testament, Grand Rapids; Zondervan, 1976, S. 445-446. Zeugen Jehovas 97 kamen mit ihren Vorvätern zusammen nach der Aussage der Schrift. Diese Vorväter lebten aber an verschiedenen Orten und ihre Leiber wurden auch an verschiedenen Orten beigesetzt. Deshalb kann mit dem Begriff «Zu seinen Vätern versammelt werden» niemals die Anhäufung der Leichname im Grab gemeint sein. Interessant ist auch die Begebenheit in Endor nach 1. Sam 28. Saul suchte einen spiritistischen Kontakt mit Samuel. Die Zeugen Jehovas meinen nun aber, es habe sich gar nicht um Samuel gehandelt, sondern um einen Dämon, der in nachäffender Weise in der körperlichen Gestalt Samuels er schienen sei. Ein dämonischer Geist hätte aber Saul kaum die Wahrheit gesagt und von einer Störung der Ruhe gesprochen. Es scheint mir, Gottes Wort hätte um der Wahrhaftigkeit willen darauf hingewiesen, wenn eine Täuschung im Spiel gewesen wäre. Auch frage ich mich, weshalb eine Warnung vor dem Kontakt mit Verstorbenen nötig wäre, wie das übrigens in Dtn 18, 9ff geschieht, wenn es gar keine jenseitige Weiterexistenz gäbe. In Hiob 19, 26 sehen wir, wie Hiob deutlich erkennt, dass er einen vergänglichen Leib hat und eine den physischen Leib überdauernde Seele: «Selbst wenn die Haut an mir zerschlagen ist, werde Ich Gott schauen, ja ich werde ihn schauen mir zum Heil ...» In Mt 10 sagt Jesus die Worte: «Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können ...» Wohl ist die Seele von Gott geschaffen und nicht im platonischen Sinn ohne Anfang. Dennoch verfällt sie nicht im Tod der Existenzlosigkeit. In 2. Kor 5 schreibt Paulus: «Wir haben aber viel mehr Lust, aus dem Leibe auszufahren und daheim zu sein beim Herrn.» Wer fährt denn aus dem Leibe aus? Es handelt sich um die unsterbliche Seele. Beim Herrn zu sein hätte ja keinen Sinn, wenn nach dem Tod der Zustand ewiger Bewusstlosigkeit einträte. In 2. Kor 12 spricht Paulus davon, dass er ins Paradies entrückt worden sei. Dabei lässt er offen, ob dies im Leib oder ausserhalb des Leibes geschehen sei. Er rechnet immerhin damit, dass man ausserhalb des Leibes sein könne. In diesem Zusammenhang finde ich auch die Lehrerzählung vom «Reichen Mann und armen Lazarus». Sofort nach dem Tod ist beim reichen Mann Bewusstsein vorhanden. Er empfindet Qual. Er macht sich Gedanken und spricht sogar mit Abraham. Die Worte Jesu zum Schächer am Kreuz «Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein» implizieren doch auch eine über den Tod hinaus eintretende Weiterexistenz des Kerns der Persönlichkeit, also der Seele. Einige weitere Stellen der Heiligen Schrift mögen diesen anthropologischen Monismus zumindest in Frage stellen wie z.B. Phil 1, 21-23: «Denn für 98 Zeugen Jehovas mich ist das Leben ein Dienst für Christus und das Sterben ein Gewinn ... ich habe vielmehr Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein, aber im Fleisch zu bleiben ist nötiger um euretwillen.» Im Fall einer provisorischen Annihilation wäre ja das Sterben kein Gewinn. Auch wäre man infolge des Todes nicht bei Christus. Der Ausdruck «im Fleisch bleiben» legt uns nahe, dass Paulus den Körper als Hülle verstanden hat, aus welcher die Seele beim Sterben austritt. Sehr aufschlussreich scheinen mir die johanneischen Ich-Bin-Worte Jesu zu sein. So heisst es in Joh 11, 25: «Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.» Besonders deutlich spricht gegen eine Annihilation 1. Petr 3,18-20: «Denn auch Christus ist einmal der Sünden wegen gestorben als Gerechter für Ungerechte, damit Er uns Gott zuführte, indem Er getötet wurde nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht wurde nach dem Geist. In diesem ist Er auch hingegangen und hat den Geistern im Gefängnis gepredigt, die vorzeiten ungehorsam waren ...» So könnten wir noch manche Stellen anführen, welche die Unsterblichkeit der Seele stützen. Die Verneinung der postmortalen Existenz des Persönlichkeitskerns bei den Zeugen Jehovas lässt auf die Geringschätzung des Individuums schliessen. Diese Geringschätzung kommt übrigens auch darin zum Aus druck, dass die Autoren der im Wachtturm abgedruckten Beiträge meistens nicht mit ihrem Namen zeichnen. Durch den anonymen Charakter des Schrifttums will man einerseits das Eingebundensein in eine kollektive Mas se zum Ausdruck bringen, andererseits beim Leser den Eindruck erwecken, die Artikel würden direkt von Jehova stammen. Es scheint mir wichtig zu sein, den Zeugen Jehovas aufzuzeigen, wie wert voll Gott der einzelne Mensch ist. Dafür gibt es genügend Hinweise in der Bibel. Die Zeugen Jehovas lehnen die Hölle ab. Der Ernst des Evangeliums würde aber verlorengehen, wenn es kein «zu spät» gäbe. Jesus spricht in Mk 9, 43 unmissverständlich vom unauslöschlichen Feuer. Eine Annihilation der Gottlosen würde aber keine Strafe mehr bedeuten. Leugnen wir die Hölle, so gibt es kein Verlorengehen. Die Heiligkeit und der Ernst Gottes müssen uns erhalten bleiben, sonst geht der Anreiz zur Heiligung verloren. Einen Gott, der seiner spotten Hesse, könnten wir nicht mehr ernst nehmen. VI. Erklärungsversuche für den Erfolg der Zeugen Jehovas Immerhin müssen wir bei den Zeugen Jehovas auf die Anfrage gefasst sein, ob denn das kontinuierliche Wachstum der «Theokratischen Organisation» nicht auf Gottes besonderen Segen schliessen lasse. Nehmen wir Zeugen Jehovas 99 einige Zahlen aus dem Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. In der Ausgabe vom 1.9.1993 lesen wir: «1965 erreichte die Zahl der weltweit aktiven 'Verkündiger' die Millionengrenze, 1975 waren es bereits zwei Millionen, 1985 drei Millionen und schon 1990 wurde die Vier-Millionen-Grenze überschritten. Derzeit sind rund viereinhalb Millionen 'Verkündiger', organisiert in 70'000 Versammlungen, in weit über 200 Ländern aktiv.»® Wir haben es bei den Zeugen Jehovas mit einem Sammelbecken von vielen psychisch labilen Personen zu tun. So meint E. Koppel in seinem Buch, in dem er eine psychologische Analyse von den Zeugen Jehovas macht, dass die Glieder dieser Sekte ihre Ideologie zu einem Instrument machten, mit dessen Hilfe Rationalisierungen vorgenommen werden könnten, ohne dass der Überzeugte gezwungen werde, sich mit seinen eigentlichen Konflikten auseinanderzusetzen. Das apokalyptisch-dualistische'' Weltbild der Sekte werde als Stabilisierungsfaktor wirksam, indem es dem Bedürfnis nach subjektiver Sicherheit sehr nahe komme. Für einen Zeugen Jehovas gebe es von der Lehre her im Leben keine Rätsel mehr, was zu einem psychischen Wohlbefinden oberflächlicher Art vorübergehend führen kann (8) VII. Beurteilung der Zeugen Jehovas von einem ehemaligen Mitglied der Leitenden Körperschaft von 1971-1980 1. Mühsame Verhandlungstraktanden an Sitzungen der Leitenden Körperschaft R. Franz berichtet, wie in den jeweils an einem Mittwoch tagenden Sitzungen die 11 Mitglieder nicht nach ihrem Gewissen Entscheidungen treffen konnten. Es wurde ein Gruppendruck erzeugt, der Konformität verlangte. Vielfach brachte der Präsident Probleme an die Sitzung, über die man sprechen musste. Franz erwähnt folgende Probleme, über deren Lösung das Gremium abstimmen musste: Darf ein Vater das Ältestenamt ausüben, wenn er seine Tochter mit 18 Jahren heiraten oder seinen Sohn in eine höhere Schule gehen liess? Darf man es dulden, wenn einem bedürftigen Zeugen Jehovas durchs Rote Kreuz Hilfsgüter gegeben worden sind? Weil das Rote Kreuz eben ein Symbol der christlich-abendländischen Kirche verwendet, die babylonischer Herkunft ist, könnte das auf den Empfänger je ----------------- 6 Materialdienst der EZW, 56. Jahrgang, 1. September 1993, 8. 257. 7 Apokalyptisch = auf das Weltende, das Jenseits ausgerichtet. Dualistisch = zweiheitlich geartet. Der Dualismus ist die Zweiheitslehre, eine Anschauung vom Nebeneinanderbestehen zweier verschiedener, nicht vereinbarer Grundkräfte (Geist - Leib u.a.) am Anfang aller Dinge. 8 E. Koppel, Die Zeugen Jehovas. Eine psychologische Analyse, München, 1990,8.58 u. 54. 100 Zeugen Jehovas ner Hilfsgüter eine verunreinigende Wirkung haben. Besonders wichtig waren Diskussionen über Ehebruch unter Mitgliedern und welche Verfahren eingeleitet werden sollten. 2. Unmenschliche Machenschaften a) Abbruch der Beziehungen mit Abtrünnigen Raymond Franz gibt uns in seinem Buch «Der Gewissenskonflikt» tiefen Einblick in die Machenschaften der Theokratischen Organisation. So zeigt er uns die Unmenschlichkeit gegenüber sog. Abtrünnigen. Der Wachtturm vom 15.12.1981 gibt genaue Anweisungen, wie man mit solchen Leuten umzugehen hat, die sich von der Organisation distanzieren. Man darf sie nicht mehr grüssen und muss den Kontakt selbst zu engen Familiengliedern abbrechen. Franz bringt den Vergleich mit einer Mutter, die ein Kind grossgezogen und mit ihm Freude und Leid geteilt hat. Und nun zeigt jenes Kind der Mutter plötzlich die kalte Schulter, nur weil sie nach ihrem Gewissen einen eigenen Weg gehen will. Loyalität zur Organisation entschuldigt das härteste gefühllose Vorgehen gegen sogenannte Abtrünnige. Aspekte menschlicher Anteilnahme kommen überhaupt nicht zum Tragen, weil Korrektheit gegenüber der Organisation über aller Menschlichkeit steht. b) Zerstörung der Lebensqualität durch starre Gesetzlichkeit In der Leitenden Körperschaft behandelte man einen vorgelegten Fall folgendermassen: Die Leitende Körperschaft musste über einen Chauffeur befinden, der als Angestellter der Coca Cola-Firma das Getränk auch auf einen militärischen Stützpunkt bringen musste. Dieses herrschende Gremium war der Meinung, der betreffende Zeuge Jehovas würde der Theokratischen Organisation Schande bringen durch Belieferung eines militärischen Stützpunktes mit Coca Cola. So wurde dem Chauffeur befohlen, vom Arbeitgeber eine andere Fahrroute zu verlangen. Dabei war es diesem Gremium egal, dass der betreffende Chauffeur mit einem solchen Begehren den Job aufs Spiel setzen könnte. Im Fall der Weigerung, dem zuständigen Arbeitgeberchef diesen Antrag zu stellen, musste der betreffende Zeuge Jehovas mit Ausschluss aus der Gemeinschaft rechnen. (9) Einen anderen Fall berichtet Raymond Franz vom Staat Malawi in Afrika. Malawi verlangt von jedem Staatsbürger eine Solidaritätserklärung mit der einzigen Partei, die es in diesem Land gibt, nämlich mit der «Malawi Congress Party.» Diese Solidaritätserklärung durften Zeugen Jehovas aufgrund eines Beschlusses der Leitenden Körperschaft nicht geben, was für die Zeugen Brandschatzung ihrer Häuser, Vergewaltigung ihrer Frauen und lange Gefängnisstrafen bedeutete. Solche unverhältnismässigen Opfer -------------- 9 Raymond Franz, Der Gewissenskonflikt, München: Claudius Verlag, 1991, S. 100. Zeugen Jehovas 101 wurden den Gliedern der Theokratischen Organisation abverlangt, weil eine Solidaritätserklärung zum Einparteienstaat das Einverständnis mit dem gegenwärtigen System der Dinge bedeutet hättet (10) c) Das Messen mit verschiedenen Ellen Unlautere Machenschaften mit Bestechungsgeldern sind durchaus erlaubt, sobald es der Ideologie der Theokratischen Organisation entspricht. So gibt uns R. Franz ein Beispiel, wo die Leitende Körperschaft mexikanischen Bürgern, die Zeugen Jehovas sind, die Erlaubnis erteilte, Bestechungsgel der zu zahlen, um sich vom Militärdienst loszukaufen.^^ In der Dominikanischen Republik vermochten gewisse junge Männer der Zeugen Jehovas das nötige Geld nicht zu zahlen, um sich vom Militärdienst freizukaufen. Die Leitende Körperschaft verlangte von ihnen, die Konsequenzen für die Zahlungsunfähigkeit zu tragen, was für einige dieser dominikanischen Bürger bis zu neun Jahren Gefängnis bedeutete. Raymond Franz öffneten solche Machenschaften die Augen gegenüber seiner Sekte. Es wurde ihm klar, dass in der Theokratischen Organisation für zahlungsfähige und unbemittelte Zeugen nicht das gleiche Mass angewendet wird. Es gibt also das Ansehen der Person aufgrund der finanziellen Stellung. Vom zahlungsfähigen Zeugen Jehovas verlangt man nicht die gleichen Opfer wie vom armen Zeugen. Dazu kommt noch, dass mit Bestechungsgeldern erkaufte Scheine zur Dispensierung vom Militärdienst in Mexiko als illegale Machenschaften gelten. Das aber scheint die Theokratische Organisation nicht zu berühren. Gerade am Beispiel Mexiko kommt es deutlich zum Ausdruck, wie mit der Wahrheit sehr willkürlich umgegangen werden kann. So liessen sich die Zeugen Jehovas wegen der besonderen Gesetzeslage in diesem Land nicht als religiöse, sondern als kulturelle Organisation bei der staatlichen Behörde registrieren. Man spricht nicht von «Versammlung», was die Zusammenkünfte im Königreichssaal anbetrifft, sondern von «Freundes kreis.» Führen sie Taufen durch, so nennen sie diese Handlung nicht Taufe, sondern lediglich «Symbol.» Gehen die Kolporteure von Haus zu Haus, so geben sie den Wachtturm ab mit der Begründung, das solle zu kultureller Arbeit dienen. In den sog. «Freundeskreisen» spricht man keine Gebete und singt auch keine Lieder, um den Eindruck einer kulturellen Versammlung für Aussenstehende aufrecht erhalten zu können. Weshalb ist dies in Mexiko so wichtig, als kulturelle und nicht als religiöse Gesellschaft in Erscheinung zu treten? Nach mexikanischem Recht darf keine religiöse Gemeinschaft, auch nicht die katholische Kirche, Immobilien besitzen. Die 10 Ebd..S. 112-113. 11 Ebd.S. 120-121. 12 Ebd.. 8. 131. 102 Zeugen Jehovas Theokratische Organisation verhält sich äusserst unsolidarisch mit anderen religiösen Gemeinschaften, die dazu stehen, dass sie religiöse Körperschaften sind und auch den Nachteil auf sich nehmen, keine Immobilien zu besitzen. Nur die Theokratische Organisation masst sich an, durch Tarnmanöver zu Immobilien kommen zu dürfen. d) Respektlosigkeit gegenüber der Privat- und Diskretionssphäre In der Leitenden Körperschaft gab man Direktiven heraus, dass Älteste Ehepaare nach ihren Sexualpraktiken ausforschen und ihr Rechenschaft geben müssten. Vor allem in den Siebzigerjahren war dieser Vorstoss, auch aufs Intimleben Macht auszuüben, ein Charakteristikum der Leiten den Körperschaft, was sich u.a. in den Wachttürmen vom 15.3.1970, 1.3. und 15.2.1973 spiegelt. Eine Flut von Briefen ging damals ein, wo Leute sich genau absichern wollten, wie weit man bei geschlechtlichen Handlungen in der Ehe gehen dürfe. Es gehört zu den Praktiken der Theokratischen Organisation, den Verhörstil zu pflegen und von eng befreundeten Mitarbeitern beispielsweise her auszupressen, welche Meinungen sie untereinander austauschen. Wagt es jemand, eine Lehre der «Neuen-Welt-Gesellschaft» nur ein wenig anhand des biblischen Befundes in Frage zu stellen, so wird sofort ein Verhörkomitee zusammengestellt, das mit inquisitorischer Akribie die kritisch eingestellte Person mundtot zu machen versucht. Dazu gehören Methoden wie das Ablesen von Fragelisten, wobei der Angeklagte nur mit Ja oder Nein antworten darf."' (13) Raymond Franz gibt ein Stimmungsbild von jenen durch die Leitende Körperschaft zusammengestellten Verhörgremien wieder, wenn er sagt: «Von der Güte Christi spürte man nichts, aber auch gar nichts. Statt freundschaftlicher Wärme und einem einfühlenden Verstehen, das der Freundschaft erst die Wärme verleiht, herrschte ein kaltes, einzig an Organisationsinter essen orientiertes Verhalten. Man nahm stets das Schlimmste an, gab möglichen anderen Erklärungen keine Chance und sah Nachsicht und Geduld als Schwäche an, da sie den Interessen und Zielen der Organisation zuwiderliefen, die da lauteten: Gleichförmigkeit, Fügsamkeit, stromlinienförmige Anpassung. » (14) Franz verweist auch auf den Wachtturm vom 15.1.1981, wo vor all jenen Personen in der Organisation gewarnt wird, die es wagen, eine kritische Haltung einzunehmen. Solche Personen werden im genannten Wachtturm verunglimpft, wobei man überhaupt nicht auf die von den betreffenden Leuten geäusserte Kritik eingeht. 13 Ebd., S. 247-250. 14 Ebd., 8. 253. Zeugen Jehovas 103 VII. Einige zum Portrait der Zeugen Jehovas gehörende soziologische und psychologische Momente sowie die theologiegeschichtliche Einordnung 1. Soziologische Momente Die Zeugen Jehovas mit ihrer stark chiliastischen'' (15) Ausrichtung sprechen vor allem die sozial benachteiligten Schichten an. Sehr präzise drückt das der Soziologe E. T. Clark aus, wenn er sagt, nicht privilegierte soziale Schichten seien sehr empfänglich für das Versprechen einer kommenden heilen Welt, wo es wirtschaftlich keine Benachteiligten mehr geben werde, auch keine Unterschiede von reich und arm. Es sei daher verständlich, dass eine Sekte mit stark chiliastischer Prägung die kosmische Katastrophe herbeisehnen würde; denn durch diese würden ja auch die ungerechten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systeme fallen.(16) Es ist von den soziologischen Gegebenheiten her verständlich, weshalb es innerhalb der Theokratischen Organisation keinen guten Bildungsstand gibt, somit auch keine Kultur, was beispielsweise in den kitschigen Illustrationen im Wachtturm zum Ausdruck kommt sowie in den bescheidenen musikalischen Kreierungen, wenn wir an das Liedgut denken. Akademiker gibt es nur sehr wenige bei den Zeugen Jehovas. An Gebäulichkeiten gibt es nichts, was architektonisch als Sonderleistung gelten könnte. Die Ver sammlungslokale befinden sich häufig in grösseren Gebäudekomplexen und heben sich nicht von anderen Gebäuden ab wie das etwa bei der Christengemeinschaft der Fall ist, die den künstlerischen Aspekten einen hohen Stellenwert beimisst. Eine interessante soziologisch-gesellschaftliche Eigenheit bei den Zeugen ist die strikte Unterordnung der Frau. Sie darf in keine höheren Gremien aufsteigen und darf im Königreichssaal sich nicht als lehrende Person an die Versammlung wenden. Ein für die Zeugen typisches soziologisches Moment ist die Tatsache eines Frauenüberschusses, vor allem mittelalte und ältere Frauen. Das hängt ganz einfach damit zusammen, dass die an die Haustüren klopfenden Kolporteure Hausfrauen vorfinden; die Männer befinden sich meistens auf der Arbeit. Ghiliastische schlaraffenlandartige Perspektiven haben junge Frau en nicht so nötig, weil sie von den Problemen des Lebens im Normalfall noch nicht besonders heimgesucht worden sind. Mittelalte und ältere Frau en auf dem sogenannten absteigenden Ast lechzen viel mehr nach einem Auffüllen ihrer Defizite. Der Anteil des weiblichen Geschlechtes beträgt also 65 Prozent. -------- 15 Chiliastisch = Den Chiliasmus (Lehre von einer 1000jährigen Herrschaft Christi auf der Erde) betreffend. 16 E. T. Clark, The small sects In America, New York, 1949, 8. 218f. 104 Zeugen Jehovas 2. Psychologische Momente Ein sehr interessanter psychologischer Mechanismus ist besonders von L. Festinger erforscht worden. Er nennt diesen psychologischen Mechanismus «kognitive Dissonanz». In bezug auf die Zeugen Jehovas lässt sich eine kognitive Dissonanzreduktionsstrategie feststellen. Darunter ist folgendes zu verstehen: Die Theokratische Organisation, vor allem die führen den Leute darin, wissen durchaus, dass gravierende Fehlprophezeiungen in Bezug auf den Anbruch des Milleniums gemacht worden sind. Doch das Nichteintreffen der Prophezeiungen wird nun als Erfolg deklariert, indem man die Mitglieder davon überzeugen will, das Ausbleiben der Prophezeiung sei von Jehova als wertvolle Prüfung der Durchhaltekraft der Zeugen gewollt und sei als grosse Chance der Bewährung zu verstehen. Zu dieser kognitiven Dissonanzreduktionsstrategie gehört die schlaue Erklärung, weshalb 1975 das Ende noch nicht gekommen sei. So wird einem weisgemacht, Adam sei 4'026 Jahre vor der Zeitrechnung erschaffen worden. Vom Jahre 4'026 weg seien also bis zum Zeitpunkt von 1975 6'000 Jahre verflossen. Eines sei aber noch nicht berücksichtigt worden, nämlich die Erschaffung Evas, die in einem späteren Zeitpunkt erfolgt sei. Erst vom Zeitpunkt der Vollendung des ersten Menschenpaars, das mit der Erschaffung Evas geschehen sei, dürfe man die 6*000 Jahre hinzufügen. Somit kommen die Zeugen Jehovas auf ein späteres, noch nicht definitiv festgesetztes Datum für den Anbruch des Endes. Ein weiteres dissonanzreduzierendes kognitives Element ist für die Theokratische Organisation die Tatsache, dass trotz Spott und Hohn von Seiten der Welt neue Mitglieder angeworben werden und die Neue-Welt-Gesellschaft im Wachstum begriffen ist. Ein interessantes Detail dafür, dass die Zeugen Jehovas psychologische Gegebenheiten ausnützen, wenn auch in reflektierter Weise, ist folgende Gepflogenheit: Die Zeugen lesen mit besonderem Eifer die Todesanzeigen der lokalen Zeitungen; denn dieser Sachverhalt ist auch ihnen klar, dass emotional durch einen Todesfall stark mitgenommene Menschen eher indoktriniert werden können. Die Theokratische Organisation kennt in ihrer psychologischen Strategie drei wichtige Mechanismen, die funktionieren müssen: Es handelt sich um den Kohäsions-, Isolations- und Kontrollmechanismus. a) Der Kohäsionsmechanismus (17) Beim Kohäsionsmechanismus geht es darum, die Mitglieder mit Druck zur regelmässigen Teilnahme an den Versammlungen zu bewegen, sie zum ----- 17 Kohäsion = von lat. cohaerere, zusammenhängen. Zeugen Jehovas 105 Verkauf von möglichst vielen Wachttürmen zu bewegen, Rollenspiele zu leiten, vor der Versammlung aus dem Wachtturm vorzulesen. Alles, was den Zusammenhalt und die Gruppenidentität fördert, gehört zur Kohäsionsmethode. Je mehr Opfer gebracht werden durch die Einzelnen, desto mehr fühlen sich die Mitglieder moralisch verantwortlich, sich mit den anderen zu solidarisieren. Die Verachtung von aussen her will man geradezu provozieren, weil das die Mitglieder noch mehr zusammenschweisst. Die Proklamation, dass die Zeugen die endzeitliche Heilsgemeinde darstellen, intensiviert den Kohäsionsmechanismus. b) Der Isolationsmechanismus Der Zeuge muss sich von der Welt trennen, d.h. vom «System der Dinge». So reglementiert die Leitung die Beziehungen der Gläubigen zur Aussenwelt. Dazu gehören wie bereits an früherer Stelle erwähnt das Verbot der Besuche von Theater, von Vereinen, überhaupt von fröhlicher Unterhaltung wie die eines Dorffestes. Kontakte mit Andersgläubigen sind nicht gestattet, es sei denn einzig mit der Absicht, diese zu bekehren. Beziehungen zu Eltern, Geschwistern und Verwandten sowie zu Freunden müssen abgebrochen werden, wenn diese sich nicht für die «Theokratische Organisation» zu interessieren beginnen. V. Mine bezeichnet diese Massnahmen als «bridge-burning-act».^® Zum Isolationsmechanismus gehören Verbote wie Bluttransfusion und ausserordentlich strenge sexuelle Vorschriften, die dem Zeugen das ethische Überlegenheitsgefühl vermitteln. c) Kontrollmechanismen Jeder Zeuge ist verpflichtet, beobachtete Verfehlungen den «Ältesten» zu melden, also den Aufsehern der Versammlung. Wenn ein Mitglied eine Meinung äussert, die nicht konform ist mit der Lehre der Zeugen, so wird der Umgang mit dieser Person verboten. Diese Mechanismen führen zu tiefen psychischen Schäden. Der Zeuge fühlt sich nur in seiner Gruppe wohl. Dort ist er sicher und von dorther empfängt er auch Mut, der Welt und ihrer Meinung zu widerstehen. Wenn auch die Zeugen eine grosse Opferbereitschaft an den Tag legen und einen wesentlich höheren ethischen Standard als der Durchschnittsbürger unserer Gesellschaft, so ist doch eine Kontaktarmut vorhanden, eine Steifheit und eine subdepressive Stimmung. Eigenständiges Denken ist wenig vorhan den. Wie ein Papagei muss immer das nachgeplappert werden, womit man (18) Bridge burning = Brücken verbrennen. V. Hine, Bridge burners: Commitment and participation in a rellgious movement. Sociologicai analysls, 1970, S. 61-66. 106 Zeugen Jehovas indoktriniert worden ist. Die Zeugen sind Sklaven. Weil die Realisierung ih rer Ideale kaum möglich ist, stecken die Zeugen in einem Kampf und oft in Schuldgefühlen; denn sie müssen ihre Bedürfnisse immer zugunsten der Theokratischen Organisation zurückstecken. Kreative Werte können sie nicht entfalten. Die Macht des Klischees verformt diese Leute oft zu Karikaturen, Leute, die doch von ihnen aus gesehen alles zur Ehre Gottes und für das Wohl der Menschen tun möchten. Ihr Ernst, Gott zur Ehre zu leben, das dürfen wir ihnen nicht absprechen. Darin könnten sie uns ein grosses Beispiel sein, wenn es nicht aus einem sklavi schen Geist heraus geschehen würde. 3. Theologiegeschichtliche Einordnung Was die theologiegeschichtliche Einordnung betrifft, würde ich die Zeugen Jehovas als Nachfahren der spätantiken Arianer sowie des hochmittelalterlichen Joachimismus im 13. Jahrhundert sehen, aber auch der chiliastischen Strömungen unter den Nonkonformisten Englands im 17. Jahrhundert . Eingesehene Literatur: Verschiedene Wachtturm-Ausgaben. Hans-Jürgen Twisselmann, Vom Zeugen Jehovas zum Zeugen Jesu Christi, Basel: Brunnen Verlag, 1987. F. W. Haack, Jehovas Zeugen, München, 1981. Gerhard Heinzmann, Lehren die Zeugen Jehovas die Wahrheit?, Karls ruhe, 1988. Raymond Franz, Der Gewissenskonflikt, München: Claudius Verlag, 1991. Zusätzliche Literatur: Erich Brüning, Sind Zeugen Jehovas Christen?, Bad Liebenzell: Verlag der Liebenzeller Mission, 1990.
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    22.09.2020, 16:20
    HPWepf hat das Thema Blut des Bundes im Forum Biblische Lehre erstellt.
    Hebräer 10.29 Hebr 10,29: wieviel ärgerer Strafe, meinet ihr, wird der wertgeachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch welches er geheiligt worden ist, für gemein geachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat? Spricht vom Blut des Bundes, siehe Mt 26.26/27. Der Bund wird zwischen den beiden Häusern (Juda / Israel ) geschlossen, wir Christen sind auf der Grundlage des selben Blutes erlöst, stehen aber unter keinem Bund. Der Herr Jesus ist auch in keinem Bund.
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    22.09.2020, 14:47
    HPWepf hat das Thema Botschafter ohne Botschaft im Forum Lehren und Irrlehren erstellt.
    Jörg K.
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    22.09.2020, 12:36
    HPWepf hat das Thema Messianische Christologie im Forum Biblische Lehre erstellt.
    Messianische Christologie Ex.: Fundamentum Messianische Christologie Eine Studie der hebräischen Prophetie über das erste Kommen des Messias I.Teil Dr. Arnold G. Fruchtenbaum (Biographische Angaben finden sich am Ende des Artikels) Einleitung Diese Studie beschäftigt sich mit dem, was theologisch «messianische Christologie» genannt wird. Einfacher gesagt handelt es sich um einen Überblick über alle messianischen Prophetien der hebräischen Schriften, die sich beim ersten Kommen des Messias erfüllt haben. Die orthodoxe jüdische Interpretation erwartet dabei aber natürlich nicht, dass der Messias zweimal kommen sollte, sondern rechnet stattdessen mit zwei Messiassen, von denen jeder einmal kommt. Diese Studie erfolgt aus einer judenchristlichen Perspektive, und es wird gezeigt werden, dass diese hebräischen Prophetien erfüllt worden sind im Leben von Jeschua (Jesus) und auf keine andere Art und Weise erfüllt werden können. Als erstes wollen wir aber als Einführung einen Blick auf das Neue Testament werfen und sehen, wie Jesus und seine Jünger dieses Thema behandelt haben. Der neutestamentliche Gebrauch Die Evangelien stellen ganz klar fest, dass der Tod Jesu auch für die Apstel eine Überraschung war. Ihre Verwirrung rührte vor allem von da her, dass sie nicht das ganze messianische Programm kannten. Sie hatten voll ständig erwartet, dass Jesus ihre Feinde überwinden und sein Königreich auf der Erde aufrichten würde. Sie waren sehr gut vertraut mit denjenigen Prophezeiungen, die sich auf diesen Aspekt des messianischen Programms bezogen. Was sie aber verfehlt hatten zu verstehen, war, dass der Messias zweimal zu kommen hatte: Beim ersten Mal, um zu leiden, und dann, später, um zu siegen. Der Grund für sein erstes Kommen war also ein ganz anderer als der für sein zweites Kommen. Um den Grund seines ersten Kommens Messianische Christologie 41 zu belegen, fordert Jesus die Jünger nicht auf, einfach nur zu glauben, sondern verweist sie zurück auf die Autorität ihrer eigenen hebräischen Schriften, nämlich auf das, was Heidenchristen heute das Alte Testament nennen. 25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und im Herzen träge, an alles zu glauben, was die Propheten geredet haben! 26 Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit hineingehen? 27 Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte er ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf. 44 Er sprach aber zu ihnen: Dies sind meine Worte, die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war, dass alles erfüllt werden muss, was über mich geschrieben steht in dem Gesetz Mose und in den Propheten und Psalmen. 45 Dann öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verständen, 46 und sprach zu ihnen: So steht geschrieben, und so musste der Christus leiden und am dritten Tag auferstehen aus den Toten 47 und in seinem Namen Busse zur Vergebung der Sünden gepredigt werden allen Nationen, anfangend von Jerusalem. 48 {Ihr} seid Zeugen hiervon. Lukas 24, 25-27.44-48 Hier auf der Strasse nach Emmaus, bei einer seiner Erscheinungen nach der Auferstehung, tadelt Jesus seine Jünger dafür, dass sie nicht alles wussten, was die Propheten gesagt hatten. Dazu gehörten nämlich auch die Prophezeiungen über sein Leiden und Sterben. Sie hatten keine Schwierigkeiten damit, an diejenigen Prophezeiungen zu glauben, die den Messias als einen regierenden König beschrieben, der Israel seine frühere Ehre zurück bringen würde. Sie hatten aber grosse Schwierigkeiten damit, diejenigen Prophetien zu akzeptieren, die das Leiden und Sterben des Messias vorher sagten. Die Tatsache, dass die Jünger so aufgeregt waren darüber, dass Jesus gefangen und exekutiert wurde, zeigt, dass sie sich in gewissem Sin ne noch im Unglauben befunden haben. Es wird uns berichtet, dass Jesus mit dem Gesetz des Mose begonnen hat, fortfuhr mit den Propheten, und die gesamten hebräischen Schriften durchgegangen ist, um seinen Jüngern alles zu zeigen, was sich auf den Messias bezog. Dadurch konnte er beweisen, dass sein Tod und seine Auferstehung in völliger Übereinstimmung mit der Schrift und sogar für sein Werk notwendig waren. Sie waren wesentlich, weil sie seine Messianität bewiesen haben. Von den allerfrühesten Quellen bis zu den modernen Rabbinern haben jüdische Lehrer die Schriften immer in drei Abteilungen gegliedert: Das Gesetz, die Propheten und die Schriften. Wir sehen hier (und teilweise auch in Vers 44), dass Jesus dasselbe tut. Die «Schriften» werden manchmal auch die «Psalmen» genannt, weil die Psalmen das erste Buch dieser Gruppe sind. Jesus bezieht systematisch die gesamten Schriften ein, um seinen Jüngern alles über sich selbst zu erklären. «Alles» schliesst dabei sowohl die Prophetien über sein zweites Kom- 42 Messianische Christologie men (die immer noch auf ihre Erfüllung warten) mit ein als auch diejenigen über sein erstes Kommen (die sich gerade erfüllten, als Jesus sprach). In dem er Prophetien aus allen drei Teilen der jüdischen Schriften zusammen nahm, konnte Jesus beweisen, dass es für ihn notwendig war, umgebracht und beerdigt zu werden und am dritten Tag wieder aufzuerstehen. Die Nachfolger Jesu haben ihre Lektion gut gelernt. Später im Neuen Testament, nach Jesu Himmelfahrt, sehen wir, dass die Jünger immer wieder Jesu Messianität aus den hebräischen Schriften heraus gerechtfertigt und begründet haben - und das sowohl gegenüber Heiden als auch bei Juden. Apg 8,26 Ein Engel des Herrn aber redete zu Philippus und sprach: Stehe auf und geh gegen Süden auf den Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt; derselbe ist öde. Apg 8,27 Und er stand auf und ging hin. Und siehe ein Äthiopier, ein Kämmerer, ein Gewaltiger der Kandace, der Königin der Äthiopier, der über ihren ganzen Schatz gesetzt war, war gekommen, um zu Jerusalem anzubeten; Apg 8,28 und er war auf der Rückkehr und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaias. Apg 8,29 Der Geist aber sprach zu Philippus: Tritt hinzu und schließe dich diesem Wagen an. Apg 8,30 Philippus aber lief hinzu und hörte ihn den Propheten Jesaias lesen und sprach: Verstehst du auch, was du liesest? Apg 8,31 Er aber sprach: Wie könnte ich denn, wenn nicht jemand mich anleitet? Und er bat den Philippus, daß er aufsteige und sich zu ihm setze. Apg 8,32 Die Stelle der Schrift aber, welche er las, war diese: "Er wurde wie ein Schaf zur Schlachtung geführt, und wie ein Lamm stumm ist vor seinem Scherer, also tut er seinen Mund nicht auf. Apg 8,33 In seiner Erniedrigung wurde sein Gericht weggenommen; wer aber wird sein Geschlecht beschreiben? denn sein Leben wird von der Erde weggenommen." Apg 8,34 Der Kämmerer aber antwortete dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet dieses? von sich selbst oder von einem anderen? Apg 8,35 Philippus aber tat seinen Mund auf, und, anfangend von dieser Schrift, verkündigte er ihm das Evangelium von Jesu. Apg 8,36 Als sie aber auf dem Wege fortzogen, kamen sie an ein gewisses Wasser. Und der Kämmerer spricht: Siehe, da ist Wasser; was hindert mich, getauft zu werden? Apg 8,37 Apg 8,38 Und er hieß den Wagen halten. Und sie stiegen beide in das Wasser hinab, sowohl Philippus als der Kämmerer; und er taufte ihn. Apg 8,39 Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus; und der Kämmerer sah ihn nicht mehr, denn er zog seinen Weg mit Freuden. Apg 8,40 Philippus aber wurde zu Asdod gefunden; und indem er hindurchzog, verkündigte er das Evangelium allen Städten, bis er nach Cäsarea kam. Apostelgeschichte 8,26-39 Das ist die berühmte Geschichte des äthiopischen Eunuchen, der die Prophetie von Jesaja in Kapitel 53 liest. Philippus wird zu ihm geschickt, um ihm die Bedeutung dieser Prophetie zu erklären. Wir lesen in Vers 35, dass «beginnend von dieser Schrift» Philippus ihm Jesus gepredigt hat. Beginnend mit Jesaja 53, einer Passage, die in dieser Studie später untersucht wird, ist es Philippus möglich, die Messianität Jesu zu zeigen. Der äthiopi- Messianische Christologie 43 sehe Eunuch ist so beeindruckt von der Art und Weise, in der Jesu Leiden und Sterben auf Jesajas Beschreibung des Messias passt, dass es ihn überzeugt und er sofort Christ wird. 1 Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessaionich, wo eine Synagoge der Juden war. 2 Nach seiner Gewohnheit aber ging Paulus zu ihnen hinein und unterredete sich an drei Sabbaten mit ihnen aus den Schriften, 3 indem er eröffnete und darlegte, dass der Christus leiden und aus den Toten auferstehen musste und dass dieser der Christus ist: der Jesus, den ich euch verkündige. 4 Und einige von ihnen liessen sich überzeugen und geseilten sich zu Paulus und Silas und eine grosse Menge von den anbetenden Griechen und nicht wenige der vornehmsten Frauen. Apostelgeschichte 17,1-4 Hier sehen wir, wie Paulus in der Synagoge vorging. Er hat zuerst die Schriften des Alten Testaments ausgelegt, und zwar besonders die messianischen Prophetien, die wir später studieren werden. Nachdem er dann erklärt hatte, was die Schriften vom Messias forderten, konnte er anschliessend zeigen, wie perfekt Jesus der Gestalt des Messias entsprach, wie sie im Alten Testament gefordert wurde. 28 denn kräftig widerlegte er die Juden öffentlich, indem er durch die Schriften be wies, dass Jesus der Christus ist. Apostelgeschichte 18, 28 Hier sehen wir noch einmal Paulus' Methode beim Diskutieren mit den jüdischen Führern. Er ging zurück zu den Schriften und hat bewiesen, dass Jesus die Anforderungen der hebräischen Prophetie erfüllt hat. Ein letztes Beispiel hierfür finden wir in Apostelgeschichte 28. 23 Als sie ihm aber einen Tag bestimmt hatten, kamen mehrere zu ihm in die Herberge, denen er das Reich Gottes auslegte und bezeugte. Und er suchte sie zu überzeugen von Jesus, sowohl aus dem Gesetz Moses als auch den Propheten, von frühmorgens bis zum Abend. Apostelgeschichte 28.23 Hier sehen wir Paulus in der Debatte mit den jüdischen Führern in Rom. Wiederum nimmt Paulus sein Beweismaterial nicht aus Matthäus, Markus, Lukas oder Johannes - die Evangelien werden nicht erwähnt, weil sie noch nicht geschrieben worden waren - sondern stattdessen aus den Schriften des Alten Testaments. In dieser besonderen Situation beruft Paulus sich 44 Messianische Christologie ausschliesslich auf das Gesetz und die Propheten. Wahrscheinlich spart er die «Schriften» wegen bestimmter jüdischer Anschauungen über die Inspiration der Heiligen Schrift aus. Der Judaismus lehrt nämlich, dass zwar alle Schrift von Gott inspiriert ist, dass es dabei aber drei unterschiedliche Ebenen von Inspiration gibt. Dem Gesetz wird dabei die grösste Autorität zuge schrieben, weil es aus den eigenen Worten Gottes selbst besteht, die dieser direkt menschlichen Schreibern diktiert hat. Die Propheten seien von gerin gerer Autorität, weil sie zwar Gottes Botschaften haben, diese aber nur durch den Mund von Menschen ausgesprochen. Die Schriften werden schliesslich als die geringste Autorität angesehen, weil man annimmt, dass sie nur aus den Worten von Menschen bestehen, wenn auch deren Denken von Gott geleitet war. Der Judaismus hat also eine sehr hohe Anschauung vom Gesetz und den Propheten, aber keinen besonders grossen Respekt vor den Schriften. Darum beschränkt sich Paulus hier darauf, nur diejenigen Worte Gottes zu benutzen, die im Gesetz und den Propheten gegeben sind. Jesus hat alle drei Teile des Alten Testaments benutzt, denn was ihn und die Apostel anging, waren alle hebräischen Schriften von gleicher Gültigkeit. Traurigerweise gibt es heutzutage nur sehr wenige Leute, die tun können, was die Apostel damals taten, nämlich das ganze messianische Programm ausschliesslich aus dem Alten Testament heraus entfalten. Die Fähigkeit, das zu tun, ist aus verschiedenen Gründen wichtig, kommt aber vor allem beim Dienst unter Juden zum Tragen. Es ist notwendig, aus dem Alten Testament entfalten zu können, was für einen Messias es fordert, bevor man sich ins Neue Testament begibt und dort zeigt, dass Jesus alle diese biblischen Anforderungen perfekt erfüllt. Die vier Typen messianischer Prophetie Wenn wir uns mit messianischer Prophetle beschäftigen, ist es sehr wichtig, zu wissen, dass es vier verschiedene Arten davon gibt. Es ist unbedingt erforderlich, sie auseinanderzuhalten. Die vier Kategorien lauten: 1. Nur erstes Kommen 2. Nur zweites Kommen 3. Sowohl erstes als auch zweites Kommen 4. Der ganze Erlösungsweg Manche Prophetien sind sehr deutlich darin, dass sie sich entweder mit dem ersten Kommen (Kategorie 1) oder mit dem zweiten Kommen (Kategorie 2) beschäftigen. Andere Prophetien sind komplizierter aufgebaut. Messianische Christologie 45 Die dritte Kategorie von Prophezeiungen beinhaltet Verse, die das erste und zweite Kommen so zusammenbienden, dass die Zeitspanne, die dazwischenliegt, versteckt wird. Um sie doch zu erkennen, ist es notwendig, die Parallelstellen zu lesen. Sacharja 9, 9.10 ist ein gutes Beispiel dafür. Vers 9 geht auf das erste Kommen ein, Vers 10 auf das zweite. Diese Verse für sich allein genommen treffen keine Unterscheidung, aber dass es eine gibt, wird von anderen Schriftstellen klargelegt. Die vierte Kategorie bezieht sich auf Abschnitte, die das ganze messianische Programm einschliessen, also erstes Kommen, Zeitintervall, zweites Kommen und messianisches Königreich. In dieser Studie werden wir uns mit allen Stellen der ersten Kategorie aus einandersetzen. Die zweite Kategorie wird ignoriert, denn sie stellt ein ganzes, eigenständiges Thema dar (und wird vollständig im «Handbuch der biblischen Prophetie» behandelt). Die Prophetien der dritten und vierten Kategorie werden nur insofern berührt, als sie sich auf das erste Kommen des Messias beziehen. Wichtig Eine Studie dieser Art hat drei Hauptvorteile: Unzulässige Vereinfachungen vermeiden Die Beziehung zwischen dem Alten und Neuen Testament und die Natur des alttestamentlichen Glaubens werden oftmals übermässig vereinfacht. Zum Beispiel hört man oft das Klischee, dass «die Heiligen des Alten Testaments auf den Tod Jesu vorausschauten, während die Heiligen des Neu en Testaments auf ihn zurückschauen». Wenn das wahr wäre, warum waren dann die Jünger so erstaunt bei Jesu Tod? Wir haben die Tendenz, ins Alte Testament ein neutestamentliches Verständnis hineinzulesen, das in jenen Tagen noch nicht existierte. Wenn wir die fortschreitende Offenbarung in der Heiligen Schrift verfolgen, werden wir uns der Beschränkungen bewusster, die es auf verschiedenen Stufen von Israels Geschichte gab, was das Verstehen anging. Insbesondere gibt es keinen Weg, aus den fünf Büchern des Gesetzes allein zu erkennen, dass der Messias sterben muss. Das wurde erst etwa im 8. Jahrhundert v. Chr. offenbart, nämlich durch den Propheten Jesaja. Das Gesetz stellt den Messias hauptsächlich in Gestalt eines Königs und Erlösers dar, aber nicht als einen sterbenden Retter. Es ist nicht wahr, dass die alttestamentlichen Heiligen auf den Tod des Messias vorausgeschaut hätten: Für den grössten Teil der alttestamentlichen Ge schichte wussten sie gar nicht, dass dies zu geschehen hatte. Wir sollten 46 Messianische Christologie vorsichtig sein, den Glaubensinhalt der alttestamentlichen Gläubigen nicht zu sehr zu vereinfachen. Auslegen der Prophetien über das zweite Kommen Die Prophetien über das erste Kommen und ihre Erfüllungen zu verstehen, hilft uns, auch diejenigen über das zweite Kommen richtig zu begreifen und korrekt auszulegen. Weil alle Prophetien über das erste Kommen sich auf wörtliche Art und Weise erfüllt haben und nicht «allegorisch» oder «geistlich», sollten wir von denen über das zweite Kommen erwarten, dass sie sich in derselben Art und Weise erfüllen. Evangelisatlon unter Juden Wie bereits zu sehen war, haben die alttestamentlichen Prophetien der hebräischen Schriften die Basis zum Evangelisieren im Neuen Testament gebildet. Zuerst Jesus mit seinen Jüngern und danach die Jünger selbst haben das Alte Testament benutzt, um Jesu Anspruch, der Messias zu sein, zu bestätigen. Wenn die messianischen Erwartungen der hebräischen Prophetie verstanden werden, dann wird klar, dass Jesus und nur Jesus diese An forderungen erfüllen kann. Das sind also die Schriften, die wir jetzt studieren wollen, wobei wir uns mit ihnen in denselben Kategorien beschäftigen, wie es Jesus und die Apostel getan haben: Im Gesetz, in den Propheten und in den Schriften. 1. Teil: Das Gesetz Genesis 3,15 - Der Same der Frau 15 Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; wird dir den Kopf zermaimen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen. Messianische Prophetie beginnt schon im dritten Kapitel des Buches Gene sis. Es ist kein Wunder, dass die allererste messianische Prophetie im Kon text des Sündenfalls auftaucht. Wenn die Sünde nicht in die Welt eingedrungen wäre, hätte es niemals die Notwendigkeit für einen erlösenden Messlas gegeben. Gott verflucht die Schlange nach dem Fall, den sie verursacht hat und erklärt Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau. Diese Feind schaft soll sich bis auf den Samen der Frau und der Schlange erstrecken. Der «Same der Frau» bezieht sich auf Christus, den Messias, und der Same der Schlange wird der Antichrist sein. (Eine Untersuchung des Antichristen Messianische Christologie 47 der Schlange wird der Antichrist sein. (Eine Untersuchung des Antichristen würde den Rahmen dieser Studie sprengen, vgl. «Handbuch der biblischen Prophetie» für weitere Details.) Die Prophezeiung Diese, die erste messianische Prophezeiung, erklärt, dass die Herkunft oder Abstammung des Messias nach einer Frau benannt werden wird und nicht nach einem Mann. Das widerspricht sofort der biblischen Norm. Es gibt viele Genealogien in der Schrift, und angefangen von den frühesten in den Kapi teln Genesis 5 und 11 bis zu den ersten 9 Kapiteln des 1. Buches der Chronik, bis Matthäus 1 und Lukas 3 sind (unter vielen anderen) fast alle davon Listen von Männernamen. Die legale Abstammung, die Identität nach Nation und Stamm, wurden immer vom Vater und niemals von der Mutter genommen (die einzige Ausnahme hierzu findet sich in Esra 2, 61 und noch in Nehemia 7, 63). Es geschah nur sehr selten, dass der Name einer Frau überhaupt aufgenommen wurde in die Liste; das geschah nur, wenn sie eine wichtige Rolle in der jüdischen Geschichte gespielt hatte, und selbst dann brachte ihr das nur die Erwähnung in einer Nebenbemerkung ein. Mose gibt hier keine Erklärung, sondern zeichnet einfach die Tatsache auf, dass beim Messias etwas in besonderer Weise ganz anders sein wird, was dazu führt, dass er seine Abstammung über die Mutter und nicht den Vater angibt. Es wird für einige Jahrhunderte auch keine Erklärung gegeben, bis zur Zeit des Propheten Jesaja. Er wird prophezeien (in Kapitel 7), dass der Messias von einer Jungfrau geboren werden und keinen menschlichen Vater haben wird. Genesis 3,15 stellt fest, dass der Messias der Schlange, das ist Satan, den Kopf zerschmettern wird.' Dabei wird Satan es zwar zuwege bringen, die Ferse des Messias zu verwunden, wird aber unfähig sein, seine eigene Zerstörung zu verhindern. Das Verwunden der Ferse des Messias fand bei Jesu Kreuzigung statt - schmerzhaft, aber, bezogen auf die Ewigkeit, nicht tödlich. Das Zerschmettern des Kopfes der Schlange begann mit Jesu Tod und Auferstehung, wie in Hebräer 2, 14-18 festgestellt wird. Römer 16, 20 sieht das Zerschlagen von Satans Kopf als immer noch zukünftig an. So wird seine endgültige Zerstörung nicht kommen, bevor er in den Feuersee geworfen wird, wie es Offenbarung 20,10 beschreibt. _____________________________ 'Im Hebräischen steht aber das männliche Fürwort Sin hü' (er). Dieses als SIH hP (sie) zu vokalisieren und nach der Vulgata ««ipsa» (sie selbst), bezogen auf die Frau zu verstehen und zu übersetzen (dann wären im Hebräischen andere Verformen), entspricht nicht dem hebräi schen Text. Man darf auch nicht die Frau auf eine spätere Frau beziehen. Vgl. FUNDAMENTUM 1/1988, S. 20f. Red. 48 Messianische Christologie Genauso wie er einen Hinweis auf die Jungfrauengeburt gibt, zeigt dieser Vers auch an, dass der Messias ein Mensch sein wird. Der Messias, der Erlöser, wird kein Enge! oder einfach göttlich, sondern wird ein Gott-Mensch sein. Diese Gedanken werden in den folgenden Prophetien weiter entwickelt. Gen 4,5 und 6 -Frühe Echos der Verheissung Das ist unsere Interpretation aus unserer eigenen historischen Perspektive, aber wie wurde dieser Vers von denen verstanden, die ihn als erste gehört haben? Es gibt drei Abschnitte in den folgenden Kapiteln, die einige Hinweise darüber geben, was die drei Personen, die Gen 3, 15 als erste gehört hatten, darüber dachten. Eine Studie dieser Passagen zeigt, dass, obwohl die Jungfrauengeburt bis Jesaja nicht verstanden wurde, doch begriffen worden war, dass man einen Gott-Menschen als Erlöser zu erwarten hatte. Genesis 4,1 Messianische Christologie (1) Teil 3 Eine Studie der hebräischen Prophetie über das erste Kommen des Messias 3. Teil Dr. Arnold G. Fruchtenbaum FUNDAMETNUM /2000 Jeremia 23, 5-6 - Der Messias als König Jer 23,5 Siehe, Tage kommen, spricht Jehova, da ich dem David einen gerechten Sproß erwecken werde;und er wird als König regieren und verständig handeln, und Recht und Gerechtigkeit üben im Lande.Jer 23,6 In seinen Tagen wird Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit wohnen; und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: Jehova, unsere Gerechtigkeit (2) Diese Verse befassen sich vor allem mit dem zweiten Kommen des Messias, aber sie enthalten einen Aspekt, welcher auch auf das erste Kommen hindeutet. Vers 5 spricht von einem Mann, der ein Sohn Davids sein wird, der regieren und als König herrschen wird. Die Königsherrschaft des Messias ist erst im Anzug, aber dieser Vers spricht klar vom Messias als von einem Nachkommen Davids und hebt sein Menschsein hervor, in Vers 6 dagegen wird diesem Mann ein Name gegeben, der Gott allein zusteht: Jahwe. In modernen Übersetzungen steht meistens HERR, wenn im Hebräischen die vier Buchstaben JHWH stehen, die man Jahwe liest (Hebräisch: mn\ von rechts nach links sind es die Buchstaben jod, he, waw, he). In allen hebräischen Schriften wird der göttliche Name JHWH nur für Gott allein verwendet, und doch wird dem Mann, von dem Vers 5 spricht, in Vers 6 eindeutig der Name von Gott gegeben. Diese Tatsache stellt uns wieder vor die klare Auffassung vom Messias als GottMensch. ___________________________ ( 1) Der folgende Beitrag wurde von der Redaktion aus dem Englischen übersetzt. Der erste Teil dieser Ausführungen erschien in FUNDAMENTUM 2/1997, der zweite Teil in 3/1998. Vorliegender 3. Teil rundet die Ausführungen zu den messianischen Aussagen in den prophetischen Büchem ab. Eine Fortsetzung dieser Reihe wird sich in loser Folge anschliessen (2) Wenn nicht anders vermerkt, werden die Bibelverse gemäss der Elberfelder 1905/27 wiedergegeben. Messianische Christologie 43 Eines der Argumente des rabbinischen Judentums, um diese Lehre zu widerlegen, ist, dass es durch die Bibel hindurch Beispiele von Namen gibt, welche den Namen Gottes enthalten. So zum Beispiel bedeutet der Name Jeremia «Jahwe wird gründen» oder «Jahwe wird stürzen». Ein weiteres Beispiel Ist der Name Jesaja: «Jahwe ist Rettung». Und so gibt es viele andere Namen, welche «Jahwe» enthalten. Wir müssen uns jedoch bewusst werden, dass in keinem dieser Fälle alle vier Buchstaben JHWH gefunden werden können. Normalerweise werden nur zwei Buchstaben gebraucht, manchmal drei, aber nirgends alle vier für den Namen Gottes, wo er in Beziehung zu einem menschlichen Wesen steht. Trotzdem spricht Jer 23, 5 klar von einem Mann, einem menschlichen Nachkommen des Königs David, und in 23, 6 ist ihm ein Name gegeben, welcher einzig und allein der Name für Gott ist. Dies ist etwas, welches in der Tat nicht von den alten Rabbinern diskutiert wurde, welche diesen Schriftabschnitt immer als messianisch betrachtet haben. Es ist erst später geschehen, dass Rabbiner versuchten, auf andere Weise zu argumentieren. Vier Zitate von rabbinischen Schriften können hier aufgezeichnet werden. In dem Midrasch zu Spr 19, 21 (etwa 200 - 500 n. Chr.) steht: Rabbi Hunah sagt: «Acht Namen werden dem Messias gegeben. Diese heissen Vinnen, Shiloh, David, Menachem, JHWH, unsere Gerechtigkeit, Tsemach, Elias.» Der fünfte der aufgelisteten Namen ist Jahwe, der Name Gottes, und dieser basiert auf den Worten aus Jer 23, 6. Der siebente Name ist Tsemach (oder Zweig), und dieser basiert auf Jer 23, 5. In dem Midrasch zu Klagelieder 1,16 steht: Welches ist der Name des Messias? Rav Ava ben Kahanna sagt: «JHWH ist sein Name», und das wird nachgewiesen durch das «dies wird sein Name sein» aus Jer 23, 6. Im Talmud (Babha Bathra Tractate 75b) steht: Shmuel ben Nachman sagt im Namen des Rabbi Johanan: «Drei werden nach dem Namen des Heiligen, gebenedeiet sei er, benannt, und zwar: die Frommen, der Messias ... denn es heisst: Und dies wird sein Name sein mit dem man ihn benennen wird: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit (Jer 23, 6)...» ------------------------- Vgl. Lazarus Goldschmidt (Hrsg.), Der Babylonische Talmud, Bd. VI, S. 1142, Leipzig: Otto Harrassowitz, 1906. 44 Messianische Christologie In dem Midrasch zu Ps 21,1 steht: «Gott nennt den Messiaskönig mit seinem eigenen Namen, aber wie lautet sein Name? Die Antwort lautet; 'JHWH ist ein Kriegsmann', und betreffs des Messias lesen wir: 'JHWH unsere Gerechtigkeit, das ist sein Name'.» Und so kann festgestellt werden, dass in alten rabbinischen Schriften, und selbst im Talmud, Jer 23, 6 sich auf den Messias bezieht, und dass diesem Messias der Name Jahwe gegeben worden ist. Jeremia 23, 5-6 lehrt: - Der Messlas wird Gott-Mensch sein. - Der Messias wird Jahwe selber sein; Jahwe sollte Mensch werden. - Der Messias soll ein Nachkomme von David und deswegen ein König sein. Jeremia bestätigt den Bund Gottes mit dem Geschlecht Davids (vgl. die Erörterungen zu 1. Chr 17,10b-14). ========================================================= Micha 5,1 - Bethlehem Ephrata Mi 5,1 Und du, Bethlehem-Ephrata, zu klein, um unter den Tausenden von Juda zu sein, aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher über Israel sein soll; und seine Ausgänge sind von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her. Dieser Vers ist eine Ergänzung zu Jes 7, 14. Es hat sich schon gezeigt, dass sehr viele Schriftstellen sowohl auf die göttliche als auch auf die menschliche Natur des Messias hinweisen. Das wird bereits in Gen 3 und 4 deutlich und geht weiter bis zur Prophetie Michas. Micha war ein Zeitgenosse Jesajas. Er prophezeite zur selben Zeit wie Jesaja, aber in einer anderen Gegend Judäas. In Jes 7, 14 lesen wir, dass der Messias von einer Jungfrau geboren werden soll. Hier, in Micha 5, 1 lesen wir, wo diese Geburt sein wird. Der Messias soll nicht in Jerusalem geboren werden, wie man es eigentlich erwarten könnte, sondern in Bethlehem. Das wird vielleicht in Jes 11, 1 angedeutet, aber hier wird es deutlich gesagt. Es ist von Bethlehem Ephrata die Rede, das damit unterschieden wird von einem anderen Bethlehem in Galiläa. Bethlehem Efrata ist das Bethlehem Davids und Judas und liegt südlich von Jerusalem. Von dem, der geboren werden soll, wird gesagt, dass er «mir hervorgeht». Er wird geboren, um einen besonderen Auftrag zu erfüllen, eine spezifi sche Absicht Gottes. Was seinen menschlichen Ursprung betrifft, so wird Messianische Christologie 45 von ihm gesagt, dass er In Bethlehem geboren wird, aber was seinen göttlichen Ursprung betrifft, so wird von ihm gesagt, dass er «von der Urzeit» ist, «von den Tagen der Ewigkeit her». Die hebräischen Wörter für «von der Urzeit, von den Tagen der Ewigkeit her» sind Wörter, mit denen man die vergangene Ewigkeit ausdrücken kann. Sie werden in Bezug auf Gott, den Vater, z.B. in Ps 90, 2 gebraucht. Was also auf Gott, den Vater, zutrifft, das trifft nach dieser Aussage auch auf den zu, der in Bethlehem geboren werden soll. Diese Wörter werden auch in Spr 8, 22.23 benutzt, wo die Stimme der Weisheit spricht. Wir haben also wieder eine Textstelle vor uns, die zeigt, dass der Messias Mensch sein muss - geboren zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort -, dass er aber doch seit Ewigkeiten existiert und daher göttlich sein muss. Micha 5,1 lehrt: - Der Messlas muss In Bethlehem, der Stadt Davids, geboren wer den. - Der Messlas muss sowohl göttlich als auch menschlich sein, weil er von Ewigkeit her existiert. ===================== Sacharja 9, 9-10 - Er reitet auf einem Esel Sach 9,9 Frohlocke laut, Tochter Zion; jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König wird zu dir kommen: gerecht und ein Retter ist er, demütig, und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin. Sach 9,10 Und ich werde die Wagen ausrotten aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen wird ausgerottet werden. Und er wird Frieden reden zu den Nationen; und seine Herrschaft wird sein von Meer zu Meer, und vom Strome bis an die Enden der Erde. Die dritte Kategorie messianischer Prophetie ist - wie in der Einleitung erwähnt - die Art, bei der Prophetien über das erste und das zweite Kommen des Messias ohne erkennbare Trennung zusammengefasst werden. Sach 9, 9-10 ist ein Beispiel dafür. Vers 9 bezieht sich auf das erste Kommen und Vers 10 auf das zweite. Das kann man von anderen Texten der Schrift her erschliessen, es wird aber aus dem Text selbst nicht ersichtlich. 46 Messianische Christologie Das Erste Kommen Der Hintergrund für diese Verse ist eine Invasion Israels durch einen ausländischen König, die in den Versen 1-8 prophezeit wird. Diese Verse wurden durch Alexander den Grossen erfüllt. Aber in Vers 9 finden wir als Kontrast zu diesem einfallenden Heidenkönig eine Bezugnahme auf einen zukünftigen jüdischen König. Israel wird gesagt, es solle jauchzen, weil «dein König», also Israels König, kommt, nicht «gegen dich», sondern «zu dir». Jerusalem soll laut jubeln, denn dieser König wird im Gegensatz zu Alexander sein: 1. gerecht Sein Kennzeichen ist Gerechtigkeit, was auch durch Jer 23, 5-6 betont wird. Dagegen starb Alexander der Grosse sinnlos betrunken. 2. ein Retter In Gegensatz dazu steht Alexander, der kam um zu erobern. 3. niedrig und demütig Niedrig hat hier den Sinn, dass er erniedrigt wurde, durch Bedrückung. Der Messias wurde in der Tat niedergedrückt. Alexander kam jedoch mit Prunk und Macht. Weiterhin wird dieser König im Gegensatz zu Alexander dem Grossen auf seinem weissen Ross auf einem Esel reiten. Genauer gesagt, er soll auf dem Füllen eines Esels reiten - einem Tier, das noch nicht zugeritten war, auf dem noch niemand vorher geritten war. Die Erfüllung dieser Prophetie finden wir in den Evangelien des Neuen Testamentes beim triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem zu Beginn der letzten Woche seines Lebens (Mt 21, 1-11). Dies kennzeichnete sein offizielles Auftreten als messianischer König. Jesus beauftragt seine Jünger, nach Bethphage zu gehen und ein Füllen zu finden, das noch nie zuvor geritten wurde. Den Aspekt des Wunders darf man dabei nicht übersehen. Normalerweise hätte das Tier bocken müssen, als Jesus es bestieg: aber statt ihn abzuwerfen, fügte es sich ihm. Das zweite Kommen Vers 10 befasst sich mit den Ereignissen des zweiten Kommens, bei dem alle Kriegswaffen aus dem Land entfernt werden. Aber dies liegt nicht im Bereich dieser Studie. Messianische Christologie 47 Die rabbinische Sicht: Hier sehen wir sehr deutlich die beiden Linien messianischer Prophetie Seite an Seite in der gleichen Textstelle. Zuerst wird der Messias be schrieben als niedrig und unterdrückt, aber dann, gleich im nächsten Satz, wird er als König gesehen, dessen Herrschaft sich bis an die Enden der ganzen Erde erstreckt. Wenn die Rabbis in alter Zeit diese beiden sich «widersprechenden» Prophetien betrachteten, versöhnten sie diese mit einander, indem sie sagten, dass es zwei verschiedene Messiasse geben werde. Zuerst würde der Messias kommen, den sie den Sohn Josephs nannten, um die Textstellen zu erfüllen, die vom Leiden sprechen. Dann würde ihm der Messias, der Sohn Davids folgen, der erobernde Messias. Eine alte rabbinische Quelle sagt: Rabbi Joseph, der Sohn Levis, nimmt daran Anstoss, dass an einer Stelle ge schrieben steht: «Siehe, jemand wie der Menschensohn kommt mit den Wolken des Himmels», aber dass an einer anderen Stelle geschrieben steht: «niedrig und auf einem Esel reitend». Die Lösung ist folgende: Wenn sie gerecht sind, dann kommt er mit den Wolken des Himmels, sind sie aber nicht gerecht, dann wird er niedrig kommen, auf einem Esel reitend.'* Das ist eine alternative rabbinische Interpretation, um die beiden Linien messianischer Prophetie zu erklären. Sie besagt, dass entweder die eine Linie der Prophetie erfüllt wird oder die andere, aber nicht beide. Wenn Israel gerecht ist, wird der Messias auf den Wolken reitend kommen, aber wenn es sündig ist, dann wird er auf einem Esel reitend kommen. Die Schrift verlangt jedoch ganz klar die Erfüllung beider Typen der Pro phetie. Die Sicht des Neuen Testamentes ist viel einfacher als die beiden oben wiedergegebenen rabbinischen Ansichten. Es lehrt, dass es einen einzi gen Messias gibt, aber dass er zweimal kommt: zuerst um zu sterben, und dann ein zweites Mal, um zu herrschen. Auf diese Weise erfüllt er alle prophetischen Äusserungen über ihn. Sacharja 9, 9-10 lehrt: - Das erste Kommen des Messias wird gekennzeichnet sein durch Niedrigkeit. - Die offizielle Präsentation als messianischer König wird dann sein, wenn er durch Jerusalem reitet, und zwar auf einem Eselsfüllen. ________________________________ Vgl. Sanhedrin 97b im Talmud, a.a.O. 48 Messianische Christologie Sacharja 11,1-17 - Die beiden Hirten Sach 11,1 Tue auf, Libanon, deine Tore, und Feuer verzehre deine Zedern! Sach 11,2 Heule, Zypresse! Denn die Zeder ist gefallen, denn die Herrlichen sind verwüstet. Heulet, Eichen Basans! Denn der unzugängliche Wald ist niedergestreckt. Sach 11,3 Lautes Heulen der Hirten, denn ihre Herrlichkeit ist verwüstet; lautes Gebrüll der jungen Löwen, denn die Pracht des Jordan ist verwüstet! Sach 11,4 Also sprach Jehova, mein Gott: Weide die Herde des Würgens,Sach 11,5 deren Käufer sie erwürgen und es nicht büßen, und deren Verkäufer sprechen: Gepriesen sei Jehova, denn ich werde reich! und deren Hirten sie nicht verschonen. Sach 11,6 Denn ich werde die Bewohner des Landes nicht mehr verschonen, spricht Jehova; und siehe, ich überliefere die Menschen, einen jeden der Hand seines Nächsten und der Hand seines Königs; und sie werden das Land zertrümmern, und ich werde nicht aus ihrer Hand befreien. – Sach 11,7 Und ich weidete die Herde des Würgens, mithin die Elenden der Herde; und ich nahm mir zwei Stäbe: den einen nannte ich Huld, und den anderen nannte ich Bande, und ich weidete die Herde. Sach 11,8 Und ich vertilgte drei Hirten in einem Monat. Und meine Seele wurde ungeduldig über sie, und auch ihre Seele wurde meiner überdrüssig. Sach 11,9 Da sprach ich: Ich will euch nicht mehr weiden; was stirbt, mag sterben, und was umkommt, mag umkommen; und die Übrigbleibenden mögen eines des anderen Fleisch fressen. Sach 11,10 Und ich nahm meinen Stab Huld und zerbrach ihn, um meinen Bund zu brechen, den ich mit allen Völkern gemacht hatte. Sach 11,11 Und er wurde gebrochen an jenem Tage; und also erkannten die Elenden der Herde, die auf mich achteten, daß es das Wort Jehovas war. Sach 11,12 Und ich sprach zu ihnen: Wenn es gut ist in euren Augen, so gebet mir meinen Lohn, wenn aber nicht, so lasset es; und sie wogen meinen Lohn dar: dreißig Silbersekel. Sach 11,13 Da sprach Jehova zu mir: Wirf ihn dem Töpfer hin, den herrlichen Preis, dessen ich von ihnen wertgeachtet bin! Und ich nahm die dreißig Silbersekel und warf sie in das Haus Jehovas, dem Töpfer hin. Sach 11,14 Und ich zerbrach meinen zweiten Stab, die Bande, um die Brüderschaft zwischen Juda und Israel zu brechen. – Sach 11,15 Und Jehova sprach zu mir: Nimm dir noch das Gerät eines törichten Hirten. Sach 11,16 Denn siehe, ich erwecke einen Hirten im Lande: der Umkommenden wird er sich nicht annehmen, das Versprengte wird er nicht suchen, und das Verwundete nicht heilen; das Gesunde wird er nicht versorgen, und das Fleisch des Fetten wird er essen und ihre Klauen zerreißen. Sach 11,17 Wehe dem nichtigen Hirten, der die Herde verläßt! Das Schwert über seinen Arm und über sein rechtes Auge! Sein Arm soll gänzlich verdorren, und sein rechtes Auge völlig erlöschen. Das ganze Kapitel 11 behandelt in gewisser Hinsicht das erste Kommen und die Ereignisse, die es begleiten. Das Kapitel ist in drei Teile geglie dert. Verse 1-3 beschreiben eine grosse Venwüstung, die über das ganze Land Israel von Norden nach Süden kommt. Dies wurde in dem ersten und zweiten Aufstand gegen Rom in den Jahren 70 n. Chr. und 135 n. Chr. erfüllt. Verse 4-14 beschreiben die Ereignisse des ersten Kom mens und die Ablehnung des wahren Hirten (Messias), was zur Vernich tung von 70 n. Chr. führte. Verse 15-17 beschreiben die Wahl eines fal schen Hirten, die zur Vernichtung von 135 n. Chr. führte. Die Verwüstung des Landes (Verse 1-3) Die in den Versen 1-3 beschriebene Art der Verwüstung geschah nur im Jahr 70 n. Chr. als Folge des ersten jüdischen Aufstandes gegen Rom. Man könnte sagen, dass die Prophetie dieser ersten drei Verse dann voll ständig im Jahr 135 erfüllt wurde, als das Land bei dem zweiten Aufstand völlig verwüstet wurde. Der jüdische Tempel wurde oft bezeichnet als ein Zedernort oder als ein Zedernhaus (1. Könige 5, 5-6). Daher ist die in den Versen 1 und 2 be schriebene Zerstörung wahrscheinlich eine Anspielung auf die künftige Zerstörung des Tempels, und zwar des Tempels, an dessen Wiederauf bau man zur Zeit der Prophetie Sacharjas noch arbeitete. In Vers 3a wer den die Hirten, das bedeutet die jüdischen Führer, aufgefordert zu klagen wegen des Ruins ihrer Herrlichkeit. Als Jerusalem und der Tempel zer stört wurden, ist ihre Herrlichkeit wahrhaftig ruiniert worden. Schliesslich konzentriert sich Vers 3b auf die Zerstörung im Jordantal. Diese wird auch in Jer 12, 5; 49, 19 und 50, 44 erwähnt. Der Rest dieses Kapitels handelt von den zwei Gründen für diese Zerstö rung, mit der Ablehnung des wahren Hirten und der Annahme des fal schen Hirten. Die Ablehnung des wahren Hirten (Verse 4-14) Der Auftrag des Propheten In den Versen 4-6 wird dem Propheten Sacharja ein Auftrag gegeben. Ihm wird eine Rolle übertragen, die er als Botschaft an das Volk spielen soll. Die Rolle, die er spielen soll, ist die des Messias bei seinem ersten Kommen. Der Messias wird hier In der Person eines Hirten dargestellt, der 50 Messianische Christologie seine Herde versorgt. Die Herde (Vers 4) steht symbolisch für Israel. Die Schafe werden von ihren Eigentümem (symbolisch für Rom) umgebracht, und sogar «ihre eigenen Hirten» (symbolisch für die jüdischen Führer) «haben kein Mitleid mit ihnen». In Vers 5 ist die Herde, das Volk Israel, vom Menschen im Stich gelassen worden, aber welter unten, in Vers 6, ist sie auch von Gott verlassen worden. Gott sagt, dass er bewirken will, dass er jeden einzelnen Menschen «in die Hand seines Königs geraten lässt». Das scheint auf den ersten Blick ein wenig verwirrend zu sein, weil ja Israel zur Zeit der römischen Besatzung keinen König hatte. In den Evangelien lesen wir aber, dass Pontius Pilatus, als Jesus (der wahre Hirte) vor ihm vor Gericht stand, dem Volk erklärte: «Hier ist euer König». Aber die Pharisäer verwarfen Jesus und schrien: «Wir haben keinen Kö nig ausser dem Kaiser» (Joh 19, 15). Weil der Messias als König abge lehnt wurde und nur der Kaiser als König anerkannt wurde, hat Gott sie diesem König zum Gericht überlassen. Im Krieg mit den Römern sind 70 n. Chr. insgesamt 1, 1 Millionen Juden getötet und 97.000 in die Sklaverei geführt worden. Die Ausführung des Auftrags In den Versen 7-11 führt Sacharja seinen Auftrag aus. In Vers 7 füttert er die zum Schlachten bestimmte Herde, aber vor allem «die Armen» (oder die Elenden). «Die Armen und Elenden» sind ein häufiger Ausdruck bei den Propheten und beziehen sich immer auf den gerechten Überrest Isra els. Wenn Israel als Ganzes viele Male in seiner Geschichte rebellisch und gesetzlos gewesen ist, blieb dennoch immer eine kleine Gruppe Ge rechter, gläubiger Menschen, in Israel übrig, die als «der Rest Israels» bezeichnet wurde. Der Messias wird zwar kommen, um ganz Israel zu dienen, aber es wird eine besondere Betonung auf seinem Dienst an dem glaubenden Über rest innerhalb Israels liegen. Die Erfüllung davon sehen wir in Mt 9, 35.36. Sacharja benutzt zwei Stäbe für seinen Dienst. Dem einen wird der Name «Freundlichkeit» gegeben und dem anderen «Verbindung». Der Stab «Freundlichkeit» diente zur Verteidigung der Herde, und der Stab «Ver bindung» sollte die Herde zusammenhalten und ihre Einheit bewahren. In Vers 8 sieht sich Sacharja der Opposition dreier anderer Hirten gegen über. Im Zusammenhang mit Jesu Dienst stehen diese drei Hirten symbo lisch für die Pharisäer, die Sadduzäer und die Schriftgelehrten, die Schlüsselfiguren der jüdischen Führung zur Zelt des ersten Kommens. Eine der Folgen von Jesu Dienst war die Vernichtung dieser drei Grup pen. Der Grund für ihre Vernichtung ist die in Vers 8 beschriebene gegen- Messianische Christologie 51 seitige Gegnerschaft. Die Erfüllung dieser Prophetie ist vor allem zu se hen in Jesu Anprangerung der religiösen Führer Israels, wie sie in Mt 23, 1-37 beschrieben ist. Zweitens kann die feindselige Einstellung der Füh rer Jesus gegenüber darin gesehen werden, wie sie seine Hinrichtung planen und Judas Ischarioth bestechen, ihn zu verraten. Obgleich Vers 7 den treuen Hirten der Herde beschrieb, gibt es in Vers 9 ein urplötzliches Aufhören mit der Fütterung der Schafe. Im Dienst Jesu wurde dieser Teil der Prophetie durch die in Mt 12, 22-45 geschilderten Ereignisse erfüllt. Dieses Kapitel beschreibt den entscheidenden Wende punkt in Jesu Dienst: die Verneinung seiner Messianität wegen angebli cher dämonischer Besessenheit. Vor dieser Ablehnung hatte Jesus öf fentlich seinen Anspruch verkündet, der Messias zu sein. Nach seiner Ablehnung aber machte Jesus keine solchen Ansprüche mehr und verbot jedem (den Jüngern und denen, die er heilte), darüber zu reden, dass er der Messias ist. Vor seiner Ablehnung lehrte Jesus das Volk (fütterte er die Herde) offen und klar (z.B. mit der 'Bergpredigt'). Nach der Ablehnung ging Jesus plötzlich und unmittelbar zu dem ausschliesslichen Gebrauch von Gleichnissen über, um die Wahrheit vor den Massen zu verbergen. Ihn der Besessenheit anzuklagen bildete die «unvergebbare Sünde», und von dem Augenblick an war das Gericht von 70 n. Chr. unvermeidbar. In dem Augenblick, wo die unverzeihliche Sünde begangen wird, hört Jesus auf, die Herde als Ganze zu füttern und befasst sich nur mit einzel nen Menschen dieser Nation. In Vers 10 nimmt Sacharja, wenn mit dem Füttern aufgehört wird, den Stab mit dem Namen «Freundlichkeit» und zerbricht ihn. Dies symbolisiert, dass Gott den Schutz über Israel aufhebt, und dass das Gericht von 70 n. Chr. unvermeidbar wird. (Die Erfüllung davon ist in Luk 19, 41-44 und 21, 24 zu sehen.) Es ist zu beachten, dass «Völker» im Plural steht und so die Heidennationen meint. Israel ist jetzt den Angriffen der Heiden gegenüber verwundbar, und der Angriff der Römer im Jahre 70 war in der Tat vernichtend. In Vers 11 sehen die Elenden der Herde, das heisst der gläubige Über rest, das Zerbrechen des Stabes «Freundlichkeit» als Wort Gottes und verstehen dessen Bedeutung. Während des Dienstes Jesu haben die jüdischen Gläubigen auch in der Tat verstanden, dass Gericht kommen würde, dass es aus der Hand Gottes kam und dass es unvermeidbar war. In Luk 21 hatte Jesus ihnen Anweisung gegeben, aus Jerusalem zu flie hen, wenn die Zeit der Zerstörung kommen würde. Dort heisst es In den Versen 20-24: 20 Wenn ihr aber Jerusalem von Heerscharen umzingelt seht, dann er kennt, dass seine Verwüstung nahe gekommen ist! 21 Dann sollen die in 52 Messianische Christologie Judäa auf die Berge fliehen und die, die in seiner Mitte sind, daraus ent weichen, und die, die auf dem Land sind, nicht dort hineingehen. 22 Denn dies sind Tage der Rache, dass alles erfüllt werde, was geschrieben steht. 23 Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Ta gen! Denn grosse Not wird auf der Erde sein und Zorn gegen dieses Volk. 24 Und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt werden unter alle Nationen; und Jerusalem wird zertreten werden von den Nationen, bis die Zeiten der Nationen erfüllt sein werden. Als 66 n. Chr. die Römer Jerusalem belagerten, erkannten die Gläubigen in der Stadt, dass die Zeit des Gerichtes gekommen war, dass sie nicht an den Kämpfen teilnehmen, sondern in die Berge flüchten sollten. Später in diesem Jahr wurde die Belagerung zeitweilig aufgehoben und die ge samte jüdisch-christliche Gemeinschaft aus Jerusalem und dem ganzen Lande Israel (etwa 100.000 Menschen) verliessen Israel und fanden Zu flucht In Pella, östlich des Jordan. Im Jahre 68 wurde die Belagerung wie der aufgenommen, und 70 kam die endgültige Zerstörung. Der Hauptpunkt ist hier, dass die «Eiendesten der Herde», diejenigen, denen ein besonderer Schwerpunkt im Dienst des Messias galt, verstan den, dass Gottes Schutz aufgehoben war, dass die Nation unter dem Gericht stand. Und daher handelten sie in Übereinstimmung mit Jesu Worten in Luk 21. Weil sie gläubig den Worten ihres Messias gehorchten, verlor keiner der jüdischen Gläubigen das Leben, wurde kein jüdischer Gläubiger In die Sklaverei geführt. Der Preis für den guten Hirten Verse 12-14 beschreiben den Wert, wie man die Arbeit des guten Hirten einschätzte. In Vers 12 tritt der gute Hirte auf die Führer Israels zu und verlangt seinen Lohn, dass er bezahlt werde gemäss dem, wie sie ihn wert schätzen. Man zahlt ihm dreissig Silberstücke. Heute könnte dies vielleicht als ein vernünftiger Betrag erscheinen, aber es war in Wirklich keit ein Zeichen für Verachtung. Unter dem mosaischen Gesetz waren dreissig Silberstücke die Entschädigung für einen toten Sklaven (Ex 21, 32). Die Arbeit des guten Hirten wird daher so beurteilt, dass sie der eines toten Sklaven entspricht. Dreissig Silberstücke bezahlt zu bekommen, war beleidigender als gar nichts zu bekommen. Die Worte von Vers 13 sind hier ausserordentlich wichtig. Es ist zwar Sacharja, dem die dreissig Sil berstücke ausgezahlt wurden, aber wer ist im Eigentlichen beleidigt? «Da sprach der HERR zu mir: Wirf ihn dem Töpfer hin, den herrlichen Wert, den ich ihnen wert bin!» Es ist der HERR, der der gute Messianische Christologie 53 Hirte ist. Es ist der HERR, dessen Werk so verachtet wird, dass es ihnen nur die dreissig Silberstücke wert ist. Und so wird deutlich, dass Sacharja bloss ein Schauspieler ist, der eine prophetische Rolle spielt (ein übliches Mittel in der Heiligen Schrift, um Prophetien weiterzugeben), und dass diese Rolle von JHWH selbst erfüllt wird, wenn er Mensch wird, wie es in vorausgegangenen Prophetien ge sagt wurde. Sacharja wird dann gesagt, er solle die dreissig Silberstücke nehmen und fortwerfen, und zwar in das Gebiet des Töpfers auf dem Tempelareal. Diese Worte fanden ihre Erfüllung, als Judas Ischarioth dreissig Silber stücke von den jüdischen Führern ausbezahlt bekam, um Jesus zu ver raten. Später tat Judas das, was Sacharja tat; er warf die Münzen in das Tempelareal. All dies wird in Mt 26, 14-16 und'27, 3-10 beschrieben. Es ist zu beach ten, dass die dreissig Silberstücke Judas von den Hohenpriestern bezahlt wurden, die das Geld wohl aus dem Tempelschatz genommen hatten. Dieses Geld war für den speziellen Zweck bestimmt, Opfer zu kaufen. Obgleich sie sich dessen gar nicht bewusst waren, taten die Priester ge rade das: Sie kauften ein Opfer. Jesus sollte das endgültige Opfer für die Sünde sein. Die Antwort auf die im Vers 13 gezeigte Verachtung steht in Vers 14. Sacharja nimmt den zweiten Stab, «Verbindung» genannt, und zerbricht ihn. Auch dies ist wieder eine prophetische Handlung und bedeutet dieses Mal, dass die Herde zerstreut und die Einheit Israels zerstört werden soll. Während des Krieges gegen die Römer von 66 - 70 n. Chr. entstanden verschiedene Gruppierungen unter den Zeloten, die begannen, sich ge genseitig zu bekämpfen. Sie vernichteten sich gegenseitig die Nahrungs vorräte und brachten sich gegenseitig um. Letztendlich war es der Streit unter den Bürgern in Jerusalem, der bewirkte, dass es so leicht an die Römer fiel. Die Zerstörung der Einheit führte daher zur Zerstreuung der Herde. Die grosse Zerstreuung der Juden hat in der Tat 70 n. Chr. begon nen. Während die Führung den guten Hirten in den Versen 4-14 verwirft, ak zeptiert sie im nächsten Abschnitt, Verse 15-17, stattdessen einen tö richten und ungerechten Hirten. 54 Messianische Christologie Der törichte Hirte (Verse 15-17) In Vers 15 wird Sacharja gesagt, er solle eine zweite Rolle spielen: nicht die eines guten Hirten, wie vorher, sondern dieses Mal die eines törichten Hirten, welcher der Herde nichts als Schaden bringt. Im Jahre 132 führte Simon bar Kochba den zweiten jüdischen Aufstand gegen Rom an. Er wurde von vielen der Rabbis unterstützt, aber am be deutsamsten ist, dass mitten im Aufstand der Oberrabbi, Rabbi Akiba, erklärte, bar Kochba sei der Messias. Am Anfang des Aufstandes hatten die christlichen Juden auch zum Schwert gegriffen und sich an dem betei ligt, was ursprünglich die Verteidigung des Landes war. Mit Rabbi Akibas Erklärung wurde jedoch der Aufstand eine messianische Bewegung, und die gläubigen Juden wurden gezwungen, sich aus dem Kampf zurückzu ziehen, weil sie bar Kochba nicht als Messias unterstützen konnten. Das hatte zur Folge, dass Rabbi Akiba mit verschiedenen jüdischen Räten eine lange Liste von Gesetzen erliess, die jede Art von Verbindung mit jüdischen Gläubigen im Land verbot. Die Römer kehrten schliesslich nach der ihnen von bar Kochba zugefügten Niederlage zurück und begannen eine Politik der verbrannten Erde. Als bar Kochba 135 n. Chr. zu seinem letzten Kampf antrat, lag buchstäblich das ganze Land verbrannt da; kaum etwas wuchs noch, und die Menschen verhungerten in Scharen. So wurde die in Sach 11, 1-3 angekündigte Zerstörung in einem noch grösseren Ausmass erfüllt als im Jahre 70. Sacharja 11,1-17 lehrt: - Das erste Kommen des Messlas wird abgelehnt, vor allem von der jüdischen Führung. - Während die Nation als Ganzes den Messias ablehnt, wird es einen kleinen Überrest gläubiger Menschen geben, die ihn annehmen. - Die Führung von Israel wird ihn für 30 Silberstücke verkaufen. - Die Folgen dieser Ablehnung werden zweifach sein. Erstens wird der Schutz aufgehoben und Israel für heidnische Angriffe verwund bar gemacht. Zweitens wird die Einheit von Israel genommen und Israel zerstreut. - Weil sie sich vom wahren Messias abgewendet haben, werden sie so töricht sein und einen falschen Messlas akzeptleren. -Wenn die in Sach 11, 1-3 beschriebene Zerstörung im Jahre 70 n. Chr. stattgefunden hat, dann muss der Messias vor 70 n. Chr. ge kommen sein. Messianische Christologie 55 Sacharja 12,10 - Der Messias wird endlich anerkannt Aber über das Haus David und über die Bewohnerschaft von Jerusaiem giesse ich den Geist der Gnade und des Fiehens aus, und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitter über den Erstgeborenen weint Das ganze 12. Kapitel von Sacharja handelt von den Ereignissen des zweiten Kommens des Messias und ganz besonders von der Schlacht von Harmageddon. (Dieses Thema liegt zwar ausserhalb dieser Untersu chung, aber ich habe darüber in The Footsteps Of The Messiah auf S. 214 und 233-235 geschrieben.) Vers 10 ist jedoch sehr wichtig für das Studium der Prophetien zum ersten Kommen. Der Messias wurde von der jüdischen Führung bei seinem ersten Kommen verworfen, und es ist eine absolute Voraussetzung für sein zweites Kommen, dass die jüdischen Führer ihre ursprüngliche Ablehnung bereu en und Gott um seine Wiederkunft bitten. Sacharja beschreibt die tiefe Trauer, welche die jüdischen Führer einmal über den Tod des Messias bei seinem ersten Kommen erfahren müssen. Im Kontext dieser unserer Studie werden hier drei Punkte betont: 1. Eine weitere Bestätigung, dass der Messias von den Führern der Juden abgelehnt werden wird. 2. Uns ist schon von Jesaja mitgeteilt worden, dass der Messias sterben würde, aber jetzt wird uns gesagt, dass es ein gewaltsamer Tod sein wird: er wird durchstochen. 3. Es ist der HERR, der hier spricht und sagt: «Sie werden auf mich blikken, den sie durchbohrt haben» - es ist also JHWH, den sie durchbohrt haben. Uns wird also wieder gesagt, dass der Messias Gott selbst sein wird. Das Wort für «durchbohrt» bedeutet «durchbrochen». Dies wurde bei Jesu Kreuzigung erfüllt, als ein römischer Soldat ihm den Speer in die Seite stiess, wie es in Joh 19, 31-37 aufgezeichnet ist. Sacharja 12,10 lehrt: - Das erste Kommen des Messias wird von den Führern Israels ab gelehnt. - Der Messlas wird einen gewalttätigen Tod sterben, durch Durch bohren. - Der Messias wird beides sein, Gott und Mensch 56 Messianische Christologie Sacharja 13, 7 - Der gute Hirte Wach auf, Schwert, gegen meinen Hirten und gegen den Mann, der mein Gefährte ist!, spricht der HERR der Heerscharen. Schlage den Hirten, dass die Schafe sich zerstreuen! Und ich werde meine Hand den Kleinen zuwenden. (Besser nach der Lutherübersetzung: gegen die Kieinen) Sach 13, 7 ist eine Zusammenfassung des ganzen Kapitels 11 von Sacharja in einem Vers. Der Hirte von 13, 7 ist der gute Hirte von 11, 4-14. Dieser Vers stellt wiederum fest, dass der Messias ein Gottmensch sein wird. Die Menschheit des Messias ist offensichtlich: «... und gegen den Mann ...» Die Worte, die folgen, sind im Englischen oder Deutschen nie richtig übersetzt worden, und daher wird die Göttlichkeit des Messias nicht so deutlich. Was als «mein Gefährte» übersetzt wird, ist in Wirklichkeit im Hebräischen «der mir Gleichgestelite». (5) Der Vers sollte also eigentlich gelesen werden: «und gegen den Menschen, den mir Gleichgestellten». Und um mit Gott gleich zu sein, muss der Messias auch wirklich Gott sein. Das mag aus der Übersetzung nicht so deutlich werden, aber im hebräi schen Original ist es sehr klar. Dieser Vers betont auch die Tatsache, dass der Tod des Messias gewaltsamer Natur ist, und sagt wiederum, dass sein Tod der Grund für die Zer streuung Israels sein wird. Der Hirte wurde 30 n. Chr. geschlagen, als Jesus gekreuzigt wurde, und die Schafe wurden 70 n. Chr. zerstreut, als Israel vertrieben wurde. Diese Worte werden auch in Mt 26, 31.32 auf die Jünger Jesu bezogen, aber vor allem beziehen sie sich auf die Zerstreu ung von 70 n. Chr. Nach Vers 7b müssen auch die Kleinen, das unschul dige gemeine Volk, leiden, weil die Führer Israels den Messias, den guten Hirten, verworfen haben. Sacharja 13, 7 lehrt: - Der Messias wird ein Gott-Mensch sein. - Der Tod des Messias wird gewaltsamer Natur sein. - Der Tod des Messlas wird Grund für die Zerstreuung Israels sein. 5 im Englischen: equal. Das hebräische Wort 'ämei wird im hebr. Lexikon KB 3 mit «Gemeinschaft», «Volksgenossenschaft» übersetzt, und Sach 13, 7 wird wörtlich als «der Mann meiner Volksgemeinschaft», freier mit: «der Mann, der mir nahesteht», wiedergege ben. Messianische Christologie 57 Maieachi 3,1 - Der Bote des Königs Siehe, ich sende meinen Boten, damit er den Weg vor mir her bereite. Und plötzlich kommt zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Engel des Bundes, den ihr herbeiwünscht, siehe, er kommt, spricht der HERR der Heerscharen. Nur zwei Prophetien In der hebräischen Heiligen Schrift handeln vom Vorläufer des Messias. Die erste steht in Jes 40, 3-5 und die zweite hier in Mal 3, 1. Der Vorläufer vom zweiten Kommen des Messias wird in Mal 4, 5-6 ganz klar als der Prophet Elia identifiziert. Der Vorläufer des ersten Kommens aber wird nie bei Namen genannt, weder hier noch in Jesaja. Nur im Neuen Testament wird er als Johannes der Täufer geoffenbart. Es heisst in Mt 11, 7a.10.11: 7 Als die aber hingingen, fing Jesus an, zu den Volksmengen zu reden über Johannes: ... 10 Dieser ist es, von dem geschrieben steht: «Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten wird.» 11 Wahrlich, ich sage euch, unter den von Frauen Ge borenen ist kein Grösserer aufgestanden als Johannes der Täufer; der Kleinste aber im Reich der Himmel ist grösser als er. Maieachi ist der letzte der alttestamentlichen Propheten. Seine Prophetie war die letzte Offenbarung Gottes für 400 Jahre. Sein Name bedeutet im Hebräischen «mein Bote» oder «mein Engel». Das hebräische Wort für «mein Bote» in Vers 3, 1 lautet in der Tat malachi. Die nächste propheti sche Stimme, die in Israel 400 Jahre später gehört werden sollte, wird die Stimme von malachi sem, von «meinem Boten», Johannes dem Täufer. Der Rest von Vers 1 spricht vom ersten Kommen des Messias. Er sagt, dass der Messias plötzlich in seinen Tempel kommen wird. Dies ist der zweite Tempel, von Serubbabel gebaut und von Herodes dem Grossen erneuert. Es war dieser Tempel, zu dem Jesus bei zwei Gelegenheiten kam, um ihn von den Geldwechslern zu reinigen (Joh 2, 13-22; Mt 21, 12.13). Der Text sagt ausdrücklich «zu seinem Tempel». Dieser Tempel gehört dem Messias. Er hat volle Rechte an diesem Tempel und kann damit tun, wie es ihm gefällt. Als Jesus ihn reinigte, übte er seine Herr schaft, seine Autorität, sein Recht als Eigentümer aus. Die Verse 2-5 dieses Abschnitts sprechen dann davon, dass der Messias bei seinem zweiten Kommen das Volk reinigt. Maieachi 3,1 lehrt: - Dem ersten Kommen des Messias wird ein Herold vorausgehen. (Fortsetzung folgt) Und der Mensch erkannte Eva, sein Weib, und sie ward schwanger und gebar Kain; und sie sprach: Ich habe einen Mann erworben mit Jehova. Eine wörtliche Übersetzung des hebräischen Textes würde lauten: Und der Mann erkannte Eva, seine Frau, sie empfing und gebar Kain und sagte: «Ich habe einen Mann bekommen: Jahwe.» Das ist exakt dieselbe Satzkonstruktion wie im nächsten Vers: Und wiederum gebar sie seinen Bruder: Abel. Nur wenige Bibelübersetzer verstehen, was Eva hier sagt. Deshalb lauten auch die englischen Übersetzungen nicht so, wie es oben angegeben ist. Eva hat von Gottes Worten in Gen 3, 15 her klar verstanden, dass die Schlange von einem Gott-Menschen besiegt werden wird. Offensichtlich denkt sie, dass Kain Jahwe ist. Ihre Theologie ist grundsätzlich korrekt: Der Messias würde beides sein, Mensch und Gott. Ihr Fehler liegt in ihrer Anwendung dieser Theologie. Sie hat angenommen, dass Kain, ihr erstes Kind, der versprochene Gott-Mensch wäre. Dass sie ihren Fehler schnell erkannt hat, zeigt sich bei der Geburt von Kains Bruder - sie nennt ihn Abel, was «Nichtigkeit» bedeutet. Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedliche Gelehrte zu verschiedenen Zeiten mit diesem Vers umgegangen sind. Die meisten englischen Überset zungen lesen: «Ich habe einen Mann bekommen mit der Hilfe von Jahwe.» Die Worte «mit der Hilfe von» wurden dabei von den Übersetzern eingefügt. Messianische Christologie 49 um eine Lesart zu vermeiden, die für sie unakzeptabel war.(2) Aber im Hebräischen steht wörtlich: «Ich habe einen Mann bekommen: Jahwe.» Das ist tatsächlich die gleiche Konstruktion wie im Hebräischen für die sofort folgenden Worte: «und sie gebar: Kain.» Die geläufige englische Übersetzung basiert nicht auf dem hebräischen Text, sondern auf der griechischen Septuaginta. Dort heisst es «durch Gott.» Dem folgte auch die lateinische Vulgata, die ebenfalls «durch Gott» liest. Der Jerusalemer Targum, eine aramäische Übersetzung, liest: «Ich habe einen Mann bekommen, den Engel von Jahwe». Die Rabbiner gaben eine Lesart an, die dem originalen hebräischen Text viel näher kam. Der Targum Pseudo Jonathan liest: «Ich habe als einen Mann den Engel Jahwes be kommen». Eine andere aramäische Übersetzung ist der Targum Onkelos, der «von vor dem Herrn» bietet. Diese aramäischen Übersetzungen und Umschreibungen sehen, was das Hebräische sagt und was das für übernatürliche Folgen beinhaltet. In der christlichen Theologie sieht man den Engel Jahwes als die zweite Person des dreieinigen Gottes (etwas, was später unter «Andere Linien der Beweisführung» diskutiert wird), aber das war natürlich nicht die Sichtweise der jüdischen Übersetzer der Targume. Der Midrasch Rabbah, der rabbinische Kommentar zur Genesis, bietet in 22, 2 für Genesis 4, 1 «mit der Hilfe des Herrn». «Rabbi Ishmael fragte Rabbi Akiba 'Da du Nahum von Ginzo 22 Jahre lang gedient hast und er gelehrt hat, dass jedes ach und räch eine Begrenzung, aber jedes et und gam eine Erweiterung ist, sage mir, was der Sinn des et hier ist.' Er antwortete 'Wenn gesagt wird 'Ich habe einen Mann bekommen: Den Herrn', wäre es schwie rig auszulegen, darum ist et 'mit der Hilfe des Herrn' erforderlich.'» Somit hatten die Rabbiner also klar die Aussagen dieser Konstruktion verstanden und mussten darum die nötigen Anpassungen in ihrer Übersetzung machen. Die Peshitta bietet «Ich habe einen Mann bekommen zu dem Herrn». Ein führender Rabbi, bekannt als Saadia Gaon, las es als «von mit dem Herrn». Rashi übersetzt es als «mit dem Herrn» und Nachmanides übersetzt es als «für den Herrn zum Dienst für den Herrn». Auch hier werden wieder Versuche gemacht, das Offensichtliche zu umgehen. Genesis 5, 28.29 Und Henoch lebte 65 Jahre und zeugte Metuschelach. 2 Und Henoch wandelte mit Gott, nachdem er Metuschelach gezeugt hatte, 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter. 23 Und alle Tage Henochs betrugen 365 Jahre. _____________ 'Das Hebräische nx 'et kann als Akkusativzeichen «den» oder als Präposition «mit» verstanden werden: Übersetzung somit entweder: den Jhwh oder mit Jhwh. Vgl. FUNDAMENTUM 3/1989, S. 14f. Red. 50 Messianische Christologie 24 Und Henoch wandelte mit Gott; und er war nicht mehr da, denn Gott nahm ihn hinweg. - 25 Und Metuscheiach lebte 187 Jahre und zeugte Lamech. 26 Und Metuscheiach lebte, nachdem er Lamech gezeugt hatte, 782 Jahre und zeugte Söhne und Töchter. 27 Und alle Tage Metuscheiachs betrugen 969 Jahre, dann starb er. - 28 Und Lamech lebte 182 Jahre und zeugte einen Sohn. 29 Und er gab ihm den Namen Noah, indem er sagte: Dieser wird uns trösten über unserer Arbeit und über der Mühsal unserer Hände von dem Erdboden, den der HERR verflucht hat. Genesis 5,21-29 In Genesis 5, 21-24 lesen wir von dem gerechten Henoch, der «nicht war, denn Gott nahm ihn». Das Neue Testament, in Judas 14-15, sagt uns, dass Henoch ein Prediger der Gerechtigkeit und ein Prophet war. Der Name, den er seinem Sohn gab, war tatsächlich reich an prophetischer Bedeutsamkeit. Methuselach ist ein hebräischer Name, der wörtlich bedeutet «Wenn er stirbt, wird es kommen». Da es im Hebräischen kein Neutrum gibt, heisst es also tatsächlich «Wenn er stirbt, wird er kommen». Diese Prophezeiung bezieht sich auf das Kommen der Flut. Eine einfache Berechnung mit den in Genesis gegebenen Zahlen zeigt, dass die Flut im Jahre 1656 a.H.® kam - dasselbe Jahr, in dem Methuselach auch starb (siehe Diagramm). Lamech hat verstanden, dass der Name seines Vaters prophetisch war, hat ihn aber fälschlicherweise auf die Geburt seines Sohnes Noah bezogen. Noah wird tatsächlich ein Mann von enormer Bedeutung für die Menschheitsgeschichte sein, aber nicht so, wie Lamech sich das gedacht hatte. Es ist klar, dass Lamech gehofft hat, Noah (was «Trost» bedeutet) würde der sehnlich er wartete Messias sein. Es ist von den Alters- und Jahresangaben in Gen 5 her klar, dass Lamech 56 Jahre alt war, als Adam starb. Lamech wird darum einen Bericht aus erster Hand bekommen haben über alles, was im Garten Eden geschehen war und von allen Worten, die Gott gesprochen hatte. Dar um ist es sehr interessant, in Vers 5, 29 zu sehen, wie Lamech seine eigene messianische Hoffnung ausdrückt: Er sieht den Messias als den Erlöser, der den Fluch von Adams Fall aufheben wird, und auch all dessen Folgen. Wie bei Eva ist seine Theologie grundsätzlich richtig, aber er hat sie falsch an gewandt. Lamech hat Recht-solch ein Mann wird eines Tages kommen, in Erfüllung der Verheissung in Genesis 3, 15 - aber Noah sollte nicht dieser Mann sein. _____________ 'a.H. = anno Homini, im Jahre des Menschen, d.h. nach der Erschaffung des Menschen. Messianische Christologie 51 Genesis 6,1-4 Die menschlichen Geschöpfe waren nicht die einzigen, die den Sinn und die Bedeutsamkeit von Gottes Worten in Genesis 3, 15 verstanden. Satan, an den sich jene Worte richteten, hat sie auch verstanden. In Genesis 6, 1-4 sehen wir Satans ersten Versuch, Gottes messianisches Programm zu durchkreuzen. Da der Messias Nachfahre einer Frau zu sein hat, musste es Satans Ziel sein, diese Nachkommenschaftslinie zu korrumpieren. 1 Und es geschah, als die Menschen begannen, sich zu vermehren auf der Fläche des Erdbodens, und ihnen Töchter geboren wurden, 2 da sahen die Söhne Gottes die Töchter der Menschen, wie schön sie waren, und sie nahmen sich von ihnen allen zu Frauen, welche sie wollten. 3 Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht ewig im Menschen bleiben, da er ja auch Fleisch ist Seine Tage sollen 120 Jahre betragen. 4 In jenen Tagen waren die Riesen auf der Erde, und auch danach, als die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Genesis 22,18 - Der Same Abrahams 18 Und in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast. Genesis 22 beschäftigt sich, zusammen mit vielen anderen Passagen, mit dem abrahamitischen Bund, einem der acht Bundesschlüsse in der Heiligen Schrift. Der Ausdruck «Same» im hebräischen Text wird zwar immer im Singular verwendet, kann aber auf zwei verschiedene Arten gebraucht wer den. Er kann als absoluter Singular benutzt werden, wobei er dann eine individuelle Person meint, oder kann auch als kollektiver Singular auf eine Gruppe bezogen werden. Im Kontext des abrahamitischen Bundes bezieht sich der «Same», wenn er im kollektiven Sinn gebraucht wird, immer auf die Nation Israel (z.B. 'dein Same soll sein wie die Sterne und der Sand'). Wenn Messianische Christologie 53 er als absoluter Singular benutzt wird, gilt er einem bestimmten Individuum — dem Messias. Das wird im Neuen Testament vom Apostel Paulus betont: Dem Abraham aber wurden die Verheissungen zugesagt und seinem Nachkom men. Er spricht nicht: «und seinen Nachkommen» wie bei vielen, sondern wie bei einem: «und deinem Nachkommen», der ist Christus. Galater 3,16 Hier in Galater 3, 16 zitiert Paulus Genesis 22, 18, indem er die Bedeutung von «Same» als absolutem Singular betont und ihn auf Jesus bezieht. In Genesis 3, 15 haben wir erfahren, dass der Messias der «Same der Frau» sein würde. Der Messias würde also menschlich sein. Im abrahamitischen Bund wird dies eingeschränkt darauf, dass der Messias ein Nach komme aus einem bestimmten Zweig der Menschheit sein muss, nämlich ein Nachfahre Abrahams. Eine zweite Aussage, die in dieser Prophezeiung getroffen wird, ist, dass die Heiden - die Nationen - in Zukunft gesegnet werden durch den Samen Ab rahams. Das wird hier nicht erklärt, wird aber in späteren Prophezeiungen genauer beschrieben (Jesaja 42,1-4 und 49, 6). Insgesamt sind es sechs verschiedene Passagen, die zum abrahamitischen Bund gehören. Das sind: Genesis 12, 1-3, Genesis 12, 7, Genesis 13, 14-17, Genesis 15, 1-21, Genesis 17, 1-21 und Genesis 22, 15-18. Eine Studie dieser Abschnitte zeigt, dass es insgesamt 13 spezifische Zusagen in nerhalb dieses Bundes gibt. Darauf kann hier nicht näher eingegangen wer den, aber wenn man den Bund auf seine grundsätzlichsten Aussagen reduziert, dann könnte man sagen, dass er drei Hauptaspekte hat. Das sind das Land, der Same und der Segen. Der Landaspekt wird in der Schrift im palästinischen Bund weiterentwickelt. Der Segensaspekt wird im Neuen Testament weiter ausgeführt. Der Aspekt des Samens wird durch den davidischen Bund noch mehr detailliert, und da der Same für unsere jetzige St die wichtig ist, wird auf den davidischen Bund später bei 1. Chronik 17,10b14 eingegangen. (Das ist in dem Teil über die Schriften, aber es wäre sinnvoll, diese Schriftstelle schon vor dem Teil über die Propheten zu studieren. Einige der Passagen in den Propheten entwickeln tatsächlich Aspekte des davidischen Bundes weiter.) Genesis 49,10 - Der Same Judas 10 Nicht weicht das Zepter von Juda, noch der Herrscherstab zwischen seinen Füssen weg, bis er kommt, dem es gehört, und ihm werden die Völker gehorchen. 54 Messianische Christologie Genesis Kapitel 49 beschreibt die Prophetien, die Jakob über seine Söhne ausgesprochen hat. In Vers 10 macht er eine prophetische Aussage über Juda. Grundsätzlich bedeutet sie, dass Juda seine Stammesidentität oder sein Recht, über die anderen Stämme zu herrschen, nicht verlieren wird, bevor jemand kommt. Der genaue Wortlaut der Aussage variiert zwischen den Übersetzungen. Die meisten Versionen verdunkeln die wirkliche Be deutung, indem sie das Wort «Schiloh» so gebrauchen, als ob es'ein spezi eller Name für den Messias wäre. Das Wort sollte tatsächlich aber als ein Possessivpronomen verstanden werden. Die beste Übersetzung ist wahr scheinlich die der New International Version: «bis er kommt, dem es ge hört». Eine wörtlichere Übersetzung des Verses würde lauten: «Das Zepter wird nicht weichen von Juda, noch der Herrscherstab von zwischen seinen Füssen, bis er kommt, dessen Recht es ist, und für ihn soll der Gehorsam der Völker sein.» Judas Identität und Recht zu herrschen können nicht verloren gehen, bis er kommt, der das volle Anrecht auf das Zepter hat, den vollen Anspruch auf das Recht zu herrschen. So übersetzt die Septuaginta den Vers, und so tut es auch die syrische Übersetzung. Diese Lesart des Verses wird weiter gestützt durch Vergleich mit einer Passage in Hesekiel. 25 Du sollst einen Weg machen, damit das Schwert komme nach Rabba der Söhne Ammon und nach Juda, das in Jerusalem befestigt ist. 26 Denn der König von Babel bleibt am Kreuzweg stehen, am Anfang der beiden Wege, um das Losorakel zu befragen; er schüttelt die Pfeile, befragt die Teraphim, beschaut die Leber. 27 In seiner Rechten ist das Losorakel «Jerusalem», dass er Sturmböcke aufstelle, den Mund öffne mit Geschrei, die Stimme erhebe mit Kriegsgeschrei, Sturmböcke gegen die Tore aufstelle, Belagerungswälle aufschütte und Belage rungstürme baue. Hesekiel 21, 25-27 Hesekiel 21, 25-27 beschäftigt sich vor allem mit dem zweiten Kommen des Messias. Vers 25 bezieht sich auf den Antichristen, den letzten Heiden, der über Israel herrscht. In Vers 26 ist mit dem Turban oder der Mitra diejenige des Priesters gemeint (Exodus 28, 4.37.39; 29, 6; 39, 28.31; Leviticus 8, 9; 16, 4) und die Krone ist die Königskrone. Genauso wie Genesis 49, 10 das königliche Zepter benutzt, um die Autorität, das Recht zu herrschen, darzu stellen, benutzte Hesekiel die Königskrone, um dasselbe darzustellen. Und es wird genau derselbe Satz verwendet: «bis er kommt, dessen Recht es ist». Dabei sollte man anmerken, dass Hesekiels Bezugnahme auf die priesterliche Mitra anzeigt, dass der Messias sowohl Priester als auch König sein wird. Darauf wird in Psalm 110 näher eingegangen. Sowohl Priestertum als auch Königsherrschaft werden von Israel weggenommen werden, bis Messianische Christologie 55 der Messias (zum zweiten Mal) kommt, wenn ihm sowohl Priestertum als auch Königswürde übergeben werden. Wenn wir zu Genesis 49, 10 und dem ersten Kommen des Messias zurückkehren, können wir sehen, dass dieser Vers drei Aussagen trifft. Vom Messias ist vorher schon erklärt worden, dass er ein Mensch sein wird, der Nachfahre Abrahams. Jetzt wird seine Abstammung dahingehend eingeschränkt, dass er ein Sohn von Juda sein muss. Ein zweiter Punkt ist, dass der Messias ein König sein wird. Das Zepter und der Herrscherstab zeigen Königswürde und Autorität an. Drittens sollte man sehen, dass der Messias kommen muss, bevor der Stamm Juda seine Identität verliert. Das legt klar eine bestimmte Zeitspanne für diese Prophezeiung fest. Die Aufzeichnungen, durch die die stammesmässigen Zugehörigkeiten festgehalten wurden, bewahrte man im jüdischen Tempel auf. Alle diese Aufzeichnungen sind mit der Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. verloren gegangen. In nur wenigen Generationen hatten alle Stämme Israels, mit Ausnahme Levis, ihre Identität verloren. Sofort nach 70 n. Chr. haben die Rabbiner Gesetze erlassen, die die Identität des priesterlichen Stammes Levi erhalten würden, aber Juden von anderen Stämmen haben ihre Identität schnell verloren. Da der Stamm Juda seine hervorragende Bedeutung und Identität im Jahre 70 n. Chr. ver loren hat, ist klar zu sehen, dass der Messias einige Zeit vor 70 n. Chr. gekommen sein musste. Es war für den Messias nicht möglich, erst nach 70 n. Chr. zu kommen. Dieser Vers ist von den Rabbinern einmütig als messianischer Vers ange ehen worden. Zum Beispiel übersetzt ihn der Targum Onkelos (eine aramäische Übersetzung) als: «das Übertragen der Herrschaft soll nicht weichen vom Haus Juda, noch der Herrscherstab von seinen Kindeskindern für immer, bis der Messias kommt, dem das Königreich gehört und dem die Nationen gehorchen sollen.» Onkelos hat diesen Vers klar als messianisch gesehen. Die Rabbiner haben diesen Vers auch als Quelle für einen der rabbinischen Namen des Messias interpretiert: Schilo. Eine Passage lautet: «Der Messias soll Schilo genannt werden, um anzuzeigen, dass er von einer Frau geboren wurde und darum kein göttliches Wesen sein konnte.» Die Plazenta, in der der Fötus gebildet wird im Mutterleib, wird auf Hebräisch shilyah genannt. Das ist ähnlich wie schiloh, dem hebräischen Wort für Schilo. Das ist eines der rabbinischen Argumente gegen die Göttlichkeit des Messias. Dass er Schilo genannt wurde, hat man sich als einen Hinweis darauf vorgestellt, dass er aus einer shilyah geboren wurde und darum - nach ihrem Denken - einfach nur Mensch war. 56 Messianische Christologie Rashi sagte: «Bis König Messias kommen wird, dem das Königreich zu kommt , sollen die Nationen suchen.» Die Midrasch Rabbah zu dieser Passage, 97, lautet wie folgt: «Weiterhin wird der königliche Messias vom Stamm Juda abstammen, wie es heisst . Somit wird vom Stamm Juda, aus dem Salome stammte, der den ersten Tempel baute, und Serubbabel, der den zweiten Tempel baute, auch der königliche Messias abstammen, der den Tempel wieder aufbauen wird. Nun ist über den Messias geschrieben ...» «... Juda ist ein Löwenjunges. Rabbi Hummah ben Rabbi Hannina sagte: 'Das spielt auf den Messias, den Sohn Davids an, der von zwei Stämmen abstammte, sein Vater von Juda und seine Mutter von Dan, in Verbindung mit dem vom 'Löwen' geschrieben ist' ...» «... Das Zepter spielt auf den Messias, den Sohn Davids an, der die Nationen züchtigen wird mit einem Stab, wie es geschrieben ist ...» «... 'bis Schiloh kommt', das zeigt an, dass alle Nationen dem Messias, dem Sohn Davids, ein Geschenk bringen werden, wie es heisst ...» Die Midrasch Rabbah 98 lautet wie folgt: «Dies spielt auf den königlichen Messias an. 'Gehorsam der Völker,' der Messias wird kommen und wird die Nationen der Welt unruhig machen.» Die Midrasch Rabbah 98 sagt zu Vers 49, 10 «dem das Königtum gehört» und nimmt damit wiederum «Schiloh» als Possessivpronomen. Es ist daher völlig klar, dass die übereinstimmende rabbinische Ansicht von Genesis 49,10 lautete, dass sich diese Stelle auf den Messias bezieht. Numeri 23 + 24 - Die Vorhersagen Bileams Die Kapitel 22-24 im Buch Numeri berichten uns die Geschichte von Bileam. Bileam war ein heidnischer Astrologe, ein Seher, der aus einer Region Babylons kam. Er hatte sich quer durch die ganze antike Welt einen beacht lichen Ruf aufgebaut. Es war weithin anerkannt, dass «der, den Bileam ver flucht hatte, verflucht war, und der, den Bileam gesegnet hatte, gesegnet war» (22, 1-6, dabei besonders Vers 6 und 22,12). Zu diesem Punkt des Auszugs aus Ägypten war Israel an der Grenze von Moab angekommen und war gerade dabei, das verheissene Land zu betreten. Der König von Moab, einer der frühesten Antisemiten der Geschichte, war allerdings gegen die Aussicht, neue Nachbarn zu bekommen, und entschied sich, aktiv zu werden. Er sandte nach Bileam und beauftragte ihn mit einem ansehnlichen Geldbetrag, zu kommen und die Juden zu verfluchen. Messianische Christologie 57 Bileam strengt sich sehr an, seinen Auftrag auszuführen, aber jedesmal, wenn er seinen Mund öffnet, um Flüche auszusprechen, ergreift Gott die Kontrolle über seine Zunge, und er findet sich plötzlich dabei wieder, dass er stattdessen die Juden segnet. Die vier Vorhersagen, die er ausspricht, die Ihm von Gott In den Mund gelegt werden, gehen zum grössten Tel! auf das zweite Kommen des Messlas und auf sein Königreich ein. Es gibt aber trotzdem ein paar Aussagen, die für unsere jetzige Studie von Interesse sind. Die erste Vorhersage- Numeri 23, 7-10 7 Da begann er seinen Spruch und sprach: Aus Aram hat Baiak mich her geführt, von den Bergen des Ostens der König von Moab: Komm, verfluche mir Jakob! Ja, komm und verwünsche Israel! 8 Wie soll ich verfluchen, wen Gott nicht verflucht, und wie verwünschen, wen der HERR nicht verwünscht hat? 9 Denn vom Gipfel der Felsen sehe ich es, und von den Höhen herab schaue ich es; siehe, ein Volk, das abgesondert wohnt und sich nicht zu den Nationen rechnet. 10 Wer könnte zählen den Staub Jakobs und der Zahl nach den vierten Teil Israels ? Meine Seele sterbe den Tod der Aufrichtigen, und mein Ende sei gleich dem ihren! Es gibt ein paar Punkte In diesem ersten Orakel, die wert sind, beachtet zu werden. Bileam betont in Vers 8, dass er unfähig Ist, zu verfluchen, wen Gott nicht verflucht hat. Es wird manchmal gesagt, dass es von Israels Gehor sam abhängt, ob es sich des göttlichen Segens erfreuen kann. An diesem speziellen Punkt seiner Geschichte befindet sich Israel zwar Im Ungehor sam, aber trotzdem wacht Gott über es. Unabhängig von seinem Gehorsam oder Ungehorsam wird Israel Immer Gottes erwähltes Bundesvolk bleiben. Gott wird niemals Helden erlauben, Flüche auf es zu legen, die ewige Aus wirkungen hätten (wie es nämlich bei Bileam der Fall gewesen wäre). Gott hat daher In dieser Situation eingegriffen und die Absichten der Menschen zunichte gemacht. Ein zweiter Punkt Ist In Vers 9 zur Kenntnis zu nehmen. Die jüdische Nation wird nicht als eine Nation als solche zu erkennen sein. Für einen grossen Teil Ihrer Geschichte war es den Juden nicht möglich. In einem eigenen Land zu leben. Während das Land von Kanaan oder Palästina oder besser das Land von Israel den Juden durch göttliches Recht bereits gehört, war Ihre Fähigkeit, das Land auch wirklich einzunehmen, weltgehend von Ihrem Gehorsam gegenüber Gott abhängig. Was Menschen angeht, kann ein Volk ohne Land keine Nation sein, weshalb es In Vers 9 auch heisst: «Sie woh nen alleine ... nicht anerkannt unter den Nationen». Vom göttlichen Ge- 58 Messianische Christologie sichtspunkt aus aber wird das Volk von Israel immer eine klar abgegrenzte Nation sein. Es macht dabei keinen Unterschied, ob Israel sich im Land befindet oder im Ausland zerstreut ist. Gott sieht Israel nicht als das Volk einer bestimmten Gegend, sondern als die Nation an, die von Abraham ab stammt. Jude zu sein wird nicht vom Geburtsort oder von religiösen Glau bensansichten bestimmt, sondern ausschliesslich durch die Abstammung. Es ist irrelevant, was ein einzelner Jude glauben oder nicht glauben mag, seine jüdische Identität wird von seiner Abstammung bestimmt. Der Judaismus als eine Religion wird natürlich vom Glauben bestimmt, aber Atheisten und Agnostiker werden sich selbst immer noch Juden nennen aufgrund ihrer Linie von Vorfahren. In der Zerstreuung sind die Juden jahrhundertelang «nicht anerkannt wor den unter den Nationen» - das heisst, sie haben keinen separaten nationa len Status erhalten. Sie sind amerikanische, polnische oder russische Juden genannt worden und so weiter, was auch gar nicht ganz falsch ist - ein ame rikanischer Jude ist ein Jude, der in Amerika lebt. Aber biblisch gesprochen kann das niemals stimmen - ein Jude kann nie Amerikaner, Pole oder Rus se sein - sondern immer nur ein Jude, wenn auch mit einer recht deutlichen nationalen Identität. Das mag von den Heiden nicht anerkannt werden, aber in Gottes Augen wird Israel immer etwas Besonderes ganz für sich und ein zigartig unter den Nationen der Welt sein. Als Bileam prophetisch in die Zukunft dieser Nation blickt, sieht er, dass Gottes Endziel für sie eines von überragendem Segen ist, und in Vers 10b drückt er seinen Wunsch aus, diesen Segen zu teilen. Die zweite Vorhersage - Numeri 23,18-244. Mo 23,18 Da hob er seinen Spruch an und sprach: Stehe auf, Balak, und höre! Horche auf mich, Sohn Zippors! 4. Mo 23,19 Nicht ein Mensch ist Gott, daß er lüge, noch ein Menschensohn, daß er bereue. Sollte er gesprochen haben und es nicht tun, und geredet haben und es nicht aufrecht halten? 4. Mo 23,20 Siehe, zu segnen habe ich empfangen; und er hat gesegnet, und ich kann es nicht wenden. 4. Mo 23,21 Er erblickt keine Ungerechtigkeit in Jakob und sieht kein Unrecht in Israel; Jehova, sein Gott, ist mit ihm, und Jubelgeschrei wie um einen König ist in seiner Mitte. 4. Mo 23,22 Gott hat ihn aus Ägypten herausgeführt; sein ist die Stärke des Wildochsen. 4. Mo 23,23 Denn da ist keine Zauberei wider Jakob, und keine Wahrsagerei wider Israel. Um diese Zeit wird von Jakob und von Israel gesagt werden, was Gott gewirkt hat. 4. Mo 23,24 Siehe, ein Volk: gleich einer Löwin steht es auf, und gleich einem Löwen erhebt es sich! Es legt sich nicht nieder, bis es den Raub verzehrt und das Blut der Erschlagenen getrunken hat. Messianische Christologie 59 Es werden hier zwei Hauptaussagen gemacht, die sich vor allem in Vers 21 finden. Bileam sieht eine Zeit in der Zukunft, zu der Israel als Nation als sündlos zu sehen sein wird. Zweitens sagt Bileam, dass während dieser Zeit der Sündlosigkeit Gott selbst bei Israel gegenwärtig sein wird als sein König. Diese Prophetien beziehen sich auf das zweite Kommen des Messias, aber es sollte immer noch bemerkt werden, dass Israel eines Tages Gott selbst in der Mitte des Volkes anwesend haben wird, der als König herrscht. Die dritte Vorhersage - Numeri 24,3-94. Mo 24,3 Und er hob seinen Spruch an und sprach: Es spricht Bileam, der Sohn Beors, und es spricht der Mann geöffneten Auges. 4. Mo 24,4 Es spricht, der da hört die Worte Gottes, der ein Gesicht des Allmächtigen sieht, der hinfällt und enthüllter Augen ist: 4. Mo 24,5 Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel! 4. Mo 24,6 Gleich Tälern breiten sie sich aus, gleich Gärten am Strome, gleich Aloebäumen, die Jehova gepflanzt hat, gleich Zedern am Gewässer! 4. Mo 24,7 Wasser wird fließen aus seinen Eimern, und sein Same wird in großen Wassern sein; und sein König wird höher sein als Agag, und sein Königreich wird erhaben sein. 4. Mo 24,8 Gott hat ihn aus Ägypten herausgeführt; sein ist die Stärke des Wildochsen. Er wird die Nationen, seine Feinde, fressen und ihre Gebeine zermalmen und mit seinen Pfeilen sie zerschmettern. 4. Mo 24,9 Er duckt sich, er legt sich nieder wie ein Löwe und wie eine Löwin; wer will ihn aufreizen? Die dich segnen, sind gesegnet, und die dich verfluchen, sind verflucht! Wiederum sind es zwei Punkte, die hier betont werden. Der erste ist eine Beschreibung des zukünftigen Zustandes von Israel — nämlich eines von überragendem Segen. Der zweite Höhepunkt ist die Beschreibung von Isra els zukünftigem König (Vers 7b). Nachdem er die Einzigartigkeit der Nation Israel im ersten Ausspruch vorge stellt hat, fahren der zweite und dritte Ausspruch damit fort, die Einzigartig keit des Königs zu betonen, der eines Tages über diese Nation herrschen wird. Die Vierte Vorhersage — Numeri 24,15-24 15 Und er begann seinen Spruch und sprach: Es spricht Bileam, der Sohn Beors, und es spricht der Mann mit geöffnetem Auge. 16 Es spricht, der die Worte Gottes hört, der die Erkenntnis des Höchsten besitzt, der ein Gesicht des Allmächtigen sieht, der da liegt mit enthüllten Augen: 17 Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich schaue ihn, aber nicht nahe. Es tritt hervor ein Stern aus Jakob, und ein Zepter erhebt sich aus Israel und zerschlägt die Schläfen Moabs und zerschmettert alle Söhne Sets. 18 Und Edom wird sein Besitz, 60 Messianische Christologie und Seir wird sein Besitz, seine Feinde; und israel wird Mächtiges tun. 19 Und einer aus Jakob wird herrschen, und er wird den Uberrest aus der Stadt verioren gehen lassen. 20 Und er sah Amalek und begann seinen Spruch und sprach: Die erste der Nationen war Amaiek, aber sein Ende zum Untergang. 21 Und er sah die Keniter und begann seinen Spruch und sprach: Fest ist dein Wohnsitz, und auf den Felsen gesetzt ist dein Nest; 22 jedoch ist Kain der Verwüstung verfallen. Wie lange noch! Dann führt Assur dich gefangen weg. 23 Und er begann seinen Spruch und sprach: Wehe! Wer wird am Leben bleiben, wenn Gott das eintreten läset? 24 Und Schiffe von der Küste von Kittim und demütigen Assur und demütigen Eber, aber auch das zum Untergang. — 5 Und Biieam machte sich auf, ging weg und kehrte an seinen Ort zurück; und auch Balak ging seines Weges. Es ist das vierte der Orakel, das von grösstem Interesse ist, da wir die Prophetien über das erste Kommen studieren. Die Schlüsselprophezeiungen werden in Vers 17a gegeben. Sie bauen auf der Vorhersage auf, die bereits in Genesis 49,10 gegeben wurde. Ein Stern soll hervorgehen aus Jakob, das ist Israel, und verbunden mit diesem Stern ist ein Zepter, das wie in Genesis 49, 10 für das Königtum steht (wer das Zepter hat, besitzt auch das Recht zu herrschen). Die Bot schaft lautet darum, dass der Messias, wenn er kommt, ein König sein wird. Wie wir noch sehen werden, hat der Messias drei Ämter, wovon eines das des Königs ist. Die Bedeutung der Schlussworte von Kapitel 24 darf nicht übergangen wer den. Nachdem er sein Werk vollendet hat, kehrt Biieam, der babylonische Astrologe, zu «meinem Volk» (Vers 14) zurück und zu «meinem Ort» (Vers 25). Mit sich nimmt er die Prophezeiung eines Sterns, der die Geburt eines einzigartigen und mächtigen Königs anzeigen wird, der über Israel herr schen wird. Wie wir später in dieser Studie noch sehen werden (in Anhang 6), haben spätere Generationen von Astrologen diese Worte aufgezeichnet und haben Ausschau gehalten nach diesem Stern. Bei seinem Erscheinen sind sie hingegangen und haben den neugeborenen König gefunden und ihn angebetet. Deuteronomium 18,15-19 - Ein Prophet wie Mose 15 Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören 16 nach allem, was du vom HERRN, deinem Gott, am Horeb erbeten hast am Tag der Ver sammlung, indem du sagtest: ich möchte die Stimme des HERRN, meines Messianische Christologie 61 Gottes, nicht länger hören, und dieses grosse Feuer möchte ich nicht mehr sehen, damit ich nicht sterbe! 17 Da sprach der HERR zu mir: Sie haben recht getan , was sie geredet haben. 18 Einen Propheten wie dich will ich ihnen aus der Mitte ihrer Brüder erstehen lassen. Ich will meine Worte in seinen Mund legen, und er wird zu ihnen alles reden, was ich ihm befehlen werde. 19 Und es wird geschehen, der Mann, der nicht auf meine Worte hört, die er in meinem Namen reden wird, von dem werde Re chenschaft fordern. Deuteronomium 18, 18 enthält eine Verheissung, die Gott Mose gegeben hat. Gott verspricht Mose, dass er einen Propheten aufstehen lassen wird «wie dich». Warum legt Gott genau fest, dass es ein Prophet wie Mose sein wird? Der einzigartige Status von Mose unter den anderen Propheten wird in Numeri 12, 5-8 erklärt. 5 Und der HERR kam in einer Wolkensäule herab und stand im Eingang des Zeltes; und er rief Aaron und Mirjam, und die beiden traten hinaus. 6 Und er sprach; Hört doch meine Worte! Wenn ein Prophet des HERRN unter euch ist, dem will ich mich in einem Gesicht zu erkennen geben, im Traum will ich mit ihm reden. 7 So steht nicht meinem Knecht Mose. Er ist treu in meinem ganzen Haus; 8 mit ihm rede ich von Mund zu Mund, im Sehen und nicht in Rätselworten, und die Gestalt des HERRN schaut er. Warum habt ihr euch nicht gefürchtet, gegen meinen Knecht, gegen Mose, zu reden? Numeri 12, 5-8 In dieser Passage lästern Aaron und Miriam gegen ihren Bruder Mose, weil sie nicht mit der Frau einverstanden sind, die er geheiratet hat. Gott selbst tritt daraufhin für Mose ein und erkiärt Moses einzigartige Position vor ihm. Sogar bei grossen Männern wie Elia und Jesaja hat Gott sich nicht direkt offenbart, sondern Träume, Visionen und andere Methoden benutzt. Mose ist der einzige Mensch, der direkte Offenbarung von Gott empfangen hat. Es ist auf dieser Basis geschehen, dass der Judaismus seine Anschauung von der dreifachen Inspiration der Heiligen Schrift entwickelt hat (s. Einleitung). Vorher ist uns gesagt worden, dass der Messias ein König sein wird. Jetzt aber wird uns erklärt, dass er auch ein Prophet sein wird, und nicht ein ge wöhnlicher Prophet, sondern einer, der «Mund zu Mund» mit Gott sprechen wird und der die tatsächliche Gestalt von Jahwe sehen wird. Viele Autoren haben versucht, Listen mit Ähnlichkeiten zwischen Mose und Jesus aufzustellen, dem «Prophet wie Mose». Viele dieser Parallelen sind ziemlich erfunden und etwas phantastisch. Wir können aber auf jeden Fall auf vier klare Ähnlichkeiten zwischen dem Dienst von Mose und dem des Messias hinweisen: 62 Messianische Christologie 1. Ein Prophet (Numeri 12, 6-6) Wie oben erklärt. 2. Ein Erlöser (Exodus 3,10) In Exodus 3, 1-10 sieht Gott das Leiden des Volkes Israel und erklärt seine Absicht, sie aus dem Land Ägypten zu retten. Mose ist der Mann, den Gott erwählt hat, das Volk aus seiner Gefangenschaft herauszufüh/en. (Man beachte, dass der Engel Jahwes, der in Vers 2 erwähnt wird, im vierten Teil dieser Studie eingehender behandelt wird.) Wie bereits zu sehen war, wird der Messias ebenfalls ein Erlöser sein. 3. Ein Vermittler (Exodus 20,18-21) Gott sprach direkt zum Volk Israel (Exodus 19, 16-25). Der Klang seiner Stimme war so überwältigend, dass das Volk Mose bat, für sie zu vermitteln, so dass sie Gottes Stimme nicht mehr hören würden, sondern nur Gottes Worte, die ihnen von Mose wiederholt wurden. 4. Ein Fürbitter (Exodus 32, 7-35) Während des langen Auszugs aus Ägypten geschah es oft wegen Moses Fürbitte ihretwegen, dass Israel dem Gericht Gottes entkam und überlebte. Das wird besonders klar in Exodus 32, 30-32. Der Messias wird der Gestalt des Mose in jedem dieser vier Gebiete ent sprechen: Er wird ein Prophet sein, ein Erlöser, ein Vermittler und Fürbitter. Zusammenfassung des Gesetzes Die messianischen Prophetien im Gesetz, die sich auf das erste Kommen des Messias beziehen, können in 6 Schlüsselaussagen zusammengefasst werden. Der Same Dem Thema des Samens sind wir dreimal begegnet: 1. Der Same der Frau Der Messias würde ein Mensch sein, also weder ein Engel noch ein fach Gott als Gott. 2. Der Same Abrahams Der Messias würde aus einem bestimmten Teil der Menschheit kom men; er würde ein Jude sein, kein Heide. Messianische Christologie 63 3. Der Same Judas Obwohl es zwölf jüdische Stämme gab, würde der Messias aus einem bestimmten dieser Stämme kommen, dem Stamm Juda. Das erfordert, dass der Messias vor der Zerstörung der jüdischen genealogischen Aufzeichnungen im Jahre 70 n. Chr. kommen musste. Sowohl Gott als auch Mensch Obwohl Eva fälschlicherweise Kain als den Messias identifiziert hatte, hat sie doch klar verstanden, dass der Messias ein Gott-Mensch zu sein hatte. Ein König Mehr als einmal wurde das Symbol des Zepters benutzt, um anzuzeigen, dass der Messias ein König sein würde. Ein Prophet wie Mose Der Messias würde ein Prophet sein, und zwar ganz speziell ein Prophet wie Mose. Entfernen des Fluches Obwohl Lamech fälschlicherweise seinen Sohn Noah als Messias angese hen hatte, hat er doch klar verstanden, dass der Messias, sobald er käme, den Fluch entfernen würde, der durch Adams Sünde über die Erde gebracht worden war. Ein Fingerzeig auf die Jungfrauengeburt Obwohl es nicht so klar festgestellt wird wie die obigen fünf Punkte, gibt es in Genesis 3, 15 doch einen Hinweis, dass der Messias von einer Jungfrau geboren werden würde. Der Messias würde als der Same einer Frau be nannt werden und nicht als der eines Mannes. (Fortsetzung folgt) _________________________ Der Autor: Dr. Arnold G. Fruchtenbaum, einer der fuhrenden Experten über die Nation Israel, ist messianischer Jude und Leiter der Ariel Ministries, einer in Kalifor nien ansässigen Organisation von Juden. Dr. Fruchtenbaum wurde 1943 in Russiand geboren, nachdem seine Eitern aus einem kommunistischen Gefängnis freikamen. Mit Hilfe israelischer Untergrundorganisationen konnte die Familie Fruchtenbaum die Länder 64 Messianische Christologie hinter dem Eisernen Vorhang verlassen. Während sie zwischen 1947 und 1951 in Deutschland lebten, erhielt Arnold einen orthodoxen judischen Un terricht von seinem Vater; dieser war selbst mit dem Ziel erzogen worden, die chassidische (ultra-orthodoxe jüdische) Leitung in Polen zu Obernehmen, verlor aber wenig später den grössten Teil seiner Familie und seinen Glauben im Holocaust. Die Fruchtenbaums emigrierten nach New York, wo Ar nold fünf Jahre später, im Alter von 13 Jahren, zum rettenden Glauben kam. Bevor er seinen Doktortitel an der New York University erhielt, verdiente sich Dr. Fruchtenbaum den Master of Theology am Dallas Theological Semlnary. Seine Abschlussarbeit beinhaltet auch Studien am Jewish Theologi cal Seminary in New York City und der Hebrew University von Jerusalem. Nachdem er drei Jahre in Israel gelebt hat, haben seine intensiven Studien über die Rolle der Nation Israel in Gottes Plan zur Erlösung der Welt ihn zu einem beliebten und gefragten Redner bei Bibel-Konferenzen und Schulen rund um die Welt gemacht. -----****------ Messianische Christologie (1) Eine Studie der hebräischen Prophetie über das erste Kommen des Messias 2. Teil Dr. Arnold G. Fruchtenbaum (Biographische Angaben finden sich am Ende des Artikels) Jesaja 7,1-17 Geboren von einer Jungfrau Es begab sich zur Zeit Ahas, des Sohnes Jothams, des Sohnes Usias, des Königs in Juda, da zog herauf Rezin, der König von Syrien, und Pekah, der Sohn Remaljas, der König Israels, gen Jerusalem, gegen dasselbe zu streiten, konnten es aber nicht gewinnen. Da ward dem Hause David angesagt: Die Syrer haben sich gelagert in Ephraim. Da bebte ihm das Herz und das Herz seines Volkes, wie die Bäume im Walde beben vom Winde. Aber der HERR sprach zu Jesaja: Gehe hinaus, Ahas entgegen, du und dein Sohn Sear-Jasub, an das Ende der Was serleitung des oberen Teiches, am Wege beim Acker des Walkmüllers, und sprich zu ihm: Hüte dich und sei still; fürchte dich nicht, und dein Herz sei unver zagt vor diesen zwei rauchenden Löschbränden, vor dem Zorn Rezins und der Syrer und des Sohnes Remaljas, dass die Syrer wider dich einen bösen Rat schlag gemacht haben samt Ephraim und dem Sohn Remaljas und sagen: Wir wollen hinauf nach Juda und es erschrecken und hineinbrechen und zum König darin machen den Sohn Tabeels. Denn also spricht der HERR HERR: Es soll nicht bestehen noch also gehen; sondern wie Damaskus das Haupt ist in Syrien, so soll Rezin das Haupt zu Damaskus sein. Und über fünfundsechzig Jahre soll es mit Ephraim aus sein, dass sie nicht mehr ein Volk seien. Und wie Samaria das Haupt ist in Ephraim, so soll der Sohn Remaljas das Haupt zu Samaria sein. Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht. Und der HERR redete abermals zu Ahas und sprach: Fordere dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, es sei unten in der Hölle oder droben in der Höhe! Aber Ahas sprach: Ich will's nicht fordern, dass ich den HERRN nicht versuche. Da sprach er: Wohlan, so höret, ihr vom Hause David: Ist's euch zu wenig, dass ihr die Leute beleidigt, ihr müsst auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird -------- (1) Übersetzung aus dem Englischen: Wolfgang v. Ungern-Sternberg. _ 62 Messianische Christologie euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heissen Immanuel. Butter und Honig wird er essen, wann er weiss. Böses zu verwerfen und Gutes zu erwählen. Denn ehe der Knabe lernt Böses verwerfen und Gutes erwählen, wird das Land verödet sein, vor dessen zwei Königen dir graut. Aber der HERR wird über dich, über dein Volk und über deines Vaters Haus Tage kommen lassen, die nicht gekommen sind, seit der Zeit, da Ephraim von Juda geschieden ist, durch den König von Assyrien. Die Kapitel 7-12 bilden bei Jesaja eine einzige Einheit, die manchmal als das «Buch vom Immanuel» bezeichnet wird, weil der Name «Immanuel» dreimal im hebräischen Text erscheint (7, 14; 8, 8.10). Die erste Prophetie, die wir in diesem Abschnitt der Bibel betrachten wollen, beschäftigt sich mit der Geburt Immanuels. In der Bibel zeigen sich die Gedanken der Eltern in der Bedeutung des Namens, den sie ihrem Kind geben. Und wenn Gott selbst ein Kind benennt, wie hier, dann zeigt dessen Name seine innerste Natur. «Immanuel» bedeutet «mit uns, Gott». Der Charak ter des Kindes wird sein «Gott unter uns». Wie in unserer Diskussion von Genesis 3,15, so ist auch Jesaja 7,13-14 eine Prophezeiung, die sich auf die jungfräuliche Empfängnis und Geburt des Messias bezieht. Es ist vielleicht die am gegensätzlichsten ausgelegte der messianischen Prophetien und erfordert darum eine genauere textli che Analyse als andere. Die genaue Bedeutung dieser Passage wird von Rabbinern, liberalen Theologen und sogar einigen evangelikalen Theolo gen bestritten. Die Passage spricht von einem «Zeichen: Eine Jungfrau wird schwanger sein». Es gibt hier zwei Streitpunkte: 1. Das Zeichen Da der Kontext des Kapitels eine sich schnell erfüllende Prophezeiung erfordert, die König Ahas ein Zeichen gibt, wie kann sie auf die Geburt eines Kindes bezogen werden, das erst etwa 700 Jahre später geboren wurde, wie in Matthäus 2, 22-23 erklärt wird? 2. Das hebräische Wort «almah» Bedeutet es wirklich «Jungfrau» oder einfach eine junge, unverheiratete Frau? Wir werden uns mit diesen beiden umstrittenen Fragen beschäftigen, bevor wir über den Sinn des Textes selbst sprechen. Messianische Christologie 63 Da Jesaja 7,13-14 ein sofortiges Zeichen an König Ahas erfordert, haben viele Evangelikaie diesen Vers als ein Beispiel von «doppelter Erfüllung» angesehen. Dieses Prinzip besagt, dass eine Prophetie mehr als eine Erfüllung haben kann. Demgemäss kann dieser Vers also sowohl ein Zeichen für König Ahas als auch das Zeichen aus Matthäus 2, 22-23 (die Geburt von Jesus) sein. Der Verfasser dieses Artikels akzeptiert das Prinzip der doppelten Erfüllung weder hier noch an irgendeiner anderen Stelle der Bibel. Wenn dieser Grundsatz nämlich zutreffen würde, bestünde überhaupt keine wirkliche Notwendigkeit für die Jungfrauengeburt. Es gibt noch ein anderes, besseres Auslegungsprinzip für biblische Texte, nämlich dasjenige der «doppelten Bezugnahme». Dieses Prinzip besagt, dass ein Abschnitt der Heiligen Schrift, der sich mit einer Person, einem Ereignis und einer Zeit befasst, von einem anderen Schriftabschnitt gefolgt werden kann, der sich mit einer anderen Person oder Zeit bzw. Ort be schäftigt, ohne dass dabei eine klare Trennung zwischen den beiden Blöcken gemacht oder auf eine Lücke zwischen ihnen hingewiesen wird. Die Tatsache eines solchen Zeitsprungs ist von anderen Schriftstellen her bekannt. Es gibt hier daher zwei verschiedene Prophezeiungen, die Seite an Seite stehen und jede ihre eigene Erfüllung haben - aber eben nur eine Erfüllung pro Prophetie. «Doppelte Erfüllung» bedeutet, dass eine Weis sagung zwei Erfüllungen haben kann. «Doppelte Bezugnahme» besagt demgegenüber, dass ein Teil der Schrift tatsächlich zwei Prophetien bein halten kann, die jede ihre eigene Erfüllung haben. Wie später erklärt werden wird, enthält Jesaja 7, 13-17 zwei ziemlich ver schiedene Prophetien mit unterschiedlichen Zielsetzungen, die unterschiedliche Erfüllungen zu verschiedenen Zeitpunkten haben. Die grösste Debatte ist natürlich über die genaue Bedeutung des hebräi schen Wortes almah entstanden, hier mit Jungfrau übersetzt. Um eine junge Frau zu beschreiben, hätte Jesaja drei verschiedene Worte gebrauchen können: 1. .Na 'a'rah Na'a'rah bedeutet junge Frau und kann sich entweder auf eine Jungfrau (1. Könige 1,2) oder eine Nicht-Jungfrau beziehen (wie in Ruth 2, 6). _________ (2) Wir unterscheiden direkte und indirekte messianische Verheissungen. Die direkten erfüllen sich direkt nur im Messias (Beispiel: Psalm 110), die indirekten beziehen sich zuerst auf einen Typus des Messias zur Zelt des Schreibers (Vorerfüllung) und haben eine Enderfüllung zur Zeit des Messias. Nach der Überzeugung der Redaktion gibt es mehr indirekte als direkte messianische Verheissungen. Red. 64 Messianische Christologie Von diesem Ausdruck nimmt man im allgemeinen an, dass er - und zwar ausschliesslich - eine Jungfrau bedeutet. Es wird argumentiert, dass Jesaja, wenn er wirklich eine Jungfrau gemeint habe, er dieses Wort ver wendet hätte. Es ist zwar wahr, dass dieses Wort oft im Sinne von Jung frau gebraucht wird, aber nicht immer. Zum Beispiel: I.. In Joel 1,18 wird es mit Bezug auf eine Witwe gebraucht. II. In Genesis 24,16 fügt der Schreiber, weil das Wort eben nicht exklusiv «Jungfrau» meint, den Satz «hatte niemals einen Mann erkannt» hinzu, um klarzumachen, was er meint. II. Nochmals muss auch in Richter 21, 12 der Satz «hatte keinen Mann erkannt» hinzugefügt werden, um die genaue Bedeutung wiederzuge ben. 3. Almah Almah bedeutet eine Jungfrau, eine junge Jungfrau, eine Jungfrau im hei ratsfähigen Alter. Dieser Ausdruck wird siebenmal in den hebräischen Schriften gebraucht, ohne auch nur ein einziges Mal eine verheiratete Frau zu beschreiben - dieser Punkt ist unumstritten. I. Genesis 24, 43. Im Kontrast zur oben erwähnten Stelle 24,16 erfordert Vers 43 keine hinzugesetzten erklärenden Bemerkungen, da das Wort schon allein ausreicht, um «Jungfrau» auszudrücken. Ausserdem wird es von Rebekka benutzt, die zum Zeitpunkt ihrer Verheiratung mit Isaak ganz offensichtlich noch eine Jungfrau war. II Exodus 2, 8. In Bezugnahme auf Miriam, die Schwester Moses, be nutzt, die eine Jungfrau war. III. Psalm 68, 25. Gebraucht in bezug auf die königliche Prozession von Jungfrauen. Da der König in diesem Textzusammenhang Gott selbst ist, ist völlige Jungfräulichkeit gefordert; es ist undenkbar, dass Gott un züchtige unverheiratete Frauen in seiner Prozession zulassen würde. IV . Hohelied 1, 3. Der Kontext hier ist Reinheit in der Ehe. V. Hohelied 6, 8. Das Wort wird hier im Gegensatz zu Ehefrauen und Konkubinen gebraucht, die offensichtlich nicht Jungfrauen sind. VI . Sprüche 30, 18.19. Der Begriff wird in Vers 19 im Kontrast zu einer Ehebrecherin in Vers 20 benutzt. VII. Jesaja 7, 14. Da alle oben genannten sechs Verse eine «Jungfrau» meinen, welchen Grund gibt es, Jes 7, 14 zur einzigen Ausnahme zu machen? (3) _____________ (3) 'Wenn wir, wie der Kontext zeigt, eine Geburtsankündigung in nächster Zukunft zu erwarten haben (Jes 7, 15!.), und wenn Jes 7, 14 zugleich den Messias meint, muss almah sowohl Messianische Christologie 65 Da jedermann darin übereinstimmt, dass almah eine unverheiratete Frau bezeichnet, würde, wenn die Frau in Jes 7, 14 eine Nicht-Jungfrau wäre, Gott ein Zeichen, das Unzucht und Illegitimität beinhalten würde, versprechen. Es ist undenkbar, dass Gott Sünde sanktionieren würde, und abge sehen davon, was wäre so ungewöhnliches an einem illegitimen Baby, dass es überhaupt ein Zeichen ausmachen könnte? Was die antiken jüdischen Schriftsteller angeht, so gab es keinen Streit darum, dass Jes 7,14 eine Jungfrauengeburt vorhersagt. Die Septuaginta ist eine griechische Übersetzung der hebräischen biblischen Schriften, die ungefähr 200 Jahre v. Chr. angefertigt wurde, 200 Jahre, bevor die Frage nach Jesu Messianität überhaupt auftauchte. Die Juden, die diese Über setzung machten und viel näher an den Zeiten von Jesaja lebten als wir es heute tun, übersetzten Jes 7, 14, indem sie das griechische Wort parthenos gebrauchten, das sehr klar und ausschliesslich eine Jungfrau meint. Es kann darum keinen Zweifel daran geben, dass es sich bei dem einzig artigen Ereignis, das Gott als Zeichen verheisst, um die wundersame Empfängnis eines Sohnes von einem Mädchen, das noch Jungfrau ist, handelt. Zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte war ein Königreich dabei, sich zu erheben, das die kleineren Reiche des Mittleren Ostens bedrohte - das Assyrische Reich. Unter diesen kleineren Königtümern waren Syrien (oder Aram), das nörd liche Reich von Israel (oder Ephraim) und das südliche Reich von Juda. Die Könige von Israel und Syrien vereinigten ihre Kräfte gegen ihren ge meinsamen Feind (Verse 1-2), aber sie hatten immer noch nicht genug militärische Macht, um der assyrischen Attacke zu widerstehen. Sie luden Juda ein, sich Ihnen anzuschliessen, aber Ahas, der König von Juda, lehnte das ab. Israel und Syrien verschworen sich daraufhin, Ahas den Thron zu neh men, aber nicht nur Ahas allein (sonst hätten sie vielleicht Erfolg gehabt), sondern sie wollten auch das ganze Haus Davids absetzen (das ist die Betonung in Vers 2). Anschliessend wollten sie eine neue Dynastie in Juda aufrichten, die eher zu einer Allianz gegen Assyrien geneigt wäre. --------------- junge Frau wie Jungfrau heissen, sonst haben wir 2 Jungfrauengeburten, eine im Alten und eine im Neuen Testament. Red. 66 Messianische Christologie Das ist dann ein direkter Angriff auf Gottes ewigen Vertrag mit David. Er ist daher zum Scheitern verurteilt. (Der davidische Bund wird unter 1. Chronik 17,10b-14 im Abschnitt über die Schriften" besprochen.) Ahas ist kein Verehrer des einen, wahren Gottes, sondern ist in Götzen dienst gefallen und fürchtet sich sehr vor dem näherrückenden Angriff (Vers 2). In den Versen 3-9 gibt Gott eine Botschaft für Ahas. In Vers 3 wird Jesaja damit beauftragt, Ahas zu treffen, der die Wasservorräte für eine Belagerung inspiziert. Jesaja hat auch seinen Sohn mitzunehmen. Sein Sohn heisst Schear-Jaschub, was bedeutet «ein Überrest wird zu rückkommen». Die Begründung, weshalb er seinen Sohn mitzunehmen hat, wird nicht vor den Versen 15-16 erklärt. In den Versen 4-6 wird die Botschaft übermittelt, die die Verschwörung beschreibt, und Ahas ermutigt, sich nicht zu fürchten. Die Verschwörung besteht daraus, Ahas zu stürzen und ihn durch den Sohn des Tabeel zu ersetzen. Jesaja war ein Meister der hebräischen Sprache und liebte es, Wortspiele anzustellen. Das tut er hier in Vers 6. Tabeel bedeutet «Gott ist gut». Indem er das Vokalmuster nur ganz leicht variiert, verändert Jesaja das zur Bedeutung «gut für nichts». Derjenige, dessen Name lautet «Gott ist gut», wird sich als «gut für nichts» herausstellen. Wegen des davidi schen Bundes kann keine Verschwörung gegen das Haus David jemals Erfolg haben. Gott stellt das klar in Vers 7 fest, und in den Versen 8-9 wird Gott die zwei Könige richten, die an der Verschwörung beteiligt waren. Aber Ahas ist ein Götzendiener, der Gott nicht vertraut und der bereits seine eigenen Arrangements gemacht hat. Er hat Briefe und Geschenke an den assyrischen Kaiser geschickt, in denen er ihn um Hilfe bei seiner Verteidigung gegen diese beiden Könige bittet. Er hat grösseren Glauben an das Assyrische Reich als an den Gott Israels. So spricht Gott in Vers 10 ein zweites Mal. Er bietet Ahas ein Zeichen an — wessen auch immer es bedürfen würde, um Ahas zu überzeugen, sich nicht zu fürchten, nicht den Assyrern, sondern Gott zu vertrauen - was auch immer es brauchte, lasst ihn darum bitten und Gott wird es für ihn tun. Das Wort «Zeichen» meint nicht an sich ein Wunder, es könnte ein Wunder oder ein natürliches Zeichen sein. Im Kontext ist dabei aber klar, dass ein Wunder nötig sein würde, um Ahas zu überzeugen. Gott bietet ihm ein Zeichen an, wo auch ------- (4) Der Ausdruck «Schriften» bezieht sich hier speziell auf die Gliederung der hebräischen Bibel. Die «Schriften» stellen den 3. Teil dar und sind folgende Bücher: Psalmen, Hieb, Sprüche, Ruth, Hohelied, Prediger, Klagelied, Esther, Daniel, Esra, Nehemia und die Chroniken (in dieser Reihenfolge). Red. 67 Messianische Christologie immer er es will - im Himmel, auf der Erde, unter der Erde - was auch immer es brauchte, um ihn zu überzeugen. Als Antwort wird der götzendienerische Ahas plötzlich sehr geistlich. In Vers 12 lehnt er es ab, Gott «auf die Probe zu stellen» oder zu «versu chen». Das ist eine Bezugnahme auf Deuteronomium 6,16 (auch noch im Götzendienst war sich Ahas des wahren Gottes nicht unbewusst!), aber er wendet es falsch an. Deut 6, 16 warnt davor, Gott um ein Zeichen zu bit ten, aber hier bietet Gott ein Zeichen an und Ahas ist dazu eingeladen, darauf zu antworten. Ahas will kein Zeichen, damit es nicht zustande kä me und er gezwungen wäre, seinen Bund mit Assyrien aufzugeben. Hierauf folgen die entscheidenden Verse, nämlich 13 und 14. In Vers 13 wendet sich Jesaja davon ab, Ahas als Individuum anzureden, und spricht das ganze Haus Davids an. Die englische Sprache unter scheidet nicht zwischen dem «Du», das sich an eine Person, und dem «Ihr», das sich an viele Menschen richtet (5) Im Hebräischen gibt es aber einen Unterschied und es gibt einen klaren Wechsel zwischen dem «Du» im Singular in den Versen 9,10,11,16,17 und dem «Du» im Plural in den Versen 13-14. Das Zeichen ist darum nicht nur für Ahas, sondern für das ganze Haus Davids. Das wird klarer, wenn wir die Passage wiedergeben mit genauer Bezeichnung der Worte im Singular (Sg) und Plural (Pl): Und wie Samaria das Haupt ist in Ephraim, so soll der Sohn Remaljas das Haupt zu Samaria sein. Glaubst du (Sg) nicht, so bleibt du (Sg) nicht. Und der HERR redete abermals zu Ahas und sprach: Fordere dir (Sg) ein Zei chen vom HERRN, deinem Gott, es sei unten in der Hölle oder droben in der Höhe! Aber Ahas sprach: Ich will's nicht fordern, dass ich den HERRN nicht ver suche. Da sprach er: Wohlan, so höret, ihr vom Hause David: Ist's euch (Pl) zu wenig, dass ihr (Pl) die Leute beleidigt, ihr müsst auch meinen Gott beleidigen? Darum so wird euch (Pl) der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jung frau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heissen Immanuel. Butter und Honig wird er essen, wenn er weiss. Böses zu verwerfen und Gutes zu erwählen. Denn ehe der Knabe lernt Böses verwerfen und Gutes erwählen, wird das Land verödet sein, vor dessen zwei Königen dir (Sg) graut. Aber der HERR wird über dich (Sg), über dein Volk und über deines Vaters Haus Tage kommen lassen, die nicht gekommen sind, seit der Zeit, da Ephraim von Juda geschieden ist, durch den König von Assyrien. In Vers 14 wird mit dem hebräischen Ausdruck «Siehe» ein Wort ge braucht, das die Aufmerksamkeit auf ein Ereignis zieht, das an sich so wohl in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft sein könnte. Gram- ------- (5) Dies wird im Deutschen zwar unterschieden, eine Prüfung zeigt aber, dass die deutschen Übersetzungen hier nicht immer exakt sind. 68 Messianische Christologie matikalisch ist es allerdings so, dass immer dann, wenn «siehe» mit einem hebräischen Partizip Präsens gebraucht wird, auf ein zukünftiges Ereignis Bezug genommen wird. Das ist der Fall hier. Nicht nur die Geburt, son dern auch die Empfängnis selbst ist Zukunft. Die Aussage bezieht sich nicht auf eine schwangere Frau, die dabei ist, zu gebären. (6) Der Text sagt ausdrücklich «die Jungfrau» (die Elberfelder Bibel, NIV und NKJV sind an diesem Punkt korrekt; die Luther-Bibel und NASB (7) sagt wie die meisten Übersetzungen «ei'ne Jungfrau», was falsch ist). Gemäss den Regeln der hebräischen Grammatik sollte der Leser, wenn er die Benutzung eines bestimmten Artikels {die) findet, nach einem Bezug im unmit telbaren vorherigen Kontext suchen. Nachdem wir der Passage von Kapitel 7, 1 an gefolgt sind, hat es aber keine Erwähnung von irgendeiner Frau gegeben. Nachdem die Suche im unmittelbaren Textzusammenhang erfolglos war, kommt als zweite Regel das «Prinzip der vorherigen Bezug nahme», also etwas, worauf viel früher eingegangen worden war und was als Allgemeinwissen unter den Beteiligten vorausgesetzt werden kann. Wo in der jüdischen Schrift oder Tradition gibt es irgendeinen Begriff von «der Jungfrau, die einen Sohn gebiert»? Der einzige mögliche Bezug ist Gene sis 3, 15. Im Gegensatz zur biblischen Norm würde der Messias nach der Nachkommenschaft der Frau benannt werden. Warum? Deswegen, weil er keinen menschlichen Vater haben würde; die Seinige würde eine jung fräuliche Empfängnis und Geburt sein. Der Schlüsselgedanke hiervon darf nicht verfehlt werden. Gott verspricht, dass das Haus Davids nicht abgesetzt werden oder seine Identität verlie ren kann bis zur Geburt des von einer Jungfrau geborenen Sohnes. Das wiederum erfordert, dass der Messias vor der Zerstörung des Tempels und seiner genealogischen Aufzeichnungen 70 n. Chr. geboren werden musste. Nachdem wir geschlossen haben, dass Jesaja 7, 12-14 eine langfristige Prophezeiung über die Geburt des Messias ist, bleibt dabei immer noch ein Problem übrig. Was ist mit Ahas? Ein Ereignis, das 700 Jahre in der Zukunft liegt, ist von geringer Bedeutung für ihn. Aber es gibt noch ein zweites Zeichen, in den Versen 15-17, und dieses Mal Ist es speziell für Ahas. Das «Du» in Vers 16 steht wieder im Singular und meint Ahas. Be vor Jesajas Sohn alt genug sein wird, moralische Entscheidungen zwi- -------- (6) Hier gehen die Meinungen der Kommentatoren auseinander. Wenn man hier eine indirekte messianische Weissagung sieht, erwartet man eine Vorerfüllung In Jesajas Zeit und eine Enderfüllung zur Zeit des Messias. In diesem Fall bezieht sich V. 14 zuerst auf eine schwangere Frau in Jesajas Zeit. Red. 'New International Version und New King James Version; New American Standard Bible (Anm. d. Übers.) Messianische Christologie 69 schen gut und böse anzustellen, werden die Könige von Israel und Syrien abgesetzt und ihre Bedrohung damit entfernt werden. Dies wurde binnen drei Jahren erfüllt. Jesaja verwendet wiederum den bestimmten Artikel vor dem Ausdruck «Junge». Diesmal gibt es einen anderen Jungen, der im Kontext erwähnt wird: Jesajas Sohn. Der Junge von Vers 16 kann nicht der Sohn aus Vers 14 sein, sondern bezieht sich zurück auf Jesajas Sohn in Vers 3. Warum hätte ihn Jesaja sonst mitnehmen sollen? (8) In Jesaja Kapitel 7 befindet sich Ahas, der König von Juda, unter der Dro hung eines Angriffs. Diese Bedrohung gilt nicht nur ihm persönlich, son dern richtet sich gegen das ganze Haus Davids. Durch den Propheten Jesaja fordert Gott König Ahas auf, beruhigt zu sein und sich nicht zu fürchten. Zwei Gründe werden gegeben, zwei Zeichen, die Gottes Verheissung von Sicherheit garantieren. Das erste Zeichen, in den Versen 13 und 14, ist, dass kein Versuch, das Haus Davids zu zerstören, Erfolg haben wird bis zur Geburt eines von einer Jungfrau geborenen Sohnes (der Ausdruck «Jungfrau» wird sowohl vom hebräischen Vokabular als auch vom Kontext gefordert). Das zweite Zeichen, in den Versen 15 und 16, wird Ahas persönlich gegeben. Gott verspricht, dass der Angriff gegen ihn von Israel und Syrien keinen Erfolg haben wird, und dass die beiden feindli chen Könige aufhören werden, zu existieren, bevor Jesajas Sohn SchearJaschub ein Alter von moralischer Reife erreicht. Jesaja 7, 14 lehrt: • Der Messias wird von einem Mädchen geboren werden, das noch Jungfrau ist; die Erklärung von Genesis 3, 15. • Der Messias wird ein Gott-Mensch sein. • Der Messias wird ein König sein. • Der Messias muss vor der Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. geboren werden. Jesaja 8, 9-10 Die Verheissung des ImmanuelJes 8,9 Tobet, ihr Völker, und werdet zerschmettert! Und nehmet es zu Ohren, alle ihr Fernen der Erde! Gürtet euch und werdet zerschmettert, gürtet euch und werdet zerschmettert! Jes 8,10 Beschließet einen Ratschlag, und er soll vereitelt werden; redet ein Wort, und es soll nicht zustande kommen; denn Gott ist mit uns. -------------------- (8) Siehe diesbezüglich frühere Fussnoten der Redaktion. 70 Messianische Christologie Jesaja Kap. 7 beschreibt, wie König Ahas unter der Androhung eines An griffs stand. Diese Drohung richtete sich zunächst gegen König Ahas selbst, aber auch gegen das Haus von König David. Als Gott seinen Bund mit David schloss, hatte er ihm eine ewige Dynastie verheissen (vgl. die Diskussion zu I.Chronik 17, 10b-14 im Abschnitt über die Schriften). Dieser Bund versicherte dem Haus Davids Gottes Schutz. Gottes Antwort in Jesaja 7 bestand darin, König Ahas ein Zeichen anzubieten, das ihm seine Sicherheit bestätigen sollte, und noch ein weiteres Zeichen anzu bieten, das den Fortbestand des Hauses Davids beglaubigen sollte. Der Kerngedanke lautete also, dass Gott sich vorgenommen hatte, die Linie Davids zu bewahren, bis «die Jungfrau empfangen und einen Sohn gebä ren und seinen Namen Immanuel nennen soll». Es ist daher klar, dass alle Verschwörungen und Aufstände gegen das Haus Davids zum Scheitern verdammt sind, bis diese Geburt stattfindet. Das ist auch der Punkt, der in Jesaja 8, 9-10 bestätigt wird. Die Stossrichtung dieser beiden Verse geht allerdings in den englischen Überset zungen verloren, weil sie es verfehlen, «Immanuel» als wirklichen Eigen namen wiederzugeben.® Der Name bedeutet zwar «Gott mit uns», aber es ist falsch, in Vers 10 statt des Namens die Übersetzung anzugeben. Es ist dasselbe Wort wie in 7, 14 und 8, 8 und sollte hier genauso wie dort wie dergegeben werden: Immanuel. Was gesagt wird, lautet nämlich «greift an, wenn ihr wollt, aber ihr werdet besiegt werden wegen Immanuel». Bis zur jungfräulichen Geburt des Messias verspricht Gott die Sicherheit und Identität des Hauses David zu erhalten. 70 n. Chr. wurde der Tempel in Jerusalem zerstört, und mit ihm gingen auch alle genealogischen Aufzeichnungen Israels verloren. Seit 70 n. Chr. ist es nicht mehr möglich gewesen, die Nachkommen des Hauses Davids zu identifizieren. Wenn die Verheissung, die in Jesaja 8,10 gegeben wird, wahr ist, dann folgt daraus, dass der Messias vor 70 n. Chr. geboren wor den sein muss. Jesaja 8, 10 lehrt: • Der Messias muss vor der Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. geboren werden. -------------------- 'So z.B. auch die Elberfelder Übersetzung. Messianische Christologie 71 Jesaja 9,6-7 Uns ist ein Sohn gegeben Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; er heisst Wunderbar, Rat, Held, Ewig-Vater, Friedefürst; auf dass seine Herrschaft gross werde und des Friedens kein Ende auf dem Stuhl Davids und in seinem Königreich, dass er's zurichte und stärke mit Gericht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth. Die Kapitel 7-12 bei Jesaja umfassen den fünften grösseren Teil des Bu ches und bilden eine einzige Einheit, die manchmal als «Das Buch vom Immanuel» bezeichnet wird. Der Name «Immanuel» erscheint dreimal in diesem Abschnitt, nämlich in den Versen 7, 14; 8, 8 und 8, 10, aber die Einheit als ganze beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten des Messi as. Die beiden Verse, die hier diskutiert werden, gehen vor allem auf den Ursprung des Messias ein, sowohl den menschlichen als auch den göttli chen. Jesaja 9, 6a betont das Menschsein des Messias (seine Messianität wird dabei in Vers 7 gezeigt). Jesaja sieht einen Sohn, der von Gott gegeben und in die menschliche Welt geboren wird, genauer noch in die jüdische Welt. Der Satz «Uns ist ein Sohn gegeben» betont im Alten Testament ein einzigartiges Geschenk Gottes. Das ist derselbe Sohn wie in Psalm 2, auf den später eingegangen wird. In 9, 6b werden dem Sohn vier Namen gegeben, von denen jeder zwei Teile hat. Jeder dieser Namen ist auf Gott anwendbar, wobei drei davon exklusiv nur Gott meinen können. 1. Wunderbarer Ratgeber (Peie - Yoeitz) In manchen Übersetzungen wird ein Komma zwischen diese beiden Worte gesetzt, so dass sie zu zwei getrennten Namen werden. Das Wort «wun derbar» steht im Status Constructus und sollte deswegen mit Ratgeber zusammengenommen werden. Es gibt einige Worte im Hebräischen, die nur in bezug auf Gott gebraucht werden und nie für Menschen. Ein Bei spiel ist barah, was «erschaffen» bedeutet. Es wird nur von Gott und dem, was er tut, verwendet, niemals von dem, was der Mensch tut. Ein anderes Wort wie dieses ist pe/e, was im Englischen mit «wunderbar» wiedergege ben wird. Im Englischen kann «wunderbar» ganz frei für verschiedene Dinge benutzt werden, aber im Hebräischen ist es exklusiv für das reser viert, was göttlich ist. 72 Messianische Christologie 2. Mächtiger Gott (El-Gibbor) Dieser Ausdruck wird offensichtlich nie für einen blossen Menschen ver wendet. 3. Ewiger Vater (AvI-Ad) Wörtlich: Vater der Ewigkeit. Der Sohn, der geboren werden wird, wird der Vater der Ewigkeit sein, was bedeutet, dass er die Quelle ewigen Lebens ist. Von daher ist klar, dass es kein blosser Mensch sein kann. 4. Friedefürst (Sar—Schalom) Dies ist der einzige der vier Namen, der sowohl für Menschen als auch für Gott verwendet werden kann. Ausserdem werden alle diese Namen auch noch anderswo im Buch Jesaja verwendet und beziehen sich in jedem Fall auf Gott, niemals auf Menschen. 1. Wunderbarer Ratgeber Dieser Ausdruck findet sich auch in Jesaja 25, 1 «Ich will deinen Namen preisen, denn du hast wunderbare Dinge getan, (sogar) Ratschlüsse von alters her ...» und in Jesaja 28, 29 «Auch dies geht aus von Jahwe der Heerscharen, der wunderbar im Ratschluss ist ...». In beiden Fällen be zieht sich der Ausdruck klar auf Gott. 2. Mächtiger Gott Diese Bezeichnung findet sich schon im nächsten Kapitel, in Jesaja 10, 21 «zum mächtigen Gott». Es gibt viele liberale Theologen, die Einwände gegen diesen Begriff des Messias als eines Gott-Menschen vorbringen. Wenn sie Verse wie Jesaja 9, 6 übersetzen, sind sie gezwungen, in den Text einzugreifen, um ihre eigenen Vorannahmen zu rechtfertigen. 3. Ewiger Vater Das kann mit Jesaja 63, 16b verglichen werden «... du, Jahwe, bist unser Vater; unser Erlöser von Ewigkeit her ist dein Name.» (Luther) Dieselben Worte, die in Jesaja 9, 6 verwendet werden, sind auch in diesem Satz zu sehen, wo sie eindeutig für Gott gebraucht werden. 4. Friedefürst Jesaja 26, 3 sagt: «Bewährten Sinn wirst du in Frieden bewahren». Das Objekt und Subjekt dieses Satzes ist Gott selbst. Auch in Jesaja 26, 12 Messianische Christologie 73 wird das Werk des Friedens wieder Gott zugeordnet: «Herr, du wirst uns Frieden geben ...». Wie oben schon gesagt wurde, wird der vierte Name «der König des Friedens» im hebräischen Text manchmal auch für Men schen verwendet. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit allerdings auf das Buch Jesaja beschränken, dann ist das Werk des Friedens allein Gottes Werk. Jesaja 9, 6 stellt uns ein Wesen vor, das sowohl Gott als auch Mensch ist. Jesaja 9, 7 zeigt uns, dass diese Person der Messias Israels ist: Er wird auf dem Thron Davids sitzen. Vers 7 ist eine weitere Bestätigung des da vidischen Bundes (der in 1. Chronik 7, 10b-14 im Abschnitt über die Schriften studiert wird). Im davidischen Bund hat Gott vier Dinge verheissen: 1. Ein ewiges Haus bzw. Dynastie 2. Ein ewiges Königreich 3. Ein ewiger Thron 4. Ein ewiger Sohn Jesaja 9, 7 bestätigt ausserdem, dass Davids Haus, Königreich und Thron ewig erhalten bleiben werden durch den ewigen Sohn. Jesaja 9, 6 lehrt: • Der Messias wird ein König sein. • Der Messias wird sowohl Gott als auch Mensch sein. • Der Messias muss vor 70 n. Chr. erscheinen wegen der Erfordernisse des davidischen Bundes und der Zerstörung des Tempels. Jesaja 11,1-2 Der Stumpf Isafs Und es wird eine Rute aufgehen von dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen, auf welchem wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN. Die Betonung in Vers 1 liegt auf der niedrigen Herkunft des Messias. Es wird das Bild eines Baumes gegeben, der abgehauen worden ist und nur noch einen toten Stumpf übrig gelassen hat. Ein einzelner Spross bleibt, der tief, nahe am Boden wächst, bis er schliesslich Frucht bringt. Es ist interessant, dass speziell diese Prophezeiung nicht den Namen Davids, sondern den von Jesse, seinem Vater, benutzt. David wird normalerweise 74 Messianische Christologie mit Königtum, königlicher Familie und Reichtum in Verbindung gebracht. Es sollte dabei allerdings nicht vergessen werden, dass David in seiner Jugend, als er im Haus von Jesse lebte, ein armer Hirtenjunge war. Wäh rend der Lebenszeit Davids wurde das Haus von Jesse von der Armut in Bethlehem zu Ehre und Majestät in Jerusalem erhoben. Die Betonung in Vers 1 liegt darauf, dass, obwohl der Messias ein Nachkomme Davids sein wird, er doch nicht erscheinen wird, bevor nicht das Haus Davids wieder einmal reduziert werden wird zu dem, was es in den Tagen von Jesse war. Der Vers konzentriert sich auf die niedrige Herkunft des Mes sias zur Zeit seiner Geburt anstelle der Majestät seines Königreiches, die bei seinem Zweiten Kommen zu sehen sein wird. Vom Stumpf Jesses aus wächst also ein Spross, der zwar tief am Boden, aber nicht fruchtlos bleibt. Am Ende wird dieser Schössling selbst ein eigener Baum werden. In Vers 2 wird uns erklärt, dass er die siebenfache Fülle des Heiligen Gei stes haben wird. Die Beschreibung, die hier gebraucht wird, ist repräsen tativ für die jüdische Menorah, den siebenarmigen Leuchter. Der «Geist des Herrn» wird einmal erwähnt, gefolgt von drei weiteren Bezugnahmen auf «den Geist von», von denen jede von zwei Attributen gefolgt wird (siehe Abbildung). Wenn wir im Leben Jesu nach der Erfüllung dieser Prophetie suchen, dann finden wir, dass: 1. Jesus ins Haus Davids geboren wurde. 2. er in Bethlehem geboren wurde, dem Heim Jesses. 3. er in grosser Armut geboren wurde. Das wird sichtbar zur Zeit von Miriams (Marias) Reinigung. Das Gesetz forderte in Leviticus 12, 1-8, dass die Mutter nach der Geburt eines Babys zum Tempel gehen und zwei Opfer zu ihrer Reinigung darbrin gen sollte. Das hatte ein Blutopfer zu sein, und zwar gab es zwei ver schiedene Opfergaben, die annehmbar waren. Normalerweise würde das Opfer aus einem Lamm und einer jungen Taube oder Turteltaube bestehen, aber für den Fall, dass eine Familie ausserordentlich arm war, war die Vorkehrung getroffen worden, dass auch zwei junge Tau ben oder Turteltauben angenommen werden konnten. Im Evangelium des Lukas wird uns berichtet, dass Jesu Mutter sich nur zwei Vögel lei sten konnte. Sowohl Maria als auch Josef waren Nachkommen Davids, und hierdurch wird die tiefste Armut des Hauses David klargemacht. 4. In Johannes 3, 34 beschreibt Johannes der Täufer Jesus als den, der die Fülle des Geistes hat. «Denn er, den Gott gesandt hat, spricht die Worte Gottes; denn er gibt den Geist ohne Mass.» Das Neue Testa- Messianische Christologie 75 ment lehrt, dass alle, die an Jesus als den Messias glauben, ein Mass des Heiligen Geistes bekommen. Weil jeder Gläubige nur ein gewisses Mass des Heiligen Geistes hat, hat auch jeder verschiedene Gaben und Dienste (1. Korinther 12, 13-14). Niemals hat jemand alle Gaben, denn Gott hat es den Gliedern der Gemeinde verordnet, gegenseitig voneinander abhängig zu sein. Jesus aber wurde der Geist ohne Mass gegeben. In der Schrift bedeutet die Zahl Sieben Vollkommenheit, Voll ständigkeit oder Fülle. Die siebenfache Natur des Heiligen Geistes in Jesaja 11,2 ist daher synonym mit der Fülle in Johannes 3, 34. Sie entspricht auch den «sieben Geistern» in Offenbarung 1, 4; 3, 1; 4, 5 und 5, 6. Jesaja 11,1.2 lehrt: • Der Messias wird ins Haus Davids geboren. • Der Messias wird nicht geboren, bevor das Haus David wieder zu dem Zustand der Armut zurückgekehrt ist, in dem es während der Tage von Davids Vater Jesse war. Der Messias wird in einem Haus der Niedrig keit geboren werden. • Der Messias wird die siebenfache Fülle des Heiligen Geistes haben und demgemäss handeln. 76 Messianische Christologie Jesaja 40, 3-5 Der Herold des Königs Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem HERRN den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Gott! Alle Täler sollen erhöht werden und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was ungleich ist, soll eben, und was höckericht ist, soll schlicht werden; denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat es geredet. Diese Verse beschäftigen sich nicht mit dem Messias persönlich, sondern mit seinem Vor-Läufer. Zur Zeit der Antike wurde jeweils ein Herold oder Vor-Läufer ausgesandt, um den Weg von Hindernissen zu befreien oder etwaige Löcher im Strassenbelag zu reparieren vor der Reise des Königs. Diese Passage stellt fest, dass ein Vor-Läufer der Ankunft des messianischen Königs vorangehen wird wie bei jedem anderen antiken König auch. Im Neuen Testament werden diese Wort speziell auf Johannes den Täufer angewandt, dessen Worte im vorangegangenen Abschnitt zitiert worden sind. Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und predigte in der Wüste des jüdischen Landes und sprach: Tut Busse, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! Und er ist der, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat und gesprochen: «Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem HERRN den Weg und macht richtig seine Steige!» Er aber, Johannes, hatte ein Kleid von Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber war Heuschrecken und wilder Honig. Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan und Hessen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden. Vgl. auch Mk 1, 2-8; Lk 1, 5-80 (besonders Vers 76); Lk 3, 1-20 (beson ders Verse 4-6) und Joh 1, 6-8.15-36 (besonders Vers 23). Jesaja 40, 3-6 lehrt: • Der Messias würde einen Vor-Läufer oder Herold haben, der Vorbe reitungen für seine Ankunft trifft. Messianische Christologie 77 Die «Knecht-Gottes-Abschnitte» in Jesaja (sog. Ebed Jahwe-«Lieder») Jesaja 42,1-6 Der Diener Jahwes Siehe, das ist mein Knecht, ich erhalte ihn, und mein Auserwählter, an welchem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das zerstossene Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Er wird das Recht wahrhaftig halten lehren. Er wird nicht matt werden noch verzagen, bis dass er auf Erden das Recht anrichte; und die Inseln werden auf sein Gesetz warten. So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk, so darauf ist, den Odem gibt, und den Geist denen, die darauf gehen: Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und habe dich bei deiner Hand gefasst und habe dich behütet und habe dich zum Bund unter das Volk gegeben, zum Licht der Heiden. Eine von Jesajas bevorzugten Bezeichnungen für den Messias ist der Ausdruck «Diener» . Dieser messianische Titel findet sich durchgehend in den Kapiteln 42 bis 66 im Buch Jesaja. Dies ist die erste von fünf «Diener»-Passagen, die wir studieren werden. Jede dieser fünf Passagen betont einen anderen Aspekt der Person des Messias. Die un terschiedlichen Aussagen können detailliert werden wie unten aufgelistet. Vers 1 macht vier Aussagen: 1. Er ist der Diener Jahwes. Das ist das Thema des Markusevangeliums. Jeder der vier Evangelien autoren hat für eine andere Zuhörerschaft geschrieben und unterschiedli che Aspekte des Lebens Jesu betont. Matthäus betont die Königlichkeit des Messias - Jesus, der König der Juden. Lukas, der Arzt, beschäftigt sich mit dem Menschsein Jesu — Jesus, der Messias, der Menschensohn. Johannes konzentriert sich auf die Göttlichkeit des Messias — Jesus, der Sohn Gottes. Markus sieht Jesus vor allem als den Diener Gottes. Er geht genauer auf diejenigen Aspekte des Lebens Jesu ein, die am besten die Art und Weise demonstrieren, auf die Jesus die Aufgaben, die ihm gege ben worden waren, perfekt erfüllt hat, wie sie in den Propheten und be sonders in den «Diener»-Stellen bei Jesaja beschrieben sind. 2. Er ist Jahwes Erwählter, an dem Jahwe grosse Freude haben wird. 78 Messianische Christologie 3. Er ist mit dem Geist gesalbt. Das ist wieder eine Bestätigung von Jesaja 11,2. 4. Er wird den Heidennationen Gutes tun. Obwohl der Messias vor allem für die jüdische Nation kommt, wird es auch einen Weg geben, auf dem die Heiden (die Nationen) ebenfalls davon profitleren werden. Das wird hier nicht erklärt, wird aber in Jesaja 49, 6, unserer nächsten Passage, weiter entwickelt. Die meisten Rabbiner, ausser Rashi, sahen dies als messianisch an. Targum «Siehe mein Diener, der Messias, ich will ihn nahe ziehen, mein Erwählter, in dem meine Memra (10) sich freut.» Rabbi David Kimchi «Siehe mein Diener... Das ist König Messias.» Vers 2 beschreibt die Art und Weise, in der er sich benehmen wird. Der Messias wird kein Strassenprediger sein. Die Evangelien beschreiben Jesus als vorrangig in den Synagogen predigend. Er lehrte auch grosse Gruppen von Leuten auf den Hügeln, aber das waren Leute, die zu ihm kamen, die ihn suchten. Zu keiner Zeit hat Jesus absichtlich Aufmerksam keit auf den Strassen der Städte gesucht, sondern vielmehr war es so, dass ihm sein Ruf vorauseilte, und dass es Massen gab, die kamen und nach ihm suchten. Das soll nicht bedeuten, dass irgend etwas verkehrt daran wäre, auf der Strasse zu predigen. Das Neue Testament ermutigt im Gegenteil sogar dazu und beschreibt, dass die Apostel das getan ha ben, aber es war nicht die Art, wie der Messias handelte. Vers 3 betont seine Charakterzüge. Er wird geprägt sein von Barmherzig keit, Wahrheit und Gerechtigkeit. Diejenigen, die zu ihm kommen, um Hilfe zu finden, werden angenommen und mit grosser Freundlichkeit behandelt werden. Vers 4 lehrt, dass der Messias am Ende sein Ziel nicht verfehlen und nicht entmutigt werden wird. Es wird zwar Entmutigungen auf dem Weg geben, wie wir in der nächsten Passage sehen werden, aber sie werden nur zeit weilig sein. Alle Zielsetzungen für sein Erstes Kommen werden erreicht werden. Die Verse 5-6 erklären, dass das Kommen des Messias für zwei Gruppen von Menschen zum Vorteil sein wird. Erstens wird der Messias der «Bund des Volkes», also derjenige sein, der Gottes bundesmässige Verheissun- ------------------- (10) Meine Memra = mein Wort oder meine Person. Messianische Christologie 79 gen an Israel erfüllt. Zweitens wird er das «Licht für die Nationen» sein, derjenige, der das Licht der Erlösung zu den Heiden bringt. Jesaja 42, 1-6 lehrt: • Der Messias würde vom Heiligen Geist gesalbt werden. • Der Messias würde sich in Sanftmut und Freundlichkeit verhalten. • Obwohl die Mission des Messias den Anschein haben würde, als ob sie mit einem Fehlschlag endete, würde sie in Wirklichkeit doch ein völliger Erfolg sein (der Erfolg seiner Mission erforderte nämlich seinen Tod). • Die Mission des Messias schliesst die Errettung der Heiden mit ein. Jesaja 49,1-13 Die Entmutigung des Dieners Höret mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merket auf! Der HERR hat mich gerufen von Mutterleib an; er hat meines Namens gedacht, da ich noch im Schoss der Mutter war, und hat meinen Mund gemacht wie ein scharfes Schwert; mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt; er hat mich zum glatten Pfeil gemacht und mich in seinen Köcher gesteckt und spricht zu mir: Du bist mein Knecht Israel, durch welchen ich will gepriesen werden. Ich aber dachte, ich ar beite vergeblich und brächte meine Kraft umsonst und unnütz zu, wiewohl meine Sache des Herrn und mein Amt meines Gottes ist. Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knechte bereitet hat, dass ich soll Jakob zu ihm bekehren, auf dass Israei nicht weggerafft werde (darum bin ich dem HERRN herrlich, und mein Gott ist meine Stärke), und spricht: Es ist ein Geringes, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten Israels wiederzubringen; sondern ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seist mein Heil bis an der Welt Ende. So spricht der HERR, der Erlöser Israels, sein Heiliger, zu der verachteten Seele, zu dem Volk, das man verab scheut, zu dem Knecht, der unter den Tyrannen ist: Könige seilen sehen und aufstehen, und Fürsten sollen niederfallen um des HERRN willen, der treu ist, um des Heiligen in Israei willen, der dich erwählt hat. So spricht der HERR: Ich habe dich erhört zur gnädigen Zeit und habe dir am Tage des Heils geholfen und habe dich behütet und zum Bund unter das Volk gestellt, dass du das Land aufrichtest und die verstörten Erbe austeilest; zu sagen den Gefangenen: Geht heraus! und zu denen in der Finsternis: Kommt hervor! dass sie am Wege weiden und auf allen Hügeln ihre Weide haben. Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird keine Hitze noch Sonne stechen, denn ihr Erbarmer wird sie führen und wird sie an die Wasserquellen leiten. Ich will alle meine Berge zum Wege machen, und 80 Messianische Christologie meine Pfade sollen gebahnt sein. Siehe, diese werden von ferne kommen, und siehe, jene von Mitternacht und diese vom Meer und jene vom Lande Sinim. Jauchzet, ihr Himmel, freue dich, Erde, lobet, ihr Berge, mit Jauchzen; denn der HERR hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden. Dies ist die zweite der fünf «Diener»-Passagen in Jesaja. Die erste Pas sage, 42, 1-6, hat den Diener vorgestellt. Dieser Abschnitt, 49, 1-13, sagt uns jetzt mehr über die Mission des Dieners und entfaltet die Verheissung in Jesaja 42, dass er einen Segen zu den Heiden bringen werde. Das wird aus seinem anfänglichen Abgelehntwerden von der Nation Israel folgen, obwohl die Versicherung gegeben wird, dass er am Ende von Israel ange nommen werden wird. Die Verse 1-4 betonen eine zeitweilige Entmutigung im Leben des Messi as. In Vers 1 werden die Worte des Messias selbst prophetisch von Jesaja gesprochen. Er sagt, dass er schon von seiner Empfängnis selbst an eine spezifische Mission von Gott gegeben bekommen hat (im Neuen Testa ment, in Matthäus 1,21, wird uns berichtet, dass der Engel zur Zeit von Marias Empfängnis sagte «... du hast ihn Jesus zu nennen, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden»). Hier haben wir wieder eine Bezug nahme zu einer Mutter, aber nicht zu einem Vater, was wiederum mit der Prophezeiung der Jungfrauengeburt in Jesaja 7,14 übereinstimmt. In Vers 2 ist der Messias speziell berufen und ausgerüstet worden für seine Aufgabe. In Vers 3 wird der Diener Jahwes «Israel par excellence>^ genannt, weil er der einzige Jude ist, der vollständig und perfekt das mosaische Gesetz erfüllt. Es ist in Vers 4, dass die Bemerkung über die Entmutigung kommt. Wie auch anderswo zu sehen ist, wird der Diener trotz seiner Vollkommenheit abgelehnt werden, und das ist es, was seine Traurigkeit hervorruft. Aber trotzdem hat er noch Hoffnung: «Meine Belohnung ist bei meinem Gott.» Vom neutestamentlichen Standpunkt aus ist der einzige Ort, an dem sich das erfüllt haben kann, der Garten von Gethsemane. In den Evangelien ist ein Grund für seine Entmutigung seine Angst, den geistlichen Tod zu erle ben, und er betet, dass der Kelch von Gottes Zorn an ihm vorbeigehen möge (Matthäus 26, 38.39 und Markus 14, 34- 6). Jesaja 49 betont aber auch noch einen zweiten Grund zur Entmutigung. Obwohl er für dreiein halb Jahre am Volk Israel gedient hat, obwohl er als ihr Messias gekom men ist, lehnt ihn die jüdische Nation trotzdem ab. Der Herr antwortet mit Worten der Ermutigung in den Versen 5-6. Er be ginnt in Vers 5, indem er den ursprünglichen Auftrag des Messias zusammenfasst: Messianische Christologie 81 1. Israel zu geistlicher Errettung zu bringen. 2. Das verstreute Israel zu physischer Wiederhersteliung zu sammein. Wenn aber gegeben ist, dass Israel den Diener abgelehnt hat, wie können diese Zielsetzungen erreicht werden? Der Herr fährt fort in Vers 6, indem er dem Diener ein drittes Ziel gibt: 3. Ein Licht für die Heidennationen zu sein und ihnen die Errettung zu bringen. Israels Ablehnung des Messias bei seinem Ersten Kommen ist Teil von Gottes Plan. Es braucht keine Quelle für Entmutigung zu sein. Es war immer Gottes Plan, dass die ersten beiden Ziele für eine Zeitperiode bei seite gesetzt würden, damit die Erlösung zu den Heiden ausgehen könne. Schon in Jesaja 42, 1 war bemerkt worden, dass die Heiden irgendwie vom Kommen des Messias profitieren würden - jetzt wird uns genau ge sagt, wie. Vers 7a bestätigt, dass Israel den Messias ablehnen wird, aber Vers 7b fährt damit fort, zu erklären, dass die Ablehnung nur für eine bestimmte Zeit sein und der Messias eines Tages angenommen werden wird. In Vers 8 wird, wenn die Mission des Messias bei den Heiden abgeschlos sen ist, die abschliessende Wiederherstellung Israels kommen. Der Rest der Passage bis Vers 13 geht näher auf diese schlussendliche Wiederher stellung ein. Der Messias wird der Bund für das Volk (Singular, gemeint ist Israel) werden und zeigen, dass sie ihn endlich akzeptiert haben. Mit Isra els Annahme des Messias kommt die Versammlung der verstreuten Ju den, in Vers 12 sogar von so weit weg wie Sinim. «Sinim» ist das moderne hebräische Wort für «China», aber es ist unsicher, ob das auch die Be deutung im Alten Testament war. Das Wort beinhaltet auf jeden Fall etwas im Fernen Osten. Also werden, wenn es Juden im Fernen Osten gibt, auch diese wieder versammelt. Es ist interessant, anzumerken, dass zu der Zeit, als Jesaja dies schrieb, das jüdische Volk noch nicht vom Land weg verstreut war und dass China, oder irgendwo im Fernen Osten, der allerletzte Ort gewesen wäre, um nach einem Juden zu suchen. Zur gegenwärtigen Zeit wird Jesus als Messias immer noch von Israel abgelehnt. Es wird oft gesagt, dass Jesus, wenn er wirklich der Messias gewesen wäre, von den jüdischen Führern seiner Zeit willkommen geheissen worden wäre. Diese Passage macht es aber klar, dass dies das ge naue Gegenteil der Wahrheit ist. Jeder Mann, der von der jüdischen Füh rung als Messias bejubelt wurde, hat sich als falscher Messias erwiesen. 82 Messianische Christologie Jesaja sagt spezifisch, dass der Messias - zunächst - abgelehnt werden wird. Die Ablehnung wird als eine der Beglaubigungen der Messianität festgestellt. Israels Ablehnung Jesu als Messias stärkt in Wirklichkeit sei nen Anspruch darauf, der Messias zu sein. Der Zweck der Ablehnung lag darin, dass Gott die Erlösung zu den Hei den bringen konnte. Für eine begrenzte Zeit würde es mehr heidnische als jüdische Gläubige geben. Im Neuen Testament, in Apostelgeschichte 15, 14, heisst es, dass Gott «von den Heiden ein Volk für sich selbst nimmt». In Römer 11, 25-26 heisst es, dass das weitergehen wird, «bis die Vollzahl der Heiden hereingekommen ist. Und so soll ganz Israel gerettet werden ...» (Man beachte, dass diese Dinge von den jüdischen Führern der ersten jüdischen Kirche in Jerusalem geschrieben wurden). Die gegenwärtige Zeit wird weitergehen, bis die Kirche zahlenmässig voll ständig ist, zu welchem Zeitpunkt dann die Entrückung eintreten wird. Gott wird sich dann mit Israel beschäftigen, und wie Paulus oben sagt, wird «ganz Israel gerettet werden». Paulus baut auf dem auf, was in Jesaja 49, 7 geschrieben steht. In der ersten Hälfte des Verses muss der Messias von Israel verachtet und verabscheut werden, ist aber zu späterer Ehre und Ruhm bestimmt, dazu, von Königen und Prinzen weltweit verehrt zu werden. Jesaja 49, 1-13 lehrt: • Das Erste Kommen des Messias würde von Israel abgelehnt werden. • Für eine gewisse Zeit wird die Botschaft von der Erlösung durch den Messias ausgehen zu den Heiden. • Am Ende wird Israel den Messias annehmen; Er wird ihr neuer Bund werden. • Israels Annahme des Messias wird die Wiederversammlung aller Ju den ins Land Israel ankündigen. Jesaja 50, 4-9 Die Ausbildung des Dieners Der HERR HERR hat mir eine gelehrte Zunge gegeben, dass ich wisse mit dem Müden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre wie ein Jünger. Der HERR HERR hat mir das Ohr geöffnet; und ich bin nicht ungehorsam und gehe nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften; mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber der HERR HERR hilft mir; darum werde ich nicht zu Schanden. Darum habe ich mein Angesicht dargeboten Messianische Christologie 83 wie einen Kieselstein; denn ich weiss, dass ich nicht zu Schanden werde. Er ist nahe, der mich gerechtspricht; wer will mit mir hadern? Lasst uns zusammentre ten; wer ist, der Recht zu mir hat? Der komme her zu mirl Siehe, der HERR HERR hilft mir; wer ist, der mich will verdammen? Siehe, sie werden allzumal wie ein Kleid veralten. Motten werden sie fressen. Das Neue Testament gibt uns einen Bericht davon, wie der 12jährige Je sus den Tempel in Jerusalem zum ersten Mal besucht (Lk 2, 41-50). Im Alter von 12 Jahren war Jesus bereits völlig vertraut mit den hebräischen Schriften und fähig, tiefe geistliche Dinge mit den leitenden Theologen seiner Zeit zu debattieren. Ausserdem antwortet er, als seine Mutter ihn zurechtweist, weil er im Tempel geblieben war: «Hast du nicht gewusst, dass ich in meines Vaters Haus sein würde?» Diese eine Aussage zeigt, dass Jesus im Alter von 12 Jahren bereits wusste, dass nicht Josef, son dern Gott sein Vater war und deswegen verstand, dass er der Messias Israels war. Da es klar ist, dass Jesus in seinem Menschsein nicht allwissend war, wie hat er dann sein Wissen und seine Gelehrtheit erworben? Das Neue Testament erklärt das nicht. Es gibt einige Aspekte von Jesu Leben, die nur im Alten Testament offenbart werden - das hier ist einer davon. Jesaja 50,4-9 gibt uns ein Bild des Lernprozesses, den Jesus durchlief. Vers 4 beschreibt das Lernen oder diszipliniert werden des Dieners. Wäh rend seiner Kindheit in Nazareth wurde Jesus jeden Morgen von seinem Vater in den frühen Morgenstunden aufgeweckt, um Unterweisung zu empfangen. So hat Jesus gelernt, wer er war, was seine Mission war und wie er demgemäss zu handeln und zu reagieren hatte. In Vers 5 wird uns gesagt, dass Jesus alles gelernt hatte, was von ihm gefordert wurde, dass er leiden und sterben musste. Zu der Zeit, als Jesu Dienst öffentlich wurde, war er nicht rebellisch und zog sich nicht zurück. Als die Zeit kam (Vers 6), hat er sich willig seinen Folterern überlassen. Die Misshandlungen, die hier beschrieben werden, finden sich auch voll ständig in den Evangelien sowohl während seiner religiösen wie auch zivil rechtlichen Prozesse wieder. Als er aber solches redete, gab der Diener einer, die dabeistanden, Jesus einen Backenstreich und sprach: Sollst du dem Hohenpriester also antworten? Jesus antwortete: Habe ich übel geredet, so beweise es, dass es böse sei; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich? Joh 18, 22.23 84 Messianische Christologie 84 Die Männer aber, die Jesum hielten, verspotteten ihn und schlugen ihn, verdeck ten ihn und schlugen ihn ins Angesicht und fragten ihn und sprachen: Weissage, wer ist's, der dich schlug? Und viele andere Lästerungen sagten sie wider ihn, Lk 22, 63-65 Da fingen an etliche, ihn zu verspeien und zu verdecken sein Angesicht und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage uns! Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht. Mk 14, 65 Da gab er ihnen Barabbas los; aber Jesus Hess er geissein und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt würde. Da nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesus zu sich in das Richthaus und sammelten über ihn die ganze Schar und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornen krone und setzten sie auf sein Haupt und ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Kniee vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüsset seist du, der Juden König! und spieen ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt. Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm seine Kleider an und führten ihn hin, dass sie ihn kreuzigten. Mt 27,26-31 Die Kriegsknechte aber führten ihn hinein in das Richthaus und riefen zusammen die ganze Schar und zogen ihm einen Purpur an und flochten eine dornene Krone und setzten sie ihm auf, und fingen an, ihn zu grüssen: Gegrüsset seist du, der Juden König! Und schlugen ihm das Haupt mit dem Rohr und verspeiten ihn und fielen auf die Kniee und beteten ihn an. Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpur aus und zogen seine eigenen Kleider an und führten ihn aus, dass sie ihn kreuzigten. Mk 15,16-20 In den Versen 7-9 ist Jesus fähig, die Leiden zu ertragen, die zu seinem Tod führten (obwohl sein Tod hier nicht ausdrücklich erwähnt wird), weil er weiss, dass durch das alles hindurch Gott bei ihm ist. Jesaja 50, 4-9 lehrt: • Der Messias würde eine besondere Ausbildung von Gott, dem Vater empfangen. • Das Erste Kommen des Messias würde von Leiden charakterisiert sein. • Der Messias würde dann gehorsam sein, indem er sich der physischen Misshandlung aussetzt. Messianische Christologie 85 Jesaja 52,13-53,12 Das Leiden des Gottesknechtes Die entscheidendste Passage Im ganzen Buch Jesaja Ist 52, 13 - 53, 12. Dieser lange Abschnitt von Jesaja Ist so klar In seiner Beschreibung des leidenden Messlas, dass er enorme Probleme für die Lehrer des orthodo xen Judentums hervorgerufen hat. Es Ist heute recht gängig, Rabbiner sagen zu hören, dass diese Passage nicht vom Messlas spricht, sondern vom Volk Israel, das In einer heidnischen Welt leidet. Sie können sogar so weit gehen, dass dies schon Immer der traditionelle Standpunkt des Ju dentums gewesen sei. Aber an diesem Punkt sind sie gänzlich von der Unwissenheit Ihrer Zuhörer abhängig. Alle antiken jüdischen Schriften - die Mischna, die Gemara, (der Talmud), die Midraschim und viele andere - alle sehen diesen Teil der Schrift als auf die Person des Messlas bezo gen an. Der erste Rabbi, der etwas anderes vorschlug, war RashI, und zwar etwa um 1050 n. Chr. Jeder Rabbiner vor RashI ohne Ausnahme hatte diesen Abschnitt als Beschreibung des Messlas angesehen. Als RashI seinen Vorschlag, dass dieser Text vom Volk Israel spreche, das erste Mal vorbrachte, löste er damit eine scharfe Debatte unter seinen Zeltgenossen aus. Der bekannteste von Ihnen war Rambam (vielleicht besser bekannt als Malmonides). Rambam stellte sehr klar fest, dass RashI völlig Unrecht hatte. Indem er sich gegen den traditionellen jüdi schen Standpunkt stellte." Als christliche Evangelisten In grösserem Umfang diese Passage zu be nutzen begannen, besonders vom frühen 19. Jahrhundert an, sah eine steigende Anzahl von Rabbinern In Rashis Anschauung eine attraktive Art, der christlichen Lehre entgegenzutreten. Wenn man den Abschnitt durch liest, wird man merken, dass es darin einige Aussagen gibt, die unmöglich auf die Nation Israel bezogen werden können. Dieser Textabschnitt wird In den Synagogen nicht verlesen; die öffentliche Lesung von Jesaja springt von Jesaja 52 zu Jesaja 54. Vorher, In Jesaja 49, war nämlich ausgesagt worden, dass der Messlas zunächst von Israel abgelehnt, schllessllch aber In einem späteren Stadi um angenommen werden würde. Diese Passage von Jesaja beschäftigt sich mit dem endgültigen Anerkanntwerden - das Immer noch In der Zu kunft Hegt - wenn die Führer Israels sich zu Ihrem Versagen beim Ersten Kommen des Messlas bekennen und Ihr nationales Schuldeingeständnis ------------- 11 Siehe Anhang 2 In einer späteren Ausgabe von FUNDAMENTUM für Details zu diesen rabbinischen Quellen. 86 Messianische Christologie mit genau den genannten Worten machen werden.'^ Die Beschreibung des Messias wird damit an dieser Stelle nicht im Sinne von etwas gege ben, was noch in der Zukunft liegt. Vielmehr handelt es sich um einen Rückblick auf das Erste Kommen, vorgenommen von einem bestimmten Punkt der Zukunft aus, nämlich unmittelbar vor dem Zweiten Kommen des Messias. Der ganze Abschnitt lässt sich leicht in fünf Teile gliedern, von denen jeder drei Verse hat. Die erste Zeile jedes Abschnitts dient dabei als Titel. Siehe, mein Knecht wird erhöht werden—52,13-15 In den Versen 13,14 und 15 von Kapitel 52 finden wir eine Zusammenfas sung des gesamten Kapitels 53; die Verse 1-12 von Kapitel 53 gehen dann näher auf diese drei Verse ein. Was in Vers 13 betont wird ist die Erhöhung des Messias, spricht von seiner Himmelfahrt und seinem Sitzen zur rechten Hand Gottes des Va ters. «Erhöhung» meint dabei Jesu Auferweckung, «aufgehoben» be schreibt seine Himmelfahrt und «sehr hoch» spricht von seinem Sitzen zur rechten Hand Gottes des Vaters. Indem auf den Messias als den Knecht Bezug genommen wird, verbindet Jesaja ihn mit den vorhergehenden Passagen über den Knecht Jahwes. In 42,1-6 hat Jesaja die Mission des Dieners beschrieben; in 49, 1-13 wird erklärt, dass diese Mission von Schwierigkeiten begleitet wird; in 50, 4-9 war zu sehen, wie der Knecht körperlich leidet, aber nicht stirbt, und es wurde kein Grund für sein Leiden angegeben. Jetzt aber, in 52, 13 - 53, 12, wird offenbart, dass seine kör perlichen Leiden zu seinem Tod führen werden und dass der Grund für sein Leiden und seinen Tod genannt werden wird. Zusammenfassung: Der Diener wird weise handeln und seine Handlun gen werden ihm eine Position der Ehre einbringen. Vers 14 erklärt, dass der Messias vor seiner Erhöhung Demütigung erlei den muss. Sein Leib war so schwer verunstaltet worden, dass er nicht mehr länger menschlich aussah. Bei den Leiden Jesu ist das während des Geisseins geschehen. Die 40 Schläge wurden mit einer mehrbändigen Peitsche gegeben, wobei an jedem Band ein Nagel oder ein Stück Glas befestigt war. Dadurch wurde ihm das Fleisch buchstäblich von den Kno chen gerissen, und zwar nicht nur vom Rücken, sondern auch darüber hinaus von allen Teilen des Körpers. Es gab viele, die nie gekreuzigt wur den, weil sie das Ausgepeitschtwerden am Anfang nicht überlebten. Am ------------- 12 Siehe Handbuch der Biblischen Prophetie, Asslar: Schulte + Gerth, 1983 (Band 1) S 291. Messianische Christologie 87 Ende seiner Geisseiung, als Pilatus sagte: «Seht den Mensch», war Jesus so entstellt, dass er kaum noch als Mensch zu erkennen war. Zusammenfassung: Der Knecht wird leiden und schrecklich entstellt werden. Entgegen dem entsetzlichen Leiden von Vers 14 hält Vers 15 aber fest, dass der Messias schlussendlich zu Erfolg und Sieg vorherbestimmt ist. Diejenigen, die ihn verspottet haben, werden von ihm zum Schweigen gebracht werden. Ein Tag wird kommen, an dem sich ihre Münder schliessen vor Staunen über ihn. Zusammenfassung: Das Leiden des Dieners wird am Ende das schwei gende Staunen der Führer der Welt erringen, wenn sie beginnen, den Sinn seines Leidens zu verstehen. Mit diesem Überblick geht Kapitel 53 jetzt genauer auf diese Punkte ein. Wer hat unserer Botschaft geglaubt?- 53,1-3 Die Betonung in Vers 1 liegt auf dem Unglauben Israels. Sie haben der Botschaft nicht geglaubt, der Botschaft nämlich, dass Jesus der Messias ist. Jesaja nennt den Messias ausser «der Knecht Jahwes» auch «den Arm Jahwes», so wie hier. Früher, in Kapitel 40,10, hat Jesaja verkündigt, dass dieser Arm für Gott herrschen wird; in 51, 5 heisst es, dass die Hei den dem Arm vertrauen werden; 51, 9 erklärt, dass der Arm erlösen wird und 52, 10 stellt fest, dass er die Rettung bringen wird. Jetzt, in 53, 1, offenbart Jesaja die Identität des «Armes»: Er ist der Diener Jahwes, der Messias. Zusammenfassung: Israel drückt Überraschung aus über das, was gera de in 52,13-15 festgestellt worden war. Einige Gründe für diesen Unglauben werden in Vers 2 gegeben. Es gab nichts über sein Erstes Kommen, was ungewöhnlich aussah. Er wurde in einem gewöhnlichen - tatsächlich recht armen — Umfeld geboren. Das ist eine Bestätigung von Jesaja 11,1. Ausserdem gab es nichts, was an sei ner äusseren Erscheinung dazu gedient hätte, Menschen zu ihm zu zie hen. Diese Aussage protestiert gegen die Porträts und Darstellungen Je su, die so oft zu sehen sind. Jesus war ein jüdischer Mann mit einem jüdischen Bart, dunklen Augen und wahrscheinlich nicht besonders gross. Gemäss diesem Vers war er nicht besonders gutaussehend. Zusammenfassung: Israel bekennt, dass es dann, als der Messias bei ihm war, nichts an seiner äusseren Erscheinung festgestellt hat, das es zu 88 Messianische Christologie ihm hingezogen hätte; seine Kindheit und Jugend waren nicht anders als die von anderen. In Vers 3 wird uns gesagt, dass sein ganzes Leben von Ablehnung und Leiden gekennzeichnet war. Menschen haben sich von ihm abgewandt, und zu keiner Zeit wurde ihm der Respekt entgegengebracht, der einem König gebührt. Zusammenfassung: Im Gegenteil, er wurde verachtet und abgelehnt und im allgemeinen taten die Leute ihr Bestes, um ihm aus dem Weg zu ge hen. Jedoch hat er unsere Leiden getragen und unsere Sorgen auf sich geiaden—53, 4-6 Die Betonung in Vers 4 liegt auf dem stellvertretenden Charakter des Lei dens des Messias. Zu der Zeit (Vers 4b) hat Israel das nicht verstanden, sondern stattdessen seine Leiden als Strafe Gottes angesehen. Er wurde als jemand angesehen, der für seine eigenen Sünden litt, nicht für diejeni gen anderer. Zusammenfassung: Die Nation, die ihn, den Diener, vorher verachtete, erkennt nun, dass er stellvertretend gelitten hat. Sie dachten, daß er für seine eigenen Sünden leide, verstehen jetzt aber, daß er für ihre Sünden gelitten hat. Aber dann, in Vers 5, erkennen sie, dass «er für unsere Übertretungen durchbohrt und für unsere Ungerechtigkeit zerbrochen wurde», dass sein Tod tatsächlich stellvertretend geschah, so dass «durch seine Wunden wir geheilt sind». Zusammenfassung: Die Nation bekennt, dass die stellvertretenden Leiden Versöhnung und geistliche Heilung brachten, denn Er war die Strafe für ihre Sünden. Der Messias litt nicht für seine eigenen Sünden, sondern, wie es in Vers 6 heisst, «der Herr legte auf ihn unser aller Schuld». Der Messlas litt für die Sünden Israels. Zusammenfassung: Israel bekennt, dass sie es waren, die gesündigt haben und in die Irre gingen, und dass Gott die Ungerechtigkeit Israels auf den Diener legte, der deswegen gelitten hat. Man beachte die Pronomen in dieser ganzen Passage: «Wir», «unser» usw. Jesaja war nicht ein Heide, sondern ein Jude, der zu einer jüdischen Nation sprach. Die Pronomen bedeuten, dass Jesaja und die Juden ein geschlossen sind, sie können sich nicht auf Heiden beziehen. Ausserdem Messianische Christologie 89 kann man von keinem der Dinge, die hier über diese Einzelperson ausge sagt werden, behaupten, es bezöge sich auf die Nation Israel. Jesaja spricht ganz klar von nur einer Person. Die Nation wird nur in den Für wörtern mit eingeschlossen. Er wurde gequält und bedrückt, aber doch öffnete er seinen Mund nicht—53, 7-9 Gemäss Vers 7 bleibt der Messias während seiner Anfechtung stumm. Das stimmte bei Jesus sowohl bei seinen jüdischen als auch römischen Prozessen (Mt 26, 63; 27, 12-14; Lk 23, 9). Er äusserte keine Worte ge gen die vielen Anklagen, die gegen ihn vorgebracht wurden. Das kann man kaum von Israel behaupten. Zum einen ist Israel nicht still geblieben in seinen Leiden; vielmehr hat es viele Bücher verfasst, in denen es seine Leiden beschreibt und die Verantwortlichen anklagt. Der moderne Staat Israel ist nicht stumm geblieben im Angesicht des arabischen Angriffs; er hat irakische Nuklearinstallationen und palästinensische Militärcamps bombardiert. Dieser Vers über Leiden und Stummbleiben kann nicht auf die Nation Israel angewandt werden, weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart. Aber er passt auf die Person des Messias. Zusammenfassung: Der Diener hat sich demütig dem Leiden und der ungerechten Behandlung unterworfen und hat nichts gesagt, sei es zu seiner Verteidigung oder zu irgendeiner Beschwerde. In Vers 8 unterzieht er sich einem Gerichtsprozess, in dem er zum Tode verurteilt wird. Dann wurde er «abgeschnitten» — legal exekutiert - aber er hat diese Strafe des Gesetzes für «die Übertretung meines Volkes, dem der Schlag galt» erlitten. Er wurde für die Übertretungen des Volkes exe kutiert. «Übertretung» ist ein Begriff für Sünde, der das Brechen des Gesetzes betont. Dieser eine, der der Messias ist, ist sicherlich zu unter scheiden von «meinem Volk», was Israel meint. Durch das ganze Alte und Neue Testament hindurch ist «mein Volk» immer eine Bezugnahme auf Israel. Der Messias wird wegen der Sünden Israels umgebracht werden. Hier wird zum ersten Mal in der Heiligen Schrift ausdrücklich festgestellt, dass der Messias sterben muss. Es hat zwar auch vorher schon viele Erwähnungen seines Leidens gegeben, aber es war niemals vorgebracht worden, dass er werde sterben müssen. Es ist wichtig, festzustellen, dass die Prophetien über den Messias im Sinne einer fortschreitenden Offenba rung aufeinander aufbauen. Zusammenfassung: Nach einem Gerichtsprozess und dem Urteil wurde der Knecht zur Exekution gebracht und Israel begriff nicht, dass er für die Sünden des Volkes starb. 90 Messianische Christologie Vers 9 spricht vom Begräbnis des Messias. Nachdem er als Krimineller exekutiert worden ist, würde man erwarten, dass er auch das Grab eines Verbrechers bekommen würde. Aber Gott schreitet ein und, obwohl er ungerecht und entehrend bei seiner Exekution behandelt wurde, wird er doch, wie es ihm gebührt, in eine ehrenvolle Grabstätte gelegt, in die Grabkammer eines reichen Mannes, nämlich Josefs von Arimathäa (Mt 27, 57-60). Gott hat das so angeordnet, weil «da keine Verführung in sei nem Munde war», sein Tod war rein stellvertretender Natur. Zusammenfassung: Dem Diener wurde zwar das Grab eines Kriminellen zugewiesen, aber aus der göttlichen Gerechtigkeit heraus wurde er statt dessen in der Grabkammer eines reichen Mannes beigesetzt. Doch dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen 53, 10-12 Beachten wir, wer in Vers 10 schlussendlich verantwortlich ist für den Tod des Messias. Es sind weder die Juden noch die Römer, sondern es ist Jahwe selbst. Es war Gottes Wille, ihn zu zerschlagen und Gott selbst war es, der «seine Seele zu einem Sündopfer machte». Der einzige, der dazu fähig ist und die Macht hat, der Welt Rettung zu bieten, ist Gott. Der Tod des Messias war weder zufällig noch der Macht der Umstände zuzu schreiben, sondern er war Teil von Gottes göttlichem Plan. Es ist ein bibli sches Prinzip, dass es keine Vergebung für Sünden gibt, ohne dass dabei Blut vergossen wird. Als zeitlich begrenzte Massnahme war ein System von Tieropfern eingerichtet worden, aber diese Opfer haben die Sünde nur bedeckt, sie haben sie nicht entfernt. Und sogar diese Bedeckung dauerte jeweils nur ein Jahr, bis zum nächsten Jörn Kippur, dem nächsten Ver söhnungstag. Aber der Messias würde das endgültige Sündopfer sein, dasjenige Opfer nämlich, das die Sünde ein für allemal entfernt, und der jenige, der für dieses Opfer sorgt, ist Gott selbst. Gott ist derjenige, der schlussendlich verantwortlich ist für den Tod des Messias. (13) Und dann kommt eine merkwürdige Zeile. «Er wird Nachkommen sehen, er wird seine Tage verlängern ...» Wenn er umgebracht worden ist, wie kann er dann seine geistlichen Nachkommen sehen? Wenn er tot ist, wie können seine Tage verlängert werden? Der einzige Weg, auf dem diese Dinge geschehen können, ist durch die Auferstehung, die später be schrieben wird. ---------- (13) Vgl. Anhang 3 in einer späteren Ausgabe von FUNDAMENTUM für eine genauere Erklä rung dieser wichtigen Lehraussage. Messianische Christologie 91 Nachdem uns zum ersten Mal gesagt worden ist, dass der Messias ster ben wird, bekommen wir auch sofort einen klaren Hinweis darauf, dass er wieder von den Toten auferweckt wird. Nach der Auferstehung wird der Messias den Erfolg seiner Mission sehen und deswegen wird «was dem Herrn gefällt, durch seine Hand gelingen». Zusammenfassung: Gott hatte es gefallen, zuzulassen, dass der Knecht litt und starb, weil das das Mittel war, durch das Gott die Versöhnung für das Volk vollbrachte. Obwohl der Diener stirbt, wird er trotzdem seine Nachkommenschaft sehen und seine Tage werden verlängert werden. Auch in Vers 11 ist es wieder der Messias, der gestorben ist und fähig sein wird, das Resultat seiner Leiden zu sehen. Dadurch, dass er selbst weiss, dass er der Messias ist, der für die Sünde starb, wird er dazu fähig sein, vielen die Rechtfertigung zu bringen. Während er für alle starb, galt sein Tod aber nur denen, die glauben. Für diejenigen, die glauben, «wird er ihre Ungerechtigkeiten tragen». Zusammenfassung: Gott wird zufriedengestellt werden durch das Werk seines Dieners, denn er stirbt einen stellvertretenden Tod für sein Volk, und durch seinen Tod rechtfertigt er viele, indem er ihre Ungerechtigkeit trägt. In Vers 12 wird er endlich in sein Reich kommen, weil er «seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod». Er wurde als Sünder angesehen, ohne es aber zu sein, sondern er trug vielmehr die Sünde anderer und hat durch seinen Tod und seine Auferstehung Fürsprache für die Übertretungen anderer eingelegt. Zusammenfassung: Der Knecht wird am Ende mehr als alle anderen reich gesegnet werden, weil er um anderer willen gestorben ist, damit ihre Sünde trug und nun für sie Fürbitte tut. Zusammenfassung von Jesaja 52-53 Nachdem wir diese Passage jetzt durchgelesen haben, sollte es völlig klar sein, dass diese Prophezeiung keinesfalls auf die Nation Israel angewen det werden kann. Israel ist nicht schweigend. Israel ist niemals legal vor Gericht gestellt und verurteilt worden. Israel als Nation ist nie durch eine legale Exekution gestorben. Wie schon gesagt worden ist, haben alle antiken Rabbiner ohne Ausnah me die Anschauung gehabt, dass es sich hier um eine messianische Pas sage handelt. Es gibt natürlich einen scheinbaren Konflikt zwischen Stel len wie dieser, die den Messias als leidend beschreiben, und anderen, die von ihm sagen, dass er erobert, herrscht und regiert in Jerusalem. 92 Messianische Christologie Für die Gläubigen ist das leicht zu verstehen dadurch, dass der Messias zweimal kommt, einmal um zu leiden und ein zweites Mal, um sein König reich aufzurichten und in Frieden von Jerusalem aus zu regieren. Die antiken Rabbiner haben das Problem auf andere Weise gelöst, näm lich indem sie das Konzept von den zwei Messiassen aufgestellt haben. Sie haben gelehrt, dass der erste Messias, den sie «Messias, der Sohn von Josef» genannt haben, der in Ägypten gelitten hatte, kommen und in Erfüllung der Diener-Passagen sterben würde (als eine davon führten sie Jesaja 53 auf). Der zweite Messias, «Messias, der Sohn von David», wür de dann anschliessend kommen und den ersten Messias wieder zum Leben erwecken. Daraufhin würde er dann sein Königreich aufrichten um zu herrschen und zu regieren. Sie haben die Lehre vom Tod und der Aufer stehung klar anerkannt, die in den messianischen Prophezeiungen liegt, haben aber darin versagt, korrekt zu interpretieren, dass der Messias ein erstes Mal kommen musste, um für unsere Sünden zu sterben und dann ein zweites Mal kommt, um in Jerusalem zu herrschen. In zehn Punkten lässt sich zusammenfassen, warum dieser Abschnitt sich auf den Messias und nicht auf Israel beziehen muss: 1. Das war schon die Ansicht aller antiken Rabbiner (siehe Anhang 2). 2. Charakteristische Pronomen wie «wir», «uns», «unser» müssen sich auf Jesaja und seine jüdischen Zuhörer beziehen, während «er», «ihn», «sein» dem Messias gilt. 3. Durch den ganzen Abschnitt hindurch wird der Knecht als Einzelperson und nicht als Nation dargestellt; es gibt keine Allegorien^" oder Personi fizierungen des Dieners als Israel. 4. In Vers 9 ist das Leiden des Dieners freiwillig, absichtlich und schwei gend, was niemals für Israel zugetroffen hat. 5. In Vers 8 stirbt der Knecht für «mein Volk», und da Jesajas Volk eben die Juden waren, wird damit klar unterschieden zwischen dem Diener und Israel. 6. Der Diener ist ein unschuldig Leidender (Verse 4-6, 8-9), aber Israel leidet immer für seine eigenen Sünden, wie Jesaja in 1, 4-8 festgestellt hat. 7. Der Knecht stirbt einen stellvertretenden Tod als Ersatz für uns (Verse 4-6.8.10.12), während Israel nicht stellvertretend für die Heiden leidet, sondern wegen der Heiden. --------- 14 Allegorie = bildliche Darstellung eines abstrakten Begriffs. Messianische Christologie 93 8. Die Leiden des Dieners bringen Rechtfertigung und geistliche Heilung für die, die sie annehmen (Verse 5b, 11b), aber Israel hat das nicht für die Heiden getan. 9. Der Diener stirbt (Verse 8,12), aber das Volk Israel überlebt immer. 10.Der Knecht wird wieder auferweckt (Verse 10-11), aber, da das Volk Israel niemals gestorben ist, besteht für es auch kein Bedarf einer Auf erstehung. Jesaja 52,13 - 53,12 lehrt: → Der Messias wurde in einem gewöhnlichen Umfeld geboren, das keine unüblichen Züge aufwies. → Das Erste Kommen des Messias wird von Leiden charakterisiert wer den. → Der Messias wird bei seinem ersten Kommen abgelehnt werden. → Der Messias wird einem legalen Gerichtsprozess unterzogen und zum Tode verurteilt werden. → Der Messias wird getötet werden. → Der Messias wird in der Grabkammer eines reichen Mannes beigesetzt werden. → Der Messias wird auferweckt werden. → All die Leiden des Messias und sein Tod werden stellvertretend sein. Er starb, damit wir Leben haben können. Er starb, damit unsere Sünden von uns weggenommen werden können. Er starb, damit wir in eine neue Beziehung mit Gott eintreten können. → Der Messias wird all denen Rechtfertigung bringen, die an ihn glauben. Jesaja 61,1--3 Die Mission des Dieners Diese Prophezeiung fällt in die dritte Kategorie von messianischen Prophetien, die in der Einleitung erwähnt worden sind, nämlich diejenige sol cher, die kombinierte Verweise auf Erstes und Zweites Kommen enthalten, ohne dabei einen klaren Hinweis auf den Zeitsprung zwischen beiden zu geben. Verse 1 und 2a beschäftigen sich mit dem Ersten Kommen, Verse 2b und 3 mit dem Zweiten Kommen. Das wird ganz klar anhand von Jesu Lesung dieser Passage, die im Lukasevangelium beschrieben wird: 94 Messianische Christologie Und er kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war; und er ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. Und es wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht; und als er das Buch auf gerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben war: «Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat. Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Freiheit auszurufen und Blinden, dass sie wieder sehen. Zerschlagene in Freiheit hinzusenden, auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn.» Und als er das Buch zugerollt hatte, gab er es dem Diener zurück und setzte sich; und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Er fing aber an, zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt. Lukas 4, 16-21 Jesus las die Verse 1 und 2a und stoppte dann - diese Worte waren jetzt erfüllt worden, aber die Erfüllung des Restes des Abschnitts wartet immer noch auf seine Wiederkehr. Das Erste Kommen - 61, 1-2a Vers 1 bestätigt nochmals Jesaja 11, 2 und 42, 1. Der Messias wird mit dem Heiligen Geist gesalbt werden für seine Mission und seine Aufgabe. Diese Salbung fand im Leben Jesu bei seiner Taufe statt (Mt 3, 16). Es geschah an diesem Punkt, dass er seinen öffentlichen Dienst begann und offen beanspruchte, der Messias zu sein. Für sein Erstes Kommen ist dem Messias prophezeit, vier Dinge zu tun: 1. Die Gute Nachricht (oder «das Evangelium») den Menschen zu predigen. 2. Den Gefangenen Freiheit zu verkündigen. Im jüdischen Kontext waren die Nation Israel und die Juden im beson deren unter das mosaische Gesetz versklavt, weil sie unfähig waren, es zu halten. Jeder, der eine Sünde begeht, wird zum Sklaven der Sünde. Da kein Jude dazu fähig war, alle 613 Gebote vollkommen einzuhalten, waren sie versklavt unter den Fluch des Gesetzes. Jesus kam, urrl Freiheit und Befreiung vom Gesetz zu predigen durch den Glauben an ihn. 3. Um denen, die gebunden sind, das Gefängnis zu öffnen. Das wird im Neuen Testament näher erklärt im Brief an die Hebräer 2,14-16. Wegen Israels Versagen unter dem Gesetz waren sie durch eine satanische Furcht vor dem Tod gebunden. Ein Teil von Jesu Mis sion bei seinem Ersten Kommen besteht darin, die Schlüssel des Todes und des Hades von Satan wegzunehmen, so dass derjenige, der an Jesus glaubt, Jude oder Heide, keine Angst mehr vor dem Tod haben und von dieser Furcht nicht mehr gefangen sein muss. Messianische Christologie 95 4. Um das angenehme Jahr der Gnade Jahwes zu verkündigen. Oder, wie man es auch ausdrücken könnte, «die angenehme Periode der Gunst der Gnade». Mit dem Tod des Messias ist das Zeitalter des Gesetzes zu Ende gebracht worden und das Zeitalter der Gnade hat begonnen. Unter der Gnade Gottes kommt unsere Rettung einzig und allein daher, dass wir akzeptieren, dass der Messias um unsertwillen starb und wieder auferstand. Das ist eine persönliche Entscheidung, die an einem Punkt im Leben einer Person getroffen werden muss. Nie mand kann im neutestamentlichen Sinn des Begriffs 'als Christ geboren werden'. Das Zweite Kommen - 61, 2b -3 Dieser Aspekt liegt ausserhalb der Spannbreite dieser Studie (15) Jesaja 61, 1-2a lehrt: • Der Messias wird vom Heiligen Geist für seine Mission gesalbt werden. • Der Messias wird einen prophetisch predigenden Dienst haben. (Fortsetzung folgt)
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  • Avatar von HPWepf
    21.09.2020, 07:39
    HPWepf hat auf das Thema Massenmörderin Ruth Bader Ginsburg im Forum Biblische Lehre geantwortet.
    Jetzt kann sie sich im Feuerteil des Sheol mit Martin Luther und Adolf Hitler austauschen.
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  • Avatar von HPWepf
    21.09.2020, 07:28
    Ruth Bader Ginsburg ist gestorben. Sie ist eine der bekanntesten Juristinnen in den USA. Diese Schöpfungsgegnerin (Feministin), Homoaktivistin und Abtreibungsrichterin, ist jetzt im Totenreich. Manche Antichristen trauern ihr nach, als wäre sie eine Heldin gewesen. Kein normaler Mensch würde Adolf Hitler vermissen. Diese Frau hat die Ermordung unzähliger Embryos zu verantworten. Sie arbeitete aktiv für Abtreibung. Ihr letzter Wunsch war, dass sie nicht ersetzt wird, bevor ein neuer Präsident ins Amt kommt. Sie hatte wohl Angst, dass ihre teuflischen Ideen nicht weiter vorangetrieben werden können. So viel Bitterkeit steckte in dieser Frau. Auf ihren Wunsch ist Gott nicht eingegangen. Der Zorn Gottes wird ewig auf sie bleiben. Sie wird sich verantworten müssen. Hebräer 9,27 Und so gewiß es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht... https://www.youtube.com/user/MemraTV?fbclid=IwAR2XaquW3Zr-w8QOKCgs90SBxabVyqWj6vbOrv43eBunL54PYl69kZdlFLg
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  • Avatar von HPWepf
    19.09.2020, 18:33
    HPWepf hat auf das Thema in der Hölle quälen im Forum Biblische Lehre geantwortet.
    Ex: SoundWords Die ewige Verdammnis ... oder gibt es doch eine zeitliche Begrenzung der „ewigen“ Verdammnis? Charles Henry Mackintosh Leitvers: Johannes 3,36Joh 3,36: Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. In letzter Zeit habe ich sehr viel über den letzten Vers von Johannes 3 nachgedacht. Er scheint mir eine sehr kraftvolle Antwort zu zwei der führenden Irrlehren unserer Tage – nämlich zur Allversöhnung und zur Allvernichtung – zu geben. „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“ Die Leugner einer ewigen Verdammnis sind, wie wir wissen, in zwei Gruppen einzuteilen, die in wesentlichen Einzelheiten ihrer Lehren voneinander abweichen. Die einen bekennen den Glauben, dass letztlich alles wiederhergestellt und in einen Zustand ewiger Glückseligkeit gebracht wird. Das sind die Allversöhner. Die anderen vertreten die Ansicht, dass all jenen, die ohne Christus sterben, sowohl Seele als auch Leib vernichtet werden. Mit ihnen ist es dann ganz und gar aus; sie kommen um wie ein Tier. Ich denke, dass du mit mir übereinstimmen wirst, dass Johannes 3,36 diese beiden verhängnisvollen Irrtümer vollständig widerlegt. Der Allversöhner wird mit der durchgreifenden und beweiskräftigen Aussage konfrontiert, dass der Ungläubige „das Leben nicht sehen“ wird. Sie setzt die Ansicht vollständig beiseite, dass alle Menschen wiederhergestellt und ewig errettet werden. Jene, die sich weigern, dem Sohn zu glauben, werden in ihren Sünden sterben und das Leben niemals sehen. Doch wenn das alles wäre, könnte der Allvernichter sagen: „Genau so ist es; das ist, was ich glaube. Nur diejenigen, die an den Sohn glauben, werden ewig leben. Ewiges Leben ist ausschließlich im Sohn; und folglich müssen alle, die außerhalb Christus sterben, umkommen. Sowohl Seele als auch Leib müssen zugrunde gehen.“ „So ist es keineswegs“, sagt die Heilige Schrift. Es ist wirklich wahr, dass sie das Leben nicht sehen werden. Doch – welche furchtbare Tatsache! – „der Zorn Gottes bleibt auf ihm“. Dieser Satz liefert ohne Frage eine glatte Widerlegung der Allvernichtungslehre. Wenn der Zorn Gottes auf dem Ungläubigen bleiben soll, dann ist es völlig unmöglich, dass Ersterer sein Dasein verlieren könnte. Allvernichtung und bleibender Zorn sind unvereinbar. Uns bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir radieren das Wort „bleibt“ aus dem inspirierten Kapitel aus oder geben die Vorstellung einer Allvernichtung gänzlich auf. Es ist unmöglich, beides festzuhalten. Ich beziehe mich hiermit natürlich nur auf diese eine Stelle der Heiligen Schrift. Sie reicht völlig aus, in sich selbst das ganze Problem hinsichtlich der ernsten Frage nach der ewigen Verdammnis für jede Seele, die sich der Stimme Gottes beugt, zu lösen. Doch darum geht es gerade. Die Menschen wollen sich nicht der Belehrung und der Autorität der Heiligen Schrift unterwerfen. Sie maßen sich an, festzusetzen, welches Tun Gottes würdig sei und welches nicht. Sie bilden sich ein, dass die Leute in Sünde, in Torheit, in Rebellion gegen Gott und in der Verwerfung Seines Christus leben dürfen, ohne dafür bestraft zu werden. Sie maßen sich an festzusetzen, dass es mit ihrer Vorstellung von Gott nicht zusammenpasst, wenn Er so etwas wie eine ewige Verdammnis zulässt. Sie setzen bei den Regierungswegen Gottes voraus, was man bei jeder menschlichen Regierung als Schwachheit werten würde, nämlich die Unfähigkeit, Übeltäter zu bestrafen. Das Wort Gottes steht ihnen jedoch entgegen. Es spricht von einem „Feuer“, das „nicht erlischt“, von einem „Wurm“, der „nicht stirbt“ (Mk 9,48), von einer befestigten „Kluft“ (Lk 16,26) und von einem bleibenden „Zorn“. Ich möchte fragen: Was bedeuten diese Worte nach dem Urteil jedes ehrlichen, unvoreingenommenen Menschen? Man mag sagen, das seien Bilder. Es sei zugegeben, dass das „Feuer“, der „Wurm“ und die „Kluft“ Bilder sind. Doch wovon sind es Bilder? Sind es Bilder von etwas Kurzlebigem – von Dingen, die früher oder später ein Ende haben müssen? Nein, sondern von etwas Ewigem! Wenn irgendetwas ewig ist, dann das hier durch Gott Beschriebene. Falls wir die ewige Verdammnis leugnen, müssen wir alles Ewige leugnen, da im Wort Gottes immer dasselbe Wort benutzt wird, um die Vorstellung einer endlosen Fortdauer auszudrücken. Es gibt ungefähr siebzig Stellen im griechischen Neuen Testament, wo das Wort für „ewig“ vorkommt. Es wird unter anderem bezogen auf das Leben, welches die Gläubigen besitzen, sowie auch auf die Strafe der Bösen (Mt 25,46). Auf welcher Grundlage darf also jemand die Behauptung wagen, in den sechs oder sieben Stellen, wo von der Strafe der Bösen gesprochen wird, habe das Wort nicht die Bedeutung des Immerwährenden, sondern nur in den übrigen? Ich gestehe, dass ich diese Frage nicht beantworten kann. Wenn der Heilige Geist oder der Herr Jesus Christus Selbst es für angemessen gehalten hätten, in Bezug auf die Strafe der Gottlosen ein anderes Wort zu benutzen als für das Leben der Gläubigen, dann würde ich ausreichend Grund für einen Einwand zugestehen. Aber nein; unveränderlich wird dasselbe Wort für dasjenige benutzt, was, wie jeder weiß, endlos ist. Darum ist nichts endlos, wenn die Strafe der Gottlosen nicht endlos ist. Konsequenterweise darf man auch nicht bei der Dauer der Strafe stehenbleiben, sondern muss weitergehen, bis man zuletzt bei der Leugnung des Daseins Gottes Selbst anlangt. Tatsächlich muss ich annehmen, dass hier die wahre Wurzel der ganzen Problematik liegt. Der böse Feind will das Wort Gottes, den Geist Gottes, den Christus Gottes und Gott Selbst loswerden. Und hinterlistig beginnt er, das unverfänglichere Ende seines verhängnisvollen Lügengewebes einzuführen, indem er die ewige Strafe leugnet. Falls diese Gedanken einmal Eingang gefunden haben, hat die Seele den ersten Schritt auf der abschüssigen Bahn betreten, die hinunter zum finsteren Abgrund des Atheismus führt. Das mag sich scharf, hart und extrem anhören, ist jedoch meine tiefe und feste Überzeugung. Ich fühle mich aufs Ernsteste von der Notwendigkeit durchdrungen, alle unsere jungen Freunde vor der Gefahr zu warnen, schon den Schatten einer Frage oder eines Zweifels hinsichtlich der göttlich festgesetzten Wahrheit über die ewige Strafe der Gottlosen in der Hölle in ihren Gedanken zuzulassen. Der Ungläubige kann nicht wiederhergestellt werden, denn die Bibel sagt: Er „wird das Leben nicht sehen“. Ebenso wenig kann er vernichtet werden, weil die Bibel sagt: „Der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“ Wie viel besser und weiser und sicherer wäre es für unsere Mitmenschen, dem kommenden Zorn zu entfliehen, anstatt sein Kommen – oder, wenn er kommt, seine ewige Dauer – zu leugnen.The Mackintosh Treasury, S. 632–633; Miscellaneous Writings 5 (im Deutschen herausgegeben und übersetzt von J. Das)
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  • Avatar von HPWepf
    18.09.2020, 16:13
    HPWepf hat auf das Thema in der Hölle quälen im Forum Biblische Lehre geantwortet.
    Lieber Klaus Ich füge da etwas aus www.bibelkreis.ch ein. Gegen die Lehre von der ewigen Verdammnis hat man viele Argumente vorgebracht. Sie sind geeignet, solche, die nur eine geringe Kenntnis des Wortes Gottes haben, wankend zu machen und den Glauben etlicher umzustoßen. Obgleich ich mich mit dieser Sache schon längere Zeit eingehend beschäftigt habe, in der Absicht, darüber ausführlich zu schreiben, habe ich es doch für gut angesehen, zunächst diese kürzere Betrachtung herauszugeben, um unbefestigten Seelen damit zu dienen. Es gibt nämlich Personen, die mit ihren Kenntnissen der griechischen Sprache vor denen, die diese nicht verstehen, glänzen wollen. Solchen zu misstrauen, möchte ich den Lesern dringend ans Herz legen, zumal es ein Leichtes ist, mit seinem erlernten Wissen auf andere Eindruck zu machen, oft mit dem Hintergedanken, ihnen etwas vor zumachen. Ohne Zweifel ist es nützlich, zum besseren Studium des Neuen Testamentes die griechische Sprache zu beherrschen, weil es in dieser Sprache ursprünglich geschrieben wurde. Es ist auch ganz vernünftig, sich über den griechischen Text mit solchen auszutauschen, die Griechisch können, weil diese über das, was besprochen wird, selbst zu urteilen vermögen. Aber es ist keineswegs gut, griechische Schrifttexte in Gegenwart solcher anzuführen, die die Sprache nicht verstehen. Wie sollten letztere an Hand von ihnen nicht verständlichen Zitaten eine Bibelstelle beurteilen können? Da behauptet z. B. jemand, das Wort " e w i g " bedeute im griechischen Text nicht " ewig " . Eine solche Aussage erscheint dann ganz weise, aber wer will schon beurteilen, wie sich die Sache wirklich verhält? Ausserdem ist mir wiederholt aufgefallen, dass diejenigen, die sich des Griechischen im Kreise Unwissender bedienen, hiermit eine gewisse Hinterlist verbinden. Ich habe auch festgestellt, daß es mit ihrem Griechisch nicht weit her, sobald sie von solchen, die diese Sprache beherrschen, auf die Probe gestellt werden. Ohne beanspruchen zu wollen, sehr gelehrt zu sein, darf ich doch sagen, daß ich die griechische Sprache kenne und das Neue Testament im griechischen Text sehr eingehend durchforscht habe. Ich habe mich jedoch niemals dazu verleiten lassen, auch nur das geringste Vertrauen in Aussagen zu setzen, die jene Leute dem griechischen Text unterstellen. Ganz im Gegenteil. Der Geist Gottes allein ist ein sicherer Führer hinsichtlich der Grundwahrheiten der Schrift für einen jeden Menschen, der über die genannte Gelehrsamkeit nicht verfügt, vorausgesetzt, daß er dem Worte Gottes gegenüber demütig ist. Eine solche Haltung ist nützlicher als Selbstvertrauen auf erlerntes Wissen. Also: Die Aussagen der Bibel lassen für den einfachsten Gläubigen nicht die geringsten Zweifel hinsichtlich des eingangs genannten Punktes bestehen. Er weiß: Die Pein der Gottlosen ist ewig. Die Schrift redet hierüber bis ins kleinste genau. Zugegeben, daß Übersetzungen nicht vollkommen und Menschenwerk sind. Die Ansichten und die Gefühle des jeweiligen Übersetzers bergen die Gefahr in sich, daß sich leicht Mängel einschleichen können. Dennoch bleibt bestehen, daß der Text der allgemein bekannten Bibelübersetzungen der gesunden Lehre entspricht. Der Glaube, der mittels des Wortes in dem einfachsten Gläubigen hervorgebracht wird, empfängt ja von Gott selbst Belehrungen, obgleich es möglich ist, daß hier und da der Grund text nicht so genau übersetzt wurde, wie es wünschenswert wäre. Dennoch: Soviel ich weiß, ist keine der Stellen, die die Grundwahrheiten der Heiligen Schrift betreffen und mit denen wir uns hier zu beschäftigen haben, so übersetzt worden, daß der eigentliche Sinn dadurch entstellt wurde. Es ist für mich wie auch für jeden anderen einfachen und aufrecht denkenden Menschen von grundlegender Bedeutung, daß es die Absicht Gottes war, im Herzen des Bibellesers die Überzeugung wachzurufen, daß das Teil der Bösen die ewige Verdammnis ist. Ich bin also sicher, daß Gott weder die Absicht hatte, die Überzeugung zu wecken, mit dieser Aussage die Unwahrheit gesagt zu haben, noch wollte Er die Seelen durch Vorstellungen erschrecken, die der Wahrheit nicht entsprechen. Ich möchte jetzt mehrere Schriftstellen nennen, die klare Aussagen über unseren Gegenstand machen. Vorher versichere ich erneut, daß es meine feste Überzeugung ist, daß alle Anstrengungen, die darauf hinauslaufen, diese grundlegende Wahrheit der Bibel zu untergraben, zunichte wurden (und ich sah mich gezwungen, viele Stellen genau zu untersuchen). Die vorgebrachten Argumente sind gekennzeichnet durch Mangel an Aufrichtigkeit, ja oft offenbaren sie Unglauben, jedenfalls sind sie widersprechend und trügerisch. Schließlich stoßen die vorgebrachten sogenannten Beweise andere fundamentale Wahrheiten um. Aber auch das ist noch festzustellen: Eine gesunde Kenntnis des Griechischen vermag den schriftgemäßen Glauben eines einfachen Menschen zu stärken. Mit einigen Worten werde ich am Ende meiner Ausführungen noch ein mal unmißverständlich diese Behauptung begründen. Im Laufe der Betrachtung werde ich eine Anzahl Schriftstellen anführen, (von denen einige, wenn sie für sich allein stehend betrachtet werden, nicht zum Beweis dessen dienen könnten, was der Gegenstand der Betrachtung ist) damit die vom Heiligen Geist beabsichtigte Wirkung aus der Fülle von Kundgebungen, die Er abgegeben hat, hervorgeht. Ich möchte den Leser bitten, diesen Stellen seine ganze Aufmerksamkeit zu widmen. Einige widerlegen mit aller Deutlichkeit die Lehre, daß alle Menschen einmal errettet würden, andere die Behauptung, daß die Bösen ihr Ende darin finden werden, daß ihre Existenz aufgehoben wird. Weitere Schriftstellen zeigen uns, wie unbiblisch der Gedanke vom "lieben" Gott ist. Diese Vorstellung führt dazu, daß die Majestät und Heiligkeit Gottes, die durch Gericht über die Sünde aufrecht erhalten wird, verneint wird; sie führt auch zur Leugnung der bestimmten Tatsache, daß nie Gemeinschaft zwischen Licht und Finsternis bestanden hat oder bestehen wird. Solche Gedanken sind ungöttlich und schriftwidrig. Wiederum widerlegen andere Schriftstellen die sogenannten Beweise, die alle diese Irrtümer bestätigen sollen. Gelangt der aufmerksame Leser zu einem tiefen Verständnis dieser Stellen, so wird er den Irrtum klar erkennen. Manche der aufgeführten Stellen machen die Lehre der Heiligen Schrift besonders deutlich daß nämlich der Zorn Gottes eine Wirklichkeit ist und daß das Teil der Ungläubigen und der sich gegen Gott auflehnenden Sünder ewige Pein und ewige Qual ist. Schließlich werden wir an Hand der Schrift stellen sehen, daß das Wort sich an alle Klassen von Sündern wendet, an solche, die ohne Gesetz gesündigt haben, an die, die sündigten unter dem Gesetz und an alle, die dem Evangelium nicht geglaubt haben. Ich werde nun Stellen mit bildlicher Darstellungsweise an geben und solche, die den Gegenstand direkt ansprechen. Es war Gottes Absicht, sowohl Bilder zu geben, die zu überzeugen vermögen, als auch durch klare und bestimmte Aussagen jeden Zweifel über die Belehrung auszuschließen, die Er geben wollte. Nun die Schriftstellen: 1) Matth. 3, 10 u. 12; 5, 22 u. 29 - 30; 6, 15; 7, 13 u. 23. In Matth. 7, 13 u. 23; 10, 33 ist es unmöglich anzunehmen, Christus hätte dieses sowohl von erlösten und erretteten Personen sagen können, als auch von solchen, die für "eine Zeit" bestraft werden sollten. 2) Matth. 8, 12; 10, 28 u. 33; 11, 22 u. 24; 12, 31 - 32; 13, 40-42 u. 49 - S0. Man sagt, daß sowohl in Matth. 13, 40 wie auch in Vers 49 das Wort, das häufig mit " Welt " übersetzt ist, eigentlich " Z e i t a I t e r " oder "Zeitabschnitt" oder "gewisse Zeit" bedeutet. Auch ich glaube, daß das die bessere Übersetzung ist, aber das ändert doch nichts an der Tatsache, daß nach diesem das angekündigte Gericht folgt. 3) Matth. 18, 8-9. Hier wird vom " e w i g e n F e u e r " oder der " H ö l l e " im Gegensatz zum " L e b e n " gesprochen. Wer an den einen Ort geht, geht nicht an den anderen. Übrigens: Keiner der genannten Ausdrücke ist so zu verstehen, daß er, wie gelehrt wird, auf einen besonderen Zeitabschnitt der Glückseligkeit anzuwenden ist. " D a s L e b e n " und das " F e u e r d e r H ö l l e " werden einander gegen übergestellt.20klk 4) Matth. 22, 13; 23, 33; 25, 46; 26, 24. Hier wird in Kap. 25, 46 im Griechischen das Wort " e w i g " sowohl in bezug auf Leben als auch auf die Pein gebraucht. 5) Markus 3, 29; 8, 36; 9, 43 - 49; 16, 16; Lukas 12, 4 - S u.9 - 10; 16,19 - 31; Johannes 3,3.15 u.36; 5,29. In bezug auf die letzte Stelle wird richtig gesagt, daß hier " G e r i c h t " zu übersetzen ist und nicht "Verdammnis", wie es teilweise geschehen ist. Aber dieses wird doch in Gegensatz zum " B e s i t z d e s L e b e n s " gestellt. Übrigens gilt bezüglich des Gerichtes, daß dadurch "keine lebendige Seele gerechtfertigt wird". Dieses Gericht wird am Ende aller Dinge stattfinden. 6) Johannes 6, 53; 8, 24; Apgsch. 1, 25; Röm. 1, 18; 2, 5 - 16; 9, 22. Römer 9, 22 zeigt, dass Gott willens ist, "seinen Zorn zu erzeigen und seine Macht k u n d z u t u n ". Gott ist Liebe, aber Er ist Gott; und die Rechte Seiner Majestät müssen gegen jede Auflehnung und Sünde aufrechterhalten werden. 7) 1. Kor. 1, 18; 3, 15; Phil. 1, 28; 3, 18 - 19; 2. Thess. 1, 8 - 10; 2,10 - 12; 1. Tim. 6,9; Hebr. 6,4 - 6; 10,26 - 31; Jakobus 5, 20; 2. Petr. 2, 9. 17 u. 21; 3, 7; 1. Joh. 5, 12; Judas 13; Offbg. 14,9 - 11; 20,10 - 15; 21,5 - 8. In 1. Kor. 1, 18, ebenso wie in Markus 16, 16 finden wir den Gegensatz zweier Zustände. Es gibt solche, die verloren gehen und verdammt sind, und solche, die errettet werden. Auch für den einfachsten Leser wird es nicht schwer sein, dieser Stelle zu entnehmen, daß die ersteren nicht errettet sein können. Die einen werden errettet und die anderen gehen deshalb verloren, weil sie das Kreuz Christi verworfen haben. Diese Stellen zeigen uns ganz deutlich: Einerseits ist Gottes Zorn aufbewahrt gegen jede Gottlosigkeit, andererseits ist Seine Liebe in Christus geoffenbart worden. Es ist wirklich nicht schwer zu verstehen, daß die Verdammnis die notwendige Folge der Verachtung einer solchen Liebe und des Ungehorsams dem Evangelium gegenüber sein muß. Bei denen, die unter Gottes Zorn stehen, " w i r d i h r W u r m n i c h t sterben und das Feuer nicht erlöschen". Vergebung kann ihnen nie zuteil werden. Sie sind nicht errettet, sondern verloren und werden gequält von Ewigkeit zu Ewigkeit in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt. Weil sie das Opfer von Golgatha verachtet haben, gibt es kein weiteres Opfer für ihre Sünden. Die Menschen suchen aber diesen klaren Zeugnissen auszuweichen, indem sie ihnen widersprechende Überlegungen anstellen und ihre Kenntnisse des Griechischen dabei in den Vordergrund schieben. Man hat zwei Systeme entwickelt, durch die man solch zu verlässige Schriftstellen beiseite zu setzen versucht. Das eine besagt, daß alle einmal errettet werden, alle, der Teufel selbst eingeschlossen, wobei es einige der Leute dieses Schlages nicht lieben, sich über ihre Gedanken klar genug auszusprechen. Dem anderen nach ist die Seele keineswegs unsterblich. Die Bösen, so wird gelehrt, werden nicht errettet und werden mit der Zeit vom Feuer der Hölle verzehrt. Aber diese beiden Systeme zerstören sich gegenseitig. Das zweite geht besonders in England um, das erste in anderen Ländern. Diejenigen, die das zweite unterstützen, sagen vom ersten, es sei ungeheuerlich und schriftwidrig. Zunächst berufen sie sich dabei auf solche Stellen, die besagen, daß es Menschen geben wird, die verdammt und solche, die gerettet sein werden. Dann verweisen sie auf eine Menge Schrift stellen, die davon reden, "daß Seele und Leib in der Hölle umgebracht werden" oder ähnlich starke Aussprüche enthalten. Sie sagen auch folgendes: Sollten alle errettet sein, so sind es etliche ohne Versöhnung und ohne Wiedergeburt gibt es doch solche, die das eine verworfen und das andere verachtet haben und für die deshalb "kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig bleibt". In der Tat scheint nichts einleuchtender zu sein als dieses. Hinsichtlich des Teufels und seiner Engel verhält es sich dann ebenso, denn wenn man derartige Ansichten hat und konsequent sein will, muß man auch von ihnen sagen, sie würden errettet. Schließlich wird noch gesagt, daß Gott alles in allem sein wird, und weil Er Liebe ist, kann er die Pein nicht ewig fortbestehen lassen. Wenn es so wäre, würden selbst die Dämonen errettet. Indessen, sie haben keinen Christus, keinen Heiland, so daß, wenn ich dieser Lehre nach einem Menschen sagen würde, daß er ohne den Herrn Jesus nicht errettet werden könnte, ich ihm nicht die Wahrheit sage, da ja eben dieser Lehre gemäß die Menschen auch ohne Ihn er rettet werden. Das bedeutet also, daß das ganze Evangelium hinsichtlich aller Aussagen vollkommen umgestoßen ist. Für jeden aufrichtigen Menschen ist es aber doch wirklich ganz klar, daß, wenn die Bibel sagt, "Wer glaubt, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden", dieses nicht bedeuten kann, daß " wer nicht glaubt" dennoch errettet werden wird wie derjenige, " der glaubt ", auch wenn die Einschränkung gemacht wird, ein solcher habe für eine gewisse Zeit eine Strafe zu erleiden. Dies alles ist die Lehre der erstgenannten Gruppe, der Allversöhner, wie man sie nennt. Und wenn die Bibel sagt, daß jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben habe Joh. 3,16), so ist damit doch klar genug ausgedrückt, daß das nicht bedeuten kann, daß auch die, die nicht geglaubt haben, ewiges Leben haben und nicht verloren gehen. Wenn geschrieben steht "ihr Ende ist Verderben", so ist doch völlig klar, daß das nicht bedeuten kann, ihr Ende sei ebenso glücklich wie das der anderen, auch wenn dieses Glück erst einige Zeit später zu erreichen ist. Wenn ferner geschrieben steht: "Es wird nicht vergeben werden", so soll das gewiß nicht heißen, daß solche doch einmal Vergebung erlangen. Obwohl es heißt: "Wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt", möchten manche lehren, man käme unversehrt daraus hervor, um in die Herrlichkeit einzutreten, zusammen mit denen, die errettet werden. Gott hat gesagt: "Diese werden hingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben". Wer könnte da glauben, dieses Wort bedeute, daß die, welche verdammt sind, nur für eine kurze Zeit in Qualen wären und das ewige Leben ebenso wie die anderen haben oder empfangen werden? Das ewige Leben und die ewige Pein- beides also ewig - sind übereinstimmende Ausdrücke und das Wort " e w i g " hat in beiden Fällen die gleiche Bedeutung. Man predigt auch, "ewig" bedeute nicht in beiden Fällen ewig. Aber wer möchte glauben, daß " d a s e w i g e L e b e n " nicht gleichbedeutend sei dem Leben von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wenn seine ewige Dauer nur vom Wort " L e b en " herzuleiten ist (denn es ist das Leben des Christus), warum die Hinzufügung des Wortes " e w i g " ? Es macht selbst dem einfältigen Leser Mühe zu glauben, daß das Wort " e w i g " - und das wird häufig gepredigt - eine Hinzufügung sei, um das Leben im zukünftigen Zeitalter zu begrenzen, genau gesagt auf das Tausendjährige Reich. (Sie stützen diese Behauptung auf "ihr Griechisch", worüber gleich noch ein Wort gesagt werden soll). Das aber ist nichts als ein schrecklicher Trugschluß; ist uns doch genau gesagt, dass wir dieses Leben jetzt schon besitzen, und zwar bevor das Tausendjährige Reich in Erscheinung tritt. "Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben". Es ist also klar gesagt, daß die Pein der Gottlosen von gleicher Dauer ist wie das Leben der Erlösten. Darüber hinaus steht geschrieben, daß seine Dauer gleich der des Lebens Gottes ist. In Offbg. 4,10 wird von den Ältesten gesagt, daß sie "den anbeten, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit". In Offbg. 14, 11 heißt es: "Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit" (siehe auch Offbg. 20,10 und andere Stellen). Wenn also klar gesagt ist, daß die Pein der Bösen ebenso lange währt wie das Leben der Glückseligen, ja wie das Leben Gottes selbst, so frage ich: Hätte Gott wohl die ewige Dauer dieser Pein den Lebenden besser klarmachen können? Gott hat betreffs der Bösen gesagt: "Ihr Wurm stirbt nicht". Hätte Er solchen Aussagen noch stärkere hinzufügen können, um den Menschen eine klare Vorstellung der ewigen Pein zu geben? Es ist gut, Offbg. 20,15 zu beachten. Da steht, daß die Bösen in den Feuersee geworfen werden. Das betrifft unzweideutig die Zeit nach dem Tausendjährigen Reiche, wenn alles zu seinem Ende gelangt ist und "Gott alles in allem sein wird". Die Verfechter der zweiten Irrlehre haben erklärt, es sei längst bewiesen, wie widersinnig und unhaltbar die erste ist. So kam es eben zu der zweiten. Hiernach ist die Seele keineswegs unsterblich; der Tod bedeutet ganz einfach Beendigung des Daseins und folglich ist das Leben nur in Christus zu finden. Das führt zu dem Gedanken, daß die Bösen aufhören werden zu existieren, und zwar nicht ohne eine gewisse Zeit gequält worden zu sein und Strafen empfangen zu haben, um dann vom Feuer der Hölle verzehrt zu werden; schließlich würden sie, wie schon gesagt -aufhören zu existieren. Diese Lehre ist in England sehr verbreitet. Aber vom Beginn ihres Auftretens an zeigte sich ihre Unhaltbarkeit. Wenn durch den Tod das Dasein ausgelöscht wird - die Seele also nicht unsterblich ist - und im Jenseits alles nur in Christus lebt, wie ist es dann möglich, daß die Bösen auch nach dem Tode noch weiterleben, wenn auch nur, um bestraft zu werden? Von woher beziehen sie denn dieses Leben? Denn um bestraft zu werden, müssen sie ja Leben haben. Man führt den Vers an: "Wer den Sohn hat, hat das Leben, wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht". Wenn letzteres wörtlich bedeuten soll, daß die Bösen nach dem Tode aufgehört haben zu existieren, so können sie auch kein Leben haben um bestraft zu werden. Jedem wahren Christen ist es hingegen klar, daß das Wort " Leben " in obiger Schriftstelle in dem Sinne gebraucht wird, daß die Erlösten in der Glückseligkeit leben werden bei Gott. Hingegen beziehen sich die Worte "hat das Leben nicht" auf solche, die das natürliche Leben "haben", aber tot sind in ihren Vergehungen und Sünden. Sie haben kein göttliches Leben, keine Segnungen von Seiten Gottes, weil sie noch nicht der Sünde gestorben sind und Gott leben. Andererseits sagt die Bibel sehr klar und zuverlässig, daß es nach dem Tode für alle, die nicht errettet sind, Zorn, Qual, Gericht und Pein gibt. Wollte man das verneinen, müßte das ganze Zeugnis Gottes geleugnet werden. Wahrheit ist viel mehr, daß es ein Leben auch nach dem Tode gibt, und Sterben nicht Ende des Daseins überhaupt bedeutet, sondern das Ende des Daseins hinsichtlich der Vereinigung von Seele und Leib, wie es hier auf Erden ist. Das sagt die Bibel in Hebr. 9, 27 unmißverständlich: "Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht". Dieses Gericht, das den Menschen treffen wird, findet nach dem Tode statt. Es ist Gottes Zorn und erfaßt alles, was von den Folgen der Sünde durchdrungen ist. Es ist wahr, daß die Sünde immer ins Elend führt. Weit entfernt liegt jedoch der Gedanke der Tod sei das Ende des Menschen. Vielmehr sagt Gottes Wort in Wahrheit und Folgerichtigkeit, daß die Auswirkungen des Zornes Gottes sich erst offenbaren nach dem Tode, und zwar mittels der Gerichte. Merken Sie gut auf: Diese Stelle richtet sich nicht besonders an solche, die von Christus gehört haben, obwohl diese sich zweifelsohne in höchstem Maße schuldig gemacht haben und geschlagen werden müssen "mit vielen Schlägen". "Es ist den Menschen gesetzt" usw. Der Tod und das Gericht sind also das Teil aller Menschen, weil sie ihrer Natur nach Sünder sind.*) Die Bibel sagt weiter: "Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen. Aber fürchtet den, der nach dem Töten Gewalt hat, in die Hölle zu werfen" (Luk. 12, 4-5). Der Lohn der Sünde ist der Tod. Die genannte Schriftstelle besagt jedoch, daß er, für sich betrachtet, von geringerer Bedeutung ist im Vergleich zu dem, was " d a n a c h k o m m t " . Danach wird nämlich der volle Lohn der Sünde empfangen, sowohl für den Leib als auch für die Seele, und zwar in der Hölle. Gerade das ist zu fürchten. Es ist hier noch zu beachten, daß nichts zu dem Gedanken berechtigt, daß die Seele eines Menschen zugleich mit seinem Leibe stirbt. So wird es fälschlich behauptet von solchen, die da lehren, daß der Tod einzig und allein den Lohn der Sünde darstellt. Man nimmt dazu Bezug auf die Bibel stelle: "Denn welches Tages du davon issest, wirst du gewißlich sterben". Die Drohung, die diese Aussage Gottes enthält, soll als Beweis dafür herhalten, daß der Mensch nicht unsterblich geschaffen sei.**) Denn, so sagen sie, warum könnte sonst ---------- *) In Hebr. 9, 27&emdash;28 finden wir die Auswirkungen des Todes Dessen, Der die Sünden vieler getragen hat auf diejenigen, die errettet sind und im Gegensatz dazu das, was den Menschen gesetzt ist. **) Andere lehren wiederum, der Mensch sei von Anfang an unsterblich gewesen; sie sind also in ihren Lehren nicht übereinstimmend. ------------ gesagt werden "du wirst sterben", wenn der Mensch unsterblich ist? Im Gegensatz hierzu denke ich, daß uns durch diese Schriftstelle gerade ein deutlicher Beweis gegeben wird, daß der Mensch unsterblich ist. Wenn ich einem Kinde sagen würde: "Tust du dieses oder jenes, so wirst du gestraft", so bedeutet das doch gewiß nicht, daß es in allen Fällen gestraft wird. So auch die Worte: "Wenn du issest, wirst du sterben". Sie stellen klar: Sollte der Mensch vom Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen essen, würde die Folge davon der Tod sein. So stellt es auch der Apostel dar und schreibt: "Gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben". Es ist offensichtlich, daß der Tod, der eintrat, nicht das Ende des Daseins war, da es ja "den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht". Und ich wiederhole: "Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen, aber fürchtet den, der nach dem Töten Gewalt hat, in die Hölle zu werfen". Wir haben also von Seiten Gottes eine zuverlässige Offenbarung, die die schriftwidrigen Aussagen der falschen Lehrer aufdeckt und beweist: Der Tod ist nicht allein der Lohn der Sünde, sondern nach dem Tode folgt das Gericht. Um sich herauszuwinden, sagen sie nun, daß der Tod der Lohn der Sünde für Adam war, aber daß die Pein der Lohn unserer eigenen Sünden sei. Aber so stellt der Apostel die Dinge nicht dar. Er sagt: "Also ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben", was besagt, daß die Sünde aller Menschen gebunden ist an die Sünde Adams, und alle damit dem Tode unterworfen sind. Damit sind also jene Lehrer überführt. Aber selbst wenn ihre Behauptung durch diese Erklärung des Apostels noch nicht zu Fall gebracht sein sollte, bleibt noch dieses zu sagen: Wenn Adams Sünde den Tod seiner Nachkommenschaft nach sich zog und wenn der Mensch nicht unsterblich ist wie sie lehren), woher empfangen die Sünder Leben nach dem Tode, jedenfalls dieser Lehre nach obwohl sie nicht mehr bestehen? Ihre Sünden können es Ihnen doch nicht geben. Man will uns lehren, es gibt keine Unsterblichkeit, da über den Menschen das Urteil des Todes ausgesprochen sei und ferner, dass es kein Leben außer in Christus gibt. Sie sehen, wohin solche Gedankengänge führen: die Sünder haben Leben in Christus, um für ihre Sünden bestraft zu wer den, aber dieses Leben, das sie in Christus haben, ist kein ewiges Leben. Wäre es das, so müßten sie ewig unglücklich sein, da das ewige Glück oder die Errettung nicht ihr Teil sind. Darüberhinaus würde dieses Leben, das sie in Christus haben, um bestraft zu werden, dazu bestimmt sein, verzehrt zu werden durch den Zorn und das Gericht Gottes. Da dieses Leben also nicht in Christus ist, ein Leben, das von Ihm Selbst kommt, so macht auch der Tod dem Dasein eines Menschen kein Ende; der Tod hat keineswegs die Wirkung, die ihm fälschlich bei gemessen wird, mit einem Wort: der Mensch ist ein unsterbliches Wesen. Aber es gibt noch mehr Beweise: Wozu war wohl der Tod des Herrn Jesus nötig gewesen? Einige falsche Lehrer sagen, daß dieser Tod ganz einfach der Tod als Lohn der Sünde war nicht mehr. Aber "Er selbst hat unsere Sünden getragen". Wenn nun unsere Sünden, wie jene sagen, nur eine gewisse Bestrafung nach sich zögen, so hätte Christus nicht nötig gehabt, den Zorn Gottes, der uns als verlorene Sünder treffen muß, abzuwenden, sondern nur eine teilweise Pein. Aber darüberhinaus sagen sie, daß der Tod Christi für die Bösen den Tod abgewendet habe, damit sie noch bestraft werden könnten. Er hat also ihre Sünden nicht getragen, das ist doch klar -, da sie ja für ihre Sünden noch bestraft werden. Sie rechnen so, daß der Tod Christi nötig war, um den Bösen das Leben zu erhalten, damit sie bestraft und schließlich vernichtet werden könnten und daß der Tod Christi von Seiten Gottes zu diesem Zweck für sie bestimmt war. Achten Sie darauf, daß diese Irrlehrer alle möglichen Ausdrücke im Munde führen, nur nicht den von der "ewigen Pein", z. B.: ihr Ende ist das Verderben - sie werden das Leben nicht sehen - ihnen wird nicht vergeben werden - sie haben kein Leben in sich - Christus wird sie verleugnen -Er hat sie niemals gekannt-. . . Mit Hilfe solcher Formulierungen versucht man, an der wahren Bedeutung des griechischen Wortes "ewig" vorbeizukommen und läßt diesbezügliche Schriftstellen außer Betracht. Sie geben vor, das Wort "ewig" sei nur in Verbindung mit der Herrlichkeit des kommenden Tausendjährigen Reiches zu verstehen. Ich glaube an die Herrlichkeit jener Zeit, aber ich wiederhole, das im Griechischen das Wort "ewig" keinesfalls in dem von ihnen fälschlicherweise behaupteten Sinn zu verstehen ist. Ich fordere jeden, der Griechisch kann, auf, mir eine einzige Schriftstelle zu nennen, die diese Bedeutung haben könnte. Das Wort " e w i g " wird im Neuen Testament 68 mal gebraucht (und zwar das griechische Wort), wobei ich die 3 Schriftstellen nicht mitzähle, in denen es sich auf die Vergangenheit bezieht; in keinem Falle kann nachgewiesen werden, daß dieses mit Bezug auf das Tausendjährige Reich angewandt wurde. In vielen Fällen ist es offensichtlich, daß "ewig" ewig bedeutet, andere Stellen lassen eine Verbindung mit dem Reiche nicht zu, auch wenn gesagt wird, es sei darauf anzuwenden. Ich zitiere einige deutliche Stellen in bezug auf beide Punkte: Die folgenden Stellen zeigen zunächst unzweideutig die Bedeutung " e w i g : 2. Kor. 4,18: "das, was man sieht, ist zeitlich, das aber, was man nicht sieht, ewig". 2. Kor.5, 1: "Ein Haus, nicht mit Händen gemacht, ein ewiges, in den Himmeln". 1. Tim. 6,16: "welchem Ehre sei und ewige Macht". 1. Petr. 5,10: "der euch berufen hat, zu seiner ewigen Herrlichkeit". ferner Hebr. 5, 9; 9,12 u. 14. Diese Stellen zeigen deutlich, was die eigentliche Bedeutung des Wortes " e w i g " ist, im Gegensatz zu zeitlich. Weiterhin wird der Leser bald feststellen, daß auch der zweite Punkt der Irrlehre, nämlich daß mit "ewig" das Tausendjährige Reich gemeint sei, auf keinen Fall der Lehre der Bibel entspricht. Denn der Ausdruck " e w i g e s L e b e n " findet ebenso häufig Anwendung auf das Leben in Christus, das wir schon hier auf der Erde besitzen, als auch auf das Leben, das unser Teil in der zukünftigen Welt sein wird. Es handelt sich ja um Leben aus Gott, das uns tatsächlich gegeben ist, also um eine Wirklichkeit für diese Zeit als auch für die Ewigkeit. Ohne Zweifel wird das ewige Leben erst völlig offenbar werden in der Ewigkeit, aber natürlich besitzen wir es jetzt schon und so sagt es auch die Schrift, so daß der Ausdruck gewiß nicht einen Zustand im Reiche bezeichnet, ob gleich wir das Leben zu jener Zeit ebenso besitzen werden, wie es schon jetzt unser Teil ist. Das mit " e w i g " oder " a u f i m m e r d a r " übersetzte Wort bedeutet manchmal etwas, was nicht ewig ist, wobei aber der Zusammenhang Beachtung finden muß. Es wird benutzt, um die Dauer einer Sache auszudrücken, die sich beständig fortsetzt ohne unterbrochen zu werden, obschon die Sache ihrer Natur nach nicht fortwähren kann. Folglich bezeichnet es die ganze Dauer eines bestimmten Zeitabschnittes -wie das Leben eines Menschen oder den vollständigen Ablauf des gegenwärtigen bösen Zeitlaufs bzw. einen abgeschlossenen Zeitraum. Wird es jedoch gebraucht in Bezug auf das Thema, das uns beschäftigt, so gibt es nicht den geringsten Zweifel, daß es " e w i g " bedeutet, wie überall da, wo es nicht in einem besonderen Zusammenhang gebraucht wird, der die Bedeutung einschränkt. Wenn es an dererses mit " e w i g l i c h " oder " i m m e r d a r " übersetzt ist, bedeutet es niemals das Tausendjährige Reich wie es behauptet wird. Ich könnte weitere Argumente bringen, die sich auf die Verwendung des Wortes im Griechischen stützen. Aber ich möchte mich darüber hier nicht weiter verbreiten da ich fürchten muß, solche zu verwirren, die diese Sprache nicht verstehen. Dennoch finden wir in einer Schriftstelle, die Bezug auf unseren Gegenstand hat, einen klaren Beweis, daß das Wort " e w i g " sich nicht auf das Tausendjährige Reich bezieht. Die Stelle lautet: "Gehet von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln". Wie sie nun selber sagen, werden die Teufel und Engel dort nicht vor dem Ende des Tausendjährigen Reiches sein, so daß das Wort also unmöglich "Tausendjähriges Reich" bedeuten kann . Sie beharren weiter auf den Wörtern "vernichten" und "Vernichtung". Aber wir haben doch längst bewiesen, daß dieses hier keineswegs in dem Sinne zu verstehen ist, als würde ihr Sein ausgelöscht, weil ja ihr Fortleben nicht weniger lange währt als das der Glückseligen, ja, wie das Leben Gottes selbst. Übrigens ist es klar, daß in vielen Stellen dieses Wort wirklich nicht die Bedeutung hat, die ihm beigelegt wird. Das wird selbst der Titel zeigen, der dem Engel des Abgrundes gegeben ist: Er wird Apollyon genannt, was auch Vernichter bedeutet. Ohne Zweifel richtet er eine große Anzahl Menschen zugrunde, aber "vernichten" in dem angedeuteten Sinne kann er nicht. Das gleiche Wort wird auch in folgenden Stellen ge braucht: "Durch welche die damalige Welt, vom Wasser über schwemmt, unterging". Und "die verlorenen Schafe des Hauses Israels", und das ist der stärkste Ausdruck, der überhaupt gebraucht wird. Damit habe ich einige zuverlässige Beweise erbracht, die der Lehre der Schrift entsprechen und dem Worte Gottes entnommen sind. Auch habe ich eine Antwort gegeben auf die hauptsächlichsten Argumente beider Systeme, die auf Irrtümern errichtet sind. Ein aufmerksamer Christ wird finden, daß das eine wie das andere dem Werke Christi Abbruch tut, ebenso den Rechten und der Heiligkeit Gottes. In der Tat, stirbt also der Mensch und hat Christus und den Heiligen Geist abgewiesen -und für solche bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig -und sollte dann trotzdem errettet werden, so wäre es für uns nicht nötig, durch dieses Mittel errettet zu werden. Wenn andererseits der leibliche Tod allein der ganze Lohn der Sünde wäre, so wäre der Mensch nicht unsterblich. Damit würden die Leiden des Sohnes Gottes, Sein Verlassensein von Gott und das Fühlen der Rute Seines Zornes für nichts ge achtet. Sie sind dann nicht mehr die Folge der Heiligkeit und Majestät Gottes, die aufrecht erhalten bleiben mußten, eines Gottes, der "zu rein ist von Augen, um Böses sehen zu können". Würde man den falschen Lehrern folgen, hätte Christus jedenfalls von einer Gruppe von Menschen nur gewisse zeitliche Strafen abgewendet und sie anderen für eine Zeit auf erlegt, da ja ohne Ihn die Menschen aufhören würden zu existieren, so wie ein Pferd oder ein Hund. Er hätte also einigen das ewige Leben gegeben, anderen für eine gewisse Zeit Leben, um darin unglücklich zu sein. Ich denke, daß es nicht einen einzigen Christen gibt, der nicht sieht, daß Gott uns solches nicht lehrt Die Bibel liefert uns wirklich nicht den geringsten Anhaltspunkt, weder für die eine noch für die andere Lehre. Man führt an, daß im Kolosserbrief steht: "Es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen, und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen". Aber hier handelt es sich doch nur um die sichtbare Schöpfung, also sind die Geschöpfe ausgenommen, die im Philipperbrief erwähnt und verpflichtet sind, ihre Knie vor Ihm zu beugen. Sie werden als die Unterirdischen bezeichnet -genau gesagt also die Bewohner der Hölle. Aber diese sind doch nicht in die Versöhnung eingeschlossen. Vergleicht man also diese Stelle aus Kol. 1,19 -20 mit Phil. 2, so beweist sie genau das Gegenteil dessen, was man behauptet. Wir erhalten nun als Ergebnis unserer Untersuchung zwei Lehraussagen der Heiligen Schrift von größter Tragweite: 1. Die ewige Pein, als die schreckliche Folge des Hasses im Herzen der Menschen gegen Gott. 2. Die ewige Glückseligkeit, also die Folge der freien und gesegneten Gnade Gottes. Der eine wie der andere Grundsatz ist uneingeschränkt aufrechtzuerhalten, gemäß dem klaren Zeugnis der Bibel. Dieses Zeugnis wird, so kann allgemein gesagt werden, derjenige Christ glauben, dessen Herz einfältig ist. Nicht unbekannt sein dürfte, daß das gerechte Gericht, das Gott ausübt, und die Pein, die Er auferlegt, Seiner Gerechtigkeit entsprechen, "viele Schläge" oder "wenige S c h l ä g e " (Luk. 12, 47 u. 48). Zu beachten ist auch, daß ein Unterschied besteht zwischen solchen, die ohne Gesetz verloren gehen und solchen, die durchs Gesetz gerichtet wer den (obwohl beide von der Gegenwart Gottes ausgeschlossen und dem Gericht unterworfen sind, das Seine Widersacher treffen wird). Ebenfalls dürfte nicht unbekannt sein, daß Gott, Der in Seiner freien Gnade viele zur Herrlichkeit berufen hat, auch weiß, wann und wie Er ihnen einen Platz gibt zu Seiner Rechten und zu Seiner Linken in Seinem Reiche, und zwar so, "wie er einem jeden bereitet hat", also indem Er jedem seinen Lohn austeilt seinen Werken entsprechend. Dabei besteht kein Unterschied hinsichtlich ihres gemeinsamen Teiles, nämlich bei Christus in ewiger Glückseligkeit, ja, Ihm gleich zu sein. Der Gedanke an die ewige Pein ist in der Tat sehr ernst. Aber ich darf sagen, daß das Studium der Bibel über diesen Gegenstand nicht einen einzigen unklaren Gedanken betreffs der Wahrheit dieser Lehre in meinem Geist zurückgelassen hat. Gleichzeitig hat mich das Studium der Lehrsysteme, die dieser Wahrheit entgegenstehen, völlig überzeugt, daß sie trügerisch und oberflächlich sind, daß sie weder durch den Heiligen Geist eingegeben sein können, noch der Wahrheit des Wortes Gottes entsprechen und daß ein verständiges und ein gehendes Studium der griechischen Sprache, auf die sie sich ja berufen, ihre Behauptungen zuschanden macht. Wenn Sie noch in Ihren Sünden sind, merken Sie gut auf: Sie meinen vielleicht, berechtigt zu sein, Gottes Tun zu beurteilen und kompetent zu sagen, für welches Maß an Sünde Gott welches Maß an Strafe bestimmen soll. Bedenken Sie aber, daß es Gottes Sache ist, Sie zu richten. Die Vorstellung, daß Er Liebe ist und gemäß derselben zu handeln verpflichtet sei und es demnach keine ewige Pein geben dürfe, ist unverständig, böse und der Bibel entgegen. Er ist Liebe, aber Er ist Gott und handelt frei in Seiner Liebe gemäß Seiner Heiligkeit. Jawohl: Gott ist Liebe, aber der, welcher Liebe ist, ist GOTT. Liebe ist ein Wesenszug Gottes, aber die Frage lautet nicht: " W a s ist Er", sondern " W e r ist Er"? Gott ist auch Licht und "Er tut das, was Ihm gefällt". Beachten Sie allen Ernstes folgendes: Sobald Gottes Geist Ihr Gewissen berührt hat, wissen Sie, daß Sie es verdient haben, für immer aus der Gegenwart Gottes ausgeschlossen zu sein. Sie fühlen, daß der ewige Zorn Gottes und die ewige Pein Ihr verdientes Los ist. Solange Sie das nicht fühlen, wissen Sie noch nicht, was Sünde ist, in dem Sinne, wie Gott es uns hat wissen lassen. Ich bitte Sie deshalb sehr herzlich zu beachten, daß es sich bei dieser so wichtigen Frage weder darum handelt, was Er sein kann, noch was Er sein könnte. Sie sind ein Sünder. Also: fragen Sie ihr eigenes Gewissen: Was verdient die Sünde? Wenn es sich um die Frage handelt, was die Sünde verdient, so ist auch danach zu fragen, was Christus auf Sich genommen hat, als Er das Sühnungswerk vollbrachte: denn Er Selbst hat unsere Sünden getragen, ja mehr noch: Er wurde für uns zur Sünde gemacht. - Gott redet unmißverständlich von Zorn, Unwillen und Rache wegen der Sünde. Was war denn der der Sünde gebührende Zorn, den Christus ertrug, als Er unsere Sünden an Seinem Leibe auf dem Holze getragen hat? Das ist keine theoretische Frage über etwas, das sein k ö n n t e, vielmehr handelt es sich um das, was Sie errettet. Sie glauben doch wohl nicht, daß Christus, als Er Seine Seele als Opfer für die Sünde darbrachte, nur gewisse, vorübergehende Leiden ertrug und da durch für immer die Sünde aus der Gegenwart Gottes entfernte? Glauben Sie etwa, daß sich allein darauf der Zorn Gottes beschränkt hätte? Man versucht Sie zu verwirren, indem diese kostbare Wahrheit zu der Behauptung mißbraucht wird, daß die göttliche Natur des Christus Seinem Opfer einen unbegrenzten Wert gab. Daß es so ist, dafür sei Gott gepriesen! Aber "Er selbst hat unsere Sünden an seinem Leibe auf dem Holze getragen". "Gott hat ihn zerschlagen, er hat ihn leiden lassen". Er war in tiefer Betrübnis wegen unserer Missetaten. "Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden". War das, was Er für uns getragen hat, nur eine gewisse Summe zeitlicher Pein oder vielmehr der heilige Zorn Gottes, die Schrecknisse des Verlassenseins von Seiner Seite, während Er noch lebte und so das Opfer für unsere Sünden wurde? Hatten wir nicht diesen Zorn verdient, der uns von Gott trennt, obwohl unsere Seele Seine gesegnete Gegenwart kennen könnte? Es handelt sich nicht einfach darum, gestraft zu werden und schließlich auf zuhören zu existieren, obwohl Christus als göttliche Person Seinem Werke einen unendlichen Wert gegeben hat. Ein Geschöpf, das mit größter Kraft ausgestattet ist, hätte wohl die Qualen eines zeitlichen Gerichts ertragen können. Aber den Zorn und das Gericht, die die ewige Pein im Gefolge haben, konnte nur jemand, göttlich (und ewig) wie der Sohn Gottes, ertragen. Alle diejenigen, welche die ewige Pein verneinen, berufen sich manchmal auf Stellen im A. T. wie die folgenden: "Mein Geist soll nicht ewiglich mit dem Menschen rechten" 1. Mose 6, 3. "Denn ich will nicht ewiglich rechten und nicht auf immerdar ergrimmt sein; denn der Geist würde vor mir verschmachten, und die Seelen, die ich ja gemacht habe" Jes. 57, 16. Ferner: "Doch der Mensch, der in Ansehen ist. bleibt nicht; er gleicht dem Vieh, das vertilgt wird" (Ps 49, 12). Jeder einfältige und gottesfürchtige Leser kann aber an Hand von Schriftstellen wie den eben genannten selbst darüber urteilen, welchen Wert ein solcher Beweis hat. Offensichtlich liegt hier entweder eine kaum zu überbietende Unaufmerksamkeit oder ein großer Mangel an Aufrichtigkeit vor, wenn behauptet wird, dass solche Stellen irgendwelchen Bezug hätten auf das, was hier zur Debatte steht. Was die Stelle in 1. Mose 6, 3 betrifft, so liegt klar auf der Hand, dass es sich hier um die Geduld handelt, die Gott mit dem Menschen vor der Flut hatte, "während die Arche zugerichtet wurde", "als die Langmut Gottes", wie Petrus schreibt, "in den Tagen Noahs harrte". Ihre Geister wurden ins Gefängnis geworfen, nachdem sie gerichtet worden waren, was ein sehr klarer Beweis davon ist, da¢ sie nach ihrem Tode weiterleben.- Bezüglich der weiteren Stelle (Jes. 57, 16) ist festzustellen, dass Gott unzweideutig von Menschen spricht, die auf Erden leben. Wenn Er ewig mit ihnen rechten würde - wenn Er also nicht aufhören und nicht schonen würde - so könnte dies der lebende Mensch nicht ertragen und müsste zugrundegehen. Die Hindernisse -wird dort gesagt -sollten aus dem Wege Seines Volkes hinweggetan werden. Der Heilige, der hoch erhaben ist, würde den Geist derer beleben, die demütig sind und das Herz solcher, die zerschlagenen Herzens sind, und zwar deshalb: "weil Er nicht ewiglich rechten und nicht auf immer dar ergrimmt sein wollte". "Wegen der Missetat seiner Habsucht ergrimmte ich und schlug es . . . Seine Wege habe ich gesehen und werde es heilen usw.". Nun, wieso kann man das alles auf die Hölle beziehen? Unmöglich! Es sei mir gestattet, dem einfältigen Leser zu raten, eine angeführte Stelle stets in dem Zusammenhang zu lesen, bevor er eine neue Lehre annimmt. - Schliesslich möchte ich noch auf die 3. Stelle (Ps. 49) eingehen: Lesen Sie doch bitte den ganzen Psalm, und Sie werden so gleich sehen, dass es sich um irdischen Ruhm handelt. "Denn er sieht, daß die Weisen sterben, daß der Tor und der Unvernünftige miteinander umkommen und anderen ihr Vermögen lassen. Ihr Gedanke ist, daß ihre Häuser stehen in Ewigkeit . . . sie nennen Ländereien nach ihren Namen. Doch der Mensch, der in Ansehen ist, bleibt nicht; er gleicht dem Vieh, das vertilgt wird". Es dürfte doch schwer zu behaupten sein, dass die Worte "der Mensch, der in Ansehen ist, bleibt nicht", Bezug auf die Hölle hätten. "Man legt sie in den Scheol wie Schafe, der Tod weidet sie". - Unzweideutig will uns das Wort hier sagen, daß aller irdische Ruhm des Menschen mit dem Tode verblasst. Sein Ruhm folgt ihm nicht nach. Mag auch die Aussicht dessen, was nach dem Tode kommt, noch so dunkel sein, hier handelt es sich weder um die endgültige Vernichtung noch um die endgültige Wiederherstellung. Zum Schluss möchte ich noch ein Wort hinzufügen für den Leser, der die griechische Sprache wirklich gut kennt. Die Ethymologie kennt seit der Zeit des Aristoteles und durch ihn folgendes griechische Wort (aien on), was bedeutet "immerzu bestehend". Wollte man die Dauer des Lebens des Menschen ausdrücken, so war dieser Gedanke im vorgenannten griechischen Wort zu finden und von jeher wurde es auch in diesem Sinn gebraucht. Homer z. B. hat es sehr häufig benutzt, wenn er vom Tode seiner Helden spricht, aber auch noch in anderen Fällen. Es wird auch gebraucht von Herodot und von den attischen Dichtern, um damit auszudrücken: (anepneusen aiona). In einer der späteren Geschichtsepochen benutzte man den vorgenannten Ausdruck, um den ganzen Ablauf einer Periode und den ganzen Zusammenhang der Dinge in einem bestimmten Zeitabschnitt aufzuzeichnen. Benutzte man jedoch dieses Wort außerhalb eines Zusammenhanges und in der Bedeutung, die ihm ursprünglich innewohnte, war der Sinn E w i g k e i t " ganz klar. In einem Satz, den Philon schrieb, ist die Bedeutung unzweifelhaft: (en aioni de oute parelelythen ouden oute mellei alla mono hyphesteke). Dieser Satz besagt etwa: "In der Ewigkeit ist nichts Vergangenheit, nichts Zukunft, sondern es besteht nur immerfort". Abschließend sage ich noch (wie es schon andere bemerkt haben), daß Gott, als Er die Absicht hatte, eine Vorstellung von der ewigen Pein zu geben, keine stärkeren Ausdrücke hätte gebrauchen können als die von Ihm benutzten. Und in der Tat, es gibt keine stärkeren.
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  • Avatar von HPWepf
    18.09.2020, 12:01
    HPWepf hat das Thema in der Hölle quälen im Forum Biblische Lehre erstellt.
    E Klaus D. Am meisten kann ich nicht verstehen, warum ein Gott der Liebe unvollkommene Menschen für alle Zeiten in der Hölle quälen soll. Klaus
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  • Avatar von HPWepf
    18.09.2020, 11:28
    Was jetzt (nicht) unser Auftrag ist – als Christen in Corona-Zeiten „MAN MUSS GOTT MEHR GEHORCHEN ALS DEN MENSCHEN!!“ (Apg. 5,29) Virtuell schreit mein Freund mir diesen Satz entgegen. „Wer jetzt die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt hat, der will sie nicht sehen! Diese Zeiten fordern uns zum Handeln auf!“ „Amen!“ möchte ich sagen – lass uns losgehen, ein paar Freunden das Evangelium bringen, solange noch Tag ist! Aber das meint er nicht. Ich soll mir Youtube-Videos anschauen. Das meint er. ...!!! Videos über Bill Gates und Impfungen. Predigten über den Auftrag der Christen, den Staat auf die Sicherung der demokratischen Grundrechte zu verpflichten. „ Man muss Gott mehr gehorchen…“ – eine wichtige Wahrheit: Unser Gewissen ist gebunden an Gottes Wort. Aber was ist der Zusammenhang, in dem dieser Satz des Apostels Petrus dieser Tage meist kursiert? Gesundheitspolitische Maßnahmen, die unsere bürgerlichen Freiheiten zum Teil empfindlich einschränken, werden als unzulässig verstanden – vor allem da, wo sie auch unser Gemeinde leben betreffen. Der Grund für diese Deutung ist meist, dass man die Einschätzung bezüglich der Gefährlichkeit von Covid-19 nicht teilt oder dass man andere Maßnahmen, die geringere wirtschaftliche und gesellschaftliche Konsequenzen hätten, bevorzugen würde. Deshalb wird von den Kanzeln und in den Youtube -Kanälen zu Wachsamkeit bis Widerstand aufgerufen, es wird gerichtlich geklagt gegen Gottesdienstverbote, High-Noon-Stimmung, rote Linienwerden in den Sand der Livestream-Gottesdienste gezogen. Ich frage mich: Ist das unser Auftrag? Wollen wir wirklich „den Bekenntnisfall ausrufen“ über zeitlich begrenzte Virenschutzmaßnahmen, die alle Bevölkerungsgruppen in gleichem Maße treffen, keine ideologische Stoßrichtung haben und schon im Rückgang begriffen sind? Verfolgungs- oder eher Evangeliumszeit? Man bekommt hier und da den Eindruck: Die europäischen Christen wissen mehrheitlich nicht mehr, was Verfolgung heißt, und manche konstruieren sich jetzt eine überhöhte heilsgeschichtliche Bedeutung, indem sie eine allgemeine Krise (nicht für Christen im Besonderen!) in den Kontext historischer Christenverfolgung stellen. Aber das ist eine leichtfertige Überhöhung der Situation. Der oben zitierte Präzedenzfall für Ungehorsam gegen den Staat ist nämlich die Weigerung der Apostel, sich die Verkündigung des Evangeliums vom auferstandenen Christusverbieten zu lassen – der Kernbotschaft des christlichen Glaubens. Ich kann mich nicht entsinnen, in diesen Tagen an dem Zeugnis über die Hoffnung, die ich habe, gehindert worden zu sein. An vielen Orten fand die Kampagne für das Buch von John Lennox zu Corona überaus großen Anklang, in vielen Städten Deutschlands, Österreichs und weltweit gab es evangelistische Aufbrüche, und viele von uns haben erlebt, wie Kollegen und Freunde plötzlich offen waren für Gespräche über Gott. Wunderbar! Pandemien waren schon immer Zeiten, in denen Gottes Wort Raum gewinnen konnte –weil die Christen darin Gelegenheiten zum aufopfernden Dienst sehen konnten, nicht zur Rebellion gegen den Staat. Ich kenne Geschwister in Indien, die als einzige in den Siedlungen der gestrandeten Wanderarbeiter und den Lepra-Kolonien die nötigsten Lebensmittelverteilen – dort, wo nun auch noch Corona wütet und wo kein Regierungsbeamter mehr hingeht. Was für ein Zeugnis – wie gut, dass sie keine Youtube Aufklärungs-Kanäle betreuen müssen, sondern Zeit haben für ihren Dienst! Liebe Geschwister mit den Corona-Hintergrund-Botschaften, darf ich euch fragen: Es ist Evangeliumszeit, ein wenig, seit langem einmal wieder – woher nehmt Ihr nur die Zeit und den Auftrag, jetzt die Christen mit dritt- und viertrangigen Themen zu beschäftigen? Fast wie zur NS-Zeit? Manche hiesige Prediger und Social-Media-Verkündiger ziehen derzeit wenig subtile Parallelen zwischen NS-Staat und aktueller Lage – meist (nicht immer!) mit der Bemerkung, dass man noch nicht dort sei, aber sehen könne, wohin es führe, wenn die Christen dem Staat zu sehr hörig seien. Das stimmt. Das Risiko, schleichend in eine solche Situation zugeraten, ist heute mindestens so groß wie damals. Denn wir sind ja keine besseren Menschen, keine mutigeren Christen. In diesem Sinne kann man die Corona-Situation als Weckruf verstehen: Vielleichtwaren in diesem Fall die ergriffenen Maßnahmenvernünftig (ich kann das nicht beurteilen) – aber es bleibt der heilsame Schreck: Die Freiheiten und Rechte, auf denen wir mit unserem bequemen, wenig anstößigen und weitgehend gesellschaftskompatiblen Gemeindeleben ruhen, sind weit weniger sicher, als wir dachten. Das ist keine schlechte Erkenntnis, vielleicht zur rechten Zeit. Dennoch muss man mit aller Deutlichkeit festhalten: Die aktuelle Corona-Situation hat nichts mit den Eingriffen des NS-Staates in kirchliche Lehre und Praxis zu tun. Niemand schwört uns auf einen antigöttlichen „Führer“ ein, niemand zwingt uns zu rassistischen Gemeindesatzungen oder bedroht unser Leben, wenn wir Jesus als unseren Herrn bekennen. Wollen wir wirklich unsere im Netz und in der realen Welt jederzeit möglichen Vorträge über jede noch so abwegige These mit einer Predigt von Wilhelm Busch oder Paul Schneider in der NS-Zeit vergleichen? Predigten, die diese Männer die Freiheit und manchen das Leben kosteten? Ich kann beim besten Willen keine Parallele erkennen. Wenn ein Wilhelm Busch, oder Paul Schneider das eigene Leben riskiert oder drangibt, um einem wahnwitzigen Führerstaat entgegenzuhalten: „Ich muss Gott mehr gehorchen…“, dann ist es wirklich keine gute Idee, die aktuelle Situation damit in Verbindung zu bringen. Solche großen Gesten und fundamentalen Haltungen nutzen sich ab, wenn sie auf vergleichsweise nichtige Anlässe verschwendet werden. Rechte erstreiten? Petrus und die anderen Apostel führen keinen Rechtsstreit um ihr Recht auf Meinungsäußerung –sie tun, was sie tun, tragen die Konsequenzen und erleben Wunderbares. Petrus hat nichts Unrechtes getan, daher gebraucht er selbstverständlich die ihm gebotene Gelegenheit, das Gefängnis zu verlassen. Warum auch nicht? Er flieht ja nicht ins Ausland, sondern zurück auf die Straße. Am Ende bezahlt er mit dem Leben für seine Verkündigung. Sein Kampf war nicht der um sein Recht und seine Freiheit, sein Kampf war der um die Seelen seiner Mitmenschen. Dafür ging er auf die Straße, ins Gefängnis, aus dem Gefängnis, in den Tod. Ich bete, dass ich in solchen Zeiten (sollte ich sie erleben) solche Prioritäten setzen kann wie Petrus. Paulus ist vor Gericht in mehrere Prozesse verwickelt – weil er vor Gericht gezerrt wurde. Dort allerdings diskutiert er nicht Staatstheorie und Freiheitsrechte, sondern verkündigt das Evangelium und bezeugt seine Verpflichtung auf den Herrn Jesus Christus. Das ist zugegebenermaßen eminent politisch in einer Welt, die auf den Kaiser verpflichtet ist – und da findet sich in der Tat eine Parallele zu Wilhelm Busch und den Helden der Bekennenden Kirche, man höre sich z.B. Buschs Vorträge über seine „Begegnungen mit der Geheimen Staatspolizei an“. Aber da stehen wir in Deutschland heute nicht – verhöhnen wir nicht mit leichtfertigen Vergleichen die Geschwister, die wegen ihres Glaubens in Gefängnisse geworfen wurden und werden! Verschwörer identifizieren? Auch kann ich weder bei Paulus noch bei Petrus oder gar unserem Herrn die Kolportage von spekulativen Theorien über Reiche und Mächtige finden. Warum erfahren wir in den Evangelien nicht mehr über die „Verstrickung des sadduzäischen Priestertums mit römischen Machtstrukturen“? Warum klärt Paulus uns nicht auf der Grundlage „nicht näher genannter Quellen unter den Asiarchen“ über Netzwerke in der Götzenproduktion Kleinasiens auf? Anders herum gefragt: Müssen Prediger in einer Gottesdienstpredigt über Bill Gates sprechen, höchst umstrittene Unterstellungen inklusive? Man könnte wirklich meinen, einige Christen hätten in der Pandemie den Ausnahmezustand und im Netz den rechtsfreien Raum gefunden, die sie von der Verpflichtung auf die Wahrheit entbinden. Aber das ist fatal: Nur weil jemand reich und mächtig ist, dürfen Christen nicht öffentlich über ihn sagen, was nicht erwiesen ist. Nur weil es ihre Theorie zu stützen scheint, dürfen Christen nicht ungeprüft Behauptungen übernehmen. Hier steht unendlich viel auf dem Spiel – es gilt der Maßstab, der immer gilt: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ (5.Mo. 5,20).Verunsicherung verbreiten? Glücklicherweise ist es auch nicht die Art des Neuen Testaments, spekulatives Geraune zu verbreiten. Man zähle die Fragezeichen mancher Predigt dieser Tage: „Was ist, wenn wir in ein paar Monaten immer noch nicht Gottesdienst feiern dürfen? Was ist, wenn die Impfpflicht kommt? Was ist, wenn …“ –das ist der Stil des Populismus: Nichts behaupten, sondern fragen und verunsichern – eine düstere Zukunft, wabernd im Nebel des Konjunktivs! Was ist, wenn die Zukunft schwieriger wird als die Gegenwart? Ja, das ist nicht ganz ausgeschlossen, wenn man in die Bibel hineinschaut … Nun, dann werden wir uns hoffentlich in den Jahren davor nicht nur mit Angst schürenden Zukunftsvisionen beschäftigt haben, sondern mit Dingen, die „das Herz durch Gnade befestigen“. Worin bei mancher aktuellen Corona-Predigt der Mehrwert für Christen in Krisenzeiten liegen soll, ist schwer zu erkennen. Im Gegenteil: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Liest man etwa von Dornen eine Traube oder von Disteln Feigen?“ (Mt. 7,16). Ich sehe, was die Frucht dieser Predigten bei manchen Geschwistern ist: Zunehmende Angst, grassierende Verunsicherung, beständiges Kreisen um tagesaktuelle Politik, spalterischer Eifer, wachsender Hass. Tragisch: Wäre der missionarische Eifer mancher Geschwister in diesen Tagen statt auf Corona-Aufklärung auf den Herrn und das Evangelium gerichtet – was könnte der Herr durch sie alles tun! Weise Vorbereitung auf schwierige Zeiten Natürlich ist es eine berechtigte Frage: Wie bereitet man sich als Gemeinde vor auf Zeiten, in denen der Glaube vom Staat angegriffen wird? Eine wichtige Maßnahme ist: Nicht zu oft falschen Alarm ausgeben. Was hat die Christenheit schon gelitten durchfalsche Endzeitprophetien – welche Hysterien wurden schon durch „Zeitungsexegeten“ ausgelöst! Ich meine damit nicht, dass Christen keinen wachen Blick auf die Zeichen der Zeit haben sollten. Jesustadelt seine Zeitgenossen für ihre Unfähigkeit, diese Zeichen zu erkennen. Allerdings will er nicht zu politischer Rebellion aufrufen, sondern zu Buße und Glauben – und zu weisem Umgang mit der begrenzten Zeit: „Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann“(Joh. 9,4).„Heute im Kleinen treu sein“, das war sinngemäß der Rat von Pastor Wilhelm Busch auf die Frage, wie man sich vorbereitet auf Zeiten der Entscheidung. Wir sollten Freiheiten treu nutzen, solange sie da sind, statt ihren möglichen Verlust in der Zukunft wortreich zu beklagen! Es geht weit mehr „Evangeliumszeit“ verloren durch Faulheit und Weltlichkeit, Social Media und Streamingdienste als durch Verfolgung. Lasst uns die Hoffnung treu bezeugen, so oft jemand danach fragt! Immer noch sehr beeindruckend ist für uns westliche Christen die Reaktion der chinesischen Geschwister auf Maos Kulturrevolution– ganz nach dem nüchtern-realistischen Leitvers, „Kauft die gelegene Zeit aus, denn die Tage sind böse“ (Eph. 5,16): Angesichts der rasant sich schließenden Türen für das Evangelium starteten sie einen Evangelisationsfeldzug unter Aufbietung aller Kräfte. Unser Auftrag: Licht zu verbreiten und Salzen zu sein Was ist nun mein Auftrag in der Zeit der Krise? DIE Wahrheit: Jesus Christus (Joh.14,6). Das ist mein Gebet: Dass in dieser Zeit eine Hoffnung an mir sichtbar wird, die nicht von dieser Welt ist – und dass, wer mir zuhört, etwas erfährt von dem, der die Wahrheit ist. Wie sieht man an mir, dass Hoffnung und Wahrheit in meinem Leben Einzug gehalten haben? Sicher nicht, indem ich Botschaften voller Hoffnungslosigkeit, Verunsicherung und potentieller Unwahrheit verbreite! „So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“ (Mt. 5,16). Also haben meine indischen Freunde doch den besseren Weggewählt, oder? Geschwister, wir sind doch die mit der Hoffnung! Wir sind die mit dem Frieden! Wir sind die mit der Wahrheit! Ich frage meinen Freund: Wollen wir wirklich in der Ewigkeit einmal Rechenschaft über unsere Zeit ablegen und dann sagen: „Ich bin der, der die Corona-Verschwörung fast aufgedeckt hätte“– „Ich bin der, der den Menschen die Augen geöffnet hat über Bill Gates und die Zwangs-Impfung“? Ich weiß nicht, was ich über diese Themen denken soll, jedenfalls nicht sicher genug, um mich öffentlich dazu zu äußern. Aber eins weiß ich: Ich habe Wichtigeres zutun, Größeres zu verkünden, meine Bestimmung ist eine höhere als das. Und deine auch, oder? Nach: Matthias Swart, Weimar www.gesunde-gemeinden.de
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  • Avatar von HPWepf
    18.09.2020, 10:01
    HPWepf hat das Thema Gewissen im Forum Biblische Lehre erstellt.
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  • Avatar von HPWepf
    18.09.2020, 10:00
    HPWepf hat das Thema Muss ich gehen mit leeren Händen im Forum Evangelium erstellt.
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  • Avatar von HPWepf
    17.09.2020, 21:02
    HPWepf hat das Thema Es ist vollbracht im Forum Biblische Lehre erstellt.
    »Es ist vollbracht« Johannes 19,30 Daran gilt es festzuhalten: »Es ist vollbracht!« - Ich glaube an Christus: Ich habe sein Erlösungswerk am Kreuz als für mich geschehen in Anspruch genommen. Ich weiss, dass ich einer dieser Verlorenen war, die Er suchen und erretten wollte. Deshalb darf ich mich jetzt im Glauben auf sein Wort berufen: »Es ist vollbracht!« Ja, ich weiss: Manche Leute sprechen noch von guten Werken, die nötig seien, um für ewig in Sicherheit zu sein. Andere reden von Bussübungen, von Opfern, die man noch bringen müsse. Wieder andere sagen, es käme ganz auf unsere Treue und Wachsamkeit an, damit wir das ewige Heil nicht doch wieder verlieren. Doch Christus - mein Retter unsd Herr selbst - hat gesagt: « Es ist vollbracht!« Für mich bleibt im Blick auf das ewige Heil nichts mehr zu tun übrig. Er selbst hat alles getan, was nötig war. Gott fordert nichts mehr von mir. Er hat mir durch Christus alles geschenkt: Meine Sünden sind vergeben, ich bin mit Ihm versöhnt und zu Ihm gebracht. Er ist mein Vater, ich bin sein Kind. Die gerechte Strafe für meine Sünden hat Christus getroffen, deshalb komme ich nicht mehr ins Gericht. Durch seinen Sühnungstod habe ich ewiges Leben. Für alle Zeiten wird Er mir in Liebe begegnen. Und Er hat mir einen Platz in seiner Herrlichkeit, dem Haus des Vaters, gegeben. Bald werde ich dort sein. Wenn wir durch Glauben und Umkehr zur Familie Gottes gehören, wollen wir uns durch nichts irritieren lassen, sondern uns bewusst und fest auf dieses Wort unseres sterbenden Heilands stützen: »Es ist vollbracht!« Hebr 10,14 Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden. Fmn 08/20 E: E. K. W.
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  • Avatar von HPWepf
    16.09.2020, 20:43
    HPWepf hat auf das Thema Inspiration im Forum Biblische Lehre geantwortet.
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  • Avatar von HPWepf
    16.09.2020, 20:31
    HPWepf hat auf das Thema Corona und die Angst im Forum Christliches Leben geantwortet.
    Corona CH TG 16.09.2020
    85 Antwort(en) | 13059 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    16.09.2020, 15:56
    HPWepf hat das Thema Begriffserklärung: "In Christus" im Forum Biblische Lehre erstellt.
    Begriffserklärung: "In Christus" "Ich bin in Christus" bedeutet: "ich bin Christ" "Ich bin erwählt in Christus, bedeutet, dass Gott Sich in der Zeit von Pfingsten bis zur Entrückung Christen als Sein Vorrechtsvolk erwählt hat und Israel für diese Zeit "verdrängt" und auf Platz 2 gerutscht ist. ( →Nicht verworfen!) Siehe Römer 9 - 11. Juden und Heiden ( Nationen / Ethnien) können Christen werden (Epheser 2) und kommt so in die Stellung IN CHRISTUS, d.h. JEDER MENSCH hat die Möglichkeit in die Stellung AUSERWÄHLTER zu kommen ( → Leib des Christus) waren ein Geheimnis, welches in Gott verborgen war und diese Gruppe wurde nirgends im Alten Testament (TENACH) prophezeit oder angekündigt (Epheser 3.1-12; Kolosser 1.24-27). Seit der Erwählung Abrahams ("Wurzel Israels" 1. Mose 12) galt allein Israel als auserwähltes Volk. Man lese dazu Matthäus 3.9; Matthäus 21.33-46; → Vers 43! Souveräne Erwählung als Vorrechtsvolk: Römer 9.10-13 → Esau und Jakob stellen zwei Völker dar, 1. Mose 25.23, nämlich Israel und Heiden-Christen. (Christen bestehen vorwiegend - nicht ausschliesslich - aus Heiden / Nationen Ethnien). Die Gemeinde (Himmelsbürger) = Ewige = Himmlische Verheissungen) wurden in den Heilsplan Gottes mit Israel (irdische Verheissungen) eingeschoben.
    2 Antwort(en) | 241 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    16.09.2020, 11:40
    HPWepf hat auf das Thema Michael Kotsch → John MacArthur im Forum Irrlehre des Calvinismus geantwortet.
    Begriffserklärung: "In Christus" Ich bin in Christus bedeutet ich bin Christ "Ich bin erwählt in Christus, bedeutet, dass Gott Sich in der Zeit von Pfingsten bis zur Entrückung Christen als Sein Vorrechtsvolk erwählt hat und Israel für diese Zeit "verdrängt" und auf Platz 2 gerutscht ist. ( →Nicht verworfen!) Siehe Römer 9 - 11. Juden und Heiden ( Nationen / Ethnien) können Christen werden (Epheser 2) und kommt so in die Stellung IN CHRISTUS, d.h. JEDER MENSCH hat die Möglichkeit in die Stellung AUSERWÄHLTER zu kommen ( → Leib des Christus) waren ein Geheimnis, welches in Gott verborgen war und diese Gruppe wurde nirgends im Alten Testament (TENACH) prophezeit oder angekündigt (Epheser 3.1-12; Kolosser 1.24-27). Seit der Erwählung Abrahams ("Wurzel Israels" 1. Mose 12) galt allein Israel als auserwähltes Volk. Man lese dazu Matthäus 3.9; Matthäus 21.33-46; → Vers 43! Souveräne Erwählung als Vorrechtsvolk: Römer 9.10-13 → Esau und Jakob stellen zwei Völker dar, 1. Mose 25.23, nämlich Israel und Heiden-Christen. (Christen bestehen vorwiegend - nicht ausschliesslich - aus Heiden / Nationen Ethnien). Die Gemeinde (Himmelsbürger) = Ewige = Himmlische Verheissungen) wurden in den Heilsplan Gottes mit Israel (irdische Verheissungen) eingeschoben. N. JJ
    12 Antwort(en) | 781 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    16.09.2020, 07:44
    HPWepf hat das Thema 4 Irrlehren zerstört im Forum Irrlehre des Calvinismus erstellt.
    4 Irrlehren zerstört Juan Jeremias
    0 Antwort(en) | 84 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    16.09.2020, 07:42
    HPWepf hat auf das Thema Michael Kotsch → John MacArthur im Forum Irrlehre des Calvinismus geantwortet.
    Juan Jeremias
    12 Antwort(en) | 781 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    14.09.2020, 20:28
    HPWepf hat auf das Thema Arbeiten über die Schöpfung, v. Dr. Markus Blitz im Forum Schöpfung geantwortet.
    siehe dazu:: SENSATIONELLER FUND IN RUSSLAND:Bär fletscht nach 39’000 Jahren immer noch die Zähne Auf der Neusibirischen Insel am Nordpolarmeer wurde ein Bärenkadaver gefunden. Diese Tiere lebten in der europäischen Kaltzeit. Für die Wissenschaft ist der Fund von grosser Bedeutung. Im Norden Russlands ist ein Bärenkadaver gefunden worden. Northeastern Federal University in Yakutsk Er ist vollständig erhalten mit allen inneren Organen. Northeastern Federal University in Yakutsk Für die Wissenschaft ist dieser Fund von grosser Bedeutung. Northeastern Federal University in Yakutsk Der Bär wurde auf der Neusibirischen Insel gefunden. Es ist nicht der erste sensationelle Fund in dieser Region. Google In Sibirien wurden in den vergangenen Jahren immer wieder sensationelle Funde gemacht. Wie hier ein ausgegrabenes Fohlen. Keystone Darum gehts In Russland wurde ein Bärenkadaver gefunden, welcher aus der europäischen Kaltzeit stammt. Es handelt sich dabei um einen Höhlenbären. Für die Wissenschaft ist dieser Fund von grosser Bedeutung. Ein internationales Forschungsprojekt ist nun geplant. Im Norden Russlands ist ein gut erhaltener Kadaver eines jahrtausendealten Bären gefunden worden. «Er ist vollständig erhalten mit allen inneren Organen, einschliesslich der Nase», teilte die russische Universität in Jakutsk mit. Es handelt sich dabei um einen Höhlenbären. Diese Tiere lebten in der letzten Kaltzeit in Europa und starben den Angaben nach vor etwa 15'000 Jahren aus. «Dieser Fund ist weltweit von grosser Bedeutung», sagte die Wissenschaftlerin Lena Grigoriewa. Von diesen Bären seien bislang nur Knochen und Schädel entdeckt worden. Das Alter des Fundes wird demnach auf bis zu 39'500 Jahre geschätzt. Noch sei es aber zu früh, über das genaue Alter zu sprechen, hiess es. Das solle nun über eine Analyse des Kohlenstoffgehalts bestimmt werden. Erderwärmung gibt Fossilien frei Rentierhirten hatten den Kadaver auf der Neusibirischen Insel am Nordpolarmeer gefunden. Wissenschaftler hoffen nun, dass die DNA des Höhlenbären erhalten geblieben ist – ähnlich wie zuvor bei Mammut-Funden in Sibirien. Es werde ein internationales Forschungsprojekt dazu geben, kündigte die Universität an. In Sibirien wurden in den vergangenen Jahren immer wieder sensationelle Funde gemacht. Wegen der Erderwärmung schmilzt der Permafrost in Teilen Russlands und gibt gut erhaltene Fossilien frei. siehe dazu::
    2 Antwort(en) | 218 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    14.09.2020, 19:28
    Arbeiten über die Schöpfung, von Dr. Markus Blitz 01 Im Anfang war der grosse Knall? 02 Invasion der Ausserirdischen? 03 Droht uns der Klima- Kollaps? 04 Das Wunder der Schmetterlinge 05 Hat Darwin recht? 06 Vom Affenmenschen zum Übermenschen? 07 Wie alt ist die Welt? 08 Das Verschwinden der Wollhaar Mammuts 09 Evolution oder Degeneration? 10 Drachen oder Dinosaurier? Momentan nicht gefunden 11 Nach uns die Sintflut? 12 Die letzte Diktatur? 13 Wo kommt alles her? 14 Wie viele Universen gibt es? 15 Universum oder Multiversum? 16 Geht es immer weiter aufwärts? 17 Kommt das Leben aus der Ursuppe? Geheimnisvolle Höhlenwelt Woher kommt die Menschheit? Transgender - Die Auflösung der Geschlechter? Der Vogelgesang - Nichts für "Spatzenhirne"! Korallenriffe - Hatte Darwin recht? Viren - Unerwünschte Erreger oder unverzichtbare Helfer? Kommt der Mensch Version 2.0? Aus Afrika oder Babel - Woher kommt die Menschheit? Eine flache Erde, und weiterer Unsinn Eine Widerlegung von Ideen, die es ohne Internet nicht gäbe von Robert Carter und Jonathan Sarfati übersetzt von Markus Blietz
    2 Antwort(en) | 218 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    14.09.2020, 12:24
    HPWepf hat auf das Thema Das Evangelium des Paulus im Forum Evangelium geantwortet.
    Reich Gottes versus Versammlung / Gemeinde od. Kirche Unterschiede zwischen den Herausgerufenen der Gnadenzeit und dem Reich Gottes ≠ Kögreich der Himmel <tbody style="box-sizing: inherit;"> Kriterium Reich Gottes Gemeide / Versammlung / Kirche Erwähnung Versammlung Erwähnung Tenach und Lehrbriefen Nur in den Lehrbriefen, da Geheimnis Ziel Für die Schöpfung, Ende: 1.Kor 15,24 Für das Vaterhaus – ewig (Offb 21,1-8) Umfang der Gläubigen Alle wiedergeborenen Gläubigen zu allen Zeiten + „Scheinjünger“ (=“Unkraut“) + Menschen im 1000-j. Reich Alle wiedergeborenen Gläubigen in der Zeit von der Ausgießung des Heiligen Geistes bis zur Entrückung Zugehörigkeit Durch Bekenntnis (Röm 10,9) und durch neue Geburt (Joh 3,3.5) „Scheinjünger“: nur durch Bekenntnis (Taufe, Mitglied) Durch neue Geburt und Innewohnen des Geistes Gottes (1. Kor 6,19) „Falsche Brüder“ (Gal 2,4): Durch „Schein“-Christsein Annehmen Man kann das Reich annehmen (Mk 10,15par) In einem Geiste zu einem Leibe getauft (1. Kor 12,13) Erben Es gibt Erben des Reiches (Mt 25,34; 1.Kor 6,9f.;15,50; Gal 5,21; Eph 5,5; Jak 2,5) Es gibt keine Erben der Versammlung Kinder Kinder des Reiches (Mt 8,12; 13,38) Es gibt keine Kinder der Versammlung Beziehung zu Christus Er ist aller Herr (Apg 10,36), und König (u.a. Ps 2) Er ist das Haupt des Leibes (Kol 1,18) Erwartung Erscheinung des Herrn in Herrlichkeit – 1000-jähriges Reich Kommen des Herrn zur Entrückung ins Vaterhaus (1.Thess 4,17) Umgang mit Bösem „Unkraut“ wächst zusammen mit „Weizen“ (Mt 13,30), bis zur Ankunft des Herrn Gefragt: Persönliche Treue auf dem Acker der Welt „Hinaustun“ des Bösen (1.Kor 5,13), schon zur Abwesenheit des Herrn Gefragt: Absonderung vom Bösen im Hause Gottes Ämter/Dienste Keine Ämter oder Dienste Apostel, Älteste, Diener, Lehrer, Propheten, Evangelisten, Hirten Evangelium Evangelium des Reiches (Mt 4,23; 9,35; 24,14; Apg 8,12) Evangelium der Gnade Gottes/von Christus Gemeinschaft der Gläubigen Nicht stark ausgeprägt, allenfalls Mt 19,28 Eines der Hauptkennzeichen der Gnadenzeit Derzeitige Form Das Königreich ist nicht aufgerichtet, da der König nicht auf der Erde ist (Hebr 2,8) Die Versammlung existiert, obwohl Jesus nicht auf der Erde ist => Himmlische Berufung (Hebr 3,1) Umfang der Macht Irdische (Mt 19,28, Dan 7,27) und himmlische Macht („Macht und Herrlichkeit“) Keine irdische Macht, aber zukünftige himmlische Macht? </tbody>
    1 Antwort(en) | 178 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    14.09.2020, 08:07
    HPWepf hat auf das Thema Michael Kotsch → John MacArthur im Forum Irrlehre des Calvinismus geantwortet.
    Lieber Holger, Vielen Dank, ich habe es Juan weitergeleitet.
    12 Antwort(en) | 781 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    14.09.2020, 04:35
    HPWepf hat auf das Thema Michael Kotsch → John MacArthur im Forum Irrlehre des Calvinismus geantwortet.
    =AZWfdyESKJy6T6rQ0IPpc2SpcASO4S_vIrGFgW5XtWSUosXsjqunglLeN6mmT4NJuQ0F-1A0ry3LXrQAv7zWADDoAx3bY3wUCCE6lxLGYQBWyUdY9a1IL25NaNf0pkW3BI8VMeCDg2anYrnckFasEEu7&__tn__=-]C%2CP-y-R"]Juan Jeremias „=AZWfdyESKJy6T6rQ0IPpc2SpcASO4S_vIrGFgW5XtWSUosXsjqunglLeN6mmT4NJuQ0F-1A0ry3LXrQAv7zWADDoAx3bY3wUCCE6lxLGYQBWyUdY9a1IL25NaNf0pkW3BI8VMeCDg2anYrnckFasEEu7&__tn__=-UC%2CP-y-R"]Calvinismus - Dämonische Irrlehre unterwandert Christenheit“ Hast Du gewusst, dass in vielen Bibelkommentaren das Wort ERKAUFT - wenn es auf Christen angewendet wird - meint, dass der Herr Jesus ihre Sünden getragen hat, doch wenn es auf Verlorene angewendet wird (2Petr 2,1), keiner weiss was es bedeutet, es nur als eine Bezeichnung für „sie gehören Ihm“ gedeutet wird, jedoch NICHT, dass Er Ihre Sünden getragen hat? Calvinistische „Begrenzte Sühnung“ ganz perfid neu verpackt. 200 Jahre „copy and paste“. So viel zum Thema „Wir sind bibeltreu und prüfen!“ Auf die Frage, ob unser Herr Jesus die SündeN VON JEDEM MENSCHEN am Kreuz getragen habe (erkauft!), will ich ein JA oder ein NEIN hören und KEIN hinterhältiges „im Hinblick“ oder „es reiche für alle“ (versteckte Floskel der „Brüder“ für BEGRENZTE SÜHNUNG). Ein Beispiel von dem bekannten Bibellehrer William Kelly https://www.soundwords.de/ist-christus-fuer-die-suenden-der-ganzen-welt-gestorben-a605.html?fbclid=IwAR2m5VmezjkMD7XuakljYcbHNBWeuQAezKyW2sEIEBYGt-cTN6QFJgDbUsY Danke für die Kenntnisnahme. Calvinismus Gotteslästerung in der Brüderbewegung: https://www.bbkr.ch/AV%20Exklusive%20Darbysten/ohne_titel_8.html
    12 Antwort(en) | 781 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    14.09.2020, 04:12
    HPWepf hat auf das Thema Karl Barth im Forum Sonderlehren geantwortet.
    Kennt jemand einen evangelischen "Pfarrer" / Theologen der nicht ein Allversöhner/ Gotteslästerer ist?
    11 Antwort(en) | 5233 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    13.09.2020, 12:13
    HPWepf hat das Thema Das Evangelium des Paulus im Forum Evangelium erstellt.
    Das Evangelium des Paulus Pauls beruft sich auf den Tenach = Das so genannte Alte Testament 1. Kor 15,1: Ich tue euch aber kund, Brüder, das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet, 1. Kor 15,2: durch welches ihr auch errettet werdet (wenn ihr an dem Worte festhaltet, das ich euch verkündigt habe) es sei denn, daß ihr vergeblich geglaubt habt. 1. Kor 15,3: Denn ich habe euch zuerst überliefert, was ich auch empfangen habe: daß Christus für unsere Sünden gestorben ist, nach den Schriften; 1. Kor 15,4: und daß er begraben wurde, und daß er auferweckt worden ist am dritten Tage, nach den Schriften; <gesetzt><da ist="">Apg 8,26: Ein Engel des Herrn aber redete zu Philippus und sprach: Stehe auf und geh gegen Süden auf den Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt; derselbe ist öde. Apg 8,27: Und er stand auf und ging hin. Und siehe ein Äthiopier, ein Kämmerer, ein Gewaltiger der Kandace, der Königin der Äthiopier, der über ihren ganzen Schatz gesetzt war, war gekommen, um zu Jerusalem anzubeten; Apg 8,28: und er war auf der Rückkehr und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaias. Apg 8,29: Der Geist aber sprach zu Philippus: Tritt hinzu und schließe dich diesem Wagen an. Apg 8,30: Philippus aber lief hinzu und hörte ihn den Propheten Jesaias lesen und sprach: Verstehst du auch, was du liesest? Apg 8,31: Er aber sprach: Wie könnte ich denn, wenn nicht jemand mich anleitet? Und er bat den Philippus, daß er aufsteige und sich zu ihm setze. Apg 8,32: Die Stelle der Schrift aber, welche er las, war diese: "Er wurde wie ein Schaf zur Schlachtung geführt, und wie ein Lamm stumm ist vor seinem Scherer, also tut er seinen Mund nicht auf. Apg 8,33: In seiner Erniedrigung wurde sein Gericht weggenommen; wer aber wird sein Geschlecht beschreiben? denn sein Leben wird von der Erde weggenommen." Apg 8,34: Der Kämmerer aber antwortete dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet dieses? von sich selbst oder von einem anderen? Apg 8,35: Philippus aber tat seinen Mund auf, und, anfangend von dieser Schrift, verkündigte er ihm das Evangelium von Jesu. Apg 8,36: Als sie aber auf dem Wege fortzogen, kamen sie an ein gewisses Wasser. Und der Kämmerer spricht: Siehe, da ist Wasser; was hindert mich, getauft zu werden? Apg 8,37: Apg 8,38: Und er hieß den Wagen halten. Und sie stiegen beide in das Wasser hinab, sowohl Philippus als der Kämmerer; und er taufte ihn. Apg 8,39: Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus; und der Kämmerer sah ihn nicht mehr, denn er zog seinen Weg mit Freuden. Apg 8,40: Philippus aber wurde zu Asdod gefunden; und indem er hindurchzog, verkündigte er das Evangelium allen Städten, bis er nach Cäsarea kam. Das ist die berühmte Geschichte des äthiopischen Eunuchen, der die Prophetie von Jesaja in Kapitel 53 liest. Philippus wird zu ihm geschickt, um ihm die Bedeutung dieser Prophetie zu erklären. Wir lesen in Vers 35, dass «beginnend von dieser Schrift» Philippus ihm Jesus gepredigt hat. Beginnend mit Jesaja 53, st es Philippus möglich, die Messianität Jesu zu zeigen. Der äthiopische Eunuch ist so beeindruckt von der Art und Weise, in der Jesu Leiden und Sterben auf Jesajas Beschreibung des Messias passt, dass es ihn überzeugt und er sofort Christ wird. </da></gesetzt>
    1 Antwort(en) | 178 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    13.09.2020, 12:10
    HPWepf hat das Thema Das erste und das 2 Kommen Christi im Forum Prophetie erstellt.
    Das erste und das 2 Kommen Christi Sach 9,9: Frohlocke laut, Tochter Zion; jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König wird zu dir kommen: gerecht und ein Retter ist er, demütig, und auf einem Esel reitend, und zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin. Sach 9,10: Und ich werde die Wagen ausrotten aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen wird ausgerottet werden. Und er wird Frieden reden zu den Nationen; und seine Herrschaft wird sein von Meer zu Meer, und vom Strome bis an die Enden der Erde. Vers 9 geht auf das erste Kommen ein, Vers 10 auf das zweite.
    1 Antwort(en) | 138 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    13.09.2020, 05:47
    HPWepf hat das Thema Hesekiel 21.25-27 im Forum Prophetie erstellt.
    Um was geht es in Hesekiel 21.25-27?
    0 Antwort(en) | 55 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    12.09.2020, 10:03
    HPWepf hat auf das Thema Lukas und Matthäus im Forum Biblische Lehre geantwortet.
    Lieber Bruder Giovanni Das ist ein ganz weites Thema das Du da angeschnitten hast es beginnt schon auf der ersten Seite der Bibel: Man wird durch Gottes Geist da hineingeführt wenn man von vorne an in der Bibel liest und dann: > ∞ Link 1 ab S 46: Maria Menschen ohne Mutter Gottheit Christi
    2 Antwort(en) | 102 mal aufgerufen
  • Avatar von HPWepf
    11.09.2020, 19:39
    HPWepf hat auf das Thema Herrschaft Christi im Forum Biblische Lehre geantwortet.
    Lieber Andreas herzlich willkommen in Forum! Das Thema geht tief! einerseits ist es absolut so, wie es Holger geschrieben hat, andernseits ist es sicher auch gut, wenn Du Dir mal folgende Links anschaust um zu verstehen was los ist in der Christenheit .... Link 1 Link 2
    2 Antwort(en) | 157 mal aufgerufen
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