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Thema: Sacharja Vers für Vers

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    Sacharja Vers für Vers

    Herzliche Grüsse
    Hans Peter

    3. Mo 5,1

    Und wenn jemand sündigt, daß er die Stimme des Fluches hört, und er war Zeuge, sei es daß er es gesehen oder gewußt hat, wenn er es nicht anzeigt, so soll er seine Ungerechtigkeit tragen;


  2. #2
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    AW: Sacharja Vers für Vers

    Sacharja CAC R Lee

    Kapitel 1

    Das erste Wort an Sacharja lenkte die Aufmerksamkeit
    auf den Zustand des Abfalls, der Gottes Zorn über Sein
    Volk gebracht hatte; es war ein Ruf, zu Ihm zurückzu-
    kehren, und dann wollte Er zu ihnen umkehren (V. 3).
    Die früheren Propheten hatten sie aufgefordert umzu-
    kehren, aber sie hatten nicht gehört. Nun sollten sie an-
    erkennen, daß das, was über sie gekommen war, die Folge
    davon war. Für uns nun ist es wichtig zu 13achten, daß
    Gottes Prophezeiungen im Blick auf die Tage gegeben
    wurden, in denen wir leben, und unser Maß geistlichen
    Lichtes und Gedeihens hängt sehr davon ab, daß wir
    sehen, sie sind zustandegekommen. So sind zum Beispiel
    des Herrn Worte in Matth. 13, 24-33 Prophezeiungen
    darüber, was aus dem Reiche der Himmel öffentlich wer-
    den würde, es endete damit, daß die große Masse ganz
    durchsäuert war. Des weiteren tun Pauli Abschiedsworte
    an die Ältesten zu Ephesus kund, daß nach seinem Ab-
    schiede verderbliche Wölfe zu ihnen hereinkommen wür-
    den, die der Herde nicht schonen, und daß sogar aus
    ihnen selbst Männer aufstehen würden, die verkehrte
    Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her
    (Apg. 20, 29 u. 30). 2. Tim. 3 gibt eine. andere Prophe-
    zeiung über den Zustand des christlichen Bekenntnisses
    in den Letzten Tagen, und der zweite Thessalonicherbrief
    warnt vor dem kommenden Abfall. Offb. 2 und 3
    geben uns einen prophetischen Überblick über die Ge-
    schichte der Kirche, er endet damit, daß der Herr Laodi-
    zäa als äußerst ekelhaft aus Seinem Munde ausspeit. Der
    zweite Brief des Petrus und der des Judas sind in der
    Hinsicht beachtenswert. Wir müssen nun anerkennen, daß
    alle diese Prophezeiungen erfüllt sind oder im Begriff

    107



    stehen es zu werden, so daß das christliche Bekenntnis der
    offenbare Gegenstand des Gerichts ist. Wenn wir das nicht
    sehen, werden wir nicht viel Licht von Gott über die
    Hilfsquellen erlangen, die einem treuen Überrest am Tage
    des Abfalls zur Verfügung stehen. Es gibt Hilfsquellen,
    doch sie werden nur denen kundgetan, die die Wahrheit
    über die allgemeine Lage anerkennen. Sacharja war ein
    junger Mann (Kap. 2, 4) und stellt die jugendliche Kraft
    dar, die zu einem treuen Dienste in den Tagen des Über-
    restes nötig ist.
    Das zweite Wort an Sacharja geschah in Gestalt eines
    Gesichts, es versicherte ihm und denen, die auf ihn hörten,
    daß Jehova großes Interesse an Jerusalem hatte, obwohl
    Seiner Regierung gemäß Sein Zorn siebenzig Jahre wider
    dasselbe entbrannt gewesen war. Der auf dem roten Rosse
    reitende Mann hat einen hervorragenden Platz in diesem
    Gesicht, in Vers 11 wird er der Engel Jehovas genannt;
    nach Vers 8 hielt er zwischen den Myrten im Talgrunde.
    Diese stellen, wie ich glaube, den treuen Überrest dar, und
    damit. daß der Mann auf dem roten Rosse unter ihnen
    war, gab Gott ihnen und uns die Zusicherung, daß mit
    uns Einer ist, der weit größere Macht hat als die Reiche,
    die nach Gottes Anordnung auf dieser Erde bestehen. Der
    Überrest, zu dem Sacharja gesandt wurde, war zweifellos
    mit dem Buche Daniel bekannt und wußte, daß auf Erden
    vier Königreiche aufeinander folgen würden, das erste
    derselben bestand schon nicht mehr, und so wird hier nur
    von dreien berichtet. Worauf es jedoch ankam, war, daß
    sie alle drei hinter dem Mann auf dem roten Rosse ge-
    sehen wurden. Die drei Rosse stellen alle die irdischen
    Mächte dar, mit denen das Volk Gottes in Berührung
    kommen würde bis zur Aufrichtung des Reiches des Sohnes
    des Menschen; sie alle werden hinter dem Mann auf dem
    roten Rosse gesehen, weil dieser in dem Gesicht den Herrn
    als Den darstellt, dem nach Matthäus 28, 18 alle Gewalt
    im Himmel und auf Erden gegeben ist. Es gibt große

    108

    Mächte, die von Jehova ausgesandt sind, die Erde zu
    durchziehen, doch der Glaube sieht sie alle hinter dem
    Manne auf dem roten Rosse. Er steht unter den Myrten
    im Talgrunde, die solche darstellen, die zu Christo ge-
    kommen und Ruhe von Ihm empfangen haben und von
    Ihm, dem Sanftmütigen und Demütigen lernen, indem
    sie Sein Joch auf sich nehmen (Matth. 11, 28-30); nur
    solche haben Ihn unter sich und verstehen, daß Er ihre
    Hilfsquelle ist. Die aus der Gefangenschaft Zurückgekehr-
    ten liefen Gefahr zu denken, sie könnten den Bau des
    Hauses Gottes nicht fortsetzen ohne die Genehmigung der
    Könige von Persien. Gott aber wollte, daß sie dieses Werk
    allein dem von Ihm gegebenen Lichte gemäß wieder auf-
    nahmen, und zwar weil Er darin mit ihnen war. Nach
    Esla 5 begannen sie tatsächlich zu bauen ohne eine Er-
    laubnis des Königs Darius; sie handelten in dem Lichte
    dessen, was Haggai und Sacharja ihnen gebracht hatten.
    Diese Bewegung begann nicht in Verbindung mit dem
    Cyrus oder Darius oder Artaxerxes der Weltgeschichte,
    sondern mit dem Engel Jehovas und damit, daß er sich
    für sie verwandt hatte.
    „Da hob der Engel Jehovas an und sprach: Jehova der
    Heerscharen, wie lange willst du dich nicht Jerusalems
    und der Städte Judas erbarmen, auf welche du gezürnt
    hast diese siebenzig Jahre?" (V. 12.) Wenn wir das auf
    unsere Tage anwenden, so ist, denke ich, der Schluß ge-
    rechtfertigt, daß die gegenwärtige Neubelebung, die in
    den letzten hundert Jahren ihren Fortgang nahm, die Ant-
    wort auf die Fürsprache Christi ist. Jerusalem stellt das
    gemeinsame Teil und die Freude aller in Christo geseg-
    neten Heiligen dar. Jerusalem war der göttliche Mittel-
    punkt, wo sich ganz Israel vereinte Gott zu nahen; es war
    die Stadt, die Er Sich erwählt hatte, Seinen Namen dahin
    zu setzen (1. Kön. 11, 36; 14, 21; 2. Chron. 6, 6; 12, 13),
    so daß kein anderer Mittelpunkt mit ihr in Wettbewerb
    treten konnte. Wenn Gottes die ganze Welt umfassenden

    109




    Gedanken einen Platz in unseren Herzen bekommen, so
    sehen wir, daß wir und alle Heiligen in Beziehung zu
    ihnen stehen; alles Engere, nur einen Teil Umfassende
    und Sektiererische fällt dann weg, da es sich mit unserer
    geistlichen Anschauung nicht verträgt. Wir, wissen, daß
    des Herrn Gebet für die Seinen war, daß sie alle eins
    seien, und es ist höchst lehrreich zu sehen, daß Seine Für-
    sprache in den Tagen des Überrestes, wie wir sie auf seiten
    des Engels Jehovas in Sach. 1 finden, dahin geht, daß
    Gottes Gedanken mit Bezug auf die ganze Welt wieder in
    Seinem Erbarmen zum Ausdruck kommen möchten. Er
    begehrt damit, daß sie einen derartigen Platz in dein
    Glauben und dem Herzen der Heiligen haben, daß sie
    ihrein Miteinanderwandeln und ihrem Gottesdiente das
    Gepräge verleihen. Wenn Jerusalem das Weltumfassetide
    darstellt, so können wir die Städte Judas als die örtlichen
    Versammlungen auffassen, in denen Gottes weltumfassen-
    den Gedanken entsprochen wird und sie gemeinsam ge-
    nossen werden, ungehindert durch irgendwelche mensch-
    lichen Anordnungen. Ich denke, es ist recht, anzuerkennen,
    daß das Neuaufleben dieser großen und kostbaren Wahr-
    heiten durch die Fürsprache Christi zustandekam, und
    wenn wir das bedenken, so wird ein Abweichen von ihnen
    etwas sehr Ernstes.
    Die Reiche, die Gott erstehen ließ, als Er den Nationen
    die Obergewalt übertrug, taten zu der Zeit nichts für
    Jerusalem. Die Engel konnten nur berichten: „Die ganze
    Erde ist still und sitzt ruhig", und das tat sie, trotzdem
    Jerusalem eine Ruinenstätte war und das Haus Gottes
    wüste lag. Gott hatte die Nationen gebraucht, Sein Volk
    zu züchtigen, sie aber waren in dem, was sie taten, bis
    zum Äußersten gegangen. Er sprach: „Ich habe nur ein
    wenig gezürnt, sie aber haben die Drangsal weitergetrie-
    ben." Gott war daher außerordentlich über die Nationen
    erzürnt, die es sich bequem machten und sich nicht um
    die Stadt kümmerten, die Er liebte, und so tat Er dem
    110


    Propheten kund, daß Er „mit großem Eifer für Jerusalem
    und für Zioii" eifere, und fügt dem in Vers 16 hinzu:
    „Ich habe mich Jerusalem wieder mit Erbarmen zuge-
    wandt; mein Haus, spricht Jehova der Heerscharen, soll
    darin gebaut und die Meßschnur über Jerusalem gezogen
    werden." Das heißt, Gott übernimmt auf die Fürsprache
    des Engels hin diese Angelegenheit Selbst. Welch ein Trost
    ist es zu wissen, daß die Neubelebung in unseren Tagen
    das Werk Gottes Selbst ist, und dies als Antwort auf die
    Fürsprache Christi! Wir können gewiß sein, daß Er Sich
    darum kümmert, wenn es auch nur ein kleiner LJberrest
    ist, der Seinen Gedanken erfaßt hat. Es entspricht gar
    nicht dem Gedanken Gottes, daß die ganze Erde still sitzt,
    während Jerusalem von den Nationen zertreten wird (Luk.
    21, 24). Alle menschlichen Anstrengungen, der ganzen
    Welt Frieden zu bringen, werden versagen. Der Friede
    auf Erden hängt davon ab, daß Jerusalem seinen Platz
    als die Stadt des großen Königs bekommt (Ps. 48, 2). In-
    zwischen haben wir zu erfassen, was gegenwärtig den Platz
    Jerusalems und des Hauses daselbst eingenommen hat und
    Gottes Hauptinteresse ausmacht. Ohne das klar zu sehen,
    können wir das Buch Sacharjas gegenwärtig nicht richtig
    anwenden. Paulus sagt uns in Gal. 4, 25, daß das jetzige
    Jerusalem mit ihren Kindern in Knechtschaft ist, doch er
    redet dort auch von dem, was unser Jerusalem genannt
    werden kann, und sagt: „Aber das Jerusalem droben ist
    frei, welches unsere Mutter ist" (V. 26). Sonach gibt es
    gegenwärtig ein geistliches Jerusalem, wenn wir auch zu-
    geben müssen, daß seine Wesenszüge durch das christ-
    liche Bekenntnis schon lange entsetzlich verdunkelt wor-
    den sind. Der Segen Abrahams ist in Christo Jesu zu den
    Nationen gekommen, auf daß wir die Verheißung des
    Geistes empfingen durch den Glauben, und nun sind die
    Gläubigen alle Söhne Gottes durch den Glauben, und sie
    sind in Christo Jesu alle eins (Gal. 3, 14. 26. 28). Die
    Freiheit, die wir in Christo Jesu haben, ist von Anbeginn
    111

    ein Hauptgegenstand des Angriffs des Feindes gewesen; er
    will uns in Knechtschaft sehen. Als die Christen Von dem
    gedanken der Segnung in Christo Jesu abkamen (und
    das geschah sehr früh in der Geschichte der Kirche), gab
    man damit Gottes Gedanken und Seine wahre Gnade auf,
    und Sein Volk geriet in Gefangenschaft. Das ganze Lehr-
    gebäude der Gesetzesknechtschaft kam in das, was Chri-
    stentum zu sein bekannte, und dem öffentlichen Zeugnis
    nach ward Jerusalem ein Trümmerhaufen. Wie konnte es
    irgendwelche Freiheit oder Freude vor Gott geben, wenn
    die Rechtfertigung aus Glauben nicht gekannt wurde und
    die Leute in ihren Seelen auf dein Boden dessen gehalten
    wurden, was sie dem Fleische nach waren ? Die Refor-
    matio') war Gottes Anfang, Sich Jerusalem voll Erbarmen
    wieder zuzuwenden, und von der Zeit an brach in das
    Dunkel der Christenheit immer mehr Licht herein, bis es
    Gott gefiel, vor reichlich hundert Jahren den Dienst Pauli,
    was das Evangelium und die %ersammlung anlangt,
    wiederherzustellen. Gottes weltumfassende Gedanken der
    Segnung in Christo lebten im Gegensatz zu des Menschen
    falschen Gedanken über das, was „katholisch- (allum-
    fassend) war, wieder auf. Und als der Glaube und das
    Herz derer, die Freiheit in Christo Jesu genossen, die Ein-
    heit aller Heiligen als solcher erfaßte, die in Christo ge-
    segnet Waren, kam man von der Knechtschaft des Sekten-
    und Priestertunis ab, und die Heiligen fanden, daß sie im
    Lichte der Gedanken Gottes über alle Seine Berufenen
    zusammenkommen und anbeten konnten. Es mag man-
    chen als etwas Geringes erscheinen. daß einige schwache
    Heilige imstande sein sollten. der Wahrheit gemäß mit-
    einander zu wandeln; doch gerade darin sehen wir, daß
    Gott Sich Jerusalem wieder voll Erbarmen zugewandt hat.
    Damit machte Er das, was von lhm herrührte und was
    jahrhundertelang verdunkelt und geleugnet worden war,
    zu einer tatsächlich vorhandenen und greifbaren Wirk-
    lichkeit.
    112

    „Und Jehova antwortete dem Engel, der mit mir redete,
    gütige Worte, tröstliche Worte" (V. 13). Es ist kostbar
    daran zu denken, daß Christus dafür eintritt, daß Gottes
    ursprüngliche Gedanken und Vorsätze am Ende der Ge-
    schichte der Kirche in einem Uberrest neu aufleben soll-
    ten, und daß Gott Ihm darauf mit gütigen und tröst-
    lichen Worten antwortet. Gott gab Christo den besonderen.
    Trost, daß ein Liberrest die Wahrheit erfassen sollte, daß
    Er das Haupt sei, er sollte Seiner Liebe entsprechen und
    seine Vereinigung mit ,Ihm als Seine Brüder vor Seinem
    Gott und Vater kennen. 0, daß die Christen allenthalben
    dahin kämen, in diese kostbaren Wahrheiten einzugehen,
    und die Wunder der großen Gedanken Gottes erfaßten,
    wie sie besonders in dem Dienste des Apostels Paulus zum
    Ausdruck kommen! Gott hat diese Gedanken in Seinem
    Erbarmen wieder aufgenommen. Er hat sie zwar nie auf-
    gegeben; doch Er ist gleichsam zu ihnen zurückgekehrt in
    Seinen Wegen tatsächlicher Segnung, so daß Tausende
    von Heiligen über die ganze Welt hin ihre Freude und
    Gemeinschaft mit Gott und miteinander in diesen kost-
    baren göttlichen Wirklichkeiten finden. Auf diese Weise
    sorgte Gott für den Trost des Herzens Christi, und das am
    Ende einer Geschichte, in der so vieles in den Versamm-
    lungen aufkam, was Seine Züchtigung notwendig machte.
    Jehova wollte, daß der Uberrest wußte, daß, wenn sie
    an Seinem Hause arbeiteten, sie mit dem beschäftigt
    waren, was Er vor Sich hatte, und so sprach Er zu ihnen:
    „Ich habe mich Jerusalem wieder mit Erbarmen zuge-
    wandt; mein Haus, spricht Jehova der Heerscharen, soll
    darin gebaut und die Meßschnur über Jerusalem gezogen
    werden" (V. 16). Was kann es Ermutigenderes geben als
    die Gewißheit, eben das zu tun, was Gottes gegenwärtiges
    Ziel ausmacht? Würde nicht jedes Ihm ergebene Herz
    ein derartiges Vorrecht wahrhaft schätzen ? ich glaube,
    wir können heute ohne Bedenken sagen, daß die Meß-
    schnur über Jerusalem gezogen wird. Das heißt die kost-

    8 Kleine Propheten
    113




    baren und weltumfassenden Gedanken Gottes werden be-
    ständig in dem Dienste des Wortes in einer Weise hervor-
    gebracht und begründet wie noch nie seit den Tagen der
    Apostel. Wenn wir kein klares Verständnis über den Bau
    der Stadt Gottes haben, so liegt das nicht am mangelnden
    Dienst. Jedes Jahr fügt seinem klar gekennzeichneten Ge-
    biet etwas hinzu. Der Geist Gottes hört nicht auf, zu den
    Versammlungen zu reden, solange sie auf Erden sind, und
    dies, da'rnit die Grundzüge der Wahrheit immer klarer
    hervortreten. Wir wissen, daß sie in der Schrift fort-
    während dargetan werden, doch der Dienst des Geistes
    läuft beständig darauf hinaus, sie den Auffassungen und
    dem Verständnis der Heiligen der Versammlung klarer zu
    machen. Jede weitere Zunahme darin mehrt das Wohl-
    gefallen Gottes an Seinem Volke.
    Der letzte Abschnitt unseres Kapitels bringt uns ein
    anderes Gesicht. In Vers 18-21 heißt es: „Und ich hob
    meine Augen auf und sah: und siehe vier Hörner. Und
    ich sprach zu dem Engel, der mit mir redete: Was sind
    diese? Und er sprach zu mir: Diese sind die Hörner, welche
    Juda, Israel und Jerusalem zerstreut haben. Und Jehova
    ließ mich vier Werkleute sehen. Und ich sprach: Was wol-
    len diese tun? Und er sprach zu mir und sagte: Jene sind
    die Hörner, welche Juda dermaßen zerstreut haben, daß
    niemand mehr sein Haupt erhob; und diese sind gekom-
    men, um sie in Schrecken zu setzen und die Hörner der
    Nationen niederzuwerfen, welche das Horn gegen das Land
    Juda erhoben haben, um es zu zerstreuen." Wir sehen hier,
    wie vier Reiche der Nationen ihre Macht dazu benutzten,
    das Volk Gottes zu zerstreuen. Der Vorsehung Gottes ge-
    mäß sind die obrigkeitlichen Gewalten dazu gesetzt, die
    Böses tun, zu bestrafen und die das Gute tun, anzuerkennen
    (Röm. 13, 1-3); soweit sie nun ihrem göttlichen Auftrag
    nachkommen, sind sie zugunsten des Volkes Gottes und
    haben sogar unter außergewöhnlichen Umständen, wie un-
    ter der Herrschaft des Kores (Cyrus) und zu anderen Zei-
    114


    ten die Angelegenheiten Gottes gefördert. Wir verdanken
    gegenwärtig in diesem Lande einer Regierungsform sehr
    viel, die uns, was den Dienst Gottes anlangt, nicht nur
    keine Schranken auferlegt, sondern uns sogar bei jeder
    Art von Angriffen in Schutz nimmt. Laßt uns ernstlich
    beten, daß uns diese Freiheit erhalten bleibt, sie ist ein
    außergewöhnliches Erbarmen Gottes. Weit öfter ist es der
    Fall gewesen, daß die „vier Hörner" ihre Macht zur Zer-
    streuung benutzt haben. Alle können sehen, daß die
    Mächte der Nationen Israel und Juda zerstreut haben, und
    unter der Macht Roms wurde Christus gekreuzigt, und die
    Heiligen hatten lange Jahre der Verfolgung zu erdulden.
    Den größten Teil der letzten neunzehnhundert Jahre
    haben die bestehenden Gewalten unter dem Einfluß eines
    verderbten Bekenntnisses gestanden, welches das Volk
    Gottes, wo es nur konnte, verfolgte und zerstreute.
    Wie außerordentlich ermutigend ist es doch, daß immer
    eine dem entgegenwirkende Macht vorhanden war. Die
    vier Werkleute waren die ganze Zeit zugegen und waren
    mit einer Kraft und Geschicklichkeit wirksam, die wahr-
    haft größer als die Hörner war, denn sie gingen der Nlacht
    und Weisheit Gottes gemäß vor. Handwerker sind Per-
    sonen, die eine aufbauende Tätigkeit ausüben, und ich
    glaube, daß sie im Gesichte Sacharjas die Kräfte dar-
    stellen, durch die Gott Sein geistliches Werk ausgeführt
    hatte, das die Heiligen auf ihren allerheiligsten Glauben
    aufzuerbauen suchte, damit sie gestärkt angesichts der
    Gegenwart und Wirksamkeit zerstreuender Mächte stand-
    halten konnten. In all diesen Zeitaltern war jeder treue
    Heilige ein Uberwinder, und die Tatsache, daß es Uber-
    winder gab, zeigt, daß die ganze Zeit über ein aufbauen-
    des Werk stattfand. Wie muß es die schwachen Bauenden
    in den Tagen Sacharjas ermutigt haben, zu wissen, daß,
    wenn sie wirklich für und mit Gott bauten, eine Macht
    mit ihnen war, die den zerstreuenden Mächten weit über-
    legen war! An einem Tage, wo solche am Werke sind, ist es

    115



    ,
    gut, daran zu gedenken. Zerstreuende Mächte können sitt-
    lich nur dadurch überwunden werden, daß wir das tat-
    sächliche Werk Gottes fortsetzen. Die wahrhaft aufbauen-
    den Mächte sind stärker als die Hörner. Pauli Werk zum
    Beispiel hat sich weit stärker erwiesen als die ganze
    Macht der Cäsaren, denn es hat in Myriaden Herzen etwas
    auferbaut, was keine irdische Macht zu zerstören ver-
    mochte; und so steht es bis zu einem gewissen Grade mit
    jedem wahrhaft geistlichen Dienst am Worte und aller
    wirklich geistlichen Tätigkeit.
    Welchem Druck wir auch ausgesetzt sind, wir haben
    uns mit dem, was auferbaut, zu befassen; der Bau des
    Hauses hat unser Hauptinteresse, unsere Haupttätigkeit
    zu sein. Es mag dem natürlichen Auge nicht scheinen, daß
    die aufbauende Kraft größer als die zerstreuende ist, im
    göttlichen Lichte jedoch ist sie es ganz bestiniint. In Zei-
    ten des Drucks ist es höchst wichtig, daß der Dienst des
    Wortes weitergeht und wir einander auferbauen. Die
    „Werkleute" müssen geschäftig am Werke sein, damit
    das Sammeln weitergeht, statt des Zerstreuens. Gott er-
    schüttert die Weltlage, um das im Blick auf Sein Haus
    Notwendige zusammenzubringen, wie wir in Haggai
    sehen. Er baut Seine Heiligen auf, damit die sie zerstreu-
    ende Tätigkeit, von wem sie auch ausgeübt werde, zu-
    schanden wird. Möchte die Erwägung alles dessen dazu
    dienen, daß wir wie der Überrest vor alters in unserem
    Bauen Fortschritte machen.

    Kapitel 2

    In einem weiteren Gesichte sieht Sacharja einen Mann
    mit einer Meßschnur in seiner Hand und fragt ihn: „Wo-
    hin gehst du ? Und er sprach zu ihm: „Jerusalem zu
    messen, um zu sehen, wie groß seine Breite und wie groß
    seine Länge ist" (V. 2). Das aus diesem Gesicht erkenn-
    bare Ergebnis der Tätigkeit der „Werkleute" ermöglichte
    116

    es, etwas Bestimmtes über das Jerusalem nach den Ge-
    danken Gottes festzustellen. Die ganze Breite und Länge
    der Gedanken Gottes über Seine Versammlung kommt
    vor uns. Der Mann mit der Meßschnur hat ihr ganzes
    Gebiet vor sich, und zwar im Blick auf seine vier Seiten,
    die das Weltumfassende andeuten. Wenn Gott Sich Jeru-
    salem Voll" Erbarmen zuwendet, so tut Er das im Blick
    auf ein Jerusalem von bestimmten Abmessungen, die
    Seinen eigenen Gedanken entsprechen. Keine geistliche
    Person könnte auf den Gedanken kommen, daß das christ-
    liche Bekenntnis heutzutage den Gedanken des Herrn oder
    der Lehre Seiner Apostel entspricht. Nach außen hin ist
    alles in einem Trümmerzustand, wie in den Tagen Sachar-
    jas; Gottes Eingreifen in Gnade aber lenkt unser Augenmerk
    auf das, was Er vorhat. Das aufbauende Werk heutzutage
    geschieht Seinem Plan gemäß. Wenn wir nicht darauf
    achten, daß alles den Abmessungen Gottes entspricht, so
    haben wir kein Ziel vor uns und wir werden tatsächlich
    wenig zum Aufbau beitragen, sondern mehr oder weniger
    zum Ruin.
    Der Mann mit der Meßschnur lenkt unsere Gedanken
    auf das, was Gott vorhat, und deutet an, daß Er es in
    offenbarer Weise durchführen werde. Die völlige Erfül-
    lung der Weissagung dieses Kapitels ist die Errichtung
    des Jerusalems auf Erden, als Stadt der Wahl Gottes. Das
    wurde dem Erberrest vorgestellt, um ihn an einem Tage,
    kleiner Dinge zu ermutigen. Sie sollten die große Aus-
    dehnung dessen vor sich haben, was Gott an einem kom-
    menden Tage der Herrlichkeit für Jerusalem tun würde,
    damit es ihnen Anreiz und Stärke am Tage so vieler
    Schwäche sei. Was dem entspricht, haben wir in unseren
    Tagen: Gott hat die ganze Breite und Länge dessen, was
    Er mit der Versammlung im Sinne hat, vor Seine Heiligen
    gebracht, und dies deshalb, damit es beim Aufbau Gestalt
    gewinne, und zwar in einer bestimmten und lebendigen
    Weise. Gottes Jerusalem heute ist durch den Tod Christi

    117



    zustandegekommen. Kajaphas weissagte: „1)aß Jesus für
    die Nation sterben sollte", und dem wird hinzugefügt:
    „und nicht für die Nation allein, sondern auf daß er auch
    die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte" (Joh.
    11, 51 u. 52). Dieses In-eins-Versammeln der Kinder Got-
    tes ist das Jerusalem, das Gott heutzutage erwählt und
    liebt. Sodann hat der Sohn Gottes als der Ilirte der
    Schafe gesagt: „Und ich habe andere Schafe, die nicht aus
    diesem Hofe sind; auch diese muß ich bringen, und sie
    werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und
    ein I lirte sein" (Joh. 10, 16). Welch ein Gegensatz ist das
    den vielen 1 löfen der Christenheit gegenüber! Doch das ist
    Gottes Gedanke. kein Gläubiger könnte das auch nur einen
    Augenblick in Frage stellen. Was dann die Gabe des Hei-
    ligen Geistes anlangt, so sagte Petrus am Pfingsttage:
    „Denn euch ist die Verheißung und euren Kindern und
    allen, die in der Ferne sind, so viele irgend der Herr,
    unser Gott, herzurufen wird" (Apg. 2, 39). 1)aß alle von
    Gott Herzugerufenen dieselbe göttliche Gabe empfingen,
    brachte eine solche Einheit zustande, wie sie nie zuvor
    auf Erden gekannt worden war. Davon redet auch 1. Kor.
    12, 13: „Denn auch in der Kraft des einen Geistes sind
    mir alle zu einem Leibe getauft worden, es seien Juden
    oder C riechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle
    mit einem Geiste getränkt worden." Alle, die in Christo sind,
    sind „ein Leib in Christo, einzeln aber Glieder von ein-
    ander" (Röm. 12, 5). Der Gedanke verschiedener Parteien
    und Meinungen könnte in der Tat nicht in den Kreis ein-
    geführt werden, den die Schrift als „in Christo" und „in
    Christo Jesu" bezeichnet. Nichts mit der Wahrheit Un-
    verträgliches darf in der Versammlung Gottes Fuß fassen,
    denn sie ist „der Pfeiler und die Grundfeste der Wahr-
    heit" (1. Tim. 3, 15).
    Fassen wir diese Gedanken zusammen, denen noch gar
    manche andere Schriftstellen hinzugefügt werden könn-
    ten, so bekommen wir einen Begriff von dem, was jetzt
    118

    der Stadt Jerusalem nach Sacharja entspricht. Gott wirkte
    eine Neubelebung Seiner kostbaren Wahrheit im Dienste
    des Wortes und in den einsichtigen Zuneigungen Seiner
    Heiligen und kehrte so dadurch in Seinen Wegen des
    Erbarmens und der Segnung zu Seinen ursprünglichen
    Gedanken zurück, daß Er Sein Volk dahin brachte, zu
    ihnen zurückzukehren. Die Breite und Länge Seiner Gnade
    und Seines Ratschlusses in Christo sind uns gleichsam ab-
    gesteckt worden, damit wir sie erfassen, in ihnen leben
    und miteinander wandeln als solche, die in der lebendigen
    Kraft davon stehen. Aus der vorliegenden Schriftstelle
    ersehen wir, daß Jerusalem nicht nur gemessen, sondern
    auch bewohnt werden sollte: „Als offene Stadt wird Jeru-
    salem bewohnt werden wegen der Menge Menschen und
    Vieh in seiner Mitte" (V. 4). Gottes Absicht ist nicht, 4ie
    Wahrheit der Versammlung an sich vor uns zu haben; von
    uns aufgenommen, sollte sie in unserem Wandel ausge-
    wirkt werden, denn sie kommt keineswegs als ein Zeugnis
    vor uns, es sei denn, daß lebende Personen darin wandeln.
    Gott führt Sein Volk in diesen letzten Tagen dahin, Jeru-
    salem zu bewohnen. Wenn wir mit unseren Brüdern in
    der Wahrheit dessen zu wandeln suchen, was Gottes Ge-
    danke für alle Seine Heiligen ist, so hat Er Wohlgefallen
    an uns, und wir erfahren Seinen Schutz in besonderer
    Weise: „Und ich, spricht Jehova, werde ihm eine feurige
    Mauer sein ringsum, und werde zur Herrlichkeit sein in
    seiner Mitte" (V. 5). Wenn wir uns dem völlig widmen,
    was von Gott ist, so wird Er uns sicherlich beschützen; die
    Versammlung Gottes, „die er sich erworben hat durch das
    Blut seines Eigenen" (Apg. 20, 28), ist Ihm nicht weniger
    kostbar als Jerusalem, sie ist heutzutage das wahre Jeru-
    saletn, und Gott ist die Herrlichkeit in ihrer Mitte. Es gibt
    keine derartige Herrlichkeit wie Gott in der Mitte Seiner
    Heiligen. 0, daß wir mehr erwarteten, das zu erfahren,
    wann immer wir zusammenkommen! Das kann natürlich
    nur dann geschehen, wenn ein heiliger Zustand vorhanden
    119

    ist. Wo Christus von Herzen geschätzt wird und alle die
    Freiheit, die in Christo Jesu ist, genießen und dem Fleische
    kein Platz geben wird, steht dem nichts entgegen, daß
    die Herrlichkeit Gottes in der Mitte Seiner Versammlung
    gekannt wird. Solchen, die in Glauben und Liebe an Gottes
    Gedanken über Christum und die Versammlung festhal-
    ten, wird Gott „eine feurige Mauer ringsum sein". Im
    christlichen Bekenntnis gibt es viel. das des Schutzes nicht
    wert ist, denn sein Geruch kommt vom Menschen und
    nicht von Gott. Die Frage an uns alle ist: Haben wir für
    Gott Wert als solche, die dem von Herzen zugetan, sind,
    was in Seinen Augen kostbar ist? Auch nur wenige Hei-
    lige, die miteinander in Wahrheit und Liebe wandeln,
    werden finden, daß Gott ihnen „eine feurige Mauer rings-
    um" ist. Diese Erkenntnis war vielleicht nie nötiger als in
    unseren Tagen.
    Dann ergeht ein gnadenreicher Ruf an die vielen, die
    nicht in Jerusalem wohnen, die also die Freiheit, die in
    Christo Jesu ist, nicht wahrhaft kennen. „Hui! hui! fliehet
    aus dem Lande des Nordens! spricht Jehova . . . Hui! ent-
    rinne, Zion, die du wohnest bei der Tochter Babels!" (V.
    6 u. 7.) Zu der Zeit war noch die große Masse der Juden
    in Babel, geradeso wie heute die große Masse des Volkes
    Gottes noch einer Kirchenwelt angehört, die sie der Frei-
    heit der Versammlungsvorrechte beraubt. Doch sie alle
    werden aufgerufen, der Knechtschaft zu entfliehen und
    zu ihrem wahren Platz der Freiheit zu kommen, wie er
    den Erbarmungen Gottes entspricht, die Gott Seinem
    Volke heute erweist. Jeder wahre Gläubige gehört Jeru-
    salem an und sollte seinem Herzen und seinen Beziehungen
    nach dort sein. Was Gott für einige von Seinem Volke
    getan hat, ist Er bereit für alle zu tun.
    bann haben wir in Vers 8 ein beachtenswertes Wort:
    „Denn so spricht Jehova der Heerscharen: Nach der Herr-
    lichkeit hat er mich zu den Nationen gesandt, die euch ge-
    plündert haben; denn wer euch antastet, tastet seinen
    120

    Augapfel an." Nach dem Einzuge der Herrlichkeit in Jeru-
    salem wird Gott gegen jede sich Ihm widersetzende
    Macht vorgehen. Wir wissen, daß nach der Vrherrlichung
    der Versammlung Gott das verderbte, götzendienerische
    Babylon richten wird (Offb. 17 u. 18). Doch durch Wieder-
    belebung der Wahrheit über die Versammlung und da-
    durch, daß Er Sich eine Ubereinstimmung mit ihr sicherte,
    hat Gott, wenn auch nur in einem kleinen Uberrest, schon
    in einem geistlichen Sinne die Herrlichkeit eingeführt.
    Das erfordert nun mehr denn je, alles Babylonische und
    Verderbende zu richten, denn wir können uns darauf ver-
    lassen, daß Babylon dem Jerusalem Gottes allezeit feind-
    lich gegenüberstehen wird, und deshalb ist es dem Ge-
    richte Gottes auf immerdar verfallen. Er ist außerordent-
    lich empfindlich gegen alles, was Sein Jerusalem antastet,
    „denn wer euch antastet, tastet seinen (d. h. Gottes) Aug-
    apfel an." Es könnte kein treffenderes Bild dafür ge-
    bracht werden, wie empfindlich Gott gegen alles ist, was
    die antastet, die Ihn lieben und als eine Gesamtheit in
    Seine Gedanken eingehen. Aus alledem wird uns wohl
    klar geworden sein, daß Jerusalem das darstellt, was die
    Heiligen miteinander gemein haben und gemeinsam mit-
    einander genießen, es stellt also eine Gemeinsamkeit dar.
    So sagt Jehova in Vers 10: „Jubele und freue dich,
    Tochter Zion! Denn siehe. ich komme und werde in deiner
    Mitte wohnen, spricht Jehova." Gott sichert Sich einen
    Platz, wo Er unter der Gesamtheit Seines Volkes wohnen
    kann. Glauben wir das wirklich? Sollte es nicht unsere
    Hauptsorge sein, Zustände aufrechtzuerhalten, die Seinem
    Wohnen in unserer Mitte entsprechen? Wir können uns
    kaum vorstellen, daß Gott in der Mitte Seiner Heiligen
    wohnt, ohne Sein Evangelium zu segnen, wie es in Vers 11
    zum Ausdruck kommt: „Und an jenem Tage werden sich
    viele Nationen an Jehova anschließen, und sie werden mir
    zum Volke sein." Da haben wir den Gedanken, daß sich
    andere an den inmitten Zions wohnenden Gott anschließen.
    121

    Was den Umfang der Gedanken Gottes anlangt, kommen
    wir zu kurz, wenn sich Seine Erkenntnis nicht ausbreitet;
    das sollten wir uns alle zu Herzen nehmen.
    In Vers 12 heißt es dann: „Und Jehova wird Juda als
    sein Erbteil besitzen in dem heiligen Lande und wird
    Jerusalem noch erwählen." Gott hat Menschen zu Seinem
    Erbteil erwählt. Welch ein wunderbarer Gedanke, wie tief
    sollte uns das ergreifen. Wenn wir unsere Herzen Seiner
    wunderbaren in Christokundgemachten Lebe öffnen und
    von dem Besitz ergreifen, was Er uns so bereitwillig ge-
    geben hat, werden wir Sein Erbteil. Wir können sicher
    sein, daß Gott nichts solche Freude bereitet, wie diese
    Vorsätze der Liebe betreffs Seiner Auserwählten, die in
    Christo Gestalt gewonnen haben. Er ist wirksam, daß sie
    derart in den Herzen der Menschen gekannt werden, daß
    Er die Ihm gebührende Danksagung und Anbetung be-
    kommt. In dem Maße, wie der Segen alles dessen, was Er
    kundmacht, in die Herzen Seiner Heiligen kommt, wird
    Ihm Preis und Herrlichkeit werden. Es kommt vor Ihn
    nicht nur als das, was Er in Seinem eigenen Herzen kennt,
    sondern als das, was in den Herzen derer, die Seine Ver-
    sammlung bilden, gekannt wird. Wenn solche Seine Ge-
    danken mit großer Freude erfassen, werden sie Sein Erb-
    teil. So wird es in Ewigkeit sein.
    Dieser Abschnitt des Buches endet mit der Aufforde-
    rung: „Alles Fleisch schweige vor Jehova, denn er hat
    sich aufgemacht aus seiner heiligen Wohnung" (V. 13).
    Wenn Gott Sich aufmacht, Seine Gedanken und Vorsätze
    in betreff SCiner Versammlung durchzuführen, so wird Er
    das der Ihm eigenen Weise gemäß tun. Uns sollte vor
    allem daran gelegen sein, in dem, was Er tut, mit Ihm
    zu sein und Ihm in Seinem Werke zur Verfügung zu ste-
    hen. Es ist wichtig zu beachten, daß das, was wir betrach-
    tet haben und was dem in diesem Buche folgt, zu einem
    aus der Gefangenschaft zurückgekehrten Volke geredet
    wurde, das Gottes Werk vernachlässigte; sie wohnten in
    122

    ihren eigenen Häusern, während Sein Haus wüste lag.
    Doch Er half ihnen und weckte ihre Tatkraft wieder auf,
    indem Er ihnen das vorstellte, was Er Sich in Seinem
    Herzen vorgenommen hatte, und ihnen darlegte, was es
    in sich begriff, daß Er Sich Jerusalem wieder mit Er-
    barmen zugewandt hatte (Kap. 1, 16). Das war es gerade,
    was Gottes in solchen Umständen würdig war. In unseren
    Tagen nun möchte Gott uns, trotz der allenthalben ge-
    fühlten Schwachheit und des geringen Interesses an Seinen
    Dingen, daran erinnern, daß Er Sich aufgemacht hat, das
    durchzuführen, was Er im Sinne hat, und dies, damit wir
    nicht an das denken, was wir tun, sondern an das, was nEr
    tut, und uns von Herzen damit einsmachen. Jeder Gläubige
    sollte sich fragen: Tut Gott heute etwas mit Bezug auf
    die Versammlung, wie sie Seinen Gedanken entspricht?
    Hat Er Sich ihr wieder mit Erbarmen zugewandt? Wenn
    das der Fall, so möchten wir in dem, was Er tut, mit Ihm
    sein. Wie gering es auch erscheinen mag, wenn Gott das
    tut, so ist es in Wirklichkeit größer als alles andere in der
    Christenheit. Es ist in sittlicher Hinsicht wohlgeeignet, es
    mit alledem zu verbinden, was in der himmlischen Stadt
    entfaltet werden wird, eben deshalb verbindet Jehova in
    dem von uns betrachteten Buche die fortschreitende Neu-
    belebung mit all der künftigen Herrlichkeit Jerusalems
    und der Seines Hauses. Nur also betrachtet, konnte das
    Werk in einer Weise in Angriff genommen werden, die
    Gottes würdig war.
    Kapitel 3
    Hier kommt der das Volk in seinem tatsächlichen Zu-
    stande darstellende Hohepriester Josua vor uns; sogar das
    Priestertum war beschmutzt und für den heiligen Dienst
    unpassend geworden. Es war ein unreiner Zustand vor-
    handen, den Gott nicht übersehen konnte, denn Er ist
    Licht und gar keine Finsternis ist in Ihm (1. Joh. 1, 5).
    123

    Doch wenn Er Jerusalem erwählt hatte und zu ihm mit
    Erbarmen zurückgekehrt war, so mußte Er die Unreinheit
    hinwegnehmen und, damit Sein Dienst ausgeübt werden
    konnte, passende Zustände dafür einführen. Zweifellos ist
    vieles unter dem Volke Gottes aufgekommen, was Seinen
    Gedanken des heiligen Priestertums zuwider ist. Unser
    Schriftwort zeigt. daß sogar unter einem zurückgekehrten
    Uberrest die Kleidung der Priester schmutzig sein kann.
    Obwohl äußerlich aus der Gefangenschaft und Verderbt-
    heit Babels zurückgekehrt, war ein unreiner Zustand vor-
    handen, der es Gott unmöglich machte, einen Dienst in der
    Schönheit der Heiligkeit zu bekommen. Doch Gott in Sei-
    ner wunderbaren Gnade unternahm es sogar, einen solchen
    Zustand wieder in Ordnung zu bringen, weil es Sein Ge-
    danke war, das Ihm gebührende Teil unter Seinem Volke
    und dessen wohlannehmlichen Dienst zu empfangen.
    Es ist zu beachten, daß Satan persönlich in dieser An-
    gelegenheit gesehen wird; Gott nimmt gleichsam den Vor-
    hang hinweg und stellt die Quelle des aufgekommenen
    Bösen bloß. Sodann zeigt Er uns, daß der, der dessen
    Quelle war, alles tun würde, die Absichten der Gnade zu
    verhindern. Doch der „Engel Jehovas" war zugegen, und
    ich glaube, daß, wenn dieser Ausdruck in der Schrift ge-
    braucht wird, er immer in Beziehung zu Christo steht.
    Josua stand vor dem Engel Jehovas, war also des mäch--
    tigen Eingriffs Gottes in Christo gewärtig, und dahin stellt
    uns der Glaube, wie beschmutzt wir auch sein mögen, oder
    vielmehr das unendliche Erbarmen. Wenn wir diesen
    Standort einnehmen, wird Satan, was immer er vorhat zu
    tun, gescholten werden. Es handelt sich um Gottes Unum-
    schränktheit. Er hat Jerusalem erwählt, und Er hat ein
    Recht dazu. Und im Blick auf Josua sagt Jehova: „Ist
    dieser nicht ein Brand, der aus dem Feuer gerettet ist?"
    In der Gegenwart Satans besteht Gott auf Seinem Recht
    des Erbarmens: wenn Er gesonnen ist, einen Brand aus
    dem Feuer zu erretten, so tut Er das trotz Satans. Und je
    124

    einfältiger und völliger wir bereit sind, den Platz von aus
    dem Feuer geretteten Bränden einzunehmen, desto mehr
    werden wir den überschwenglichen Reichtum der Gnade
    Gottes in Güte gegen uns in Christo Jesu kennenlernen
    (Eph. 2, 7). Wer in seinem Verhalten dem entspricht, ein
    aus dem Feuer geretteter Brand zu sein, ist mit aller
    Selbstherrlichkeit zu Ende gekommen. Ich denke nicht, daß
    auch nur einer von uns seine schmutzigen Kleider losge-
    worden ist, ohne in ihnen in der Gegenwart Christi ge-
    standen zu haben. Josua muß gefühlt haben, welch ein
    Gegensatz zwischen ihm und dem Engel Jehovas bestand.
    Wir sollten beachten, daß das, wogegen hier vorge-
    gangen wird, nicht das Ungöttliche eines Weltmenschen
    ist, sondern ein unreiner Zustand des Priestertums; es han-
    delt sich hier um einen Verunreinigten, der, was den
    Dienst Gottes anlangt, die höchst mögliche Stellung inne-
    hatte. Daraus sehen wir, daß sogar unter religiösem Wan-
    del und dessen Vereinigungen schmutzige Kleider sein
    können, die uns für den Dienst Gottes unpassend machen.
    Gott will uns solcher Dinge entkleiden, und ich denke, Er
    benutzt den Dienst des Wortes, uns von dem freizumachen,
    was die Geistlichkeit unseres Dienstes vor Gott hindert;
    denen, „die vor ihm standen", ward gesagt, Josua die
    schmutzigen Kleider auszuziehen. Ich glaube, das tat Pau-
    lus bei den Galatern, als er ihnen seinen Brief schrieb,
    und bei den Korinthern in seinem ersten Brief an sie. Der
    Dienst ist da eine Hilfe, doch nur die wirklich vor Gott*
    Stehenden können uns da helfen, denn sie allein wissen,
    was dem Dienste Gottes angemessen ist. Aus der Schrift
    lernen wir, daß das Jüdische, das in den frühen Tagen
    der Kirche 'eingeführt wurde und wogegen der Apostel
    Paulus so beständig zu kämpfen hatte, in Wahrheit unrein
    war und „schmutzigen Kleidern" glich. Beschneidung, Ge-
    setzhalten, Beobachten von Tagen, Monaten, Zeiten und
    Jahren (Gal. 4, 10), alles Jüdische konnte nur verunreini-
    gen, da Gottes Gedanken in Christo kundgetan worden
    125


    waren. Vor Gott Stehende wissen, daß alles mit dem Men-
    schen im Fleische Verbundene verunreinigt, denn Gott
    mußte es vor Seinem Angesicht im Tode Seines Sohnes
    hinwegtun. Der Mensch im Fleische kann keinen Platz vor
    Gott oder in Seinem heiligen Dienste haben. Daß Christus
    für alle gestorben ist, beweist, daß alle tot waren (2. Kor.
    5, 14), und wir können nichts vor Gott in Seinem Dienste
    bringen, was Er als tot erachtet. Philosophie und eitler
    Betrug sowie in Niedriggesinntheit seinen eigenen Willen
    tun (Kol. 2, 8..18) sind „schmutzige Kleider", weil das
    alles, wie sehr es auch von den Menschen geschätzt wer-
    den mag, nicht Christus ist. Pauli großer Dienst war, Chri-
    stum zu verkündigen, um „jeden Menschen vollkommen in
    Christo darzustellen" (Kol. 1, 28). Wie vieles ist in dem,
    was bekennt, Gottesdienst zu sein, aufgekommen, was
    „nicht nach Christo" ist! (Kol. 2, 8.) Es sind alles
    „schmutzige Kleider", die zum heiligen Dienst unfähig
    machen. Der menschliche Verstand ist seinem Wesen nach
    unheilig, denn er vermag sich nicht über das Maß des Men-
    schen zu erheben, und der von Gott abgekommene Mensch
    ist unheilig. Wir haben sonach alle, angesichts der großen
    Fürsprache Christi, vor Gott zu stehen und zu sehen, wie
    Gott zu Seinem Wohlgefallen dafür gesorgt hat, uns mit
    Christo, also dem Wesen nach mit „Feierkleidern" zu be-
    kleiden.
    Und zu Josua sprach der Engel: „Siehe, ich habe deine
    Ungerechtigkeit von dir genommen, und ich kleide dich
    in Feierkleider" (V. 4). Es ist wichtig zu sehen, daß Gott
    dieses tut, daran hat kein menschliches Wirken einen An-
    teil. Es geschieht deshalb, damit Gott Sein Teil von den
    also Gekleideten bekommt. Gott hat Freude darüber, daß
    wir uns dessen bewußt sind, in Christo vor Ihm zu sein.
    Als von Gott berufene Heilige, können wir vor ihm über-
    haupt keine andere Stellung haben: jeder Gläubige, der
    den Geist hat, ist in Christo, wenn auch viele nur „Kind-
    lein in Christo" sein mögen (1. Joh. 2. 13), d. h. noch
    126


    klein sind in dem Erfassen dessen, was es ist, in Ihm zu
    sein. Ein Kindlein in Christo hat die Erlösung erfaßt,- die
    in Christo Jesu ist (Röm. 3, 24; Eph. 1, 7), darüber kann
    kein Zweifel sein. Gott hat unsere Ungerechtigkeit von uns
    genommen, nicht auf Grund eines Verdienstes auf unserer
    Seite, sondern auf Grund der Erlösung, die in Christo ist,
    und kraft Seines Blutes. Wir sind in Christo gerechtfertigt
    (Gal. 2, 16), d. h. wir sind nicht in uns selbst- gez.geht:«
    fertigt, sondern in einem anderen Menschen; das ist eine
    Sache des Glaubens an lhn. Ich denke, zuerst erfassen wir,
    was es heißt, in Christo zu sein, wenn wir sehen, daß die
    Erlösung in Ihm ist und wir in Ihm gerechtfertigt sind.
    Dann erfassen wir durch Gnade, daß es einen gesegneten
    Menschen gibt, der, der Sünde ein für allemal gestorben,
    Gott lebt, und daß wir uns durch Gnade der Sünde für
    tot halten können und Gott lebend in Christo Jesu
    (Röm. 6, 10 u. 11). Es gibt keinen anderen Weg, Gott zu
    leben, außer in Ihm; dem besten Bißchen Fleisch, das es
    je gab. war der Stempel des Todes aufgedrückt, Christus
    aber lebt Gott zu Seinem Wohlgefallen, damit wir die
    Gunst ergreifen, Gott in Ihm zu leben. So gibt es denn
    keine Verdammnis für die, die in Christo Jesu sind, denn
    in Ihm richten. wir das Fleisch und wandeln nach dem
    Geiste, Lund die das tun, finden, daß sie vom Gesetz der
    Sünde und des Todes freigemacht sind (Röm. 8, 1 u. 2).
    So wunderbar nun das alles,ist, so reicht es doch nicht
    an das hinan, was es besagt, mit Feierkleidern bekleidet zu
    sein. Das redet von höchster Vortrefflichkeit, wie das
    „beste Kleid" von Lukas 15. Wenn Gott in dem, was Er
    tut, Seiner eigenen Wahl gemäß handelt, um Wohlgefallen
    an uns zu finden, so können wir sicher sein, daß Er uns
    in einer Weise ausstattet, die in Seinen Augen die aller-
    höchste Wohlannehmlichkeit besitzt. So lesen wir in Kol. 1.
    12, daß der Vater „uns fähig gemacht hat zu dem Anteil
    am Erbe der Heiligen in dem Lichte." Und nach Eph. 1.
    4-6 hat Er uns in Christo auserwählt „vor Grundlegnug
    127



    der Welt, daß wir heilig und tadellos vor ihm seien in
    Liebe; und uns zuvorbestimmt zur Sohnschaft durch Jesum
    Christum für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines
    Willens, zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, worin
    er uns begnadigt hat in dem Geliebten." Ich denke, das
    entspricht bei uns den „Feierkleidern" von Sach. 3.
    Es ist besonders beachtenswert, daß eine so kostbare
    Unterweisung wie diese an einem Tage der Neubelebung
    in Zeiten des Uberrestes gegeben wird. In langen Jahr-
    hunderten war das „schmutzige" Wesen des Menschen im
    Fleische nicht erkannt worden. Man glaubte, durch Sakra-
    mente und religiöse Verrichtungen den Menschen zu be-
    fähigen, Gott zu dienen, hat aber dabei immer das Be-
    wußtsein der Unfähigkeit hierzu gehabt. Diesen letzten
    Tagen wunderbaren Neuauflebens blieb es vorbehalten,
    klar darzutun, daß der Mensch nach dem Fleische nie
    einen Stand vor Gott haben kann, es sei denn den der Ver-
    dammnis, daß aber der in Christo gesegnete Mensch einen
    Platz bei Gott hat, der unmöglich verbessert werden kann.
    Damit soll nicht gesagt sein, daß die Heiligen zu der Fülle
    alles dessen auf einmal gelangen. Wir beginnen als Kind-
    lein in Christo, doch das Wachstum schreitet fort, „zu
    dem erwachsenen Manne, zu dem Maße des vollen Wuch-
    ses der Fülle des Christus" (Eph. 4, 13), also „zu dem Men-
    schen in Christo" von 2. Kor. 12, 2. Ein Mensch in Christo
    hat zur Reife zu kommen; er vermag die kostbarsten Ge-
    danken Gottes zu erfassen und ihnen gemäß priesterlich
    zu dienen; er ist mit Feierkleidern bekleidet. '
    „Und ich sprach: Man setze einen reinen Kopfbund auf
    sein Haupt." Das geschieht, damit der Dienst des heiligen
    Priestertums mit Einsicht ausgeübt werden kann. Man
    kann sich dann derart an Gott wenden, wie es den er-
    habenen Gedanken Seiner Liebe entspricht. Vieles, was als
    Gottesdienst angesehen wird, steht ganz und gar nicht im
    Einklang mit der Wahrheit. Es ermutigt den Menschen im
    Fleische hinzuzunahen, obwohl man dessen Unpassenheit
    128



    da sagen, daß nur der Geist weiß, wer passend ist, und daß
    wir daher der Verantwortlichkeit eines jeden überlassen
    sollten, Gott zu nahen. Doch damit wird der ganze Grund-
    satz des Hütens der Vorhöfe Gottes beiseitegesetzt, und wir
    lassen einen jeden das tun, was recht ist in seinen Augen
    (5. Mose 12, 8). Jeder wahrhaft treue und einsichtige Hei-
    lige muß zugeben, daß uns die Hut der .Vorhöfe Gottes
    übertragen ist. Je größer im allgemeinen die Verwirrung
    ist, desto mehr sollten wir darauf achten, diesen heiligen
    Auftrag durchzuführen.
    Dann ward auch zu Josua gesagt: „Und ich gebe dir,
    deinen Wandel zu haben unter denen, die hier stehen"
    (V. 7). Ich denke, das ist ein Hinweis auf die von Vers 4.
    Unser Schriftwort zeigt, daß es Diener gibt, die Gott nahe
    sind und Ihm zur Verfügung stehen, an Josua das Ihm
    Wohlgefällige zu tun; sie kennen Gottes Gedanken und
    sind zu jedem notwendigen Dienst für Sein Haus bereit.
    In der Hinsicht haben sowohl die Apostel sowie viele an-
    dere ihren Platz ausgefüllt. Wie gesegnet, unseren „Wan-
    del" unter solchen zu haben! Ist uns jemand im Dienste
    Gottes eine geistliche Hilfe gewesen, so ist es Gottes Ab-
    sicht, daß wir mit solchen in der Nähe Gottes wandeln
    und damit in Bereitschaft sind für jeden erforderlichen
    Dienst.
    ln Vers 8 wird dann Josua des weiteren angeredet. Es
    scheint, daß Josua in diesem Buche solche darstellt, in
    denen uns der unreine Zustand des Priestertums entgegen-
    tritt und danach dessen Wiederherstellung kraft des un-
    umschränkten Erbarmens Gottes. Also wiederhergestellt
    sehen wir, daß er „Genossen" hat. Wir wissen, daß Chri-
    stus „Genossen" hat (Ps. 45, 7; Hebr. 1, 9), doch hier hat
    sie der Priester, der seiner schmutzigen Kleider entkleidet,
    mit Feierkleidern angetan ist. Daraus erhellt, daß es eine
    priesterliche Schar gibt, die Gott Sich auf Grund Seines
    Erbarmens gesichert hat, solche, die bis zu einem gewissen
    Grade Josuas Erfahrungen durchgemacht haben und nun

    130


    vor ihm sitzen, das in Gnade wiederhergestellte Priester-
    tum zu betrachten. Für uns 'begreift das natürlich die Be-
    trachtung Christi in sich, denn wir können keinen rechten
    Gedanken vom Priestertum bekommen, wenn wir es nicht
    in Ihm erfaßten. Der Hauptgegenstand von Sacharja 3 ist,
    daß Gott am Tage des Merrestes wieder priesterliche Zu-
    stände herstellt, damit der Dienst Seines Hauses in einer
    Ihm wohlannehmlichen Weise ausgeübt werden kann. Gott
    sei Dank, daß es heute viele gibt, die wissen, was es heißt,
    angesichts einer solchen Wiederherstellung dazusitzen.
    Man möchte dabei weder die gegenwärtige Schwachheit
    vergessen, noch die Größe dessen, was Gott darin getan,
    gering achten, daß Er in diesen letzten Tagen in gewissem
    Maße wieder priesterliche Zustände hergestellt hat. Ich
    glaube, Gott wünscht, daß Sein Volk das anerkennt. Die, in
    denen Er gewirkt hat, können nichts von sich selbst halten,
    sie sind sich vielmehr dessen bewußt, wie Brände dem Feuer
    entrissen zu sein und fühlen sich nun gedrungen, das an-
    zuerkennen, was das Erbarmen vollbracht hat. Wenn Gott
    heute priesterliche Zustände wiederherstellt, wer von Sei-
    nen Heiligen wünschte da außerhalb zu stehen? Laßt uns
    zum mindesten anerkennen, was Gott tut. Die das tun,
    nehmen anderen gegenüber einen hervorragenden Platz
    ein, sie sind „Männer" des „Wunders", ein Wahrzeichen
    oder Vorbild. Auf solche, die anerkennen,, daß Gott prie-
    sterliche Zustände wiederherstellt und sich in dem Lichte
    dessen zu versammeln und anzubeten suchen, lenkt Gott
    das Augenmerk. Sie sind in der Tat der ganzen Christen-
    heit gegenüber Seine Zeichen; sie sind dazu berufen, Sei-
    nem ganzen Volke Vorbilder von dem zu sein, was wahr-
    haft priesterlich im Dienste vor Gott ist. Sie sind Vor-
    bilder für Seinen Dienst über die ganze Welt hin. 0, daß
    wir das besser verständen. Wenn wir im Auge behielten,
    daß Gott von uns wünscht, solche zu sein, die von allen als
    der Ausdruck eines Seinen Gedanken gemäßen priester-
    lichen Dienstes betrachtet werden können: welche heiligen

    131


    Übungen würde das beständig in unseren Herzen hervor-
    bringen, wie würden wir, was den Dienst Gottes anlangt,
    auf jedes bißchen geistliche Hilfe bedacht sein. Könnte
    etwas Geringeres als das wirklich unseren geistlichen
    Ubungen und Wünschen entsprechen?
    Gerade an dieser Stelle sagt Jehova nun: „Denn siehe,
    ich will meinen Knecht, Sproß genannt, kommen lassen"
    (V. 8). Die Augen Josuas und seiner Genossen werden
    damit auf Christum, den vollkommenen Diener Jehovas,
    gerichtet. Er sagte ihnen gleichsam: Wenn ihr wohlan-
    nehmlich bauen wollt, so müßt ihr Christum betrachten.
    Hier wird dargetan, daß solche zugegen sind, die Christum
    in priesterlicher Weise betrachten können, das heißt in
    Beziehung zu Gott. Wenn wir dahin kommen, ist das ein
    uns unvergeßlicher Augenblick, anstatt an Christum mit
    Bezug auf uns zu denken, fangen wir an, an Ihn in Be-
    ziehung zu Gott zu denken. Das erste geht uns nicht da-
    durch verloren, daß wir das zweite vor uns haben, es er-
    weitert sieh uns aber ungemein. Doch der Sproß ist Je-
    hovas Knecht; er ist der, der binnen kurzem öffentlich
    alles das herbeiführen wird, was zum Wohlgefallen Gottes
    ist. Das wird Er, nach Kap. 6, 12, als Mensch tun, dort
    heißt es: „Siehe ein Mann, sein Name ist Sproß.- Er wird
    den Tempel bauen, und wenn Er das tut, wird jeder Teil
    desselben' Herrlichkeit tragen. Das aber, was Christus in
    der Zukunft tun würde, sollten die Herzen des Überrestes
    in den Tagen Sacharjas vor sich haben; und so sollte es
    auch bei uns sein. Alles Rechte wird dann zum Wohl-
    gefallen Gottes aufkommen, wenn Sein Sproß hervor-
    treibt; denn nach Jer. 23, 5 ist Er „ein gerechter Sproß".
    Ein Sproß zeugt von Frische und Lebenskraft; er redet
    von Christo als Dem, der etwas ganz Neues einführt, und
    dies in einer Lebenskraft, die Ihm das völlige Wohl-
    gefallen Gottes sichert. Gottes Wille ist nun, daß wir er-
    fassen, daß nur das, was Christus brachte, recht ist. Was
    die öffentliche Folge des Hervorkommens des Sprosses

    132

    ist, hat jetzt in geistlicher Hinsicht im Hause Gottes
    eine Stätte zu finden.
    In Vers 9 wird dann ein anderes Bild gebraucht: „Denn
    siehe, der Stein, den ich vor Josua gelegt habe — auf
    einem Steine sieben Augen —, siehe, ich will seine Ein-
    grabung eingraben." Ein „Stein" redet vom Bauen, hier
    von einem Bauen, das seine Gestaltung von Christo emp-
    fängt. lch denke, wir haben die sieben Augen in Jes. 11,
    1 u. 2: „Und ein Reis wird hervorgehen aus dem.
    Stumpfe Isais, und ein Schößling aus seinen Wurzeln
    Frucht bringen. Und auf ihm wird ruhen der Geist Je-
    hovas, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der
    Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis
    und der Furcht Jehovas." Dies befähigt Christum, in der
    zukünftigen Welt die Regierung zu übernehmen. Wieviel
    mehr ist auf diesem Steine eingegraben, als auf den stei-
    nernen Tafeln des Gesetzes geschrieben stand! Da ist alles,
    was Gott in dem Manne Seiner Wahl und Seines Wohl-
    gefallens zum Ausdruck bringen wollte. Wenn Gott Chri-
    stum einführt, wird Er die Ungerechtigkeit Seines Landes
    hinwegnehmen an einem Tage, und ein jeder ist frei, den
    anderen einzuladen unter seinen Weinstock und seinen
    Feigenbaum. Jeder wird vollkommene Freiheit vor Gott
    und seinen Mitmenschen genießen, und im Besitze des
    Guten kann er es freudig mit ihnen teilen. Gottes Volk
    soll heute wissen, daß es auf immerdar vollkommen ge-
    macht ist durch das eine Opfer Christi (Hebr. 10, 14), so
    daß es frei und glücklich vor Gott sein kann in dem Be-
    wußtsein unbeschränkter Gunst. Und Er hat uns Brüder
    gegeben, mit denen wir jedes Kostbare, womit Er uns in
    Christo bereichert hat, teilen können. „Die anderen" sind
    die, mit denen wir Gelegenheit haben, in Berührung zu
    kommen; sie sind uns in dem, was wir haben, willkommen;
    es ist das unsere Freude wie auch die ihre, und darin be-
    steht der wahre Gewinn unserer Gemeinschaft.


    133

    Kapitel 4
    Daß Sacharja zu Beginn dieses Kapitels geweckt wird
    wie ein „Mann, der aus seinem Schlafe geweckt wird",
    besagt, daß das darin Dargestellte besonders in einer Zeit
    des Erwachens verstanden werden soll. Der Gegenstand
    dts Kapitels ist "ein Leuchter ganz von Gold, und sein
    Olbehälter an seinem oberen Ende, und seine sieben Lam-
    pen an ihm, sieben, und sieben Gießröhren zu den Lam-
    pen, die an seinem oberen Ende sind; und zwei Oliven-
    bäume neben demselben, einer zur Rechten des Olbehälters
    und einer zu seiner Linken- (V. 2 u. 3). In Vers 6 erklärt
    der Engel dem Sacharja diese Bilder und sagt: „Dies ist
    das Wort Jehovas an Serubbabel: Nicht durch Macht und
    nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht
    Jehova der Heerscharen." Gott richtet unser Augenmerk
    auf ein wunderbares Gefäß des Lichts und gibt uns zu
    verstehen, daß es sinnbildlich eine Weltordnung darstellt,
    die fähig ist, von der Wirksamkeit Seines Geistes durch-
    drungen zu werden. Dieses treffende Sinnbild stellt uns
    die Art des Gefäßes dar, wodurch und worin Er Sich be-
    tätigen würde. Es ist wichtig, das sorgfältig zu erwägen.
    Diese Weissagung ward gegeben, um in den Tagen des
    Erberrestes und äußerer Schwäche die am Hause Gottes
    Bauenden zu ermutigen, sie hat daher Anwendung in-
    sonderheit auf unsere Tage. Gott will uns damit sagen:
    Wenn ihr Mein Haus bauen wollt, so muß dieses Gesicht
    vor euch sein. Wir sollten aus dem Schlafe aufwachen
    und in diesem Gefäß des Lichts eine große geistliche
    Wirklichkeit sehen. Als Sacharja dieses Gesicht hatte, gab
    es kein solches Gefäß göttlichen Lichts, es mußte viel-
    mehr als etwas erfaßt werden, das Gott im Sinne hatte,
    und wodurch Er dem Serubbabel einen Begriff davon gab,
    daß Er ein Gefäß des Lichts vor Sich hatte, das von der
    Kraft Seines Geistes durchdrungen sein sollte. Am Tage
    der Zukunft wird es ein solches Gefäß in Verbindung mit
    134

    Israel geben, doch uns will Gott damit zeigen, daß Sein
    gegenwärtiger Gedanke ist, daß Seine Versammlung als
    das offenbar werde, was die in Sacharja 4 sinnbildlich
    dargestellten Züge trägt, und daraufhin wirkt Er.
    Wenn die Versammlung als „ein Leuchter ganz von
    Gold" vor uns kommt, so steht sie als Ergebnis des Wir-
    kens Gottes vor uns. So spricht Paulus zum Beispiel von
    den Gläubigen als solchen, „die nach dem Geiste sind",
    und sagt ihnen, sie sinnen „auf das; was des Geistes ist"
    (Röm. 8, 5). Sie haben also nicht nur den Geist, sondern
    sind „nach dem Geiste"; da haben wir die Art des Ge-
    fäßes. Und wiederum sagt Paulus: „Daher, wenn jemand
    in Christo ist — eine neue Schöpfung; das Alte ist verr,
    gangen, siehe, alles ist neu geworden. Alles aber von dem
    Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesum
    Christum" (2. Kor. 5, 17 u. 18). Johannes redet von den
    Heiligen als aus Gott geboren. Wenn sie also vor uns sind,
    denken wir nicht an das Fleisch oder die menschliche Un-
    vollkommenheit, sondern an aus Gott Geborene, deren
    Wesen lhm entspricht. Johannes sagt denen, an die er
    schreibt: „Ihr seid aus Gott, Kinder, und habt sie (die
    Antichristen) überwunden, weil der, der in euch ist, größer
    ist als der, der in der Welt ist" (1. Joh. 4, 4). Wenn wir
    an die Heiligen als aus Gott Geborene denken, die den
    Geist haben, so stehen sie als „ganz von Gold" vor uns.
    Das ist es, was sie wirklich sind; weder das Fleisch noch
    menschliche Schwachheit kann das beiseitesetzen, obschon
    beides uns als etwas, das wir richten müssen und das zu
    überwinden göttliche Kraft erfordert.
    Das Evangelium Johannes sagt uns viel über den Geist,
    über Ihn als dem einzelnen Gläubigen wie auch der Ge-
    samtheit der Heiligen gegeben, doch in keinem Falle wird
    etwas Hinderndes oder Unangemessenes im Gefäß ange-
    deutet, alles hat gleichsam den „Leuchter ganz von Gold"
    zur Grundlage. Wir finden das in der Schrift dargestellt,
    damit wir darüber geübt werden, in der geistlichen Wirk-
    135

    lichkeit davon zu stehen. In der Schrift gibt es kaum an-
    ziehendere Aussprüche als die über den Geist Gottes im
    Evangelium des Johannes, doch sie stellen auch Ansprüche
    an uns und bringen die beständige Ubung mit sich, Gewinn
    aus ihnen zu ziehen.
    Was hier im Sinnbilde vor uns kommt, unterscheidet
    sich sehr von den sieben goldenen Leuchtern in Offen-
    barung 1. Diese stellen die Versammlungen als verant-
    wortliche Lichtträger dar, doch die meisten von ihnen
    werden als in ihrer Verantwortlichkeit versagend hinge-
    stellt. Das Geheimnis ihres Fehlens liegt im Abweichen von
    dem, was in Sacharja 4 dargestellt wird. Nur das, was
    Gott gewirkt, hat einen Platz in dem „Leuchter ganz von
    Gold"; alle mit Ihm in Verbindung gebrachte Kraft ist
    der Heilige Geist. Wie bald ist man davon abgewichen, wie
    bald nahm das, was vom Menschen, vom Fleische war,
    dessen Platz ein I Doch die Wiedererlangung der Wahrheit
    in diesen letzten Tagen sollte den Überrest, also dem
    Grundsatz nach alle wahren Heiligen, zur Anerkennung
    dessen zurückführen, daß das Fleisch nichts nützt und
    nur das den wahren Wert hat, was Gott wirkt, und daß
    die einzige Kraft, den Fortbestand göttlichen Lichts zu
    sichern, der Geist Gottes ist. Das Fließen des Geistes sollte
    uns allen sehr am Herzen liegen; den „Gießröhren" und
    „Röhren" von Vers 2 und 12 liegt offenbar der Gedanke
    des Fließens zugrunde; eine regelmäßig wiederkehrende
    Ergänzung des Ols wie beim Leuchter der Stiftshütte
    haben wir hier nicht (2. Mose 30, 7; 3. Mose 24, 3). Die
    Olivenbäume, der Ölbehälter und die Gießröhren sorgen
    für ein beständiges Fließen des Geistes und sind ein Aus-
    druck davon. Hier kommt nicht eine Neuerrichtung wie
    am Tage der Pfingsten vor uns, sondern ein durch die be-
    ständige Wirksamkeit des Heiligen Geistes gekennzeich-
    netes Gefäß, wie es an 'einem Tage der Wiederherstellung
    gekannt werden kann; das Evangelium Johannes hat das
    besonders vor sich.
    136

    Der „Ölbehälter an seinem oberen Ende" redet von einem
    Fassungsvermögen. Wenn es in Eph. 5,18 heißt: „Seid mit
    dem Geiste erfüllt", so besagt das; daß die Heiligen der
    Versammlung ein Behälter für den Geist sind — ein wun-
    derbarer Gedanke. Die klugen Jungfrauen von Matthäus
    25 nahmen 01 in ihren Gefäßen mit ihren Lampen (V. 4).
    Es genügt nicht, daß Sich der Geist zu gewissen Zeiten
    wirksam erweist, die Heiligen sollten vielmehr beständig
    ein Gefäß des Geistes sein. Der Herr sagte: „Er bleibt bei
    euch und wird in euch sein" (Joh. 14, 17), und wir lesen
    davon, daß Gottes Geist in den Heiligen wohnt (Röm. 8,
    9. 11; 1. Kor. 3, 16; Jak. 4, 5). Gott möchte, daß ein jeder
    Heilige sagen kann: Ich bin ein Teil dieses goldenen 01-
    behälters.
    Weiter haben wir „sieben Lampen an ihm, sieben, und
    sieben Gießröhren zu den Lampen, die an seinem oberen
    Ende sind" (V. 2). Die Lampen, ein Teil des ganzen
    Leuchters und aus ihm, sind es, von denen das Licht aus-
    geht. Das sich im Blick auf den Dienst des Hauses Gottes
    tatsächlich ergießende Licht geht von gewissen göttlich
    äusgerüsteten Gefäßen aus. Die Tatsache, daß der Lam-
    pen sieben sind, redet von der geistlichen Vollständigkeit
    des Beleuchtungskörpers, und darauf wird, unserem
    Schriftwort zufolge, durch den Hinweis ein besonderer
    Nachdruck gelegt, daß auch sieben Gießröhren vorhanden
    sind, für jede Lampe eine.. In jeder „Offenbarung des
    Geistes" (1. Kor. 12, 7) erstrahlt ein gewisses göttliches
    Licht, und wenn nichts vom Fleische dabei war, geht dieses
    geistliche Licht der verschiedenen Gefäße gleichsam in
    einer Vollendung auf, die offenbar von Gott herrührt. Die
    Gaben des Geistes in dem Leibe, die von Gott in der Ver-
    sammlung gesetzten Gaben und die des aufgefahrenen
    Christus (1. Kor. 12, 4; Eph. 4, 8) dienen vereint notwen-
    dig alle der Verbreitung geistlichen Lichtes. Die durch
    menschliche Schwachheit und die Beiseitesetzung gött-
    licher Ordnung aufgekommene Unordnung hat eine der-
    137

    artige Verwirrung angerichtet, daß man die göttliche Ein-
    richtung aus dem Auge verlor. Das Gesicht in Sacharja 4
    soll nun unser Augenmerk auf das richten, was den Ge-
    danken Gottes entspricht, damit wir wieder geistliche Be-
    griffe bekommen. Gott sorgt in Seinem Hause dafür, daß
    geistliches Licht in Fülle vorhanden ist und zeigt uns in
    dem treffenden Bilde, daß die Lampen vom Fließen des
    Ols durch Gießröhren abhängig sind, die aus einem Be-
    hälter gespeist werden, den die zwei Olivenbäume ver-
    sorgen. Die ganze Einrichtung bleibt im Gange, solange
    das 01 fließt, und davon allein ist das Licht abhängig.
    Sowie geistliche Zustände aufgegeben werden, versagt
    alles, wie es sogar schon von den Tagen der Apostel an
    der Fall gewesen ist.
    Durch den persönlichen Dienst Christi ward am Anfang
    eine Schar zubereitet, das Gefäß des Geistes zu sein. Die
    Heiligen wurden unter dem Einfluß Christi in den Tagen
    Seines Fleisches und den vierzig Tagen, in denen Er als
    Auferstandener unter ihnen weilte, gestaltet und so für
    den Empfang des Geistes passend gemacht. Das Werk
    Gottes in ihnen war ein derartig Durchgreifendes, daß
    sie nicht nur den Geist empfingen, sondern auch durch
    Geistlichkeit gekennzeichnet waren, und so stand dem
    geistlichen Fluß kein Hindernis entgegen und das Licht
    war ungetrübt. Doch glr bald ward, wie wir aus der
    Apostelgeschichte und den Briefen sehen, von der Geist-
    lichkeit abgewichen und der geistliche Fluß ward gehin-
    dert, das Licht schwand dahin. Gegenwärtig wirkt nun
    Gott wieder, geistliche Zustände herbeizuführen, mit
    einem Wort, Geistlichkeit. Es ist nicht genug, anzuerken-
    nen, daß der Geist hienieden ist, daß dieser Tag der des
    Geistes ist; es sollte uns vielmehr sehr am Herzen liegen,
    geistlich zu sein. Nur in geistlichen Personen kann das
    fließen, was geistlich ist, und ohne dies kann die Ver-
    sammlung kein wahrhaftes Gefäß geistlichen Lichts sein.
    Der Geist wirkt nicht unmittelbar in der Versammlung;
    138

    geistliche Personen sind es, die daselbst wirken, natürlich
    in der Kraft des Geistes. Die Rückkehr zur Geistlichkeit ist
    daher von wesentlicher Bedeutung, wenn die Versammlung
    wirklich als das offenbar werden soll, was die Züge der in
    Sacharja 4 vor uns kommenden Sinnbilder trägt.
    Ich denke, in der Versammlung zu Philadelphia sehen
    wir, was diesem Gefäß des Lichts entspricht, sie ist offen-
    bar das Ergebnis der göttlichen Neubelebung in den letz-
    ten Tagen des Versammlungszeitalters. Der Umstand, daß
    der Herr sagte: „Du hast eine kleine Kraft", zeigt, daß
    nach außen hin nichts Großes vor Ihm stand, daß Er aber
    die daselbst vorhandene Kraft anerkennen konnte, sie war
    also geistlich und nicht natürlich oder fleischlich. Das
    Bewahren Seines Wortes, die Nichtverleugnung Seines
    Namens sowie das Bewahren des Wortes Seines Ausharrens
    stellen die Wesensart dieses Gefäßes völlig ans Licht. In
    einem solchen Gefäße war nichts, was den geistlichen Fluß
    hinderte oder das Licht trübte. Darin tritt uns ganz klar
    die Wiederherstellung der Geistlichkeit in einer Versamm-
    lungsgestaltung am Ende des Versammlungszeitalters ent-
    gegen. Philadelphia kennzeichnet eine wachsame Beach-
    tung des Wortes Christi; die Liebe der Versammlung gilt
    dem, was im Evangelium Johannes zum Ausdruck kommt.
    Sodann wird dort Sein Name nicht verleugnet, das um-
    faßt alles, was Ihn in der rechten Weise hienieden dar-
    stellt. Von Seinem Namen gilt es, hier Zeugnis abzulegen,
    also von dem, was Jakobus „den vortrefflichen Namen"
    nennt, „der über euch angerufen worden ist" (Kap. 2,7).
    Ein philadelphischer Überwinder steht mit diesem Namen
    im Einklange, er ist ein wahrer Bekenner desselben und
    duldet nicht, mit etwas einsgemacht zu werden, was ihn
    verleugnet. Das Wort Seines Ausharrens bewahren, besagt,
    keinen Platz in dieser Welt zu begehren, bis Er den Seinen
    bekommt. Das sind die wahren Züge der Versammlung
    als das Gefäß des Lichts.
    Es gab eine Zeit, wo großer Nachdruck darauf gelegt
    139

    werden mußte, daß der Geist Gottes, eine göttliche Person,
    hienieden ist, die in den Heiligen wohnt. denn das ward
    gemeinhin sehr wenig verstanden. Doch gegenwärtig wird
    diese Wahrheit weithin anerkannt, und es erweist sich als
    notwendig, die Wesensart des Gefäßes zu betonen, worin
    sich geistliche Wirksamkeit offenbaren kann. Getrennt von
    Geistlichkeit im Gefäß gibt es kein Fließen des Ols, das
    geistliche Licht zu unterhalten. Geistliche Offenbarungen
    in der Versammlung hängen vom Vorhandensein geist-
    licher Männer ab. Man hat oft darauf hingewiesen, daß
    in 1. Kor. 14, 26-33, wo von geistlichen Offenbarungen
    die Rede ist. der Geist nicht erwähnt wird. Der Dienst in
    der Versammlung ist, genau genommen, nicht die Tat des
    Geistes, sondern der einsichtige Dienst geistlicher Männer.
    Dienst ist die Betätigung durch den Geist verliehener
    Gaben; doch um von Nutzen zu sein, muß er in der Kraft
    des Geistes ausgeübt werden, doch die Art und das Maß
    des Gefäßes kommt dabei sehr in Betracht. Ist das Gefäß
    durch Geistlichkeit gekennzeichnet, so wird der Dienst
    geistlich sein; göttliche Dinge kommen dann in einer
    geistlichen Weise vor uns. und die Heiligen, als von Gott
    belehrt,, werden das erkennen und Nutzen daraus ziehen.
    Was der Geist den Versammlungen sagt (Offb. 2 u. 3),
    ist ein allgemeinerer Gedanke, er umfaßt alles, worauf der
    Geist in einer besonderen Zeit das Augenmerk richtet.
    Wenn ich geistlich bin, vermag ich das, was Er ihnen
    sagt. zu erkennen. Zur Zeit Luthers hat Er viel über die
    Rechtfertigung aus Glauben gesagt, doch seit kurzem hat
    Er über Christum als Haupt und über die Versammlung
    als das gesalbte Gefäß für den göttlichen Dienst geredet.
    Kein geistlicher Mann begehrt einen Gedanken außerhalb
    dessen vor sich zu haben, was der Geist den Versamm-
    lungen heute sagt. Jeder Dienende möchte dem Ausdruck
    verleihen, was der Geist sagt.
    Insofern Geistlichkeit aufrechterhalten wird, ist ein ge-
    eignetes Gefäß zur Aufrechterhaltung des göttlichen Lieh-


    140

    tes hienieden vorhanden. Die Eigenart des Gefäßes wird
    in Sacharja 4 besonders hervorgehoben, und die „sieben
    Gießröhren zu den Lampen" besagen ganz klar, daß die
    Gaben oder Glieder des Leibes, die öffentlich zur Aus-
    breitung des Lichtes dienen, von den Zuflußwegen ab-
    hängig sind, die einen Teil des Gefäßes des Lichts bilden.
    Diesem Sinnbilde gemäß sind wir nicht alle „Lampen",
    wir können jedoch alle „Gießröhren" sein, durch die ein
    geistlicher Fluß zur Unterhaltung des Lichts aufrechter-
    halten wird. Die Schwestern können da einen großen Platz,
    hierzu beizutragen, einnehmen; es ist tatsächlich so, daß
    wenn kein geistlicher Fluß in den Schwestern ist, die
    Brüder in ihrem mehr öffentlichen Dienste sehr schlecht
    vorwärtskommen.
    Nachdem Serubbabel durch dieses wunderbare Sinnbild
    ermutigt worden war, schwanden seine Schwierigkeiten,
    ihre Berge wurden gleichsam zur Ebene (V. 7), und es
    ward ihm zugesichert, daß er das, dessen Grund er gelegt,
    auch vollenden würde: „Und er wird den Schlußstein
    herausbringen unter lautem Zuruf: Gnade, Gnade ihm!"
    Das besagt, daß der Bau zu einer Vollendung kommt, in
    der Christus Seinen Platz als Schluß- oder Hauptstein
    haben würde. Wenn Er Seinen Platz bekommt und als
    Haupt begrüßt wird, so sind sich die Heiligen ihrer Eins-
    machung mit Ihm vor Gott bewußt; sie sind in Ihm voll-
    endet oder zur Fülle gebracht, da mangelt es an nichts
    mehr. Serubbabel hatte das Haus gegründet, und seine
    Hände sollten es vollenden. Gottes Gedanke in diesem
    Zusammenhange ist, die zu ermutigen, mit dem Bau fort-
    zufahren, die ihn begonnen haben. Ich glaube, Gott will,
    daß wir bei jedem Zusammenkommen zum Essen des
    Abendmahls des Herrn zu dem hingelangen, was Seinem
    Gedanken völlig entspricht. Wenn Christus Seinen Platz
    als Haupt bei uns bekommt, so sind wir, im Grunde ge-
    nommen, zur Vollendung gekommen. Wenn der Lob-
    preisungsdienst Seinem Platz bei dem Vater und bei Gott

    141


    entspricht sowie Seinem Preisen, so ist dem nichts hinzu-
    zufügen.
    Die „den Tag kleiner Dinge" verachten, zeigen, daß sie
    die Dinge nie so gesehen haben, wie Sacharja sie sah. Sie
    haben keinen Begriff von der Größe dessen, was Gott
    vorhat und was Er Seinem Volke in den Tagen des Über-
    restes vorstellen möchte. Es ist ganz klar, daß sie die
    Dinge nicht sehen, wie „die Augen Jehovas" sie sehen,
    denn es heißt: „Mit Freuden werden jene Sieben das
    Senkblei in der Hand Serubbabels sehen: diese, die Augen
    Jehovas, durchlaufen die ganze Erde" (V. 10). „Die Augen
    Jehovas" freuen sich, wenn sie das Senkblei in der Hand
    eines am Hause Gottes Bauenden heute sehen. Ein solcher
    hat vor, der Wahrheit gemäß zu bauen, das heißt so, wie es
    den Gedanken Gottes entspricht, alles hat die Probe des
    Senkbleis zu bestehen. Dann ist vieles zu verwerfen, was
    den Augen der Menschen empfehlens- und bewunderns-
    wert erscheint; doch es ist etwas da, was den Augen Je-
    hovas Freude bereitet.
    Es war sehr geziemend, daß Sacharja als ein junger
    Mann ob dem, was er sah, Fragen stellte, er ist darin allen
    jungen Brüdern ein Vorbild. Unsere Wortbetrachtungen
    würden viel fesselnder und hilfreicher sein, wenn geübte
    junge Brüder freier wären, Fragen zu stellen. Auf
    Sacharja hatten die beiden Olivenbäume einen besonderen
    Eindruck gemacht, denn er fragte ihrethalben zweimal.
    Er schien zu fühlen, welch eine hervorragende Rolle sie
    spielten in Verbindung mit dem sinnbildlichen Gefäße des
    Lichts. Von den beiden Zeugen in Offb. 11 wird ausdrück-
    lich gesagt, sie „sind die zwei Ölbäume und die zwei
    Leuchter, die vor dem Herrn der Erde stehen" (V. 4). Sie
    werden dort als im öffentlichen Zeugnis stehend gesehen,
    deshalb ist von zwei Leuchtern die Rede. In Sach. 4 da-
    gegen stellen sie das dar, was das geistliche Licht im
    Tempel unterhält; sie werden in Vers 14 „Söhne des Ols-
    genannt, und nach Vers 12 ergießen sie das „Gold" von

    142

    sich aus. Dieses Bild besagt, daß durch des Herrn Gnade
    ein Zustand unter Seinem Volke bestehen kann, der die
    Quelle geistlicher Hilfe wird. Wenden wir dieses Bild auf
    Serubbabel und Josua an, wie es wahrscheinlich geschah,
    so weist es auf die königlichen und priesterlichen Wesens-
    züge hin, die, da sie das, was vom Fleische ist, ausschlie-
    ßen und das, was von Gott ist, einführen, Quellen geist-
    licher Hilfe werden. Es ist beachtenswert, daß alle mit
    diesem Gefäß des Lichts in Verbindung stehenden Bilder,
    geistliche Zustände zu betonen scheinen. Was allem zu-
    grunde liegt, ist der Gedanke, daß Kraft durch den Geist
    Gottes kommt, den hervorragenden Platz aber nimmt das
    ein, daß geistliche Zustände vorhanden sind, die das freie
    Fließen dessen, was von Gott ist, begünstigen, und das ist
    eine besonders nützliche Erwägung für uns heutzutage.


    Kapitel 5

    Dieses Kapitel steht in sehr auffälligem Gegensatze zu
    dem vorhergehenden. In Kap. 4 sehen wir ein Gefäß des
    Lichts, das in sinnbildlicher Weise völlig den Gedanken
    Gottes entspricht; doch Kap. 5 beschreibt den tatsäch-
    lichen unter Israel aufgekommenen Zustand, der Gottes
    Gericht nach sich zog, und das, was hier im Bilde darge-
    stellt wird, hat sich auch im christlichen Bekenntnis zu-
    getragen. Sacharja sieht eine fliegende Rolle, und ihm wird
    gesagt: „Dies ist der Fluch, der über die Fläche des ganzen
    Landes ausgeht; denn jeder, der stiehlt, wird gemäß dem,
    was auf dieser Seite der Rolle steht, weggefegt werden;
    und jeder, der falsch schwört, wird gemäß dem, was auf
    jener Seite der Rolle steht, weggefegt werden" (V. 3). Im
    christlichen Bekenntnis ist eine unerhörte Unehrlichkeit
    aufgekommen; man hat sich das angeeignet, wozu man
    durchaus kein Recht hatte. Jedes bißchen christlichen Be-
    kenntnisses, das nicht die Frucht des Werkes Gottes ist,


    143

    kann als gestohlenes Gut betrachtet werden; der natür-
    liche Mensch hat sich das angeeignet, was nur dem Haus-
    halt des Glaubens angehört. Josua in Kap. 3 zeigt uns
    einen solchen, der rechtmäßig etwas in Besitz hatte. Sein
    Zustand ward vöhig bloßgestellt, und es ward in einer gött-
    lichen Weise ihm gegenüber gehandelt, so daß er ein Recht
    hatte, in der Gegenwart Gottes zu stehen, da er dann völlig
    passend war, daselbst zu sein. Es ward ihm kundgetan, daß
    er ein aus dem Feuer geretteter Brand war, doch seine Un-
    gerechtigkeit ward von ihm genommen, und er ward in
    Feierkleider gekleidet. Getrennt vom Tode Christi und der
    Reinigung durch Sein Blut kann von keinem die Unge-
    rechtigkeit hinweggenommen werden, und keiner kann mit
    Feierkleidern bekleidet werden, der nicht Christum als
    seine Gerechtigkeit hat. Das alles ist reines Erbarmen und
    eine Gabe unendlicher Gnade, und wem das zuteil wird,
    der ist lediglich ein bußfertiger Sünder ohne irgendein
    Anrecht von sich selbst aus. Er braucht nicht zu stehlen,
    denn alles, was er braucht, wate ihm nach dem Reichtum
    der Gnade Gottes umsonst gegeben. Alles dies aber in
    Wahrheit zu erkennen, muß Gott mit der Seele persön-
    lich zu tun gehabt haben, so daß sie wahrhaft von der
    Sünde überführt ist und den Wert Christi und der Er-
    lösung in lhm zu schätzen weiß. Jedes christliche Bekennt-
    nis ohne diese Grundlage kann nur als ein Stehlen dessen,
    was ihm nicht gehört, betrachtet werden, und das endet
    in Verdammnis.
    Der Herr sagte in Matth. 15, 13: „Jede Pflanze, die
    mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird aus-
    gerottet werden", und in Matth. 7, 2 u. 23: „Viele werden
    an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr I haben wir nicht
    durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen
    Dämonen ausgetrieben und durch deinen Nanien viele
    Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen beken-
    nen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir ihr
    Wirker der Gesetzlosigkeit." Solche hatten des Herrn


    144


    Namen gestohlen und ihn in wunderbarer Weise ge-
    braucht, ohne ein Recht dazu zu haben. In Apg. 19, 13-17
    unternahmen es etliche jüdische Beschwörer zu Ephesus
    über die, die böse Geister hatten, den Namen des Herrn
    Jesu anzurufen, doch auf ihren Lippen war das ein ge-
    stohlener Name, sie hatten kein Recht auf ihn und hatten
    die Folgen zu tragen. So wird es allem Bekenntnis er-
    gehen, das nicht seine Wurzeln in einem wahren Werke
    Gottes in der Seele hat.
    Falsch schwören beim Namen Jehovas besagt, daß man
    etwas Unrechtes dadurch gutheißt, daß man jenen Namen
    damit in Verbindung bringt. Jehova wird den nicht für
    schuldlos halten, der das tut (2. Mose 20, 7). Im Christen-
    tum hat man den Namen des Herrn mit vielem verbun-
    den, das Er haßt, und das wird sicher Sein Gericht dar-
    auf herabführen. Wenn wir den Namen des Herrn nen-
    nen, müssen wir von Ungerechtigkeit abstehen, das heißt
    von dem, was in Seinen Augen nicht recht ist (2. Tim.
    2, 19).
    In Vers 5-11 sieht Sacharja ein anderes Gesicht, und
    diesmal ist es ein Epha, in dessen Mitte ein Weib saß,
    welches die „Gesetzlosigkeit" genannt wird, sie wird wie-
    der hineingeworfen. Das entspricht dem, was im Neuen
    Testament das Geheimnis der Gesetzlosigkeit genannt
    wird, das in den Tagen der Apostel zu wirken begonnen
    hatte (2. Thess. 2, 7), es wird weiterhin wirksam sein und
    im völligen Abfall enden. Daraus, daß das Weib in einem
    durch ein Bleigewicht verschlossenen Epha saß, können
    wir schließen, daß es Gott gegenwärtig gefällt, der Ge-
    setzlosigkeit gewisse Schranken zu setzen, und das ist ein
    großer Trost für das Volk Gottes. Welche Freiheit auch
    die Menschen im Bösestun zu haben scheinen, sie dürfen
    nicht über ein gewisses Maß hinausgehen. Das Geheimnis
    der Gesetzlosigkeit besteht gleichsam neben den goldenen
    Lampen von Kap. 4. Die Anfangsgründe des Abfalls sind
    da, und Gott will, daß Sein Volk sie erkennt, aber auch
    10 Kleine Propheten
    145







    sieht, daß Er ihnen Schranken gesetzt hat. Die Gegenwart
    der Versammlung auf Erden als das Gefäß des Geistes ist
    eine solche Schranke der Gesetzlosigkeit. Je mehr die
    Wesenszüge des Gefäßes des Lichts zum Vorschein kom-
    men, desto mehr wird dem Bösen Einhalt getan. Das
    Offenbarwerden von Geistlichkeit in den Heiligen ist in
    dieser Hinsicht von höchster Wichtigkeit.
    Gott geht zu seiner Zeit auf Seine Weise im Gericht
    gegen die Gesetzlosigkeit vor. Er tut das nicht öffentlich,
    ehe es völlig zur Reife gekommen ist, und das geschieht
    nicht vor der Beseitigung der noch bestehenden Schranken.
    Unser Schriftwort sagt uns, daß dem Epha im Lande
    Sinear ein Haus gebaut werden wird, worin es seinen
    Platz findet. Der Grundgedanke davon wird schließlich zur
    völligen Entfaltung kommen, und dann wird Gott das
    richten. Hier sehen wir nicht, daß die Gesetzlosigkeit ver-
    nichtet oder verzehrt wird, es werden ihr nur Schranken
    gesetzt, ihr Gericht wird bis dahin aufgeschoben, wo ihr
    Wesen völlig offenbar werden wird. Paulus belehrt die
    jungen Gläubigen zu Thessalonich darüber, es ist dies da-
    her etwas, was wir alle verstehen sollten.
    Das Geheimnis der Gesetzlosigkeit ist das Werk Satans,
    das seinen Höhepunkt erreicht in dem Offenbarwerden
    des Menschen der Sünde. Das wird uns in dem Weibe
    im Epha dargestellt, sie ist ein Bild der Wirksamkeit des
    gesetzlosen Willens, und dies besonders in dem Kreise, wo
    Licht von Gott vorhanden war. Wenn wir diesen Grund-
    satz der Gesetzlosigkeit nicht richten, wird er in uns dem
    entgegenwirken, was von Gott ist, und die Wesenszüge
    des Gefäßes des Lichts werden in uns nicht offenbar. Gott
    dagegen wirkt in Seinen Heiligen dahin, daß sie dem
    „Leuchter ganz von Gold" entsprechen, also ein durch
    Geistlichkeit gekennzeichnetes Gefäß sind, in dem alles
    zum Ausstrahlen göttlichen Lichtes beiträgt.

    146

    Kapitel 6

    Das Gesicht von Sach. 6, 1-8 enthält eine Belehrung,
    die für uns ebenso wichtig ist wie für den Uberrest jener
    Tage. Es zeigt uns, daß Gott nicht aufgehört hat, für
    eine Regierung in der Welt zu sorgen, wenn Er auch
    Seinen Thron von Jerusalem weggenommen hat. Laßt uns
    daran gedenken, daß es in 1. Chron. 29, 23 heißt: „Und
    Salomo saß auf dem Thron Jehovas", und daß die Königin
    von Scheba sagte: „Gepriesen sei Jehova, dein Gott, der
    Gefallen an dir gehabt hat, dich auf seinen Thron zu
    setzen als König für Jehova, deinen Gott!" (2. Chron. 9, 8.)
    Jehovas Thron war damals in Jerusalem; es bestand eine
    unmittelbare Regierung Gottes auf Erden in der Mitte
    Israels. Diese hing jedoch von dem Gehorsam und der
    Treue Israels ab, und besonders von der seiner Könige.
    Die Gefangenschaft zeigte, daß der Thron Jehovas nicht
    länger mehr in Jerusalem war. Israel hatte alles verwirkt,
    Gott gab die Obergewalt ausdrücklich in die Hände der
    Nationen, wie das in dem großen Bilde von Nebukad-
    nezars Traum dargestellt ward (Dan. 2). Wir haben jetzt
    „die Zeiten der Nationen" (Luk. 21, 24). Gott ließ nicht
    alles aufs Geratewohl weitergehen, Er übergab die Ober-
    gewalt gewissen Mächten, die Ihm dafür verantwortlich
    sind, wie sie diese Obergewalt ausüben. Wenn sie die. ihnen
    anvertraute Macht mißbrauchen, so wird Gott sie richten,
    es wird schließlich offenbar werden, daß diese Macht, wie
    alles, was Gott der Verantwortlichkeit des Menschen an-
    vertraut hat, ein Gegenstand des Gerichts ist. Der Stein,
    der sich ohne Zutun von Händen losriß, traf das Bild auf
    seine Füße, und alle seine Teile wurden zermalmt. Die
    Macht der Nationen wird gerichtet und zermalmt, und
    die ganze Erde wird unter der Herrschaft Christi mit
    Segen erfüllt werden. Der Thron Jehovas auf Erden wird
    wieder aufgerichtet werden, doch nicht zeitweilig, auf
    Grund von Satzungen, die durch des Menschen Untreue


    147



    gebrochen werden können, sondern auf die Dauer, da ihn
    Einer übernimmt, der in jeder Hinsicht die Herrschaft
    aufrechtzuerhalten vermag.
    Das Volk, dem Sacharja weissagte, hatte zweifellos den
    Propheten Daniel gelesen und wußte somit etwas von den
    vier aufeinanderfolgenden Reichen, die vor der Aufrich-
    tung des Reiches Christi ihren Lauf vollenden würden.
    Diese Reiche wurden dem Sacharja unter dem Bilde von
    vier Wagen dargestellt, doch der Geist Gottes betrachtet
    sie hier in einer Eigenart, die im Buche Daniels nicht
    vor uns kommt. Dort haben wir das Öffentliche oder Ge-
    schichtliche der vier Reiche, wie es ihrer Darstellung dem
    Nebukadnezar gegenüber entsprach, doch hier erklärt der
    Engel die vier Wagen mit den Worten: „Diese sind die
    vier Geister des Himmels, welche ausgehen, nachdem sie
    sich vor den Herrn der ganzen Erde gestellt haben" (V. 5).
    Sie stehen also in einer bestimmten Beziehung zur Aus-
    führung der Pläne Gottes, des „Herrn der ganzen Erde".
    Gott will, daß Seine Heiligen die Reiche der Nationen der-
    art betrachten; es ist dies gleichsam ein Sonderanblick,
    der dem Glauben vorbehalten ist, doch ein sehr tröstlicher,
    wenn wir ihn geistlich erfassen. Das zeigt, daß Gott in
    Seiner Regierung und Vorsehung während der Zeit der
    aufeinanderfolgenden Reiche der Nationen wirksam ist.
    Die Mächte der Nationen sind sich dessen nicht bewußt,
    doch dem Glauben des Überrestes wird das kundgetan. Es
    ist die nach außen hin verborgene Seite der Zeiten der
    Nationen. Diese ganze Zeit über geht etwas vor, was den
    Augen der Menschen verborgen ist, doch Gottes Vorsehung
    gemäß der Förderung der Pläne des Herrn der ganzen
    Erde dient, und dies während des langen Zeitabschnitts
    zwischen der Beiseitesetzung des Thrcnes Jehovas auf
    Erden und dem Kommen Christi, wo Gottes Regierung
    öffentlich in Macht aufgerichtet werden wird. Das zu wis-
    sen ist ein großer Trost für den Glauben.
    Die Unerschütterlichkeit dieser geheimen Regierung


    148

    Gottes .wird in den zwei Bergen von Erz dargestellt,
    zwischen denen die vier Wagen hervorkamen. Gott will,
    daß wir wissen, daß Er in allem festen Grundsätzen ge-
    mäß die Obergewalt hat, so daß keine Macht des Men-
    schen dagegen aufkommen kann, obwohl alles unbeständig
    erscheint und meist durch den Widerstreit menschlichen
    Ehrgeizes gekennzeichnet wird, ja manchmal sogar durch
    ein Ubergewicht des Bösen.
    Sacharja weissagte zur Zeit des zweiten Wagens. *Das
    große Haupt der Macht der Nationen hatte völlig versagt,
    der ihm anvertrauten Verantwortlichkeit zu entsprechen,
    und war unter Gottes Gericht gekommen, deshalb sagt
    Er: „Siehe, die, welche nach dem Lande des Nordens aus-
    gezogen sind, haben meinen Geist Ruhe finden lassen
    (oder meinen Zorn gestillt) im Lande des Nordens" (V. 8).
    Gott hatte Babel wegen seines Hochmuts, seines Götzen-
    dienstes und seiner Grausamkeit gegen Sein Volk ge-
    richtet und deutete damit an, daß alle die Mächte der
    Nationen, die ihrer Verantwortlichkeit nicht entsprechen
    würden, schließlich ebenso von Ihm gerichtet werden
    würden. In Cyrus, dem Kores der Bibel, nun hatte Gott
    eine Macht erweckt, die Seinem Volke günstig war und
    den Bau Seines Hauses durch den aus Babel erretteten
    Überrest förderte. Die Welt sieht in ihm nur einen großen
    Eroberer, doch der Glaube des Volkes Gottes erkennt, daß
    durch ihn ein Geist des Himmels das Gericht Babels und
    die Befreiung des Uberrestes vollzog. Man könnte sagen,
    das liegt so klar zu Tage, daß es kaum des Glaubens be-
    darf, es zu erkennen, doch was bei ihm so klar war, war
    und ist es bei all den Reichen der Nationen. Jedes war in
    gewissem Sinne das Werkzeug, Gottes Plan zu fördern.
    Wir haben deshalb die obrigkeitliche Gewalt, als von Gott
    eingesetzt und verordnet, anzuerkennen, wie es auch Pau-
    lus in Röm. 13 zum Ausdruck bringt: „Sie ist Gottes
    Dienerin, dir zum Guten" (V. 1 u. 4), und desgleichen in
    Tit. 3, 1: „Erinnere sie, Obrigkeiten und Gewalten unter-

    149



    worfen zu sein, Gehorsam zu leisten." Und Petrus sagt:
    „Unterwerfet euch aller menschlichen Einrichtung um des
    Herrn willen: es sei dem Könige als Oberherrn oder den
    Statthaltern als denen, die von ihm gesandt werden zur
    Bestrafung der t7beltäter, aber zum Lobe derer, die Gutes
    tun" (1. Petr. 2, 13 u. 14).
    .Alles das hat mit unserem Erfassen eines Umstandes
    zu tun, dessen sich die Obrigkeiten vielleicht ganz und
    gar nicht bewußt sind. Wir sehen, daß die „Geister des
    Himmels, die ausgehen, nachdem sie sich vor den Herrn
    der ganzen Erde gestellt haben", einen Platz darin haben.
    Das ist die Wahrheit, selbst wenn schlechte Menschen
    Herrschaftsstellungen innehaben. Gott teilte sogar dem
    Nebukadnezar in den Worten mit, „daß der Höchste über
    das Königtum der Menschen herrscht und es verleiht,
    wem er will, und den Niedrigsten der Menschen darüber
    bestellt" (Dan. 4, 22). Seit Beginn der Zeiten der Nationen
    sollte Gottes treuer Uberrest darauf achten, die bestehen-
    den Obrigkeiten anzuerkennen und ihnen untertan zu sein.
    Von dem vierten Wagen heißt es: „Und die Starken
    ziehen aus und trachten danach, die Erde zu durchziehen.
    Und er sprach: Gehet, durchziehet die Erde! Und sie
    durchzogen die Erde" (V. 7). Wir können verstehen, daß
    das Römische Reich einen besonderen Platz in diesem
    Gesicht hat, weil zu seiner Zeit Christus kommen und
    die Versammlung auf Erden sein sollte. Das entsprach der
    Weisheit Gottes; die „starken" Rosse hatten daher einen
    besonderen Auftrag, der keinem der anderen zuteil wurde.
    Wir können sicher sein, daß Gott besonderen Anteil an
    der Art der Macht aus den Nationen nahm, die am Ruder
    war, als Er Seine größten Taten vollbrachte. Es war kein
    Zufall, daß das Römische Reich das Gebiet umfaßte, wo
    sich im allgemeinen das Christentum ausbreitete. Das war
    Gottes Fügung, und die Mächte wurden dem Christentum
    günstig. Welche menschlichen Beweggründe auch dabei
    wirksam sein mochten, es ward ein gewisses Licht über


    150

    Gott verbreitet, das in der heidnischen Welt keinen Platz
    hatte. Insofern das geschah, kam es den Menschen zu-
    gute. Es scheint mir, daß die Worte des Engels in Sach. 6
    darauf schließen lassen, daß Gott immer in Verbindung
    mit den von Ihm hienieden eingesetzten Regierungsmäch-
    ten eine gewisse Wirksamkeit entfaltet. Sie geschieht im
    Verborgenen, doch der Glaube nimmt sie wahr. Ich denke,
    Paulus hat dessen eingedenk zu Felix, Festus, Agrippa und
    Nero gesprochen. Sie vertraten die göttliche Regierungs-
    gewalt in dieser Welt, er die göttliche Gnade, und er redet
    mit all der ihrer Stellung gebührenden Hochachtung zu
    ihnen.
    In Vers 9 kommen wir nun zu einem anderen Gegen-
    stand. Einige der aus Babel gekommenen Weggeführten
    vermochten Silber und Gold zu geben, woraus Kronen zu
    machen waren, die auf das Haupt Josuas, des Hohen-
    priesters, gesetzt werden sollten. Die Regierung Gottes
    hatte unter den ersten der vier Reiche einen schweren
    Druck auf das Volk Gottes ausgeübt, doch die Folge da-
    von war, daß sie etwas erlangten, wodurch das Priester-
    tum Gewinn hatte. Das wirft ein Licht auf das, was die
    Regierung Gottes in der Verborgenheit zustandebringt. Die
    Gefangenschaft war die Folge einer langen Untreue und
    des Abfalls, doch sie brachte denen, die sich ihr in der
    Furcht Gottes unterwarfen, Gewinn. Manche von uns
    mögen erkennen, daß sie infolge unseres Unrechttuns in eine
    Art Gefangenschaft geraten sind. Ich denke, es gibt sehr
    wenige Heilige, die nicht eine Zeitlang unter der Regie-
    rung Gottes zu leiden hatten, die sie das ernten ließ,
    was sie gesät hatten. Doch welch einen Trost können wir
    aus der vorliegenden Schriftstelle schöpfen, die uns zeigt,
    daß wir, wenn wir uns der Regierung Gottes unterwerfen,
    geistlichen Reichtum erlangen.
    Der allgemeine Zustand des christlichen Bekenntnisses
    heutzutage ist einer der Gefangenschaft. Es ist nur wenig
    von dem zu finden, was der Apostel „unsere Freiheit"


    151

    nennt, „die wir in Christo haben" (Gal. 2, 4), und das ist
    die Folge eines derart langen Abweichens von der Wahr-
    heit, daß die meisten es als ein normales Christentum
    hinnehmen. Doch die, welche diese Knechtschaft gefühlt
    haben sowie den Gegensatz von dem allem zu den Gedan-
    ken Gottes, sind mit großem geistlichen Gewinn daraus
    hervorgegangen. Viel „Silber und Gold" ward bei denen
    gefunden, die durch die Ubungen der Gefangenschaft ge-
    lernt haben, Jerusalem und das Haus Gottes zu schätzen.
    Silber redet von dem, was der in der Gnade der Erlösung
    gekannte Gott ist. Es gab einen großen Zuwachs an geist-
    lichem Reichtum, als die Gläubigen im Lichte der Schrift
    das zu betrachten iiegannen, was das Ergebnis des Todes
    Christi war..Gewisse große und kostbare Dinge sind nun
    auf Grund der Tatsache Wirklichkeiten geworden, daß
    Christus starb und Sein Blut vergossen ward. So sind zum
    Beispiel die Sünden der Gläubigen hinweggetan worden,
    und Gott wird ihrer nie mehr gedenken; die Folge davon
    ist, Christus führt Seine Erlösten auf eine • priesterliche
    Weise zu Gott, sie sind durch Sein Blut nahe geworden
    (Eph. 2, 13), kennen die Liebe Gottes und sind mit Ihm
    versöhnt. Im Werte der Versöhnung stehend, gibt es kei-
    nen Schatten der Entfernung zwischen den Versöhnten
    und dem gepriesenen Gott. Das „Gold" sodann läßt uns
    an die göttliche Herrlichkeit denken, die darin ausstrahlt,
    daß solchen ein gänzlich neuer Platz vor Gott verliehen
    wird, nämlich der von Kindern und Söhnen; es führt un-
    sere Gedanken zu dem, was in der Kraft einer neuen
    Schöpfung Bestand hat, das umfaßt eine Weltordnung,
    in der das Alte vergangen und alles neu geworden ist,
    alles „aber von dem Gott, der uns mit sich selbst versöhnt
    hat durch Jesum Christum" (2. Kor. 5, 17 u. 18). Wie ver-
    schieden ist alles das von dem, was sich in der religiösen
    Welt durchgesetzt hat! Doch eben dies schafft Kronen für
    das Priestertum. In unseren Tagen ist nichts wichtiger, als
    das, ,daß der Priesterdienst einen höheren Platz bekommt,

    152

    und ich glaube, daß es Gottes Absicht ist, dies durch alles
    das, was vorgeht, zustandezubringen.
    Niemand kann bezweifeln, daß Gott gegenwärtig mit
    den Völkern Europas in besonderer Weise redet; und Sein
    Volk geht in vielen Ländern durch große ,Drangsal. Doch
    das in uns Gewirkte soll uns „Silber und Gold" verschaf-
    fen, das heißt eine zunehmende Erkenntnis Gottes, die
    uns befähigt, dem Priesterdienst einen größeren Platz zu
    geben. Wir sollten mehr darauf bedacht sein und nicht
    bloß darauf, Trost zu erlangen. Es besteht die Möglich-
    keit, daß der Dienst Gottes eine Gestaltung erfährt, die
    über das hinausgeht, was wir bisher in der Versammlung
    gekannt haben. Es können neue Kronen gemacht werden;
    und die, die ihren erlangten Reichtum bringen, um sie her-
    zustellen, denen werden. sie „zum Gedächtnis sein im Tem-
    pel Jehovas" (V. 14). Sollte nicht jeder,. der Gott liebt,
    begehren, ein 'derartiges Gedächtnis zu haben, und das
    herbeibringen, was zur Würde und Herrlichkeit des
    Priesterdienstes beiträgt!
    Zu der Zeit nun, wo Josua die Kronen auf sein Haupt
    gesetzt werden, empfängt er auch ein besonderes Wort
    von Jehova über Christum. Wir können sicher sein, daß,
    wenn priesterliche Zustände unter uns gefördert werden,
    unsere Erkenntnis über Christum sich sehr. erweitert. Er
    wird als Der erkannt werden, der in Wahrheit den Tem-
    pel baut. In Vers .12 u. 13 heißt es: „Siehe,, ein Mann,
    sein Name ist Sproß; und er wird von seiner Stelle auf-
    sprossen und den Tempel Jehovas 4auen, ja, er wird den
    Tempel Jehovas bauen." Es wird kein geistliches Ver-
    ständnis über den Tempel, wie er heute besteht, geben, es
    sei denn, wir sehen, daß Christus Der ist, der ihn baut.
    Wenn unser verantwortliches Bauen nicht dem Christi
    entspricht, so ist es wertlos. Es ist lebenswichtig, den Mann
    zu betrachten, dessen Name Sproß ist. Seine Ankunft war
    in den Tagen Sacharjas noch zukünftig, doch wir kennen
    Ihn als Den, der als ein heiliger Mensch gekommen ist,


    153




    und in dem alles, was zum Wohlgefallen und zur Herr-
    lichkeit Gottes ist, zum Ausdruck kam. Gott hat dem
    David einen gerechten Sproß erweckt, und er ist der Ver-
    heißung gemäß aus dem Samen Davids (Jer. 23, 5; 33, 15).
    Die Tatsache, daß Er Sproß genannt wird, deutet die
    Frische und Lebenskraft von dem an, was in Ihm hervor-
    sproßte, damit es die Gerechtigkeit und Schönheit und
    Herrlichkeit Seiner Heiligen sei, und so ist Er „zur Vor-
    trefflichkeit und zum Schmuck für die Entronnenen Is-
    raels" (Jes. 4, 2). Ein Sproß entfaltet Lebenskraft und
    ist ein passendes Sinnbild oder Titel von Dem, der als „die
    Frucht der Erde" erschien und auf so wunderbare Weise
    als Sohn einer Jungfrau geboren wurde (Jes. 7, 12).
    Das Wort: „Er wird von seiner Stelle aufsprossen",
    zeigt, wie völlig Er allem entsprach, was der Wille Gottes
    Ihm ersehen hatte, und von Seiner Kindheit an bis zum
    Mannesalter einen Gehorsam entfaltete, der allezeit voll-
    kommen war und bei jedem Schritt immer völliger offen-
    bar ward. Dieses wunderbare Leben ist in der Tat ein
    ewiges Studium für die Herzen aller Erlösten. Ich denke,
    es geht nicht zu weit, wenn ich sage, dadurch, daß wir
    sehen, wie Er Seinen Platz hienieden im Fleische aus-
    fiillte, haben wir zu lernen, wie Er jeden Platz der Herr-
    lichkeit ausfüllen wird. In gewissem Sinne ist Sein Platz
    im Fleische wunderbarer als jeder andere, den Er je aus-
    füllen wird, da Er in ihm „an dem, was er litt, den Ge-
    horsam lernte" (Hebr. 5, 8). Er kam in einem für Ihn
    bereiteten Leibe in die Welt, um den Willen Gottes zu
    tun, und ward bis zum Tode gehorsam, obwohl Er der
    „Herr der Herrlichkeit" war (Phil. 2, 8; 1. Kor. 2, 8).
    Sein Tod wird in Sach. 6 nicht erwähnt, weil der Geist
    Gottes hier das Augenmerk auf Ihn als den Erbauer des
    Tempels richtet, sodann auf Den, der Herrlichkeit trägt
    und auf Seinem Throne herrscht und Priester sein wird
    auf diesem Throne. Aus anderen Schriftstellen aber wissen


    154

    wir, daß Er das alles tun wird auf Grund dessen, daß Er
    Gott in Seinem Tode verherrlicht hat.
    „Und er wird den Tempel Jehovas bauen, ja, er wird
    den Tempel Jehovas bauen." Welch einen neuen Gedan-
    ken über den Tempel bekommen wir, wenn wir sehen, daß
    Er ihn baut! Das wird noch einmal wiederholt, damit wir
    es besonders beachten. Aus Hebr. 3, 3 erhellt, daß Jesus
    der Erbauer des Hauses ist: „Denn dieser ist größerer
    Herrlichkeit würdig geachtet worden als Moses, insofern
    größere Ehre als das Haus der hat, der es bereitet hat."
    Er erwählte am Anfang Seines Dienstes Simon dazu, ein
    Stein in diesem wunderbaren Bau zu sein. Denken wir
    mit Wohlgefallen an die Unumschränktheit der Liebe, die
    uns einen derartigen Platz ausersehen 'hat? Würden wir
    es nicht gern sehen, daß Er uns in jenem heiligen Tempel
    dahin setzt, wo Er will? Die Bauenden in Sacharjas Tagen
    ermutigte der Gedanke, wie Christus den Tempel bauen
    würde. Wir sind verantwortlich, dem Lichte gemäß zu
    bauen, das uns Christus über Sein Bauen gegeben hat. Wir
    werden da nicht in einer fleischlichen, sondern in einer
    geistlichen Weise tätig sein, da wir wissen, daß nur geist-
    licher Baustoff für ein geistliches Haus geeignet ist.
    Dann heißt es weiter: „Und er wird Herrlichkeit tra-
    gen"; Er ist der wahre „Eljakim", an den „die gesamte
    Herrlichkeit seines Vaterhauses" gehängt wird (Jes. 22, 20
    u.24). Er ist groß genug, die Herrlichkeit, die wir heute
    kennen, aufrechtzuerhalten: Er sagte: „Und die Herrlich-
    keit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben"
    (Joh. 17, 22). Das wahre Wesen der Sohnschaft erkennen
    wir, indem wir sehen, daß Christus ihre Herrlichkeit vor
    dem Vater trägt, es ist dies aber. eine Herrlichkeit, die Er
    den Seinen gibt. Es gibt noch andere Herrlichkeiten, die
    Er trägt, auf die auch in Joh. 17 hingewiesen wird, und
    Er wird derer am Tage der Zukunft viele tragen, „wenn
    er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters
    und der heiligen Engel" (Luk. 9, 26). Was die gegen-


    155


    wärtige Zeit anlangt, so trägt Er die Herrlichkeit der den
    von Gott Berufenen verliehenen Gunst oder Wohlannehm-
    lichkeit, so daß wir die Herrlichkeit der Gnade Gottes
    in Ihm sehen.
    In Vers 13 heißt es dann weiter: "Und er wird auf sei-
    nem Throne sitzen und herrschen." Das verweist zweifel-
    los auf Seine künftige Herrschaft, wo Er in Ruhe Sein
    Reich beherrscht, doch es ist gut, uns daran zu erinnern,
    daß Er jetzt ein Reich hat: der Vater hat uns in das Reich
    des Sohnes Seiner Liebe versetzt, Er ist der wahre Salomo
    (Kol. 1. 13). Dieser Zusammenhang läßt uns daran ge-
    denken, daß es Salomo war, der das Haus baute; sein
    Reich wurde eingesetzt, damit er dem Namen Jehovas
    ein Haus baue. Seine Friedensherrschaft war nötig, da-
    mit nichts den Bau des Hauses hindere. Christus kann
    nichts Ununterwürfiges gebrauchen, nur unter Seine Herr-
    schaft Gekommene sind der geeignete Baustoff für Got-
    tes Haus. Doch Seine Herrschaft ist, wie wir wissen, eine
    Herrschaft der Liebe; Sein Reich ist von Liebe durch-
    drungen. denn Er ist der Sohn der Liebe des Vaters.
    Und Er „wird Priester sein auf seinem Throne" (V. 13).
    Als königlicher Priester ist Er nach der Ordnung Melchi-
    sedeks. wie wir aus Hebr. 6, 20 sehen. Er dient Seinem
    Volke priesterlich, der Größe Seiner Person entsprechend
    und der Größe Seines Platzes gemäß, „zur Rechten des
    Thrones der Majestät in den Himmeln" (Hebr. 8, 1), und
    wir können dem hinzufügen, gemäß der Größe des Wertes
    und des Ergebnisses der Aufopferung Seiner Selbst (Hebr.
    9, 26). Er dient auch vor Gott, damit nichts im Dienste
    des Hauses mangle. Wie sehr würde gerade diese Er-
    wägung unsere Gedanken erheben! Den Bauenden in den
    Tagen Sacharjas ward dies prophetisch geoffenbart, um
    sie zu ermutigen; wie viel ermutigender ist das für uns,
    da das prophetische Wort nun eine große und wunderbare
    Wirklichkeit geworden ist.
    Dann heißt es schließlich: „Und der Rat des Friedens

    156



    wird zwischen ihnen beiden sein" (V. 13). Das ist eine
    der vielen Schriftstellen, die uns die Gottheit des Messias
    klar bezeugen, denn hier ist von dem Messias und Jehova
    die Rede. Von einem „zwischen ihnen beiden" könnte
    nicht gesprochen werden, wenn der hier genannte Mensch
    keine göttliche Person wäre. Kap. 13, 7 bestätigt dies mit
    den Worten: „Schwert, erwache wider meinen Hirten, ja
    wider den Mann, der mein Genosse ist, spricht Jehova
    der Heerscharen." Das erinnert an solche Worte im Evan-
    gelium Johannes wie: „Ich und der Vater sind eins" (Joh.
    10, 30). Alles in Gottes Vorsätzen der Segnung ist zwischen
    Ihm und Seinem Gesalbten festgesetzt worden, so daß da
    ein Zusammenbruch unmöglich ist.
    Dann heißt es: „Entfernte werden kommen und am
    Tempel Jehovas bauen"; die Nationen werden somit Teil
    an diesem heiligen Werke haben, wie es jetzt der Fall ist.
    Aber alles Bauen hat in dem Lichte zu geschehen, wie es
    der Uberrest in den Tagen Sacharjas in prophetischer
    Weise empfing.

    Kapitel 7

    Etwa zwei Jahre nach dem Beginn des Bauens des
    Hauses kamen einige Männer, „um Jehova anzuflehen
    und um den Priestern des Hauses Jehovas der Heer-
    scharen und den Propheten zu sagen: Soll ich weinen im
    fünften Monat, mich enthaltend, wie ich schon so viele
    Jahre getan habe?" (V. 2 u. 3.) Diese Männer halfen nicht
    das Haus bauen, sie entsprachen dem Laufe der Gedanken
    Gottes ganz und gar nicht. Sie hatten den Druck der Ge-
    fangenschaft in einer natürlichen Weise empfunden und
    den äußeren Anschein der Anerkennung Gottes gewahrt,
    wie es die Leute so oft tun, wenn Seine Hand auf ihnen
    ruht, doch es war keine echte L7bung vor Gott. Sehr oft
    beruhigen die Menschen ihr Gewissen dadurch, daß sie
    Gott nach außen hin in gewisser Weise anerkennen, aber

    157

    überhaupt nicht wahrhaft zu Ihm umkehren. Deshalb
    lautete das Wort Jehovas: „Habt ihr. irgendwie mir ge-
    fastet ?" (V. 5.) In Zeiten der Drangsal wünschen die
    Menschen wohl, daß Gott ihrethalben eingreife, aber sie
    tun keine wahre Buße, und sogar Sein Volk kann dahin
    kommen, zu denken, daß es genügt, den eigenen Zustand
    der Form nach anzuerkennen oder in Niedriggesinntheit
    weiterhin den eigenen Willen zu tun, ohne Ubungen, die
    unser Zustand erfordert, ins Angesicht zu schauen. Das
    ist jedoch eine eitle Hoffnung, Gott schaut bei denen, die
    mit Ihm zu tun haben, nach Wirklichkeit aus
    Das Wort Jehovas an Sacharja lenkte daher das Augen-
    merk auf den sittlichen Zustand Seines Volkes, und der
    Hauptgegenstand dabei war, daß unter den Brüdern rechte
    Beziehungen zueinander bestehen sollten. Ihre Beziehun-
    gen zu Gott konnten nicht die rechten sein, wenn sie nicht
    recht gegeneinander handelten. Und so sprach Er: „IIbet
    ein wahrhaftiges Gericht, und erweiset Güte und Barm-
    herzigkeit einer dem anderen; und bedrücket nicht die
    Witwe und die Waise, den Fremdling und den Elenden;
    und sinnet keiner auf seines Bruders Unglück in euern
    Herzen. Aber sie weigerten sich, aufzumerken, und zogen
    die Schulter widerspenstig zurück, und machten ihre
    Ohren schwer, um nicht zu hören. Und sie machten ihr
    Herz zu Diamant, um das Gesetz nicht zu hören noch die
    Worte, die Jehova der Heerscharen durch seinen Geist
    mittels der früheren Propheten sandte; und so kam ein
    großer Zorn von seiten Jehovas der Heerscharen" (V.
    9-12).
    In den brüderlichen Beziehungen versagte die Ver-
    sammlung zuerst; nach Apg. 6, 1 „entstand ein Murren
    der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen bei
    der täglichen Bedienung übersehen wurden". Wahrschein-
    lich kann die Wurzel alles Abweichens und der ihm fol-
    gende Verlust des Segens auf die Schwächung und das
    Aufgeben der Bande der Liebe zurückgeführt werden, die

    158

    die Brüder ordnungsgemäß verbinden. Die Versamm-
    lungen wurden zu bald. Zusammenscharungen, und die
    Wärme und Freiheit des Familienkreises ging verloren.
    Wenn die Heiligen aufhörten, einander zu lieben, wie
    Christus sie liebte, so hatten sie ihre erste Liebe verlassen
    und waren gefallen und hatten Buße sowie die ersten
    Werke zu tun (Offb. 2, 4 u. 5). Der Herr möchte, daß
    wir sehr empfindsam sind, was die Aufrechterhaltung
    glücklicher Beziehungen zu unseren Brüdern anlangt. In
    Matth. 5, 23 u. 24 heißt es: „Wenn du nun deine Gabe
    darbringst zu dem Altar und dich daselbst erinnerst, daß
    dein Bruder etwas wider dich habe, so laß daselbst deine
    Gabe vor dem Altar und geh zuvor hin und versöhne dich
    mit deinem Bruder; und dann komm und bringe deine
    Gabe dar." Diese Worte des Herrn besagen, unsere Her-
    zen sollten es beim Nahen zu Gott empfinden, wenn unser
    Bruder etwas gegen uns hat, und es fühlen, daß wir mit
    ihm versöhnt sein müssen, bevor wir Gott etwas dar-
    bringen können. Wenn wir darauf achteten, so würden
    nicht so viele ungeordnete Klagen vorhanden sein, die
    manchmal lange Zeit andauern und dadurch einen lähmen-
    den Einfluß auf die Freiheit im Dienste Gottes ausüben.
    In der Versammlung zu Philadelphia , sehen wir pro-
    phetisch die Neubelebung der Versammlung in einem
    Erberrest zur Zeit des Endes. Philadelphia. bedeutet
    Bruderliebe, und die Wiederherstellung ist die Folge der
    Rückkehr zu ihr. Wenn wir die Brüder lieben, werden wir
    nichts Böses wider sie in unseren Herzen hegen, noch
    übel von ihnen reden oder ihnen etwas zuleide tun. Wir
    werden in jeder Hinsicht ihr Wohl suchen, und das kann
    nur dadurch geschehen, daß wir nach Heiligkeit und
    Wahrheit trachten. Wir begehren dann, daß Christus an
    ihnen allen Wohlgefallen hat und dulden deshalb nichts in
    ihnen, was Christus haßt. '
    Wir sind sowohl in Wüstenzuständen Brüder als auch
    im Lande. Es ist zu beachten, daß Paulus an die Kolosser


    159



    und Epheser auf Grund dessen schreibt, daß er von ihrer
    „Liebe zu allen Heiligen" gehört hatte (Eph. 1, 15; Kol.
    1, 4). Das scheint die notwendige Voraussetzung zu sein,
    ihnen das Auferstandensein und die himmlische Stellung
    der Heiligen zu erschließen. Ich glaube, daß die Heiligen,
    als die Bruderliebe dahinschwand, die Fähigkeit verloren,
    diese beiden Briefe zu schätzen. Das Geheimnis dessen, daß
    Israel das Land verlor, war der Zusammenbruch ihrer
    brüderlichen Beziehungen. Und so wird hier festgestellt:
    „Das Land wurde hinter ihnen verwüstet .. . sie machten
    das köstliche Land zu einer Wüste" (V. 14). Es ist sehr
    ernst daran zu denken, daß die Versammlung „das Land"
    aus demselben Grunde erfahrungsgemäß verlor wie Israel.
    Das Land kann nur in der göttlichen Natur genossen wer-
    den, also in der Natur, die wir als aus Gott Geborene
    haben, und diese wird in der Bruderliebe offenbar. Damit
    können wir die Richtung verstehen, in der Gott zur
    Wiederherstellung an unserem Tage wirkt. Im einzelnen
    führt das das nächste Kapitel aus, was in der Tat davon
    redet, wie Gott Jerusalem zukünftig wiederherstellen wird,
    doch wir können das dem Geiste und Grundsatze nach
    auf das anwenden, was Gott heute tut. Das heißt, Er führt
    Seine Heiligen der Vevsammlung zu Seinen eigenen Ge-
    danken zurück, wie Er es am Tage der Zukunft mit Israel
    tun wird.
    Kapitel
    In diesem Kapitel sehen wir Jehova „für Zion mit
    großem Eifer" eifern und nach Zion zurückkehren, damit
    es kraft Seiner Gegenwart und Macht derart gestaltet
    werde, wie es Seinen Gedanken entspricht. Zion stellt,
    soviel wir wissen, das unumschränkte Erbarmen dar,
    Jerusalem dagegen Seine die ganze Welt umfassenden
    Gedanken, zu denen Er hier nach der langen Zeit des
    Abweichens Seines Volkes wieder zurückkehrt. Gott hatte


    160


    Seine Gedanken nicht aufgegeben, wohl aber Sein Volk,
    und nun wendet Er Sich in besonderem Erbarmen zu Seinem
    Volke und bringt es zurück. Das ist es, was Er gegenwärtig
    den Heiligen der Versammlung gegenüber tut. Die Folge
    davon, daß Gott mit Seinem Volke ist, offenbart sich
    darin, daß es Wahrheit und Heiligkeit kennzeichnen: „So
    spricht Jehova: Ich kehre nach Zion zurück und will in-
    mitten Jerusalems wohnen; und Jerusalem wird genannt
    werden ‚Stadt der Wahrheit', und der Berg Jehovas ,der
    heilige Berg' (V. 3). Das steht in Beziehung zu dem,
    was wir über die Versammlung zu Philadelphia sagten,
    der Sich der Herr als „der Heilige und Wahrhaftige" dar-
    stellt (Offb. 3, 7). Wenn Gottes Erbarmen eingreift, Abge-
    wichene wiederherzustellen, so wird die Frucht dieses
    Werkes in Liebe, Wahrheit und Heiligkeit offenbar. Ge-
    trennt davon kann nicht erkannt werden, daß Gott mit
    Seinem Volke ist.
    Gott wirkt nicht dahin, bloße Grundsätze aufzustellen,
    von denen wir bekennen, daß sie von Ihm herrühren,
    sondern dahin, daß Personen als solche, die an Seinem
    Wirken teilhaben, in ihrem Wandel gekennzeichnet wer-
    den. „So spricht Jehova der Heerscharen: Es werden noch
    Greise und Greisinnen in den Straßen von Jerusalem
    sitzen, ein jeder mit seinem Stabe in seiner Hand vor
    Menge der Tage. Und die Straßen der Stadt werden voll
    sein von Knaben und Mädchen, die auf ihren Straßen
    spielen" (V. 4 u. 5). Das ist ein schöner Hinweis darauf,
    daß in Gottes Stadt Raum für jede Altersstufe geistlichen
    Lebens ist. Die Greise und Greisinnen stellen solche dar,
    die eine lange Erfahrung der Treue und des Erbarmens
    Gottes durchgemacht haben; ihre Gegenwart in der Ver-
    sammlung ist sehr hoch zu schätzen. Die Zeit tätiger
    Arbeit ist vorüber, doch sie sind da als geruhsame Zeugen
    dessen, was Gott gewirkt hat. Die „Knaben und Mädchen-
    reden von dem jungen Leben, das kennengelernt hat, in
    der Versammlung glücklich zu sein. Es ist ein Zug der
    11 Kleine Propheten
    161




    gegenwärtigen Wirksamkeit Gottes, daß sich so viele junge
    Leute öffentlich mit dem Namen des Herrn und' Seinen
    Heiligen einsmachen, die in der Wahrheit 'zu wandeln
    suchen, sie finden wahrhafte Freude daran, dies zu tun.
    Wie ermutigend, zu wissen, daß Gott sogar auf „Knaben
    und Mädchen" achtet, die ihren Platz in Seiner Stadt
    haben. Er liebt es, sie in der Versammlung als solche zu
    sehen, die sich ihres Platzes daselbst erfreuen. Junge Leute
    sind der geistlichen Möglichkeiten in Verbindung mit
    ihnen halber hoch zu schätzen; diese werden das künftige
    Geschlecht kennzeichnen. Laßt uns ihnen in Wort und
    Beispiel die ganze geistliche Hilfe bringen, zu der wir
    imstande sind. Die zwischenliegenden Altersstufen werden
    hier nicht erwähnt, doch die Tatsache, daß von den
    Ältesten und Jüngsten gesprochen wird, deutet darauf hin,
    daß es der Stadt an keiner Altersstufe mangelt. Das ist
    Gottes Gedanke über Seine Versammlung, und Er stellt
    uns das vor, um uns sogar in den Tagen des Überrests zu
    ermutigen. Nach Vers 6 mag das in den Augen des Über-
    rests „wunderbar" sein, doch nicht in Gottes Augen, es
    ist nicht zu schwer für Ihn, es zustande zu bringen. Er
    wird Sein Volk dahin bringen, Seinen Gedanken zu ent-
    sprechen, auch wenn dieses nur ein Uberrest ist.
    Die nächste Abteilung unseres Kapitels ist besonders
    ermutigend, weil sie zeigt, daß sogar die Grundlegung des
    Hauses Gottes einen gewaltigen Unterschied zur Folge
    hatte. Das ist für uns heutzutage eine Ermunterung, wenn
    wir eben erst einen Anfang mit dem Herzensvorsatz ge-
    macht haben, daß Gott ein Haus haben soll, wo Ihm
    Seinen Gedanken gemäß gedient wird. Das verändert un-
    sere Lage in den Augen Gottes und sichert uns Seinen
    Segen. In der religiösen Welt um uns her dient man Gott
    den Gedanken der Menschen gemäß, doch wie kann das
    Gottes Haus sein, wo man Ihm nicht erlaubt, Seine eigenen
    Wege zu gehen? Deshalb gab es keinen rechten Ertrag
    des Erbes. „Denn vor diesen Tagen war kein Lohn für

    162

    die Menschen und kein Lohn für das Vieh, und der Aus-
    und Eingehende hatte keinen Frieden vor dem Bedränger,
    und ich ließ alle Menschen gegeneinander los" (V. 10).
    Daraus erhellt, daß, wenn wir nicht daran denken, daß
    Gott Seinen Platz und Sein Teil bekommt, es uns übel
    ergeht. Dann hört die Ackerpflege im geistlichen Sinne
    auf, die Felder liegen brach, der Weinbau wird vernach-
    lässigt, und es gibt weder eine Getreide- noch Weinernte.
    Doch sowie nur ein Anfang mit dem Legen des Grundes
    zum Hause Gottes gemacht wird, ändert sich sofort alles.
    „Nun aber will ich dem Überreste dieses Volkes nicht sein
    wie in den früheren Tagen, spricht Jehova der Heer-
    scharen; sondern die Saat wird gedeihen, der Weinstock
    wird seine Frucht geben, und die Erde wird ihren Ertrag
    geben, und der Himmel wird seinen Tau geben, und dem
    Überrest dieses Volkes werde ich das alles zum Erbteil
    geben" (V. 11 u. 12). Während so manche Christen den
    Mangel an geistlicher Nahrung beklagen, machen die, die
    danach trachten, daß etwas für Gott vorhanden ist, die
    Erfahrung, daß Er so viel gibt, daß sie es gar nicht be-
    . wältigen können, es einzusammeln.
    Nach Vers 13 wird der durch den Segen Gottes be-
    reicherte Uberrest•anderen zum Segen, und nach Vers 15
    hat Gott in unseren Tagen den Gedanken Seinem Volke
    Gutes zu tun, und das wird' Er tun, wo immer passende
    Zustände hierfür gefunden werden. Wenn. wir. tun, was
    Gott liebt und unseren Nächsten Treue erweisen, erfahren
    wir, daß Er uns Gutes tut. Unser Nächster ist der Gläu-
    bige, mit dem wir in Berührung kommen, und ihm gegen-
    über sollen wir die Wahrheit reden (V. 16). Das besagt
    nicht nur, daß wir ihm nichts Unwahres sagen, sondern
    die Wahrheit, wir haben also mit ihm über die Wahrheit
    zu reden, die wir kennen und lieben. Die Wahrheit wird
    ein wunderbares Band unter denen, die von ihr zueinander
    reden, und dies insonderheit am Tage des Abweichens,
    siehe den 2. Johannisbrief. Die Wahrheit bleibt bei uns


    163


    und wird mit uns sein in Ewigkeit (V. 2). In Luk. 1 wird
    von verschiedenen Taten Gottes berichtet, und dann heißt
    es in Vers 65: „Auf dem ganzen Gebirge von Judäa wur-
    den all diese Dinge besprochen." Uber allen Dienst des
    Wortes gibt es ein gut Teil zu reden, geschweige denn
    über den unendlichen Reichtum der Schriften. Die Be-
    schäftigung mit Heiligem bewahrt uns davor, Böses wider
    unseren Nächsten zu ersinnen, und wenn wir das nicht
    tun, werden wir auch nicht Böses von ihm reden (V. 17).
    Dann wird das „Fasten" zu „fröhlichen Testzeiten`'
    (V. 19), also zu Gemeinschaftsversammlungen, und die
    Wonne und Freude des Volkes Gottes zieht andere an.
    Die Schlußverse dieses Kapitels kennzeichnet ein Evan-
    geliumszug. "Und viele Völker und mächtige Nationen
    werden kommen, um Jehova der Heerscharen in Jeru-
    salem zu suchen und Jehova anzuflehen- V. 22). Die "Be-
    wohner vieler Städte- werden diese verlassen und zur
    Stadt Gottes kommen. „So spricht Jehova der Heerscha-
    ren: In jenen Tagen, da werden zehn Männer aus allerlei
    Sprachen der Nationen ergreifen, ja ergreifen werden sie
    den Rockzipfel eines jüdischen Mannes und sagen: Wir
    wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, daß Gott
    mit euch ist" (V. 23). Die Kunde davon, daß Gott mit
    Seinem Volke ist und für ihr, Wohlergehen sorgt, wird am
    Tage der Zukunft nicht ohne Folgen bleiben, und wir
    können uns darauf verlassen, daß dies dem Grundsatze
    nach auch heute gilt. Das Volk Gottes sichert sich am
    besten dadurch Bekehrte, daß es in seinen Beziehungen
    zu Gott und zueinander wahrhaft glücklich ist. In der
    Welt herrscht ein großer Mangel an Glück. so daß das
    Glück, dessen sich das Volk Gottes erfreut, in sich selbst
    eine mächtige Evangeliumspredigt ist.


    164


    Kapitel 9
    Am Anfang dieses Kapitels sehen wir, daß das Gericht
    Gottes über gewisse Städte kommt, die mehr oder weniger
    Jerusalem zu "übertreffen suchten; sie alle werden zu-
    schanden und müssen der Stadt Gottes Platz machen. Am
    Ende von Kap. 8 sahen wir, daß viele Bewohner ihre
    Städte verließen, um nach Jerusalem zu gehen; diese
    Städte stellen die in der Welt herrschenden Grundsätze
    dar, wie sie Damaskus, Tyrus, Zidon, Askalon und die
    anderen in Kap. 9 erwähnten Städte kennzeichneten, die
    alle dem Gericht Gottes verfielen. Die einzige Stadt, die
    bestehen bleiben wird, ist Gottes Stadt; Zion stellt Sein
    unumschränktes Erbarmen dar und Jerusalem Seine welt-
    umfassenden Gedanken der Segnung in Christo. Den Men-
    schen bietet sich jetzt die Gelegenheit, ihren Wohnsitz zu
    ändern, das zu verlassen, was unter dem Gericht ist, und
    dahin zu gehen, wo es eine völlige Segnung gibt.
    In Ps. 87 erwähnt Gott Ägypten, Babylon, Philistäa,
    T> rus und Äthiopien als die Geburtsstätte einiger. Diese
    Gebiete stellen die die Welt kennzeichnenden Grundsätze
    dar, sie suchen als Verkehrsmittelpunkte ihren Einfluß
    geltend zu machen und sich gleichsam mit Zion zu messen;
    doch weder Gott noch Sein Haus ist daselbst. In diesen
    Wettbewerbsmittelpunkten wird etwas aus dem Menschen
    gemacht, und wenn sie unsere Geburtsstätte sind, machen
    wir auch etwas aus den Menschen, doch all das wird ein
    Ende nehmen. Gott sei Dank, es gibt solche, die in Zion
    geboren sind, die ihr Dasein dem unumschränkten Er-
    barmen verdanken und fühlen, daß nur das einen Wert
    hat, das aus diesem Erbarmen kommt. Es ist lehrreich zu
    sehen, daß Gott, obwohl Er den Hochmut der Philister
    ausrotten will, Sich sogar aus ihnen einen Elberrest zu
    sichern gedenkt: „Er wird übrigbleiben unserem Gott und
    wird sein wie ein Fürst in Juda" (V. 7). Das ist eine treff-
    liche Erläuterung der Unumschränktheit des Erbarmens

    165









    Gottes, von dem N'iir sprachen. Wir alle werden allein auf
    diesem Grunde gesegnet.
    „Und ich werde für mein Haus ein Lager aufschla-
    gen . . . ; denn jetzt habe ich dareingesehen mit meinen
    Augen" (V. 8). Ich denke, das besagt, daß Gott das an-
    erkannte, was der Überrest als Sein Haus baute; es nahm
    eine bestimmte Gestalt an, obwohl es weit entfernt davon
    war, vollendet zu sein. Es war etwas da, worum Er Sein
    Lager aufschlagen wollte. Er will nicht das verteidigen,
    was in den Augen der Menschen einen großen Platz hat,
    sondern das, was die wahren Kennzeichen Seines Hauses
    trägt, wenn es auch nach außen hin gering erscheint. Die
    Christen sind gespalten, weil man andere Mittelpunkte
    errichtet hat, die sich das, was von Gott ist, anmaßen.
    Man hat verschiedene Körperschaften gebildet, dem Lichte
    der Menschen gemäß, doch nun, wo die Wahrheit der Ver-
    sammlung als das Haus Gottes ans Licht gekommen, haben
    dies die Gläubigen als die Wahrheit hinzunehmen und
    danach zu wandeln, oder sie unterstützen das, was dem
    entgegen ist. Gott wird Sein Lager nicht um das auf-
    schlagen, was der Wahrheit entgegen ist, die Er in Seiner
    Gnade hat neu aufleben lassen, sondern allein um das,
    was die wahren Kennzeichen Seines Hauses trägt. Er wird
    offenbar machen, daß Ihm Sein Haus sehr, kostbar ist.
    Gerade an dieser Stelle haben wir die wohlbekannte
    Weissagung darüber, daß Zions König zu ihr kommen
    wird. Der das Haus in den Tagen Sacharjas bauende 'Ober-
    rest sollte beachten, daß Christus als der Gerechte und
    ein Retter in Niedrigkeit kommen würde. Er erkannte
    damit Zion als Seine Stadt an, und die wahre „Tochter
    Zion" würde Ihn zweifellos als ihren König anerkennen.
    Doch Vers 9 muß klar von dem auseinandergehalten wer-
    den, was in Vers 10 gesagt wird. Dort lesen wir, daß Er
    Frieden zu den Nationen redet, und Seine Herrschaft von
    Meer zu Meer und vom Strome bis an die Enden der Erde
    ist. Das ist offenbar zukünftig. Vers 9 dagegen redet von

    166

    Seinem Kommen in einer Weise und Art, daß Ihn nur
    göttlich Unterwiesene erkennen konnten. Er ward ihnen in
    Niedrigkeit angeboten, damit offenbar würde, wie viele
    Herzen Ihn zu erkennen vermochten und sich freuten Ihn
    aufzunehmen. Alles zur völligen Freude der Tochter Zion
    Erforderliche war in ihrem demütigen König zugegen.
    Doch die in, Jerusalem Herrschenden erkannten Ihn nicht,
    nur der Glaube und die Liebe. Daß Er Zion in Niedrigkeit
    angeboten, ward, entspricht in hohem Maße der Art und
    Weise, wie Er Sich jetzt den Heiligen der Versammlung
    offenbart.
    Der Herr sagte: „Ich werde euch nicht als Waisen las-
    sen, ich komme zu euch" (Joh. 14, 18). Das prophetische
    Wort bereitete jedes ergebene Herz zu, Ihn als den König
    Zions zu erwarten. Es waren. solche da, die nach Ihm aus-
    schauten; Simeon „wartete auf den Trost Israels", und
    andere „auf Erlösung . . . in Jerusalem" (Luk.2, 25 u.38).
    Wir nun haben das bestimmte Wort: „Ich koinme zu
    euch"; sollten wir da nicht zu Ihm aufblicken, es zu er-
    füllen? Wenn der Gedanke Seines Kommens mehr unsere
    Herzen erfüllte, wäre unser Innerstes darum besorgt, daß
    Zustände vorhanden sind, die Ihn anziehen 'und Ihm ent-
    sprechen. Er ist „gerecht" (V. 9) besagt, daß was immer
    Er auch tun mag, Gerechtigkeit zur Grundlage hat. Er
    ist „Jesus Christus, der Gerechte" (1. Joh. 2, 1). Als
    „Retter" bringt Er uns alles das in Fülle, was nötig ist,
    Gottes kostbare Gedanken denen gegenüber durchzufüh-
    ren, die Ihn aufnehmen. Doch alles das geschieht in De-
    mut, wie es in den Worten, „auf einem Esel reitend, und
    zwar auf einem Füllen, einem Jungen der Eselin", zum
    Ausdruck-kommt. Obwohl Er Sich insonderheit der Toch-
    ter Zion und der Tochter Jerusalem darstellt, wird auch
    angedeutet, daß Er eine Stätte haben würde, wohin Er
    kommen konnte und wo man Ihn mit Frohlocken und
    Preis aufnahm. Einen flüchtigen Schimmer davon haben
    wir, als Er in Jerusalem hineinritt und Gottes Macht Ihn

    167

    zur Erfüllung dieses prophetischen Wortes bewahrte; doch
    gegenwärtig ist die einzige Stätte, wo Er mit Freuden auf-
    genommen wird, unter Seinen Heiligen der Versammlung.
    Die „Tochter Zion" und die „Tochter Jerusalem" haben
    sicherlich ihr geistiges Gegenstück in denen, die Christum
    jetzt als den zu ihnen Kommenden kennen und Ihn aus
    unverderbten Herzen mit Freuden aufnehmen können.
    Der Esel und das Füllen besagen, daß Er solcher bedarf,
    die Ihn an den Platz tragen können, an den zu kommen
    Er liebt. Ich bezweifle, daß Er zu der Versammlung ohne
    einen derartigen Dienst kommt. Welch ein Vorrecht ist
    es, Ihn in Liebe an den Platz zu tragen, der Ihm in der
    Versammlung zukommt! Das ist eine Ubung für uns alle,
    wenn wir „in Versammlung" zusammenkommen (1. Kor.
    11, 18), des Herrn Abendmahl erweckt da lebendige Zu-
    neigungen in allen Herzen, so daß wir alle in unseren
    Herzen zubereitet sind. Ihn an den Platz zu tragen, den
    Er einzunehmen liebt. Der Herr schaut nach diesem Dienst
    aus und bedarf seiner. Sollte er Ihm nicht bereitwillig
    erwiesen werden?
    Als Er in demütiger Gnade zu dem irdischen Jerusalem
    kam, kreuzigten sie Ihn, und das hatte zur Folge, daß der
    schuldigen Stadt alle Macht genommen ward und sie hilf-
    los ihren Feinden preisgegeben wurde. Jerusalem ward in
    der Tat eine "Grube, in der kein Wasser ist" (V. 11), und
    der gleicht alle fleischliche Religion. Doch es waren sogar
    in Jerusalem einige, die dort als „Gefangene der Hoff-
    nung" weilten (V. 12), und das prophetische Wort er-
    klärte: „Und du — um des Blutes deines Bundes willen
    entlasse ich auch deine Gefangenen aus der Grube, in der
    kein Wasser ist." Jerusalems „Gefangene" sind, denke ich,
    solche, die erkannt hatten, daß sie durch die Verwerfung
    ihres Messias alles verwirkt hatten, und daß ihre einzige
    Hoffnung in dem lag, was hier „das Blut deines Bundes"
    genannt wird. Hierdurch allein konnten sie befreit wer-
    den, wenn Gott aber auf Grund dessen handelte, so waren

    168

    dem, was Er für sie tun würde, keine Schranken gesetzt.
    Er wollte sie nicht nur aus der Grube herausnehmen, son-
    dern zur Festung zurückbringen und sie verteidigen. Und
    sie sollten „voll werden wie die Opferschalen, wie die
    Ecken des Altars" (V. 15). Die Opferschalen, auf die hier
    hingewiesen wird, sind solche wie in Kap. 14, 20: „Opfer-
    schalen vor dem Altar", es waren mit dem Dienste ver-
    bundene Gefäße. „Die Ecken des Altars" sind es, wo dessen
    „Hörner" angebracht waren, die seine Kraft darstellen
    (2. Mose 27, 2). Welch eine mächtige göttliche Befreiung!
    Aus der Grube herausgenommene Gefangene werden zu
    vollen Gefäßen für den Opferdienst! So handelt . Gottes
    unumschränktes Erbarmen, alle Segnung kommt auf dieser
    Grundlage, und zwar in derselben Fülle für uns wie für
    sie, und dadurch sichert Gott die Fortführung des Dienstes
    Seines Hauses.
    „Und Jehova, ihr Gott, wird sie retten an jenem Tage,
    wird sein Volk retten wie eine Herde; denn Kronensteine
    sind sie, funkelnd auf seinem Lande" (V. 16). Gott hat
    Sich in ihnen eine Herde gesichert, die sich von dem
    Reichtum Seines Landes nährt und daselbst ein kostbarer
    Schmuck sein soll. Das Bild der Herde wird hier mit
    einem ganz andeken verbunden, da sie. mit funkelnden
    Kronjuwelen verglichen wird. Gott bedient Sich 'vieler
    Bilder, um das Wohlgefallen auszudrücken, das 'Er daran
    hat, Sein Volk durch Christum zu 'segnen. Seine Gedanken
    sind in der Tat höher als 'alle Bilder, doch es gefällt Ihm,
    solche zu gebrauchen, um uns den'großen Reichtum Seiner
    Gedanken und Vorsätze in Christo kundzutun. 'Wenn wir
    bedenken, daß sie alle der Ausfluß 'dessen sind, was Gott
    in Sich Selbst ist, so können 'wir verstehen, daß sie. über-
    aus wunderbar sein müssen. „Denn wie 'groß ist seine An-
    mut, und wie groß seine Schönheit!"*(V. 17.) Was auch
    Gott für uns durch Christum und 'in Christo getan hat, es
    soll das zur Entfaltung bringen, was 'Er in Sich Selbst ist:
    „Auf daß er erwiese in den kommenden Zeitaltern den


    169



    überschwenglichen Reichtum seiner Gnade in Güte 'gegen
    uns in Christo Jesu" (Eph. 2, 7). In dem gepriesenen Gott
    ist das, was so recht der 'eigentliche Gegenstand heiliger
    Bewunderung der durch Ihn Gesegneten ist, denn es ist
    eine Schönheit, die in unendlicher Gnade hervorstrahlt
    und der Schmuck Seines Volkes wird, 'denn man könnte
    mit dem Psalmisten sagen: „Und die 'Schönheit Jehovas,
    unseres Gottes, sei über uns 1" (Ps. 90, 17.)
    Zum Schluß heißt es: „Das Korn 'wird Jünglinge und
    der Most Jungfrauen wachsen lassen." Das beständige
    Nähren von Christo hält die geistliche Kraft auf-
    recht. Es ist nicht genug, sogar 'die größten geistlichen
    Segnungen zu kennen; wir müssen durch Seisfliche Nah-
    rung in Kraft aufrechterhalten werden. Viele denken, sie
    können von empfangenem Licht leben, und zehren dabei
    beständig ab. Wir bedürfen unsergs Maßes Korn zu seiner
    Zeit, das heißt jene frische Auffassung von Christo, durch
    die allein wir gedeihen können. Die Jungfrauen sodann
    stellen die untertänige Seite dar, und die gedeiht, wenn
    wir fortfahren, von dem einen Geiste zu trinken (1. Kor. 12,
    13). Es war nie Gottes Absicht, daß wir nur einmal trin-
    ken sollten, sondern beständig, und es sollte uns kenn-
    zeichnen. Es ist oft gesagt worden, daß das auf den Kelch
    beim Abendmahl des Herrn anspielt, wie der eine Leib
    auf das Brot. An jedem Tage des Herrn werden wir durch
    die vor uns stehenden Zeichen daran erinnert, daß wir
    ein Leib sind und daß wir mit einem Geiste getränkt sind,
    doch das sollten wir in unserem Wesen beständig offen-
    baren. Wenn das der Fall, werden wir wirklich „wachsen".
    Kapitel 10
    Das Zurückkehren Jehovas, Israel nach seiner langen
    Geschichte des Abweichens zu segnen, ist mehr als ein-
    mal mit dem Spätregen verglichen worden (Hos. 6, 1-3;
    Joel 2, 23), so daß die „Zeit des Spätregens" auf eine Zeit


    170


    göttlicher Gunst hinweist, wo Jehova Sein Volk besucht,
    nachdem ihm lange „Nichtiges", „Lügen" und „Träume
    des Trugs" zu schaffen gemacht haben. Er hatte zu sagen:
    „Darum sind sie fortgewandert wie eine Herde, werden
    bedrückt, weil kein Hirte da ist" (V. 2). Als der Herr
    hienieden war, ward Er innerlich bewegt ob der Volks-
    menge, „denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten
    haben" (Mark. 6, 34). Aber Sein Zorn entbrannte auch wider
    die, die vorgaben, Hirten und Führer der Herde zu sein,
    deren Dienst aber leerer Schein und kein Trost war.
    Solche Zustände sind heute die vorherrschenden in einem
    großen Teile des christlichen Bekenntnisses. Wir können
    dankbar sein, daß es für die Versammlung eine „Zeit des
    Spätregens" gegeben hat, wie es eine solche für Israel
    geben wird.
    „Denn Jehova der Heerscharen wird seine Herde, das
    Haus Juda, heimsuchen und sie machen wie sein Prachtroß
    im Streite . . . Und sie werden wie Helden sein, die den
    Kot der Straßen im Kampfe zertreten; und sie werden
    kämpfen, denn Jehova ist mit ihnen, und die Reiter auf
    Rossen werden zuschanden" (V. 3 u. 5). Der große Beweis.
    dafür, daß Gott Sein Volk heimgesucht hat, 'ist, daß sie
    zu Überwindern werden. Die Tatsache, daß der Herr in
    jeder der sieben Versammlungen von Offb. 2 u. 3. Über-
    winder annimmt, zeigt, daß Er solche haben will, was
    auch der allgemeine Zustand sein mag. Je größer das Ab-
    weichen, desto nötiger das Uberwinden, und ich denke,
    das vorliegende Kapitel zeigt, daß das Uberwinden der
    Wiederherstellung verlorengegangener Vorrechte voraus-
    geht. Die Überwinder in Offb. 2 u. 3 erlangen das ord-
    nungsgemäße Teil aller Heiligen, doch am Tage des Ab-
    weichens besitzen es nur solche, die überwunden haben;
    es wird also nach dem Grundsatz der Wiederherstellung
    * gegeben und nicht als etwas von Anbeginn Besessenes.
    Gottes gegenwärtige Wege mit Seinem Volke sind solche
    der Wiederherstellung. Er hat in der Tat ein besonderes


    171

    Gefallen an Wiederherstellung, und die größte ist die
    der Versammlung. Das Überwinden jedoch ist das erste,
    wie wir es in Vers 3 u. 5 unseres Kapitels sehen, erst
    danach spricht Gott in Vers 6, 7 u. 12 von Wiederher-
    stellung.
    Die erste Folge der Heimsuchung des Volkes 'Gottes ist,
    daß sie Überwinder werden. Sie haben Kraft, das zu über-
    winden, was den Gedanken Gottes für Sein Volk zuwider
    läuft. Sie mögen noch nicht viel von der Wahrheit der
    Versammlung und ihren Vorrechten verstehen, doch sie
    sehen, daß manches Gott mißfällt, und nehmen eine ent-
    schiedene Stellung dagegen ein; sie gehen nicht mit dem
    Strome. Sie weisen das von sich, was den Gedanken Gottes
    zuwider ist, und dies auch dann, wenn es einen Platz im
    christlichen Bekenntnis hat: sie überwinden es, indem sie
    sich davon trennen. Durch Abstehen von der Ungerechtig-
    keit erlangen sie eine Stellung, wo sie lernen können,
    Gutes zu tun.
    Und Ich "werde sie wohnen lassen: denn ich habe mich
    ihrer erbarmt, und sie werden sein, als ob ich sie nicht
    verstoßen hätte. Denn ich bin Jehova, ihr Gott, und werde
    ihnen antworten- (V. 6). ..Und ich werde sie stark machen
    in Jehova, und in seinem Namen werden sie wandeln,
    spricht Jehova" (V. 12). Was Gott „zur Zeit des Spät-
    regens" für einen Überrest in Israel tun wird, tut Er jetzt
    für einen Überrest in der Versammlung. Der Herr führt
    Seine Heiligen dahin, zu sehen, daß Gnade und Kraft
    in lhm sind, sie zu befähigen, Überwinder zu sein. Sie kön-
    nen nur überwinden, wenn sie stark in der Gnade sind,
    die in Christo Jesu ist. Doch also gestärkt, können sie alles
    überwinden, was die Wiederherstellung der Versammlung
    hindert. Der Herr bringt Sein Volk zu Sich Selbst, der
    Quelle von allem, zurück, und dann kann Er uns alles das
    wiederherstellen, was Sein Gedanke für die Versamm-
    lung ist.
    In Matth. 13 wird die öffentliche Geschichte der Ver-

    172

    sammlung in den ersten vier Gleichnissen dargestellt, sie
    endet damit, daß die Masse ganz durchsäuert ward. Doch
    dann haben wir das, was die Versammlung für Christum
    ist, den Schatz und die Perle, und damit steht die Wieder-
    herstellung in Verbindung. Wenn Gott wiederherstellt, so
    geschieht das Seinen eigenen höchst kostbaren Gedanken
    gemäß. Die Reformatoren und Gründer von protestan-
    tischen Sekten überwanden die Einflüsse der Zeit, in der
    sie lebten, nicht genügend, um für die kostbaren Gedanken
    Gottes über die Versammlung frei zu sein. Doch ein gut
    Teil „Spätregen" ist seit ihren Tagen gefallen, und viele
    Heilige haben Kraft in dem Herrn gefunden zum Über-
    winden, und infolgedessen wurden ihnen die Gedanken
    Gottes ihrem großen Umfange nach erschlossen, die seit
    den Tagen der Apostel nur wenig gekannt wurden. Doch
    sie kommen nun ans Licht mit einer Gnade, wie sie der
    Wiederherstellung nach den vielen Jahrhunderten be-
    klagenswerten Abweichens entspricht. Wir sind es dem
    Herrn schuldig, diese besondere Gnade anzuerkennen. Er
    macht uns das kostbar, was viele Geschlechter hindurch
    aus den Augen verloren wurde. Alle Heiligen können dieses
    Kostbare haben, es ist in Wahrheit das Teil aller, doch
    nur der Überwinder bekommt es als den wahren Reich-
    tum und Gewinn seiner Seele. Täusche sich niemand von
    uns darüber. Wir mögen mit den geisllichen Personen
    wandeln und doch wenig Gewinn davon haben, wenn wir
    die Übung des Überwindens nicht auf uns nehmen. Neh-
    men wir aber diese Übung auf uns, so haben wir zu lernen,
    daß wir zum Überwinden der Gnade des Herrn bedürfen.
    Damit wird das eine Sache persönlicher Abhängigkeit.
    Unser Kapitel beginnt: „Erbittet von Jehova", und in
    Vers 6 heißt es „und ich werde ihnen antworten"; das
    zeigt, daß der Wiederherstellung und dem Überwinden
    der Geist tiefer Abhängigkeit zugrunde liegt. Das Herz
    hat, nachdem er seine eigene Leere und Ungenügsamkeit
    kennengelernt, in gesegneter Weise erfahren, was der Herr

    173

    ihm sein kann, nicht nur in Seiner persönlichen Unter-
    stützung, sondern indem Er uns dahin bringt, Seinen Ge-
    danken über die Versammlung und 'unseren Platz in ihr
    zu haben. Wir denken dann nicht mehr bloß an die wieder-
    hergestellte Wahrheit, sondern an den Herrn als den
    Wiederhersteller. Er Selbst ist unsere Freude mit Bezug
    auf alles Wiederhergestellte. So können wir das Wort in
    Vers 7 verstehen: „Ihr Herz wird frohlocken in Jehova."
    Die Lieblichkeit des Wiederhergestellten liegt hauptsäch-
    lich in der Tatsalle, daß es durch die persönliche Wirk-
    samkeit Dessen wiederhergestellt ward, der uns liebt. Der
    Philadelphier bewahrt Sein Wort und verleugnet Seinen
    Namen nicht; der Herr ist dem treuergebenen Herzen
    alles.
    „Und ich werde sie stark machen in Jehova, und in
    seinem Namen werden sie wandeln, spricht Jehova" (V.
    12). Das faßt die Stellung des wiederhergestellten Volkes
    zusammen. Die Starken im Herrn werden sicherlich Erber-
    winckr sein, und sie werden stark sein, entsprechend dem
    Wiederhergestellten zu wandeln. Dieses Schriftwort ward
    gegeben, die Herzen eines schwachen Überrestes durch das
    zu ermutigen,. was Gott für Sein Volk „zur Zeit des Spät-
    regens" tun würde. Wir befinden uns in einer Zeit, die
    dem in der Geschichte der Versammlung entspricht. Möch-
    ten wir aus dieser Unterweisung den rechten Nutzen
    ziehen.
    Kapitel 11
    Wir sahen in Kap. 10, wie Jehova Seine Herde heim-
    sucht, um sie wiederherzustellen, und sie zu Überwindern
    macht, deren ganze Kraft in Ihm ist. Kap. 11 jedoch zeigt
    die ernsten Folgen davon, daß Seine Gnade verworfen
    wird. Es kommt zwar noch eine Herde vor uns, sie kann
    aber nur als eine „Herde des Schlachtens" betrachtet wer-
    den, das heißt als ein Gegenstand des Gerichts. Das war

    174

    der nationale Zustand des Volkes, als der Herr in den Tagen
    Seines Fleisches zu ihnen kam. Johannes der Täufer er-
    klärte, daß die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt sei
    (Matth. 3, 10), ihre Besitzer schlugen sie wie Pilatus die
    Galiläer (Luk. 13, 1). Ihre eigenen Hirten bedauerten sie
    nicht; die Schriftgelehrten und Priester halfen ihnen nicht;
    und in diesem Zustand waren sie durch das Gericht Gottes.
    So stand es, als Christus kam, und Er kam, sie alle in
    Gnade zu weiden, fallA sie Ihn aufnehmen würden. Doch
    Er machte einen Unterschied zwischen der Herde des
    Schlachtens und denen, die Er „die Elenden. der Herde"
    nennt, obschon alle in das der Nation drohende Gericht
    eingeschlossen waren. In Vers 11 jedoch werden „die
    Elenden der Herde" als solche bezeichnet, „die auf mich
    achteten". Sie stellten den Überrest Gottes dar, die den
    Zustand der Nation anerkannten und sich der Taufe des
    Johannes unterzogen ünd als Bußfertige auf den wahren
    Hirten achteten, obwohl Er von denen, die den Platz von
    Hirten innehatten, verworfen ward. Über diese Hirten sagt
    Er: „Meine Seele wurde ungeduldig über sie, und auch
    ihre Seele wurde meiner überdrüssig" (V. 8). Die drei in
    einem Monat vertilgten Hirten besagen, daß im Dienste
    des Herrn ein völliges Zeugnis über die wahre Wesensart
    der religiösen Führer des Volkes gegeben ward. Sie wur-
    den sittlich durch Seine Bloßstellung ausgetilgt, Er ward
    ihrethalben ungeduldig, und sie wurden Seiner überdrüs-
    sig. Sie sollten umkommen und einer den anderen ver-
    nichten. Durch ihre Empörung wider die Macht Roms
    brachten sie die Zerstörung auf sich und ihre Stadt. Doch
    ihre Verwerfung des wahren Hirten zog ernste Folgen • in
    den Wegen Gottes nach sich, die uns im Bilde in den bei-
    den Stäben Huld und Bande dargestellt werden. Der Herr
    hatte in Seinem Dienst vor, den Bund, von dem die Schrif-
    ten gesprochen hatten, mit dem ganzen Volke einzugehen.
    Wenn Israel Ihn aufgenommen hätte, so wäre Er in Israel
    auch der Mittelpunkt geworden, um den sich die Nationen

    175

    scharten, und Juda und Israel wären als Bruderstämme
    vereinigt worden. Sein Dienst an der Herde hatte das vor
    sich, doch die Seele der Hirten war wider Ihn, lind so
    zerbrach Er Seinen Stab Huld, und so ward der Bund mit
    allen Völkern gebrochen, der durch Israel zustandegekom-
    men wäre. Auch die Vereinigung zwischen Juda und Israel
    in Brüderschaft fand nicht statt, der Stab Bande ward
    auch zerbrochen. Gegenwärtig ist den Nationen die Seg-
    nung auf ganz anderer Grundlage' zuteil geworden, näm-
    lich auf Grund des Todes und der Auferstehung Christi,
    und Israel ist seines Unglaubens halber verworfen.
    Unser Gegenstand ist, ob es eine gegenwärtige Anwen-
    dung dessen gibt, was wir in diesem Kapitel haben. Ich
    denke, wir werden finden, daß es eine solche gibt, denn
    auch heute haben wir wie in den Tagen des Herrn eine
    große Anzahl Leute, die keine Beziehungen zu Gott haben.
    Christus dient ihnen, wie Er Israel diente, denn der gegen-
    wärtige Dienst Christi ist allen in der Christenheit zu-
    gänglich. Aller öffentliche Dienst, sowohl am Evangelium
    als zur Auferbauung, ist zum Nutzen aller im christlichen
    Bekenntnis, doch Sein gegenwärtiger Dienst bringt ans
    Licht, was viele Christen verabscheuen. Er fragt die Leute
    heute noch, wieviel sie denken, daß Sein, Dienst wert ist;
    Er sagt: „Wenn es gut ist in euren Augen, so gebet mir
    meinen Lohn, wenn aber nicht, so lasset es" (V. 12). Ich
    glaube, wir alle werden beständig gefragt, wie hoch wir
    Ihn einschätzen. Die Hohenpriester entschieden, daß Er
    dreißig Silbersekel wert war, Ihn loszuwerden, und Judas
    erkannte das als einen angemessenen Preis an. „Da sprach
    Jehova zu mir: Wirf ihn dem Töpfer hin, den herrlichen
    Preis, dessen ich von ihnen wertgeachtet bin- (V. 13).
    Wenn die Hirten Christum verabscheuen, anstatt Ihn zu
    schätzen, so werden sie Geld für Sein Blut zahlen. Doch
    es ist sehr auffallend, daß, obwohl diese Schriftstelle durch
    die Hohenpriester und Judas erfüllt wurde, sie doch
    immerfort angewandt werden kann. Der Herr sagt gleich-

    176

    sam zu einem jeden von uns: „Was bin ich dir wert? Wie
    hoch schätzest du meinen Dienst ein?" Die Angabe im
    Propheten redet genau genommen nicht vom Preis Seines
    Blutes, sondern davon, was sie dachten, was Sein Dienst
    in Israel wert war; so sah Er die Sache an. Es handelte
    sich um ihre unwürdige Einschätzung Seines Dienstes.
    „Da sprach Jehova zu mir: Wirf ihn dem Töpfer hin,
    den herrlichen Preis, dessen ich von ihnen wertgeachtet
    bin! Und ich nahm die dreißig Silbersekel und warf sie
    in das Haus Jehovas, dem Töpfer hin" (V. 13). Es war
    unmöglich, daß Jehova zugeben konnte, daß Er einen sol-
    chen „Lohn" annahm. Er war dem Töpfer hinzuwerfen,
    um zu zeigen, wie übel Jehova eine so unwürdige Ein-
    schätzung Christi aufnahm, und das sollte in Seinem Hause
    zu einem Zeugnis geschehen. Jeder in der Christenheit hat
    eine gewisse Einschätzung des Wertes Christi und Seines
    Dienstes, und die ist vor Gott in Seinem Hause. Wenn
    einige von uns Christum unwürdig einschätzen, was anders
    als Gottes Gericht könnte das zur Folge haben? Die
    Christenheit wird gegenwärtig ihrer unwürdigen Ein-
    schätzung Christi halber gerichtet, und der Stab Bande
    wird zerbrochen. Von Zeit zu Zeit kommt der Gedanke
    auf, als ob die Christenheit wieder eins werden könnte,
    doch das kann nie sein, solange Christus als wertlos bei-
    seitegeworfen ist. So dachten die religiösen Gestalter, die
    Hirten jenes Tages, von Ihm, und es ist heute gerade noch
    so, obwohl Sein Name bekannt wird. Es gibt wenig
    „Brüderschaft" heutzutage, weil Christus nicht geschätzt
    wird; die Spaltungen unter den Christen würden alle ver-
    schwinden, wenn das der Fall wäre. Paulus sagte: „Ist
    der Christus zerteilt?" (1. Kor. 1, 13.) Wenn Christus und
    Sein kostbarer Dienst jedem Herzen kostbarer wären, wie
    würden dann die Mauern, die die Heiligen voneinander
    trennen,
    fallen!
    Wer Christum nicht schätzt, wird den Antichrist be-
    kommen, auf den in Vers 15-17 verwiesen wird. Die

    12 Kleine Propheten
    177

    Menschen werden einen bekommen, der nichts für sie tun
    wird; er wird ein zerstörender flirte sein, der da ißt und
    in Stücke zerreißt. Johannes sagt uns, daß an seinem Tage
    viele Antichristen waren (1. Joh. 2, 18); und wir können
    sicher sein, daß sich deren Zahl seitdem nicht vermin-
    dert hat.
    Es ist nun an uns zu sehen, daß wir unter den „Elen-
    den der Herde" sind, die auf Christum achten. Er ist be-
    reit, zu denen zu reden und die zu weiden, die Ihn
    schätzen. Solche haben ihren alleinigen Versammlungs-
    mittelpunkt in dem wahren Hirten, und indem sie Ihm
    folgen, werden sie eine Herde. Das ist eine andere Dar-
    stellungsweise Christi in diesem kostbaren Teile der
    Schrift. Wir haben Ihn als Sproß, Erbauer, König, Prie,
    ster und nun als Hirten vor uns gehabt. Möchten wir Ihn
    in jeder Hinsicht, in der Gott Ihn vor uns bringt, immer
    mehr schätzen.
    Kapitel 12
    Um zu sehen, wie Jerusalem in den einleitenden Versen
    dieses Kapitels betrachtet wird, müssen wir des vorher-
    gehenden Kapitels eingedenk sein. Es ist das Jerusalem,
    das Christum nicht zu schätzen gewußt hat und bereit
    war, den Antichrist aufzunehmen, das Jehova zu einer
    Taumelschale und zu einem Laststein für alle Völker
    macht, so daß sie alle dawider hinaufziehen. Dies hat die
    Zeit vor sich, wo Gott Seine Wege mit Jerusalem am Tage
    der Zukunft wiederaufnehmen wird. Sie ernten dann, was
    sie gesät haben, und machen ein schreckliches Elend
    durch, doch es wird ein Uberrest vorhanden sein, der in
    diesem Kapitel durch „das Haus Juckt- (V. 4) dargestellt
    wird, über den wird Jehova Seine Augen offenhalten.
    Wir werden uns daran erinnern, daß Juda bei seinem
    Vater für Benjamin Bürge geworden war, und er war es
    auch, der, was die grausame Behandlung Josephs anlangt,

    178

    anerkennen mußte, daß Gott seine und seiner Brüder
    Missetat gefunden hatte (1. Mose 43, 9; 44, 16). Er bat
    dann, als Knecht anstelle Benjamins zu bleiben, und nahm
    die Verantwortlichkeit des Geschehenen auf sich. Alles das
    ist ein bildlicher Hinweis auf die Haltung Judas am Tage
    der Zukunft. „Das Haus Juda" ist der Uberrest, der in
    der Zeit der Drangsal Jakobs die Verantwortlichkeit für
    das, was sie herbeigeführt hat, auf sich nehmen und den
    wahren Zustand vor Jehova bekennen wird. Dann wird
    der Segen Moses, des Mannes Gottes, an Juda erfüllt
    werden: „Höre, Jehova, die Stimme Judas und bringe ihn
    zu seinem Volke; seine Hände seien mächtig für ihn, und
    hilf ihm von seinen Bedrängern!" (5. Mose 33, 7.) Solch
    ein Uberrest bildet ein Band, wodurch Jehova in Gnade
    wieder die Beziehungen zu Jerusalem aufnehmen kann.
    Jehova wird Seine Augen über denen offenhalten, die den
    Zustand fühlen und Ihn anrufen; von da an nun erschei-
    nen die Bewohner von Jerusalem in einer anderen neuen
    Wesensart. Wir haben hier den bemerkenswerten Aus-
    spruch: „Und die Fürsten von Juda werden in ihrem Her-
    zen sprechen: Eine Stärke sind mir die Bewohner von
    Jerusalem in Jehova der Heerscharen, ihrem Gott" (V. 5).
    Daraus erhellt, daß nun alles in ganz anderer Weise be-
    trachtet wird. Es handelt sich nicht mehr um die ver-
    derbte Stadt, die Christum nicht schätzte und bereit war,
    den Antichrist aufzunehmen und infolgedessen dem Ge-
    richt verfallen war. Jerusalem wird von dem Standpunkte
    aus gesehen, daß Jehova der Heerscharen „ihr Gott" ist.
    Die „Bewohner von Jerusalem" sind Gottes auserwähltes
    Volk, und sie werden die Stärke der Fürsten von Juda.
    Der betende Uberrest wird ermutigt und gestärkt, denn
    er erfaßt, daß Gott trotz alles Vorgefallenen eine Aus-
    wahl der Gnade hat und Seinen Vorsatz, Jerusalem zu
    segnen, gewißlich ausführen .wird.
    Wenn der bereuende Uberrest den wahren Zustand an-
    erkennt und zu Jehova betet, so wird Er Seine Augen

    179






    über ihnen offenhalten und sie gebrauchen, Sein Gericht
    an allem auszuüben, was sich wider Sein Volk erhoben
    hatte. Er wird sie zu „einem Feuerbecken unter Holz-
    stücken und gleich einer Feuerfackel unter Garben"
    machen (V. 6). Es wird zur Gewißheit werden, daß Sein
    Vorsatz zustandekommt. „Und fortan wird Jerusalem an
    seiner Stätte wohnen in Jerusalem." Und also verteidigt
    und gestärkt werden die Bewohner von Jerusalem durch
    sehr tiefe Herzensübungen über Den gehen, den sie durch-
    bohrt haben. Sie werden auf Ihn blicken und „wehklagen
    gleich der Wehklage über den Eingeborenen, und bitter-
    lich über ihn leidtragen, wie man bitterlich über den Erst-
    geborenen leidträgt" (V. 10). Das ist Gottes Werk an Sei-
    nem auserwählten Volke. Sie werden mit tiefer Bewegung
    an Christum denken, weil sie, von Gott unterwiesen, Sei-
    nen Wert kennengelernt haben, und dem wird die Bitter-
    keit ihrer Wehklage darüber entsprechen, daß sie Ihn
    durchbohrt und zweitausend Jahre verachtet und verwor-
    fen haben. Jerusalem könnte nie die Stadt des großen
    Königs sein, wenn nicht jeder seiner Einwohner, und zwar
    jedes Geschlecht besonders, diese Herzensübung durch-
    machte.
    Heutzutage herrschen Zustände, die in hohem Maße mit
    denen dieses Kapitels übereinstimmen. Die prophetischen
    Aussagen der Schrift über das, was in den letzten Tagen
    sein wird, lassen auf einen schrecklichen Zustand in der
    öffentlichen bekennenden Körperschaft schließen. Das
    geht z. B. aus 2. Tim. 3, 2; 2. Thess. 2 und 2. Petr. 2 u. 3
    hervor. Wir leben in den Zeiten. von denen also gespro-
    chen wird: viele feindliche Mächte haben sich miteinander
    verbunden, um das zu verderben und zu zerstören, was
    von Gott ist. Untreue hat dem Aberglauben, den Neue-
    rungen und der Weltlichkeit aller Art in der Versamm-
    lung Tür und Tor geöffnet. Das öffentliche Bekenntnis hat
    im allgemeinen das Himmlische und Geistliche aufgege-
    ben. Nur wenige geübte Gläubige würden das leugnen.

    180

    Doch trotz alledem sichert Sich Gott einen Oberrest, der
    ein rechtes Empfinden über das Stattgefundene hat, und
    den Selbstgericht und Gebet kennzeichnen. Gott hält Seine
    Augen offen über solchen, die beten, weil sie die Zustände
    erkannt haben, die eingetreten sind. Jeder Gläubige sollte
    verstehen, daß Gott eine Versammlung hier hat, daß diese
    aber; was ihren öffentlichen Anblick betrifft, entsetzlich
    von dem abgewichen ist, was Er im Sinne hatte. Jeder
    Gläubige sollte sich wie Juda für den Zustand der gegen-
    wärtigen Tage verantwortlich fühlen. Jede Versamm-
    lungs-Wiederherstellung am Tage des tlerrests ward als
    Antwort auf bebet gewährt. An diesen dunkeln Tagen
    müssen wir nach Gefährten ausschauen, die beten, nach
    solchen, „die den Herrn anrufen aus reinem Herzen" (2.Tim.
    2, 21), sie bilden „das Haus Juda" heutzutage. Wenn
    wir beten, bekommen wir Licht über das, was die Ver-
    sammlung nach den Gedanken des Herrn ist. Wir ge-
    langen im Geiste von dem verder4ten Bekenntnis hinweg,
    und die Versammlung steht in ihrer geistlichen Wirk-
    lichkeit vor uns.
    „Die Versammlung des lebendigen Gottes". ist sicher--
    lich kein „Mischvolk" (2. Mose 12, 38; 4. Mose 11, 4), wie
    es eine Nationalkirche notwendig sein muß, sie hat auch
    nichts Sektiererisches an sich; sie besteht aus „den Ge-
    heiligten in Christo Jesu" (1. Kor. 1, 2), die Jesum als
    ihren Herrn bekennen, und in denen der Heilige Geist
    wohnt. Der betende Erberrest lernt alle heiligen gemäß
    dem zu betrachten, was sie durch die Gnade und das Werk
    Gottes sind, und vermag alles das zu richten, was nicht
    im Einklange damit steht. Die Führer von Juda werden
    hier „gleich einem Feuerbecken unter Holzstücken und
    gleich einer Feuerfackel unter Garben- gemacht (V. 6).
    Gott will, daß alles, was Seinen die ganze Welt um-
    fassenden Gedanken über die Versammlung zuwider ist,
    durch einen treuen und betenden 1:Tberrest gerichtet wird,
    und dieser entspricht heutzutage den „Fürsten von Jude.

    181

    Alles das ist in dem Geiste zu richten, den Juda kenn-
    zeichnete, wir haben die Verantwortlichkeit für das zu
    Richtende auf uns zu nehmen und derartiges, was Gott
    nicht wohlgefällt, in unserem Geiste von uns zu weisen.
    Wenn so alles, was der Wahrheit entgegen ist, gleichsam
    in sittlicher Hinsicht verbrannt ist, so besteht kein Hin-
    dernis für die Heiligen, den Boden einzunehmen, auf den
    Gott sie berufen hat, zu stehen.
    Deshalb heißt es dann: „Und fortan wird 'Jerusalem an
    seiner Stätte wohnen in Jerusalem." Unser Platz ist nach
    dem Willen Gottes, daß wir von Seiner ;Versammlung
    sind; daher ist es sowohl unser Vorrecht als auch unsere
    Verantwortlichkeit, auf diesem Boden zu stehen. Wir mö-
    gen noch ein gut Teil über unsere Schwachheit und Gottes
    Genugsamkeit für uns zu lernen haben sowie durch tiefe
    und demütigende Übungen gehen müssen, doch laßt uns
    am Boden der Versammlung festhalten, er ist der Boden
    Gottes für uns, genau so wie für Seine Heiligen in Ko-
    rinth. Laßt uns jeden anderen Baugrund von uns weisen,
    auf den Gott uns nicht gestellt hat. Kehren wir uns nicht
    durch etwas Weiteres oder Engeres von dem ab, was
    Gottes Gedanke für alle Seine Heiligen ist.
    Nach Vers 7 hat Juda den Vorrang. Die Geübten und
    Betenden werden Gottes Erstlingsfrucht am Tage der
    Wiederhertellung. Was es auch immer Gott gefallen mag,
    Seiner Unumschränktheit gemäß zu geben, es wird nie der
    Sonderstellung Eintrag tun, die Er denen ersehen, die,
    was Verantwortlichkeit und Beten anlangt, die Führung
    übernahmen und das richteten, was Seinem Willen ent-
    gegen war. Es steht jedem Heiligen offen, seinen Platz in
    den „Zelten Judas" zu haben. Gott hat Wohlgefallen, die
    zu ehren, die die Übungen und Verantwortlichkeiten der
    Versammlung auf sich nehmen.
    Gott nimmt nicht an, daß man den Boden der Ver-
    sammlung einnehmen oder halten kann, ohne eine be-
    sondere Unterstützung von Ihm. Doch wenn wir uns dem

    182

    widmen, was Gottes Gedanke für uns ist, so wird Er
    sicherlich für uns eintreten und uns stärken. „An jenem
    Tage wird Jehova die Bewohner von Jerusalem beschir-
    men; und der Strauchelnde unter ihnen wird an jenem
    Tage wie David sein, und das Haus Davids wie Gott, wie
    der Engel Jehovas vor ihnen her" (V. 8). Das erinnert uns
    an den sich seiner Schwachheiten rühmenden Paulus, er
    tat dies, auf daß „die Kraft des Christus" über ihm wohne.
    Unser sicherer Platz ist, in Furcht und Zittern zu sein
    und dabei darauf zu rechnen, daß • Gottes Treue uns die
    nötige Unterstützung gibt. Einige Worte des Neuen Testa-
    ments sind ebenso wunderbar wie unsere Schriftstelle:
    „Alles vermag ich durch den, der mich kräftigt" (Phil. 4,
    13). „Gekräftigt mit aller Kraft nach der Macht seiner
    Herrlichkeit zu allem Ausharren und aller Langmut mit
    Freuden" (Kol. 1, 11). „Übrigens, Brüder, seid stark in
    dem Herrn und in der Macht seiner Stärke" (Eph. 6, 10).
    Nun folgt eine weitere Übung: „Und ich werde über
    das Haus Davids und über die Bewohner von Jerusalem
    den Geist der Gnade und des Flehens ausgießen; und sie
    werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und
    werden über ihn wehklagen gleich der Wehklage über
    den Eingeborenen, und bitterlich über ihn leidtragen, wie
    man bitterlich über den Erstgeborenen leidträgt" (V. 10).
    Es ist höchst rührend, daran zu denken, daß der Herr
    Jesus, der Redende in diesem Verse, dahin wirkt, daß Er
    der Gegenstand der Liebe Seines Volkes wird, und dies
    nach einer langen Zeit, während der sie Ihm Kummer be-
    reiteten. Er ist gegenwärtig wirksam, damit Seine Heiligen
    voll inniger Zuneigung auf Ihn blicken. Das Ausgießen des
    Geistes der Gnade und des Flehens hat sein Gegenstück
    in jener gnadenreichen Bewegung, durch die ein Überrest
    an diesem Tage zubereitet worden, Christum so, wie Gott
    uns Ihn anbietet, zu schätzen. Das ist einerseits reine gött-
    liche Gunst, andererseits aber wird es durch „Flehen"
    gekennzeichnet. Wie viele hatten. Gott in den letzten

    183

    Jahren für ein tieferes Bewußtsein der „Gnade" zu dan-
    ken! Wieviele sind zum „Flehen- um völligere Erkenntnis
    Christi geführt worden! Das ist des Herrn eigenes vor-
    bereitendes Werk, damit wir auf Ihn demgemäß blicken,
    wie es Ihm gefällt, Sich denen, die Ihn lieben, vorzustellen.
    Ein wunderbarer Dienst Christi nahm seinen Lauf die
    ganze Lebenszeit des gegenwärtigen Geschlechts hindurch.
    Wenn uns das nicht zum Bewußtsein gekommen ist, so
    sind wir der größten göttlichen Wirksamkeit in unseren
    Tagen verlustig gegangen. Dem Herrn ist ebensoviel daran
    gelegen, daß wir auf Ihn blicken, wie daran, daß der
    überrest Israels dies am Tage der Zukunft tut.
    Der Blick auf Ihn geht hier einer „Wehklage" voraus,
    die „groß" ist (V. 11). „Sie werden auf mich blicken, den
    sie durchbohrt haben." Das erinnert uns an die Worte des
    nächsten Kapitels, wonach Er im Hause derer, die Ihn
    lieben, verwundet ward (V. 6). Das gilt sicherlich nicht
    nur den Juden, sondern auch dem, was man Ihm im
    christlichen Bekenntnis angetan hat. Wie ward Er da
    durchbohrt und verwundet! Wie sehr wurden die An-
    sprüche Seiner Liebe mißachtet! Wie ward die Versamm-
    lungsordnung, die Er einsetzte, beiseitegesetzt! Wie haben
    Menschen sich Seine Rechte angemaßt! Das alles ist ein
    Anlaß zu tiefer „Wehklage". Wenn wir Ihm zugetan sind,
    werden wir darüber trauern in dem Bewußtsein, daß wir
    mit dafür verantwortlich sind, sogar persönlich dazu bei-
    getragen haben. Er würde Wohlgefallen daran haben, uns
    also trauernd zu sehen, weil wir Ihn lieben. Es gab eine
    „vergangene Zeit" (1. Petr. 4, 3) in unserem Leben, wo
    uns nichts daran lag, an Ihn zu denken oder Ihn aufzu-
    nehmen. Der Gedanke, wer Er war, was Er für uns getan
    hatte oder was Er von Gott zum Ausdruck gebracht hatte,
    hatte keine Anziehungskraft für uns. Wenn Er nicht den
    „Geist der Gnade" über uns ausgegossen hätte, wäre Er
    uns nie kostbar geworden. Doch der Augenblick kam, als
    uns der Gedanke fesselte, daß Er Mensch ward, als Kind

    184

    geboren wurde und der Sohn uns gegeben wurde, damit
    Er gekannt und von uns in Besitz genommen werde. Wir
    begannen einzusehen, daß wir Seiner zu unserer Gerech-
    tigkeit und Errettung bedurften, und wenn wir nun an
    Seine Leiden und Seinen Tod dachten, so stand uns die
    Kostbarkeit ihres Sühnwertes vor Augen und die Liebe,
    in der Er Sich Selbst für uns hingab. Alles das war die
    Folge des Ausgießens des Geistes der Gnade auf uns.
    Der „Geist der Gnade" war über Saulus von Tarsus aus-
    gegossen worden, als er zu dem Verherrlichten sagte:
    „Wer bist du, Herr?" und „Was soll ich tun, Herr?" (Apg.
    22, 8 u. 10.) Sein Herz war augenblicklich bereit, Den zu
    schätzen, dessen erbitterter Feind er bis dahin gewesen
    war. Derselbe „Geist der Gnade" ist es nun, der diese
    sittliche Umwälzung heutzutage in den Herzen hervor-
    bringt, und der Geist des „Flehens" geht mit ihm Hand
    in Hand; der Herr sagt' von. Saulus zu Ananias: „Siehe, er
    betet" (Apg. 9, 11). Zweifellos betete er über das himm-
    lische Gesicht und das neue und wunderbare Lieht über
    Christum, das dadurch in sein Herz gekommen war. Wir
    dürfen nicht annehmen, daß Saulus vorher noch nichts
    über Jesum gehört hatte, sonst hätte er ja nicht so er-
    bittert gegen Seinen Namen sein können. Zweifellos hatte
    er auch manches Zeugnis von denen empfangen, die er
    verfolgte; doch er meinte, viel wider diesen Namen tun
    zu müssen (Apg. 26, 9). Sein Gebet nun wird gewesen
    sein, alles im Lichte des verherrlichten Jesus zu sehen,
    er begehrte alles, was das Alte Testament über den Mes-
    sias sagte, auf den verherrlichten Menschen im Himmel
    zu übertragen. Welche Wunder mochten sein Herz be-
    wegen und seine Gebete erfüllen! Er begehrte zu ver-
    stehen wie Heilige auf Erden eins mit dem verherrlichten
    Menschen sein könnten. Und sicherlich wollte er auch das
    Wort erfassen: „Sie werden auf mich blicken, den sie
    durchbohrt haben." Nun, alles das gehört der Erfahrung
    eines jeden an, der mit Verständnis in der Versamm-

    185





    lung ist. Jesus muß uns kostbar werden und als der ein-
    zige Sohn, als der Erstgeborene geliebt werden; Er muß
    der Uberragende sein.
    Dann kommt die Wehklage und Bitterkeit Seinet-
    halben. Welch ein tiefer Kummer, daß Der, der nun der
    Gegenstand unserer Liebe, verachtet und verworfen wurde,
    und daß wir teil daran hatten. Während der drei Tage,
    die Saulus blind war und weder aß noch trank, hatte
    sicherlich diese Wehklage ihren Platz (Apg. 9, 9). Er
    wird den Kummer sehr empfunden haben, daß die, die
    Christus geliebt und denen Er gedient hatte, Ihn durch-
    bohrt hatten. Er hatte teil daran gehabt, doch nun galt
    der tiefe Kummer lhm, daß Er so behandelt werden
    konnte. Wie sollte diese Herzensübung uns veranlassen,
    Seinem Wunsche zu entsprechen, daß wir Seiner geden-
    ken! Sie würde uns dahin führen, ernstlich zu begehren,
    uns für Ihn für das, was Er gelitten hat, aus inniger Zu-
    neigung bereitzuhalten. Unser Gedanke sollte sein, nie ge-
    nug tun zu können, um Ihn für die Ihm zuteilgewordene
    Behandlung zu entschädigen! Das ist eine 17bung für
    „jedes Geschlecht besonders, und ihre Weiber besonders"
    (V. 14). Das bildet keinen Teil des ordnungsgemäßen
    Dienstes der Versammlung, doch es ist eine sehr wichtige
    Herzenszubereitung für die Versammlung. Denn ebendes-
    halb, daß wir darüber trauern, wie der Herr Jesus unter
    denen behandelt worden ist, die Seinen Namen bekennen,
    versammeln wir uns ja zu Seinem Namen hin und ge-
    denken Seiner gemeinsam. Unser Teil beim Essen des
    Abendmahls des Herrn steht im scharfen Gegensatz zu
    dem, was uns zu trauern veranlaßte, denn wir sind bei
    denen, die Ihn lieben, wo frohe Herzen Seines Lobes voll
    Sein Kommen in ihrer Mitte erwarten, damit Seine Liebe
    in der Schar der Seinen Befriedigung finde. Da trauern
    wir nicht, da gilt vielmehr das Wort: „Da freuten sich
    die Jünger, als sie den Herrn sahen" (Joh. 20, 20).

    186


    Kapitel 13
    Wenn die Übungen von Kap. 12 mit Gott durchgemacht
    wurden, so bereiten sie das Haus Davids und die Bewohner
    von Jerusalem zu, den Quell zu schätzen, der ihnen „für
    Sünde und für Unreinigkeit" geöffnet wird (V. 1). Sie
    werden fühlen, wie notwendig die Reinigung von ihrem
    ganzen früheren Zustande ist. Jehova wird dann das Wort
    erfüllen: „Und ich werde reines Wasser auf euch spren-
    gen, und ihr werdet rein sein; von allen euren Unreinig-
    keiten und von allen euren Götzen werde ich euch rei-
    nigen" (Hes. 36, 25).
    Wenn wir auch nicht außer acht lassen, daß sich die
    unmittelbare Anwendung davon auf den jüdischen Uhr-
    rest am Tage der Zukunft bezieht, so ist doch unser gegen-
    wärtiger Hauptgegenstand, es als „eingegeben . . . zur
    Unterweisung" zu betrachten (2. Tim. 3, 16; 1. Kor. 10, 11).
    Die Wahrheit der Reinigung durch Wasser hat auf uns
    ebenso Anwendung wie .auf Israel, sie wird vielleicht von
    den Gläubigen im allgemeinen weniger verstanden als die
    durch Blut. Doch wenn wir erkannt haben, daß wir von
    jeher Christum verworfen haben und dem Geschlecht
    derer angehören, die Ihn tatsächlich durchbohrten, wenn
    wir darüber getrauert, wie schrecklich Er behandelt wor-
    den, so werden wir dankbar sein, die Art der Reinigung
    zu kennen, die zu erkennen heute möglich ist. Wir be-
    dürfen dessen, um frei zu sein, Herzensbeziehungen mit
    Christo einzugehen, und das besonders zu einer Zeit, wo
    Er nicht mehr nach dem Fleische gekannt wird.
    Der geöffnete „Quell" bezieht sich auf den Tod Christi,
    denn getrennt von ihm kann es keine gottgemäße sitt-
    liche Reinigung geben. Der Tod Christi ist unser Rechts-
    anspruch der Trennung von unserem sündigen Ich. Der
    „Quell" bezeugt uns, was in jenem Tode vollbracht wurde,
    er sagt uns, daß unser früherer Zustand im Fleische vor
    Gott zu Ende gebracht ist in dem Tode Seines Sohnes.
    187




    Wir können völlig vom Fleische getrennt vor Gott sein,
    können aber in keiner geistlichen Freiheit stehen, bis wir
    das wissen.
    Es sei hier bemerkt, daß das Evangelium des Johannes,
    das Christum von Anbeginn als verworfen betrachtet
    (siehe Kap. 1, 11), das Evangelium ist, das hauptsächlich
    den Gedanken der Reinigung darstellt. Johannes allein
    sagt, daß Wasser aus der durchbohrteri Seite Christi floß,
    wie auch das Blut (Joh. 19, 34; 1. Joh. 5, 8). Der Herr
    sagte zu Nikodemus, daß es, um in das Reich Gottes ein-
    zugehen, notwendig sei, „aus Wasser und Geist" geboren
    zu werden (Joh. 3, 5). Durch die natürliche Geburt kamen
    wir in einen Zustand der Sünde und Unreinheit, doch „aus
    Wasser geboren" leiten wir unser sittliches Sein von einer
    gänzlich neuen Quelle ab. Wir sind „nicht wiederge-
    boren ... aus verweslichem Samen, sondern aus unverwes-
    lichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes";
    somit verleiht dieses Wort den dadurch Geborenen seine
    Wesensart (1. Petr. 2,.23). Ein wesentlicher Zug der Rei-
    nigung wird damit eingeführt. Nicht das Fleisch wird ge-
    reinigt, sondern der „aus Wasser" Geborene, er weiß nun,
    daß nichts Gutes darin ist. Beim Eingehen in das Reich
    Gottes kehrt er sich in seinem Wandel von dem ;Willen
    des Fleisches weg in den Bereich des Willens Gottes, und
    dadurch wird offenbar, daß eine sittliche Reinigung statt-
    gefunden hat.
    Das Neue Testament redet von der Waschung der Hei-
    ligen mit Wasser immer als von einer vollendeten Tat-
    sache (Eph. 5, 26; Tit. 3, 5). Der Herr sprach zu den Sei-
    nen, die in der Welt waren, als zu solchen, die „ganz ge-
    waschen" waren (im Griechischen ist waschen hier das-
    selbe Wort wie in den soeben angeführten Schriftstellen),
    und nun nur der Waschung ihrer Füße bedurften. (Hier
    ist „waschen" ein anderes Wort der Ursprache, es ist aber
    das sonst im Evangelium Johannes gebrauchte.) In diesem
    Zusammenhang sagte der Herr: „ihr seid rein, aber nicht

    188

    alle. Denn er kannte den, der ihn überlieferte; darum
    sagte er: Ihr seid nicht alle rein." Die Jünger, mit Aus-
    nahme Judas, waren gewaschen und waren rein. Der Herr
    sprach weiter: „Ihr seid schon rein um des Wortes wil-
    len, das ich zu euch geredet habe" (Joh. 15; 3). Dieses
    Wort hatte in ihnen das Natürliche und Fleischliche ver-
    drängt, es hatte Ihn ihren Herzen kundgemacht, und welch
    eine unermeßliche innere Reinigung war das! Sie verstan-
    den die volle Tragweite davon nicht, wohl aber Er, und sie
    als solche betrachtend, die Ihn als Gegeastand des Glau-
    bens und der Liebe in ihren Herzen hatten, konnte Er
    sagen: „ihr seid schon rein." Das aus Seiner Seite flie-
    ßende Wasser wie auch das Blut stellen sodann die große
    Wahrheit dar, daß Sein Tod das Zeugnis davon war, daß
    die Reinigung völlig vollbracht war. Das Wasser beweist,
    daß das Fleisch samt allem, was damit zusammenhängt,
    im Tode Christi zu Ende gekommen ist. Es ist zur Be-
    friedigung und Herrlichkeit Gottes völlig hinweggetan,
    und dies, durch den Geist in dem Herzen des Gläubigen
    erkannt, ist es, was reinigt.
    Die Lehre Pauli steht im Einklange mit dem, was wir
    bei Johannes gesehen hatten. Er hatte den Gläubigen zu
    Korinth. gesagt: „ihr seid abgewaschen", als er ihren frü-
    heren Zustand dem gegenüberstellte, was nun durch das
    Werk Gottes in ihnen zustandegekommen war. In Eph. 5,
    26 spricht er davon, daß Christus die Versammlung durch
    die Waschung mit Wasser durch das Wort gereinigt
    habe. Da haben wir den vollständigsten Anblick der Rei-
    nigung durch Wasser, er begreift den gesamten Reini-
    gungsdienst Christi für die Versammlung in sich. In der
    Anwendung des „Wortes" kommt erfahrungsgemäß die
    Wahrheit des Römerbriefes zuerst. Wir lernen da, daß
    wir, auf Christum Jesum und Seinen Tod getauft, der
    Sünde gestorben sind (Röm. 6, 2 u. 3), und weiter, „daß
    unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist", und daß,
    wenn wir „mit Christo gestorben sind, so glauben wir,


    189

    daß wir auch mit ihm leben werden" (V. 6 u. 8). Der
    Kolosserbrief geht noch weiter und sagt nicht nur, daß
    wir 'mit Christo gestorben, sondern auch mit Ihm auf-
    erweckt worden sind (Kol. 3, 1). Sowohl im Kolosser- als
    Epheserbriefe werden die Heiligen als solche angeredet,
    die den alten Menschen aus- und den neuen Menschen
    angezogen haben (Eph. 4, 22 u. 24; Kol. 3, 9 u. 10).
    Die Waschung mit Wasser geschieht „durch das Wort",
    also durch die Anwendung dessen auf die Heiligen, was Gott
    nach Seinem eigenen Sinne an Reinheit und Vollständig-
    keit vor Sich hat. „Das Wort" enthält nichts Mangelhaftes,
    es ist nicht durch unsere fehlerhaften oder unvollkomme-
    nen Erfahrungen verdorben oder kraftlos geworden. Wenn
    wir Christum hören und in Ihm gelehrt worden sind, so
    lernen wir, wie die Wahrheit in dem Jesus ist (Eph. 4, 20
    u. 21). In Jesu kommt nichts von dem, was Gott im Sinn
    hat, zu kurz, und die Wahrheit in Jesu besagt, daß wir
    den alten Menschen aus- und den neuen angezogen haben;
    „das Wort" läßt den Gedanken nicht zu, daß dies nicht
    oder nur teilweise geschehen sei. Bei unserem Waschen
    an der Quelle wendet Christus „die Wahrheit in dein
    Jesus" auf uns an, und diese besteht, wie Eph. 4, 21-24
    klar feststellt, darin, unseren alten Menschen aus- und den
    neuen angezogen zu haben. Es handelt sich nicht darum,
    es zu tun, sondern um die zu unserer Reinigung auf uns
    angewandte christliche Wahrheit. Wir werden nie in der
    Lebenskraft irgendeiner Wahrheit wandeln, bis wir sie
    als die Wahrheit für uns annehmen. Dann sind wir ihr
    entschieden ergeben, sie beherrscht unser Herz und Ge-
    wissen, ist der Gegenstand unserer Clungen und Gebete,
    und deren betätigung in unserem Wandel folgt.
    Unser Kapitel fährt dann fort, von der Ausrottung der
    Namen der Götzen aus dem Lande zu reden, und auch von
    der der falschen Propheten und unreinen Geister (V. 2).
    Die am Quell Gereinigten werden keine Götzen oder
    falsche Lehre dulden; sogar Vater und Mutter eines fal-

    190

    schen Propheten werden ihn durchbohren (V. 3). Wenn
    die Leute verständen, was christliche Reinigung bedeutet,
    so würden sie mit keiner fleischlichen Religion, religiösen
    Neuerung oder falscher Lehre wandeln. Die in den See-
    len der Gläubigen in Kraft aufrechterhaltene Wahrheit
    der Reinigung würde jeden Irrtum bloßstellen und ihre
    Lehrer beschämen (V. 4).
    Gerade hier führt der Geist Gottes Christum prophe-
    tisch ein, als ob Er den Gegensatz zwischen Ihm und allen
    falschen Propheten feststellen wollte. Die Absicht eines
    jeden, der falsche Lehre bringt, ist, sich selbst zu erhöhen;
    er hat es, wie Simon von Samaria, gern, daß die Leute
    glauben, er sei „etwas Großes" (Apg. 8, 9). Der Herr Jesus
    kam nicht, um•hienieden ein Großer zu sein, sondern der
    Knecht aller. „Und er wird sprechen: Ich bin kein Pro-
    phet, ich bin ein Mann, der das Land bebaut; denn man
    hat mich gekauft von meiner Jugend an" (V. 5). Es gibt
    Schriftstellen, in denen die Herzensdemut des Herrn und
    Seine wunderbare Selbsterniedrigung in beachtenswerter
    Wise zum Ausdruck gelangt, und dies ist eine von ihnen.
    Er sagt: „Ich bin kein Prophet", und lehnt es damit ab,
    irgendeinen Platz von Bedeutung einzunehmen. Er kam,
    um zu arbeiten und zu dienen. Aus dem Zusammenhang
    geht hervor, daß es solche gab, die sich anmaßten, Pro-
    pheten zu sein, um dadurch ein gewisses Ansehen oder
    eine Vorrangstellung für sich selbst zu erlangen; doch der
    Herr sagte: „Ich aber suche nicht meine Ehre" (Joh. 8,
    50). Zu einem, der Ihn „guter Lehrer" anredete, sagte Er:
    „Was heißest du mich gut? Niemand ist gut, als nur einer,
    Gött" (Luk. 18, 19). Er, der in der Gestalt Gottes war,
    von dem Jehova in unserem Kapitel sagt: „Der Mann, der
    mein Genosse ist" (V. 7), entäußerte Sich Selbst, indem
    Er Knechtsgestalt annahm (Phil. 2, 6 u. 7). Hüten wir
    uns vor denen, die solche Schriftstellen gebrauchen, um
    dem Herrn der Herrlichkeit (1. Kor. 2, 8; Jak. 2, 1) das
    zu nehmen, was Ihm als einer menschgewordenen gött-

    191



    liehen Person zukommt. Wenn Er sagte: „Ich bin kein
    Prophet", so geschah dies, um zu zeigen, daß Er keinen
    Platz einnehmen wollte, der dazu angetan war, Ihm An-
    sehen in den Augen der Menschen zu verschaffen. Der
    Versucher stellte Ihn auf die Zinne des Tempels, damit
    Er Sich hinabwerfe, um eine Ihn als den Messias betref-
    fende Schriftstelle zu erfüllen, doch Er wollte Sich nicht
    verherrlichen und auch Jehova,' Seinen Gott, nicht ver-
    suchen. Er war in der Tat ein Prophet vor allen anderen,
    doch Er wollte dieses Amt nicht als etwas hinnehmen, das
    Ihn unter den Menschen auszeichnete, und dies ebenso-
    wenig, als Er damit einverstanden war, zum König ge-
    macht zu werden. Er war hier, um zu arbeiten und zu
    dienen, und nicht um öffentlicher Ehre in den Augen der
    Menschen teilhaftig zu werden.
    So sagt Er in Vers 5: „Ich bin ein Mann, der das Land
    bebaut." Er war hier, um zu arbeiten, damit Gott einige
    Frucht in Israel habe. Was die Nation anlangt, arbeitete
    Er allerdings vergebens und verbrauchte Seine Kraft nutz-
    los (Jes. 49, 4). Israel ward nicht gesammelt, Jakob nicht
    zu Jehova zurückgebracht, doch, wie wir wissen, führte
    die Verwerfung Seines Dienstes zu einer wunderbaren Er-
    weiterung des Werkes Gottes. Er ward „zum Licht der
    Nationen gesetzt", und ward Gottes Errettung bis an das
    Ende der Erde (Jes. 49, 5 u. 6).
    Sein Dienst war den Menschen zugänglich, „denn man
    hat mich gekauft von meiner Jugend an" (V. 5). Er stand
    den Menschen im Dienste zur Verfügung, keinei• erhob
    vergebens auf Seinen Dienst Anspruch; Er war in unend-
    licher Gnade der Knecht aller. Zu den Seinen sagte Er:
    „Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende" (Luk. 22,
    21). Er, der Herr und Lehrer, unterzog Sich aus Liebe
    dem Dienst eilies Knechtes und wusch Seinen Jüngern
    die Füße. Er hat Knechtsgestalt angenommen und dient
    auf diese wunderbare Weise immer noch in Liebe.
    Die Antwort auf den Dienst des Herrn in Israel war,

    192

    daß Er verwundet wurde. In Vers 6 heißt es: „Und wenn
    jemand zu ihm spricht: Was sind das für Wunden in
    deinen Händen? so wird er sagen: Die, womit ich ver-
    wundet worden bin in dem Hause derer, die mich lieben."
    Man sollte meinen, daß die Menschen froh sein würden,
    einen solchen Diener zu haben, doch weit gefehlt. Alles,
    was Gott zur Segnung Israels bereit hatte, ward in Ihm
    dargestellt, und so kam dadurch, daß sie Ihn so grausam
    verwarfen, ihr innerer Zustand völlig ans Licht. Wenn
    Israel nach dem Fleische hätte gesegnet werden können,
    so war die Segnung in lhm da, sie brauchten sie nur
    anzunehmen; Er kam zu ihnen als dem Hause derer, die
    Ihn lieben, aber empfing Wunden. Das war Israels An-
    teil an Seinen unaussprechlichen Leiden.
    Die Christenheit hat Ihn nicht besser behandelt. Man
    bekennt, die Bibel zu ehren, liest sie in ihren Kirchen,
    ebenso wie auch die Juden in ihren Synagogen, doch der
    lebendige Dienst Christi hat keinen Wert in ihren Augen.
    Er klopft noch an die Tür und begehrt Einlaß, aber als
    ein Draußenstehender, dessen man drinnen nicht bedarf.
    Kann es uns da wundernehmen, daß Gottes Gericht der
    Christum verwerfenden Christenheit nahe bevorsteht, wie
    es über das Ihn verwerfende Judentum kam? Glückselig
    dagegen, die Ihn aufnehmen und als den Sohn Gottes, den
    Christus Gottes bekennen und durch Ihn zur wahren Er-
    kenntnis Gottes, der Quelle aller Segnung gelangen!
    Furchtbare Gerichte Gottes werden über Jerusalem kom-
    men, denn es wird von Jehovas Hand das Doppelte für
    alle seine Sünden bekommen, doch ein Uberrest wird ver-
    schont werden und in ein großes, ihm bereitetes Tal flie-
    hen (Kap. 14, 4 u. 5). Furchtbare Gerichte werden auch
    über die Christenheit kommen, doch ein verschonter Über-
    rest, der alle wahren Gläubigen in sich begreift, wird dem
    Herrn in die Luft entgegengerückt werden, ehe diese Ge-
    richte in ihrer vollen Stärke hereinbrechen (1. Thess. 4, 17).
    An dieser Stelle wird nun unser Augenmerk auf etwas

    13 Kleine Propheten

    193


    gelenkt, was Christum unseren Herzen am allermeisten
    teuer macht, obwohl es uns eine Zeitlang tiefen Kummer
    bereiten mag. Es wird sicherlich einen erstaunlichen Wan-
    del in unseren Anschauungen hervorbringen, wenn wir
    die göttliche Bedeutung davon erkennen. „Schwert er-
    wache wider meinen Hirten, ja wider den Mann, der mein
    Genosse ist! spricht Jehova der Heerscharen; schlage den
    Hirten, und die Herde wird sich zerstreuen. Und ich werde
    meine Hand den Kleinen zuwenden." Ein großer und ern-
    ster Wandel in der Stellung des Hirten Jehovas vollzog
    sich, als Jehova das Schwert wider Ihn erweckte, und wir
    wissen, wann das geschah: ln der Nacht, da Er überliefert
    wurde, sprach Er: „Ihr werdet euch alle in dieser Nacht
    an mir ärgern; denn es steht geschrieben: ,Ich werde den
    Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden zer-
    streut werden.' Nachdem ich aber auferweckt sein werde,
    werde ich vor euch hingehen nach Galiläa" (Matth. 26, 31
    u. 32). Seine Jünger nahmen Anstoß an Ihm und strau-
    chelten, weil sie erwarteten, Er würde das Reich aufrich-
    ten. Daß Jehova das Schwert wider ihn erweckte, stürzte
    alle ihre Vorstellungen um. Doch das mußte „nach dem
    bestimmten Ratschluß und nach Vorkenntnis Gottes" ge-
    schehen (Apg. 2, 23); doch für Seine Jünger, Seine wahren
    Schafe, war es etwas Schreckliches, sie waren in den Tagen
    Seines Fleisches zu Ihm gezogen und mußten nun er-
    fahren, daß Er geschlagen werden und sie zerstreut wer-
    den mußten. Die ganze Grundlage ihrer Vereinigung mit
    Ihm sollte verändert werden. Unter ihnen war Er, der
    Christus nach dem Fleische, der wahre Hirte Israels, der
    göttliche Mittelpunkt des Versammelns, und eben dieser
    sollte geschlagen werden, und die kleine zu Ihm hin ver-
    sammelte Herde Schafe war zu zerstreuen. Damit ward
    die ganze Ordnung, deren Mittelpunkt Christus nach dem
    Fleische war, völlig beiseitegesetzt, und mit Bezug auf
    sie hatte Er zu sagen: „Denn auch das, was mich betrifft,
    hat eine y ollendung" (Luk. 22, 37).

    194

    Tatsache war, daß keiner der Jünger wirklich verstand,
    was ihnen dem Fleische nach gebührte, bis sie es dadurch
    kennenlernten, daß es über Christum kam. Sie dachten,
    Er könnte Israel ohne den Tod erlösen. Alle von uns den-
    ken, daß eine Veränderung nötig ist, doch wenn nichts
    Geringeres als der Tod die Abhilfe schafft, so bedeutet
    das unser völliges Ende. Christus mußte diesen Weg gehen,
    es bestand eine göttliche Notwendigkeit dafür: „Mußte
    nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit
    eingehen ?" (Luk. 24, 26.) Die ganze Schrift hatte davon
    gesprochen. „Also steht geschrieben, und also mußte der
    Christus leiden und am dritten Tage auferstehen aus den
    Toten" (Luk. 24, 46). Darin, daß einer für alle starb,
    ward erwiesen, daß alle tot waren. Getrennt von dem, was
    Christus uns ist und was wir in Ihm, dem aus den Toten
    Auferstandenen, haben, sind wir alle tot. Ein gepriesener
    Mensch war für uns im Tode und ist auferstanden, und
    wir sind nur insoweit aus dem Tode, als wir in Ihm leben.
    Der Christus nach dem Fleische war in diesem Zustande,
    damit Er sterben konnte, und wenn Er nicht gestorben
    wäre, hätte es für uns keinen Weg aus dem Tode heraus
    gegeben. Nun Er aber gestorben, stellte Er Sich nach Sei-
    nen Leiden in vielen sicheren Kennzeichen lebendig dar,
    indem Er vierzig Tage hindurch von den Aposteln ge-
    sehen wurde und über Dinge redete, die das Reich Gottes
    betreffen (Apg. 1, 3). Das Reich Gottes war der Kreis,
    worin ewiges Leben genossen wurde, und in Gemeinschaft
    mit dem Auferstandenen gingen sie geistlich in dasselbe
    ein. Wir kennen jetzt weder Christum nach dem Fleische
    noch aus uns, denn wir sind in Seinem Tode zu Ende ge-
    bracht. „Daher, wenn jemand in Christo ist — eine neue
    Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu ge-
    worden. Alles aber von dem Gott, der uns mit sich selbst
    versöhnt hat durch Jesum Christum" (2. Kor. 5, 16-18).
    Es ist gut, das zu verstehen, doch obwohl es eine höchst
    wichtige Belehrung für uns alle enthält, bezieht sich das

    195.

    Schlagen des Hirten in besonderer Weise auf Gottes Wege
    mit Israel. Als Jehovas Hirte ward Er nicht zu den Natio-
    nen gesandt, sondern zu den verlorenen Schafen des Hau-
    ses Israel. Jesus Christus ward ein Diener der Beschnei-
    dung „um der Wahrheit Gottes willen, um die Verhei-
    ßungen der Väter zu betätigen" (Röm. 15, 8). Wenn
    irgendein Volk dem Fleische nach hätte gesegnet werden
    können, so war es Israel, denn sie hatten jeden Vorteil,
    den Gott geben konnte, sogar den, Christum in ihrer Mitte
    zu haben, doch ihr Zustand war derart, daß sogar Christus
    nach dem Fleische nichts ausrichten konnte. Sie waren
    unter dem Tode und dem Fluche, und infolgedessen
    konnte kein dauerndes Sammeln der Schafe zu Christo
    nach dem Fleische stattfinden; dem Fleische nach mußte
    Er geschlagen werden, und die Schafe, die in Israel zu Ihm
    hingezogen worden waren, mußten zerstreut werden. Sein
    Schlagen war das Ende einer derartigen Vereinigung zwi-
    schen dem Hirten und den Schafen, und sie wird nie
    wiederaufgenommen werden. Israel wird nie wieder die
    Gelegenheit haben, ihn nach dem Fleische zu kennen. Ich
    glaube, die Schrift unterscheidet zwischen dem Schlagen
    des Hirten und dem Sühnungswerk, obwohl beides am
    Kreuze geschah. Sein Schlagen machte Seinem Hirten-
    dienst in Israel in den Tagen Seines Fleisches im Tode
    ein Ende. Er sollte hinfort nicht mehr dem Fleische nach
    gekannt werden. Der Zustand, der das Schlagen notwendig
    machte, war in Israel, nicht im Hirten, doch Er machte
    Sich in Gnade mit ihm eins und ward seinethalben ge-
    schlagen. Er wurde ausgerottet und hatte nichts (Dan. 9,
    26). Er hatte Israel in Liebe gedient und war Jehovas
    Hirte unter ihnen gewesen und erlebte nun diesen tiefen
    Kummer. Anstatt fsrael für Jehova zu gewinnen, ward
    Er geschlagen, und die kleine von Ihm gesammelte Herde
    ward zerstreut. Das war das traurige Ende Seines Dien-
    stes in Israel, doch Er ward dafür in der Auferstehung
    entschädigt und indem Er die Versammlung bekam, und

    196

    Er wird auch noch einen Erberrest von Israel haben, wenn
    sie gelernt haben, daß Sein Schlagen ihres Zustandes hal-
    ber geschah, mit dem Er Sich in Gnade einsgemacht hatte.
    Anstatt den Platz und die Herrlichkeit des Messias zu
    empfangen, ward Er geschlagen, doch dies geschah im
    Blick auf einen neuen und weit herrlicheren Platz in der
    Auferstehung.
    An dem künftigen Tage wird der Uherrest in Israel
    sehen, daß ihres Zustandes halber Jehovas Hirte geschla-
    gen ward. Sie werden fühlen, daß sie das Schlagen Gottes
    verdienen, werden es aber in ihrem Herzen tief empfin-
    den, wenn sie sehen, daß ihr Messias Sich alledem, was
    gerechterweise ihr Teil hätte sein müssen, unterzogen und
    es erlitten hat, und sie werden darin Seine Liebe erken-
    nen. Das Schwert mußte wider die Verkehrtheit des
    menschlichen Willens erwachen, der den Hirten von sich
    wies und verwundete, der in der Fülle des Segens kam;
    das ewige Wunder aber ist, daß es wider den Hirten Selbst
    erwachte, der ihre Sache zu Seiner eigenen machte. Was
    könnte das Herz mehr bewegen als dieses? Er war Je-
    hovas Genosse, womit erklärt wird, daß Er Gott eben-
    bürtig war, wahrscheinlich aber wird Er hier so genannt,
    um die Sinneseinheit zwischen Jehova und Seinem Hirten
    darzutun. Er konnte sagen: „Ich und der Vater sind eins"
    (Joh. 10, 30), das heißt, Sie waren eins in Ihren Gedan-
    ken und Vorsätzen betreffs der Schafe. Jehovas Liebe und
    Treue Seinem Israel gegenüber brach nicht zusammen,
    noch versagte der Messias darin, Sich alledem zu unter-
    ziehen, was nötig war, damit Israel gesegnet werden
    konnte. Im Blick darauf erwachte das Schwert wider Ihn,
    und Er ward als der Hirte geschlagen. Das geschah, weil
    Er Israels Sache auf Sich genommen und Sich in Gnade
    mit dem einsgemacht hatte, was ihnen gebührte. Wir ler-
    nen wie auch sie, was uns gebührt, wenn wir sehen, daß es
    über Einen kam, der es in Liebe trug.
    Die Jünger Jesu waren der wahre Uberrest Israels, als
    197

    der Herr hienieden war, und sie wurden berufen, Christo
    nachzufolgen und in den Tagen Seines Fleisches bei Ihm
    zu sein. Es war die gesegnetste Verbindung, in der Men-
    schen nach dem Fleische stehen konnten, doch das Schla-
    gen des Hirten und die Zerstreuung der Herde machte
    dem ein Ende. Gottes Absicht war. daß der Uberrest
    Israels durch den Tod Christi in eine neue Verbindung
    mit Ihm, dein aus den Toten Auferstandenen, eingehen
    sollte. Das stellte sie auf einen Boden, wo sie an
    Gottes wunderbaren Gedanken über die Versammlung teilhaben
    konnten. Zu dem nach dem Fleische gekommenen Messias
    hin versammelt und auf jüdischem Boden stehend wurden
    sie zerstreut, doch das sollte Raum machen für weit
    größere und wunderbarere Gedanken der Segnung; dem
    göttlichen Vorsatz und Ratschluß nach sollte die Ver-
    sammlung kommen. In der wunderbaren Zwischenzeit
    von Seinem Schlagen bis zu Seiner Rückkehr in Herrlich-
    keit ist die Versammlung dazu berufen und gereinigt wor-
    den. mit Ihm, dem Auferstandenen und Verherrlichten,
    vereinigt und Sein Leib zu sein, die Fülle Dessen, der alles
    in allem erfüllt (Eph. 1, 23).
    Im Blick auf alles dieses sagte Jehova: „Und ich werde
    meine Hand den Kleinen zuwenden" (V. 7). Das bezieht
    sich auf die Wege, die Gott mit den Jüngern in der Zeit
    von Gethsemane bis Pfingsten ging. Sie hatten eine tiefe
    Seelennot durchzumachen, als Er überliefert, verurteilt,
    gekreuzigt und begraben ward. Sie erfuhren. daß Er in
    der Tat geschlagen ward und sie nun keinen Sammelpunkt
    mehr hatten und zerstreut waren. Doch die Hand Gottes
    wandte Sich ihnen auf wunderbare Weise zu, das Licht
    Seiner Auferstehung brach über einzelne und am Ende
    über alle herein. Sie fanden, daß Er bei ihnen und sie
    bei Ihm sein konnten. und dies einer ganz und gar neuen
    Vereinigung gemäß. Jeder der vierzig Tage, während der
    Er von ihnen gesehen ward, fügte ihrer Erkenntnis von
    Ihm als dem Lebendigen etwas hinzu (Apg. 1, 3). Und

    198

    dann sahen sie Ihn „emporgehoben" und verstanden, daß
    ihnen hienieden Sein Werk anvertraut war, und schließ-
    lich erfüllte sie der Heilige Geist, um ihre Kraft im Dienst
    und Zeugnis zu sein.
    Der Überrest Israels wird erkennen, daß das Schlagen
    und Wegtun des Messias allen Hoffnungen dem Fleische
    nach ein Ende machte. Sie werden sehen, daß weder Ver-
    heißungen noch Bündnisse denen, die unter dem Tode
    waren, etwas nützen konnten. Unter Gottes ernsten Wegen
    mit ihnen werden sie lernen, daß sie unter dem Tode
    sind, doch sie werden das auf eine noch durchgreifendere
    Weise lernen, wenn sie sehen, daß Christus ihrethalben
    geschlagen wurde. Sie werden sehen, daß jede Segnung
    ihnen nur auf Grund Seines Todes und Seiner Auferste-
    hung zukommen kann; sie werden sich in Ihm segnen und
    in das ewige Leben an dem Tage eingehen, von dem Sach.
    14 redet, wo lebendige Wasser von Jerusalem, der Stadt
    des großen Königs, ausgehen (Ps. 48, 2). Doch ohne die
    Läuterung des letzten Verses von Kap. 13 werden sie das
    nicht empfangen.
    Jehova wird in Seinen Wegen mit Israel in den letzten
    Tagen das ganze Land in Betracht ziehen (V. 8), und Ge-
    richt wird über die kommen, die im Unglauben und im
    Geiste derer verharren, die Christum verwundeten: "Zwei
    Teile davon werden ausgerottet werden und verscheiden,
    aber der dritte Teil davon wird übrigbleiben. Und ich
    werde den dritten Teil ins Feuer bringen, und ich werde
    sie läutern, wie man das Silber läutert, und sie prüfen,
    wie man das Gold prüft" (V. 8 u. 9). Die Läuterung wird
    des darin enthaltenen kostbaren Metalls halber vollzogen,
    also um derer willen, die Glauben haben. Petrus sagt hier-
    von: „Auf daß die.. Bewährung eures Glaubens, die viel
    köstlicher als die des Goldes, das vergeht, aber durch
    Feuer erprobt wird, erfunden werde zu Lob und Herrlich-
    keit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi" (1. Petr.1,
    7). Die Läuterung in Sach. 13, 9 geschieht im Blick auf

    199

    die Offenbarung Jesu Christi in Kap. 14. Gottes Vor-
    gehen im Gericht gegen den Unglauben und die Läuterung
    der Glaubenden kennzeichnen die letzten Tage. Ich denke,
    wir können das schon heute klar sehen. Gott handelt im
    Gericht gegen Nationen, die christliches Licht empfangen
    haben, Ihm aber nicht treu waren. Wir sollten nicht ver-
    gessen, daß Gott im Gericht gegen die Versammlungen
    ebenso vorgeht wie gegen Israel oder die Juden. So sagt
    der Herr zum Beispiel zu Ephesus: „So komme ich dir und
    werde deinen Leuchter aus seiner Stelle wegtun, wenn du
    nicht Buße tust- (Offb. 2, 5). Zu Pergamus sagt Er: „Tue
    nun Buße, wenn aber nicht, so komme ich dir schnell und
    werde Krieg mit ihnen führen mit dem Schwerte meines
    Mundes" (Offb. 2, 16). Zu Thyatira spricht Er von Jesa-
    bel: „Siehe, ich werfe sie in ein Bett und die, welche Ehe-
    bruch mit ihr treiben, in große Drangsal, wenn sie nicht
    Buße tun von ihren Werken. Und ihre Kinder werde ich
    mit Tod töten, und alle Versammlungen werden erkennen,
    daß ich es bin, der Nieren und Herz erforscht; und ich
    werde euch einem jeden nach seinen Werken geben"
    (Offb. 2, 22 u. 23). Zu Sardes sagt Er: "Wenn du nun
    nicht wachen wirst, so werde ich über dich kommen wie
    ein Dieb" (Offb. 3, 3). Und zu Laodicäa sagt Er: „Weil
    du lau bist . . so werde ich dich ausspeien aus meinem
    Munde" (Offb. 3, 16).
    Während sich nun dieses gerichtliche Vorgehen voll-
    zieht und weiter vollziehen wird, so auch die göttliche
    Läuterung da, wo Glauben vorhanden ist: ihr Gegenstand
    ist, daß das Vertrauen auf Gott mehr zur Entfaltung
    komme und geläutert werde. Es ist wohl zu beachten, daß
    die Läuterung nichts Großes nach außen hin bewirkt, es
    werden keine Heldentaten vollbracht. Vers 9 sagt: „Es
    wird meinen Namen anrufen. und ich werde ihm antwor-
    ten; ich werde sagen: Es ist mein Volk, und es wird sagen:
    Jehova ist mein Gott." Was die Getreuen heutzutage kenn-
    zeichnet ist, daß sie nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe und

    200

    Frieden streben, doch sie tun dies als solche, „die den
    Herrn anrufen aus reinem Herzen" (2. Tim. 2, 22). Sie
    haben keine andere Zuflucht und werden von Ihm an-
    erkannt und unterstützt.


    Kapitel 14
    Zwischen dem Jerusalem des ersten Teiles unseres Ka-
    pitels und dem von Vers 8 an besteht ein großer Unter-
    schied, er gleicht dem Gegensatz zwischen Babylon und
    der heiligen Stadt Jerusalem in der Offenbarung (Kap. 14,
    8; 21. 2 u. 10). In Vers 2 ist Jerusalem der Gegenstand
    des göttlichen Gerichts, das des Mißfallens Jehovas halber
    seinen Belagerern dahingegeben wird, es kommt in die
    Hände der Feinde Jehovas. In dieser Hinsicht gleicht
    Jerusalem hier dem Jerusalem, wo unser Herr gekreuzigt
    ward, dem der gegenwärtige Zustand der Christenheit
    gleicht. Schreckliches kam über das Jerusalem, das Chri-
    stum verwarf, und Schreckliches wird über die Christen-
    heit kommen, die zwar Seinen Namen bekennt, ihn aber
    entehrt. „Wenn sie sagen: Friede und Sicherheit! dann
    kommt ein plötzliches Verderben über Sie . . ., und sie
    werden nicht entfliehen- (1. Thess. 5, 3).
    Doch zu der Zeit, als der Herr zu Jerusalem gekreuzigt
    wurde, gab es einen Überrest, der Ihn schätzte und liebte
    und mit dem Er vierzig Tage nach Seiner Auferstehung
    war, und der Ihn nach Apg. 1 vorn Olberge auffahren sah,
    und daselbst ward den Jüngern gesagt, daß Er also kom-
    men würde, wie sie Ihn hatten auffahren sehen. Und wie
    wir wissen, gab es einen Weg, dem zu entrinnen, was über
    Jerusalem damals kam. Buße und Taufe in dem Namen
    Jesu Christi zur Vergebung der Sünden sicherte allen,
    die Petri Wort annahmen, die Gabe des Heiligen Geistes.
    Der vom Olberge aufgefahrene Herr verleiht diesem Berge
    ein ganz bestimmtes Band mit Seinem gegenwärtigen
    201

    Platze in der Höhe, und eben weil Er an diesem Platze,
    als durch die rechte Hand Gottes erhöht, anerkannt wurde,
    fand der verschont gebliebene überrest am Tage der
    Pfingsten einen \\ eg zum Entrinnen.
    Jehova wird am Tage der Zukunft in auffallender Weise
    für den Überrest eintreten. In Vers 4 u. 5 heißt es: „Und
    seine Füße werden an jenem Tage auf dem Olberg stehen,
    ... und der Olberg wird sich in der Mitte spalten. nach
    Osten und nach Westen hin, zu einem sehr großen Tale...
    Und ihr werdet in das Tal meiner Berge fliehen." Ehe Er
    in Jerusalem König ist, wird Er eine Stellung auf dem
    Olberg nehmen, und in Verbindung damit wird, soviel
    ich sehe. ein Tal gebildet werden, wohin der Überrest
    flieht, um vor den Jerusalem drohenden oder sich darüber
    ergießenden Gerichten in Sicherheit zu sein; der Glaube
    und die Liebe des Uberrestes wird das im Einklangs mit
    Apg. 1 tun. Sie werden Ihn geistlicherweise als auferstand-
    en und aufgefahren erfassen und werden die Psalmen ver-
    stehen, die in der Weise von Ihm reden. In jenem Tale, einer
    niedrigen Stätte, werden sie Christum als aufgefahren er-
    kennen, daß Er aber nun, nachdem Er lange Zeit eine
    himmlische Stellung innehatte, herniedergekommen ist,
    um Sein irdisches Reich aufzurichten. Dann haben sie ge-
    lernt, den so lange verachteten und verworfenen Hirten
    zu schätzen. Sie werden auf Ihn geblickt haben, als Den,
    den sie durchbohrt haben, und werden um Ihn leidgetra-
    gen haben wie um einen innig Geliebten. Sie haben sich
    dann in dem geöffneten Quell gewaschen und sind nun
    sittlich passend Ihn zu kennen und bei (hm in Seiner
    Stellung auf dem Olberge zu sein, ehe Er nach Jerusalem
    kommt. In jenem von Gott gebildeten Tale hat man keine
    natürlichen Eindrücke von Christo, wie sie manche in den
    Tagen Seines Fleisches hatten (Mault. 16. 14) ; alle ihre
    Gedanken über Ihn werden gottgemiiß sein: denn sie sind
    durch den Tag gegangen, der „Jehova bekannt" ist (V. 7),
    von dem es heißt: „Zur Zeit des Abends, da wird es Licht

    202

    sein." Sie kommen dann in das Licht ihrer Vereinigung
    mit ihm, wie es prophetisch im Lied der Lieder und im
    Ps. 45 kundgetan wird. Dann werden sie mit Ihm in die
    heilige Stadt kommen. Sie werden das Licht der Psalmen
    und wahrscheinlich auch der Evangelien haben.
    Es besteht eine auffallende Ähnlichkeit zwischen
    den Umständen des Uberrestes jener Tage und denen der Hei-
    ligen heute. Das große christliche Bekenntnis steht eben
    am Wande des Abfalls und reift schnell für das Gericht
    heran. Doch es gibt solche, die gereinigt worden sind und
    zum mindesten bis zu einem gewissen Grade die wunder-
    bare Bedeutung des Todes Christi verstanden haben; durch
    Übung haben sie ihre Vereinigung mit Christo in Seiner
    himmlischen Stellung kennengelernt. Der einzige Weg,
    dem zu entrinnen, was unter Gericht ist, besteht darin,
    seine Zuflucht zu Dem zu nehmen, der ganz und gar
    außerhalb desselben ist. Der Herr muß heute in dem er-
    kannt werden, was Seiner Stellung auf dem Ölberge ent-
    spricht. das heißt als auferstanden und in den Himmel
    aufgefahren. Wer Christum wirklich zu finden begehrt,
    muß gleichsam aus dieser Welt hinausgehen, ganz gleich,
    ob er dem Heidentum oder der Christenheit angehört.
    Das ist nicht so leicht, denn das läuft allen Gedanken des
    natürlichen Herzens zuwider.
    Unser Ölberg ist der Epheserbrief oder Joh. 20, 17,
    er ist das, was wir tatsächlich durch die Entrückung er-
    reichen; doch ich bezweifle, daß jemand von uns kennen-
    lernt, was es heißt, mit Christo im Himmel vereinigt zu
    sein, ohne eine Erfahrung durchzumachen, die Sach 14, 6
    u. 7 entspricht: „Und es wird geschehen an jenem Tage,
    da wird kein Licht sein; die Gestirne werden sich ver-
    finstern. Und es wird ein einzigartiger Tag sein
    (er ist Jehova bekannt), nicht Tag und nicht Nacht; und es wird
    geschehen zu der Zeit des Abends, da wird es Licht sein."
    Man hat die Abwesenheit von Licht hienieden zu lernen;
    jedes menschliche Licht wird verdunkelt. Ich denke nicht,

    203

    daß sich jemand zur Stellung des Herrn auf dem Ölberg
    begeben wird, solange er Licht in des Menschen Urteils-
    kraft und Beobachtungen sowie seiner religiösen Vorstel-
    lungen zu finden meint. Die Weisheit des Menschen und
    sogar seine Religiosität ist im geistlichen Bereiche Fin-
    sternis, und Gott will, daß wir sie als solche erkennen.
    Wik fähig auch religiöse Führer und Philosophen sein
    mögen, sie sind unter dem Tode. Nur Christus ist außer-
    halb des Todes und passend für den Himmel, und nur
    insoweit wir mit Ihm gestorben sind und Ihn als unser
    Leben haben, leben wir vor Gott. Doch das steht so offen-
    bar außerhalb der religiösen Welt, wie der Ölberg außer-
    halb von Jerusalem. Wir kommen dahin durch die tJbun-
    gen und Erfahrungen eines Tages, der ganz verschieden
    von irgendeinem Tage des natürlichen Kalenders ist. Es
    ist ein Tag, der „Jehova bekannt" ist, der nach des Men-
    schen Urteil "nicht Tag und nicht Nacht" ist, ein Tag,
    der, was natürliche Eindrücke anlangt, ganz gesondert da-
    steht, wie etwa die Zeit zwischen Gethsemane und der
    Auferstehung für die Jünger oder die drei Tage, wo Saulus
    nichts sah und weder aß noch trank. Keiner von uns geht
    vom Natürlichen zum Geistlichen über, ohne einen Tag
    dieser Art erlebt zu haben, der nicht nach Stunden und
    Minuten mißt, sondern nach einer gottgegebenen Ubung.
    Doch „zur Zeit des Abends, da wird es Licht sein". Es
    gibt kein solches Licht wie das Licht, das von einem auf-
    erstandenen und himmlischen Christus ausgeht. Glück-
    selig die, deren Herzen damit erfüllt sind! Sie sind für
    Sein Kommen bereit. Der Ölberg liegt „vor Jerusalem ge-
    gen Osten" (V. 4), und der „Osten" redet geistlich von
    dem Kommen des Herrn, und so haben wir am Ende von
    Vers 5 den gesondert dastehenden Satz: „Und kommen
    wird Jehova, mein Gott, und alle Heiligen mit dir." Der
    Augenblick ist nahe, wo die Heiligen entrückt werden,
    dem Herrn entgegen in die Luft, sie werden tatsächlich
    aus dem hinausgehen, was unter Gericht ist, um bei dem
    204

    Herrn zu sein, und dann mit Ihm zurückkommen, um an
    Seiner herrlichen Herrschaft teilzuhaben, wenn alle Irger-
    nisse und die das Gesetzlose tätigen aus Seinem Reiche
    zusammengelesen sind (Matth. 13, 41).
    In der Zeit der Verwüstung Jerusalems wird der ein-
    zige Weg, dem zu entrinnen,. der sein, hinauszufliehen,
    denn dort wird der Abfall und Gottes Gericht darüber
    zum Abschluß kommen. Des Herrii Füße werden auch
    wohl deshalb auf dem Ölberge außerhalb Jerusalems
    stehen, damit Er Sich dort dem Oberrest kundtue, der
    aus dem abtrünnigen Jerusalem zu fliehen hatte.• Es ist
    dies ein Platz, der mit bekannten Umständen in der Ge-
    schichte der Evangelien in Verbindung steht und beson-
    ders damit, daß der Herr von dort in den Himmel auf-
    genommen wurde. Das durch die Spaltung des Ölbergs
    entstehende Tal ist meines Erachtens ein anderes als das
    in Joel 3. 1 erwähnte Tal Josaphat; dieses dient zum Ge-
    richt — Josaphat bedeutet „Jehova richtet" — und die
    Nationen werden dahin geführt, um gerichtet zu werden.
    Das erstgenannte Tal jedoch erinnert uns daran, daß der
    Ölbaum in der Schrift in Verbindung mit der Verheißung
    und Gottes unumschränkter Güte steht und im Bilde das
    Geistliche darstellt. Deshalb glaube ich, daß Jehova auf
    dem Ölberg eine Stellung der Gnade gegenüber dem Ober-
    rest einnimmt. Daß sich der Berg in seiner Mitte spaltet,
    um ein sehr großes Tal zu bilden, ist eine Vorsehung der
    Gnade für den bußfertigen 1:Tberrest. Sie werden aus der
    Stadt dahineinfliehen, da sie zu der Zeit dem Abfall und
    Gericht anheimgefallen ist. Wenn das so ist, dann besteht
    eine auffallende Ähnlichkeit zwischen ihrer Lage und der
    unseren. Wir verlassen geistlich den Schauplatz des Ab-
    falls, indem wir erkennen, mit dem Aufgefahrenen eins
    zu sein, tatsächlich aber verlassen wir ihn, wenn Sein ge-
    bietender Zuruf erschallt, Ihm in der Luft entgegenzu-
    gehn. Danach, „wenn der Christus, unser Leben, geoffen-
    bart wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart
    205

    werden in Herrlichkeit- (Kol. 3, 4). Alle himmlischen
    lIeiligen werden mit Christo kommen, und die von den
    irdischen Heiligen, die in Ps. 45 durch die Königin und
    ihre Gefährtinnen dargestellt werden, werden auch bei
    Ihm sein, wenn Er in Herrlichkeit herrscht. „Alle Heiligen
    mit dir" ist ein allgemeiner Ausspruch darüber, was die
    Herrschaft Christi einleitet, der als Derselbe wie Jehova
    hingestellt wird. Die Heiligen der Versammlung sind hier
    eingeschlossen, doch es umfaßt alle, die mit Christo herr-
    schen werden.
    Der Uberrest wird nicht vor dem Ende dieses beson-
    deren Tages von Vers 6 u. 7 in das klare Licht des Herrn
    kommen, denn erst „zur Zeit des Abends, da wird es Licht
    sein-. Zwischen dem König und der Königin in Ps. 45
    ist alles „Licht-, obwohl noch gegen des Königs Feinde
    vorgegangen werden muß.
    Dem Kommen des Herrn mit allen Heiligen folgt die
    Einführung völliger tausendjähriger Segnung. Lebendige
    Wasser gehen von Jerusalem aus, und Jehova ist dort
    König über die ganze Erde. Jerusalem wohnt dann an
    seiner Stätte, und zwar in Sicherheit (V. 8-11). Alle, die
    gegen Jerusalem Krieg geführt haben, kommen unter Ge-
    richt, und alle von ihnen Übriggebliebenen werden von
    Jahr zu Jahr nach Jerusalem hinaufziehen, den König
    Jehova der Heerscharen anzubeten und das Laubhüttenfest
    zu feiern (V. 16).
    Dieses höchst lehrreiche Buch schließt mit dem Hinweis
    auf Heiligkeit: „An jenem Tage wird auf den Schellen
    der Rosse stehen: Heilig dem Jehoi'a. Und die Kochtöpfe
    im Hause Jehovas werden sein wie die Opferschalen vor
    dem Altar: und jeder Kochtopf in Jerusalem und in Juda
    wird Jehova der Heerscharen heilig sein . . . Und es wird
    an jenem Tage kein Kanaaniter mehr sein im Hause Je-
    hovas der Heerscharen- (V. 20 u. 21). Jede Bewegung
    und jedes Gefäß des Dienstes werden das Gepräge der Hei-
    ligkeit tragen. Die Selbstsucht des Menschen hat dann
    206

    keinen Platz mehr. Das in Verbindung mit den Dingen
    Gottes so verderbliche Handeltreiben ist verschwunden.
    Wir stehen unter dem Eindruck der Heiligkeit, einem
    höchst wesentlichen Zug allen Dienstes Gott gegenüber.
    Es ist sehr auffallend, daß die in diesem Kapitel erwähn-
    ten Wesenszüge des Jerusalem im Tausendjahrreich solche
    sind, die ordnungsgemäß das Zeugnis Gottes zu allen Zei-
    ten kennzeichnen. Wo immer die Wahrheit aufrechter-
    halten wird, haben. wir gleichsam ein Ausfließen leben-
    digen Wassers und den Wesenszug der Heiligkeit. Das ist
    sicherlich in Zeiten des Uberrestes ebenso wahr wie in
    denen der ursprünglichen Frische unserer Haushaltung.
    Gott hat in Offb. 21 ein wunderbares Gesicht des himm-
    lischen Jerusalems vor uns gebracht, doch sowohl dieses
    als das irdische Jerusalem von Sach. 14 sollen dazu dienen,
    die Wesenszüge zu erfassen, die die Versammlung Gottes
    jetzt kennzeichnen sollten. Der Herr sagte von dem Über-
    winder in Philadelphia: „Ich werde auf ihn schreiben . . .
    den Namen der Stadt meines Gottes, des neuen Jerusalem,
    das aus dem Himmel herniederkommt" (Offb. 3, 12). Jeder
    Heilige heutzutage, den der Herr zu einer Säule macht
    in dem Tempel Seines Gottes, stellt etwas dar, was in
    Wahrheit das himmlische Jerusalem zum Ausdruck bringt.
    Wenn das von einem einzelnen Treuen gilt, wieviel mehr
    ist das von denen wahr, die, miteinander wandelnd, die
    Wahrheit der Versammlung zu bekennen und aufrecht-
    zuerhalten suchen!
    Zum Schluß unserer Betrachtung der Prophezeiung Sa-
    charjas weise ich darauf hin, daß sie gegeben ward, einen
    schwachen überrest zu ermutigen, das Haus Jehovas in
    einer Zeit der Wiederherstellung zu bauen. Sie soll auch uns
    eine Hilfe sein, wenn wir heute die Uhungen eines zurück-
    gekehrten Überrestes auf uns nehmen. In Esra 6. 14 wird
    gesagt: „Es gelang ihnen durch die Weissagung Haggais.
    des Propheten, und Sacharjas." Möchte es auch uns in
    unseren Tagen gelingen!
    207
    Herzliche Grüsse
    Hans Peter

    3. Mo 5,1

    Und wenn jemand sündigt, daß er die Stimme des Fluches hört, und er war Zeuge, sei es daß er es gesehen oder gewußt hat, wenn er es nicht anzeigt, so soll er seine Ungerechtigkeit tragen;


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