Zwölf Punkte, warum wir die Allversöhnungslehre ablehnen.
nach a. Küpfer
Der Universalismus oder die Allversöhnungsirrlehre tritt zwar in einem anscheinend christusgläubigen Gewande auf. ist aber nichts¬destoweniger ein böser Irrtum und fällt unter das Urteil: „nicht aus Gott". Leider gewinnt diese Lehre in unsern Tagen weite Ver¬breitung, sogar bei Gläubigen, von denen man bessere Einsicht erwarten dürfte. Der Universalismus zeigt sich in mehreren sich ähnelnden Lehren. Wir wollen daher versuchen, das Wesentliche dieser verschiedenen Richtungen kurz zu zeichnen.
Die eigentliche Allversöhnungsirrlehre leugnet, dass irgendwer der Sünde wegen verloren sei, vielmehr habe der Tod des Christus allgemeine Gültigkeit, indem dadurch alle Menschen, auch ohne Bekehrung und Wiedergeburt, errettet werden.
Die Wiederbringungsirrlehre gibt zwar zu, dass von Na¬tur alle Menschen verloren seien, aber sie behauptet, dass nach einer Läuterung während Aeonen (Zeitaltern) dennoch alle Men¬schen mit Gott versöhnt werden; es gebe keine ewige Verdammnis und folglich werden schlussendlich auch Satan und seine Engel noch selig werden.

Die All-Erbarmungsirrlehre will in der ewigen Ver¬dammnis einen Widerspruch sehen zu Gottes Liebe; sie sei Seiner unwürdig und stemple Gott zu einem Tyrannen. Auch diese Lehre verneint daher die ewige Verdammnis mit 'der Begründung, sie würde das Werk des Christus beeinträchtigen.
Die Vernichtungsirrlehre endlich sieht zum Teil die In¬konsequenz obiger Lehrrichtungen ein und hält daran fest, dass niemand ewiges Leben haben könne ausser im Glauben an Jesus Christus. Da sie aber trotzdem die ewige Verdammnis leugnet, lehrt sie, dass alle Menschen, welche getrennt von Christus sterben, ein Ende nehmen gleich dem Tier, d. h. für immer aufhören zu sein, beziehungsweise vernichtet werden.

Im Folgenden möchten wir einige der hauptsächlichsten Irr¬tümer der Allversöhnungsirrlehre ins Licht des Wortes Gottes stellen und zeigen, wie sehr sie den Grundsätzen der Heiligen Schrift widerstreiten.
1. Die Lehrer der Allversöhnung beziehen sich unter anderem auf 1. Korinther 15,22: „Denn gleichwie in dem Adam alle sterben, also werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden" und folgern, dass wenn das Wörtchen „alle" sich auf die durch die Übertretung Adams gefallenen Menschen beziehe, es gleicherweise im Falle der Errettung alle Menschen einschliesse!
Bei näherer Betrachtung des Bibelverses können wir indes er¬kennen, dass dies eine ganz unberechtigte Ausweitung des Be¬griffes „alle" ist, unter völliger Ausserachtlassung des Gedanken¬ganges der betreffenden Stelle. Auch in der täglichen Umgangs¬sprache wird dieses Wort ja oft in einem auf die V o 11 z a h I der im jeweiligen Gedankengang umfassten Gattung beschränkten Sinn ge brauch t. Genau das¬selbe finden wir in der Heiligen Schrift z. B. in 1. Timotheus 4, 4: „Denn jedes Geschöpf Gottes ist gut und nichts verwerflich". Hier sind sicherlich essbare Dinge gemeint, weil dieses Wort im Rahmen der Belehrung über die menschlichen Speiseverbote geschrieben ist. In Markus 16, 15 ist ohne Frage nur an Menschen gedacht, obwohl gesagt ist, das Evangelium der „ganzen Schöpfung", wozu auch Tiere und Pflanzen gehören, zu verkündigen. Desgleich umfasst der Ausdruck „den ganzen Erdkreis einzuschreiben" (Lukas 2, 1) doch ohne Frage nur das Römische Kaiserreich, und nicht alle Völker jener Zeit, geschweige denn alle fünf Erdteile.
So sind in 1. Korinther 15, 22 und ebenso in Römer 11, 32 zwei Menschengeschlechter einander grundsätzlich gegenüberge¬stellt, deren Begründer Adam und Christus sind. Durch Adams Sünde ist sein ganzes Geschlecht dem Tode unterworfen worden, was ja allerdings alle Menschen ohne Ausnahme umfasst. „In Christo alle lebendig gemacht" umschliesst desgleichen <la* ganze Geschlecht Christi, aber eben nur die M e n sch, welche aus Glauben an Christi Werk am Kreuz durch den Geist Gottes zu diesem Geschlecht als neue, aus Gott geborene Menschen hinzugefügt wer¬den. Alle übrigen aber, die nicht glauben, also „nicht des Chris¬tus sind", gehören nicht zu diesem Geschlecht und werden darum auch nicht in Christo lebendig gemacht. Dies wird hernach durch die Worte, „die des Christus sind bei Seiner Ankunft" (1. Kor. 15, 23) deutlich ausgedrückt, sowie durch die ganz unmissverständliche Unterscheidung beider Geschlechter in den Versen 45-50 im gleichen Kapitel.
2. Anhand von 1. Korinther 15, 28: „Auf dass Gott alles in allem sei", wird gelehrt, dass es doch nicht zwei Gruppen geben könne, Selige und Verdammte, sonst wäre ja Gott nicht alles in allem und es gäbe keine ewige Harmonie!
Eine derartige Folgerung kommt einem rein verstandesmässigen und unzulässigen Beurteilen verborgener Dinge gleich. Nicht alles ist uns geoffenbart, weil wir ja nicht alles zu erfassen ver¬möchten. Es ist ein ehrfurchtsloses Betreten des Heiligtums, das Gott sich selbst vorbehalten hat. 1. Korinther 15, 27 zeigt deutlich, um was es hier geht, nämlich um den Platz und die Ehre Gottes, um die abgeschlossene Rückführung aller Herrschaft und Führung unter die alleinige Hand Gottes, nicht aber um eine Gleichschaltung der Geschöpfe mit dem Schöpfer, oder ein wesen¬haftes Aufgehen in Gott selbst. Auch die ewig Verdammten sind trotz ihrer Entfernung aus Gottes Gegenwart dennoch unter Sei¬ner Herrschaft, ebenso wie einst die nach Sibirien Verbannten gleichwohl unter der Herrschaft des Zaren blieben.
3. Von den Ausdrücken „Wiederherstellung aller Dinge" (Apostelg. 3, 21) und „alle Dinge mit sich zu versöhnen" (Kol. l, 20) wird abgeleitet, dass alle Personen ohne jede Ausnahme, also auch die Verdammten und sogar die Teufel, in die Versöhnung einge¬schlossen seien!
Dies ist jedoch nicht begründet, denn in beiden Stellen, in Ko¬losser l, 20 sogar dreimal, ist doch nur von Dingen und nicht
von Personen die Rede; verdammte Menschen und Teufel sind aber Personen und nicht nur Dinge. Durch die Sünde ist die ganze Schöpfung, sowohl die ganze Ordnung der Erde, als auch die Sternenwelt, verdorben und dem Tod unterworfen worden, wie ein Tintenklecks den ganzen Bogen Papier verdirbt. Deshalb muss auch alles das erlöst, wiederhergestellt werden, ja, einer neuen, reinen, gottgemässen Schöpfung Platz machen (2. Petrus 3, 10; Offbg. 21, 1). Die Ausdehnung der Versöhnung auf Verdammte und Teufel ist ganz abwegig, da ja kein Wort von der Unterwelt gesagt wird. Da¬gegen ist sowohl in Kolosser l, 20, als in der sehr deutlichen Stelle Epheser l, 9—10, von „Dingen in den Himmeln" und solchen „auf der Erde" die Rede. In den Himmeln z. B. gibt es gar keine Perso¬nen, die wiederhergestellt werden müssten, wohl aber Dinge, z. B. die Sternenwelt. Satan aber und seine Engel werden nicht gerei¬nigt, sondern auf die Erde geworfen werden, um schliesslich im Feuer- und Schwefelsee zu enden.
4. Auf Philipper 2, 10 „auf dass in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen" wird die Lehre gegründet, dass auch die Dämonen, ja Satan selbst, noch versöhnt werden, da ja niemand ausgeschlossen sein könne!
Das ist eine unsinnige und unbegründete Folgerung einer grund¬falschen Lehre! In der angeführten Stelle wird doch nicht im Ge¬ringsten eine Versöhnung angedeutet, sondern nur festgestellt, dass letzten Endes alle persönlichen Wesen ohne Ausnahme, auch die Verdammten und Teufel, sich der Herrschaft Gottes unterwerfen müssen, und, mögen sie wollen oder nicht, eben dem Namen, der jetzt noch der meistgehasste und verachtetste Name auf Erden ist, — Jesus — Ehre geben müssen, als Dem, der über dem ganzen Weltall steht, — etwa so, wie sich einst die Sachsen widerwillig der siegreichen Macht Karls des Grossen beugen müssten.
Uebrigens sagt Hebräer 2, 16 ausdrücklich, dass der Herr Jesus sich nicht der Engel annehme, sondern des Samens Abrahams, also der Menschen. Für Satan und seine Engel kann es keine Erlösung geben (Matth. 25, 41; Offbg. 12, 9), weil sie ja m i t V o r s a t z ge-

sündigt haben, und zwar in der allerhöchsten Form der Aufleh¬nung, indem sie sich an Gottes Stelle setzen wollten (Jes. 14, 13; Hes. 28, 15—17). Gottes Sohn ist Mensch geworden für M e n -sehe n, also nicht für Engel, sonst hätte Er ein Dämon werden müssen, um Dämonen erlösen zu können. — Der Einsichtige sieht das Unmögliche ein.
Wesen und Charakter Satans und seiner Trabanten ist absolute Lüge und Bosheit, planmässiger, aus bodenlosem Gotteshass ge¬borener Widerstreit gegen Gott, der trotz seiner Niederlage durch das Kreuz immer noch fortdauert. (Vergl. Joh. 8, 44). Daran würde auch ein aeonenlanges Fegfeuer nicht das Geringste ändern. Schon Menschen, die „aus dem Bösen sind" (1. Joh. 5, 19—20), hassen das Licht und missbrauchen die Wahrheit (Joh. 3, 19—20; Psalm 62, 4). Sie haben Freude am Bösen und an der Lüge und würden; sich nicht einmal wohl fühlen in der Seligkeit; wieviel weniger Sa¬tan und sein finsteres Engelheer, als geflissentliche Urheber alles Bösen! Die Erfahrung lehrt, dass bei Menschen, welche in ihrem Wesen, auch gegen sich selber, unwahr sind, die Wahrheit gar nicht FUSS fassen kann, wieviel weniger bei Dämonen!
Übrigens wird gerade von den Teufeln wörtlich gesagt, und zwar in äusserst ausdrücklicher Weise und in verdoppelter Form, dass sie in alle Ewigkeit im Feuer- und Schwefelsee gepeinigt werden (Offbg. 14, 10; 20, 10). Judas 6 berichtet von der Bindung ab¬trünniger Engel mit ewigen Ketten. Das alles wissen die Teufel wohl, darum zittern sie zum Voraus (Jak. 2, 19; Matth. 8, 29; Mar¬kus l, 24; 5, 7).
5. Gemäss der Allversöhnungslehre ist der Tod des Christus ohne weiteres für alle Menschen gültig, daher werden schliesslich alle errettet werden, auch ohne Glauben!
Welch ein furchtbarer Irrtum, da doch das Neue Testament so oft betont, dass die Errettung nur aus Glauben — und zwar durch Glaubensgehorsam und nicht nur durch Dogma- glaube — an das Erlösungswerk des Christus am Kreuz erlangt werden könne. Der Römerbrief erklärt diese Tatsache eingehend;

in Kapitel 3, 26; 5, l—2 finden wir eine Zusammenfassung. (Vergl. Eph. 2,8; Gal. 2, 16; 3,24; Phil.3, 9 und Hebräer 11, 6). Beach¬ten wir, dass in Hebräer 9, 28 ausdrücklich gesagt ist, dass Chris¬tus geopfert worden ist, um „vieler" (aber nicht „aller") Sün¬den zu tragen. Wie oft und deutlich wird auch im Evangelium Jo¬hannes (z. B. Kap. 3, 36; 5, 24 usw.), die Erlangung des ewigen Le¬bens auf den Glauben abgestellt!
Warum wird denn wiederholt so nachdrücklich auf den Glauben hingedeutet, wenn es auch ohne solchen ginge? Warum hat der Glaubende oft einen Leidensweg zu gehen, wenn es ohne Prüfung und Schulung abginge? Das wäre dann doch völlig nutzlos! Welche Inkonsequenz!
6. Die ewige Verdammnis wird geleugnet; es gebe keine solche,
sie sei schriftwidrig! '
Im Gegensatz hierzu stellt die Schrift oft und sehr scharf aus¬geprägt eine ewige Verdammnis fest, und das sogar in vielfältigen bezeichnenden Ausdrücken; z.B. Offbg. 20,13-15; Judas 7; Mat¬thäus 18, 8; 25,41. 46; 2. Thess. l, 9 (des ewigen Feuers Strafe, ewige Pein; ewiges Verderben usw.). In Markus 9, 41-50 wird dreimal gesagt: „In das unauslöschliche Feuer, wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt"; drei¬mal wird also im gleichen Kapitel vom Herrn selbst bezeugt, dass die höllische Pein kein Ende nehmen wird. Zudem lesen wir in Matthäus 24, 51: „Der Herr wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil setzen mit den Heuchlern: da wird sein das Weinen und das Zähneknirschen." Der Verdammte ist nun der völlig unge¬hemmten Auswirkung des Bösen, der endlosen Hoffnungslosigkeit und Ruhelosigkeit überlassen; er ist von jeder Möglichkeit einer Umkehr und Änderung des Zustandes abgeschnitten. In Lukas 16, 26 illustriert der Herr selbst, obwohl es sich dort noch um einen Zwischenzustand handelt, diese Unveränderlichkeit des Selig- und Nicht-Seligseins mit dem Bilde einer unübersteigbaren grossen Kluft.
Die Lehre von einer endgültigen Vernichtung stützt sich auf falsch angewandte alttestamentliche Stellen sowie einige Stellen im Neuen Testament, die sich aber auf jene irrtümlich ange¬wandten alttestamentlichen beziehen, wo Ausrottung der Sünder befohlen wird. Dies hat aber bloss auf Ausscheidung aus der auf Erden lebenden menschlichen Gesellschaft, bei leiblicher Tötung Bezug, da die alttestamentliche Offenbarung nicht über den irdischen Lebenskreis hinausgeht. Somit haben diese Stellen gar nichts mit ewiger Vernichtung zu tun, wo¬von Gottes Wort überhaupt nichts weiss.
7. Hinsichtlich des griechischen Wortes „Aeon" wird gelehrt, dass es nicht endlose Ewigkeit bedeute, sondern bloss „Zeitalter". d. h. eine lange Zeitspanne, die ein Ende nimmt, weshalb Höllen¬strafen nicht ewig sein können!
Das ist eine ganz willkürliche Beschränkung des Begriffes „ewig", die sich schon durch ihre Unlogik selbst richtet, da die All¬versöhnungslehre für die himmlische Seligkeit doch die endlose Ewigkeit gelten lässt. In Matthäus 25, 46 finden wir das Wort „ewig" aber sowohl auf die Seligkeit, als auch auf die Pein ange¬wandt, folglich ist doch klar erwiesen, dass nicht nur die Ewig¬keit, sondern auch die Strafe ewig ist. Im Alten Testament hat zwar der Begriff „ewig" eine beschränkte Bedeutung, weil die alttestamentliche Offenbarung, ausser wo es sich um die Person Got¬tes selbst handelt, wie bereits erwähnt, nicht über den irdischen Lebenskreis hinausgeht. Da wird mit dem Ausdruck „ewig" ein¬fach der menschlichen Unbeständigkeit und dem irdischen Wech¬sel das Dauernde gegenübergestellt, z. B. für die ganze Lebenszeit, oder in Bezug auf das verheissene Messiasreich für die ganze Dauer desselben angewandt, nirgends aber auf ein Zeitalter ausserhalb des Erdenlebens.
Im Neuen Testament dagegen werden die Blicke immer wieder auf ein Leben und eine Zukunft im Jenseits gerichtet, das ebenso wie dieses räumlich und stofflich nur als unbegrenzt verstanden werden kann, somit logischerweise auch zeitlich unbegrenzt sein muss. Wenn nun die Schrift für das Jenseits zweierlei scharf ge¬schiedene Daseinsbedingungen, himmlische Seligkeit und Ver¬dammnis in der Hölle, darstellt, muss auch schlechterdings für beide ewige Dauer gelten, wie Gottes Wort dies auch des öftern feststellt. In Stellen, wie 2. Kor. 4. 18; 5, l usw., wird ja geradezu das Unbeschränkte, Ewigwährende, dem kurzen Zeitlichen gegen¬übergestellt.
Zugegeben, dass das Wort „ewiglich" usw. auch im Neuen Testa¬ment öfter ebenfalls in bildlich übertragenem, beschränktem Sinn gebraucht wird, so z. B. in Johannes 9, 32; aber für den Gedanken an einen ,,Aeon" im Sinn der AI l Versöhnungslehre ist auch da we¬der Raum noch Sinn.
Mit dem Wort „Zeitalter" bezeichnet die Schrift die Hauptepo¬chen der Haushaltungen Gottes mit den Menschen: 1. die Epoche ohne Gesetz, 2. die Haushaltung Israels unter Gesetz, 3. die christ¬liche Haushaltung der Gnade, 4. das Zeitalter des messianischen Reiches, auf welches dann der ewig währende „Tag Gottes" folgt, für den es gar keine Zeitrechnung mehr gibt (2. Petrus 3,8.12)»
8. Die Gerichte werden nicht als Strafen, sondern als Besserungsmethoden eingeschätzt, darum könne es keine ewige Ver¬dammnis geben. Zeitliche Sünden seien doch nicht so schwer, und ewige Verdammnis dafür wäre ungerecht!
Dies ist derselbe Gedanke, welcher auch der indischen Lehre von der Seelenwanderung und ebenso dem Fegfeuer der Katholiken zu Grunde liegt, nur dass erstere keine Gewissheit eines Endes zu geben vermag, letztere dagegen Mittel zur Abkürzung erfunden hat, während die Allversöhnungslehre gar 'nichts darüber weiss und lediglich eine Behauptung aufstellt.
Es steht dem Menschen als Geschöpf des allmächtigen Schöpfers gar nicht zu, zu bestimmen, was für Gott gerecht oder ungerecht sei (Römer 9, 19—29; Jer. 18). Der Mensch vermag es auch gar nicht. Er ist ja in seiner durch die Sünde vergifteten, getrübten und beschränkten Wahrheitserkenntnis nicht imstande, zu beur¬teilen, wie Gott urteilt. Darum müssen alle, auch die Errette¬ten, nach 2. Korinther 5, 10 vor dem Richterstuhl Christi geoffen¬bart (nicht gerichtet) werden, damit wir endlich uns selbst und Gottes Werk im vollkommen wahren Licht kennen lernen möchten.

Wir Menschen beurteilen gegenüber den ernsten Urteilen Gottes die Sünde überhaupt viel zu gering. (Vergl. z. B. Gehasi in 2. Kor. 5,20-27; Rüben in 1. Chron. 5,1-2.) Die eine Sünde Adams brachte das Todesurteil und den Fluch über das ganze Menschengeschlecht. Wieviel mehr wiegen all die Sünden eines ganzen menschlichen Lebens, da doch der Mensch in Sünden geboren und unter die Sünde verkauft ist (Psalm 51, 3-5; Römer 3; 7,14-18). Liegt nun Unge¬rechtigkeit bei Gott, wenn Er den unbussfertigen Sünder der ewigen Strafe überlässt? (Judas 7; 2. Thess. l, 9; Hebr. 10, 29 bis 31).
Wie kann die Allversöhnungslehre überhaupt von einer Besse¬rung der Verdammten im Zeitlauf eines Aeons fabeln, wenn das Zeugnis der Heiligen Schrift in 2. Korinther 6, 2 so klar und deut¬lich sagt: „Jetzt ist der Tag der Annehmung und des Heils" und wiederholt davor warnt, die Herzen zu verhärten (Hebr. 3, 8. 13; 4, 7). Im Gleichnis von den zehn Jungfrauen zeigt der Herr selbst, wie es für diejenigen, welche nicht bereit sind wenn Er kommt, für immer zu spät sein wird. Er will nichts mehr von ihnen wissen. (Matth. 25, 11—13). Wohl ist Gott langmütig (2. Petrus 3, 9), aber einmal hat Seine Langmut ein Ende, wie das Beispiel Pharaos zeigt. Siebenmal hatte sich dieser verhärtet, so dass vom achten Mal an Gott selbst sein Herz verhärtete, so dass ihm keine Umkehr mehr möglich war. (Vergl. 2. Mose 7—11). Eine Bekeh¬rung nach dem Tode ist schon aus diesem Grunde nicht mehr mög¬lich, weil Gott dann nicht mehr an den Herzen wirkt. Gott hat sie dem Gericht dahingegeben. Die ewige Verdammnis bedeutet in erster Linie dieses Abgeschnittensein von Gott und Seinem Wirken. Damit ist eine „Besserung" auch während Aeonen unmöglich ge¬macht. Bei Anlass der Gerichte, die uns in der Offenbarung be¬schrieben sind, lesen wir: „Sie taten nicht Busse" (Posaunenge¬richte Offbg. 9,20. 21; Zornesschalen Offbg. 16, 9) und „sie läs¬terten Gott" (Kapitel 16, 9. 11. 21). Daran erkennen wir, dass Gerichte weder dazu bestimmt noch dazu angetan sind, Busse her¬vorzurufen. Heimsuchungen und Züchtigungen können wohl zur Busse führen, aber 'Gerichte haben nicht diesen Zweck, noch weniger der Feuersee.

In Matthäus'11, 22-24 und Lukas 12, 43-48 werden wohl Un¬terschiede im Mass der Strafe angedeutet; die ewige Dauer der¬selben aber wird damit gar nicht berührt. Nirgends gibt Gottes Wort überhaupt den geringsten Anhaltspunkt für die Möglichkeit eines Wiederheraufkommens aus dem Feuersee.
9. Wenn Gott Liebe ist, sagen die Allversöhnungslehrer, so muss Er sich Seiner Geschöpfe erbarmen; deshalb vertrage sich die ewige Verdammnis nicht mit diesem Gedanken!
Gewiss, Gott ist Liebe. Er ist dies Seinem Wesen nach. Das hat die Heilige Schrift ja immer wieder bestätigt. Weil Gott dem Menschen immer noch Gelegenheit zur Umkehr geben will, sieht Er noch immer langmütig zu, obwohl die Welt längst reif zum Gericht ist. Aber die Schrift sagt, dass bei weitem nicht alle Men¬schen Seine Kinder sind, sondern nur die, welche aus Wasser und Geist geboren sind (Joh. l, 12; 3, 5; Römer 8, 16; 9,8 u. l.Joh. 3, 10-15). Alle übrigen nennt das Wort Kinder des Fluches (2. Petrus 2, 14), welche die Seligkeit nicht ererben können.
Gott ist aber nicht nur Liebe, sondern in gleich unbeschränkter Weise Seiner Natur nach Licht, Wahrheit, Heiligkeit und Gerech¬tigkeit. Es geht nicht an, eine einzelne Wesenheit Gottes einseitig auf Kosten anderer hervorzuheben, wie die Menschen es so oft und gerne tun. Ebenso wie Gott Liebe ist, so ist Er auch Licht. Alles ist vor Ihm bloss und aufgedeckt (1. Joh. l, 5; Hebr. 4, 12-13). Er ist „zu rein, um Böses zu sehen" (Hab. l, 13). Darum kann kein Sünder — was ja alle Menschen von Natur sind — in die Gegen¬wart Gottes kommen, ohne vorher durch Jesu Blut von Sünden gereinigt zu sein (Hebr. 9, 12-14, 22-23). Wir Menschen ver¬mögen die ganze Tragweite der Sünde, wie sie vor Gottes absolut heiligem Auge erscheint, gar nicht zu ermessen. Damit wir sie aber etwas zu erfassen vermögen, redet das Wort so oft und ernst von Zorn und Grimm Gottes, und dass Er „den Schuldigen keineswegs für schuldlos" halte (2. Mose 34, 7; 4. Mose 14, 18; Nahum l, 3). In Hebr. 10, 30-31 lesen wir ferner: „Es ist furchtbar, in die Hände Gottes zu fallen".
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Ausserdem können wir fragen: Wäre es gerecht, wenn Gott im Neuen Testament immer wieder Nachdruck auf Busse und Glauben legt, Errettung nur aus Glauben verheisst, dabei für das Erden¬leben Fremdlingschaft, Verwerfung und Leiden und erst für die himmlische Zukunft Ruhe und Belohnung in Aussicht stellt, wenn nachher dennoch alle Menschen ohne diesen Weg gleichfalls selig würden? Nein, das wäre sowohl 'gegenüber den Menschen, ,wie gegenüber Seinem Sohn, den Er hat leiden lassen, höchst unge¬recht. Selbst unter Menschen würde eine derartige Handlungs¬weise als völlig ungerecht, ja sogar grundsatz- und charakterlos empfunden werden. Solches zu behaupten, ist eine arge Verunehrung des Namens Gottes. Wie furchtbar, einem heiligen und ge¬rechten Gott solches anzudichten!
10. „Wie kann ein Gott der Liebe Seine Geschöpfe ewig quä¬len?" so fragt die Wiederbringungslehre und sagt: „Die Lehre von einer ewigen Höllenstrafe entehrt die Würde des höchsten Wesens und erniedrigt Gott zu einem Tyrannen!"
Wir stellen die Gegenfrage: „Wo gibt denn die Heilige Schrift den leisesten Anhaltspunkt zu dem verwerflichen Gedanken, dass Gott die Verdammten quälen werde ?" In Markus l und 5 reden allerdings die Dämonen davon, aber sie reden ja von jeher nur Lüge und Verleumdung über Gott und kennen keine Wahrheit. Wer sich aber durch die Heilige Schrift über Gottes Wesen richtig und demütig unterweisen lässt, versteht, dass solches bei Gott gar nicht möglich ist. Von Seiten Gottes besteht das Gericht vor allem darin, dass die Verdammten für immer und ewig aus Seiner Gegenwart verbannt und von Ihm verworfen sind, d. h. dass Gott sich von ihnen endgültig abgewandt hat. Dies bedeutet, wie wir schon in Abschnitt 8 betont haben, ewiges Abgeschnittensein vom göttlichen Lebensquell. Dies ist die schwerwiegendste Tatsache des ewigen Todes und der Verdammnis und wird eine furchtbare Qual sein. Denn Leben, Errettung, Seligkeit kann allein aus der Ge¬meinschaft mit Gott hervorgehen. Grundsätzlich ist der Tod, das Getrenntsein von Gott, schon mit Adams Fall eingetreten, nur hält Gott den Weg der Errettung durch Christus immer noch offen und wirkt in Gnaden dahin, diese Lebensverbindung wieder herzu¬stellen. Aber dies wird jedoch mit dem Verdammungsurteil vor dem grossen weissen Thron für immer aufhören. Damit ist jede Busse, Umkehr und Änderung der Lage unmöglich gemacht und dies bedeutet wiederum — ewige Verdammnis.
Aber auch der Teufel und seine Engel sind dann nicht die Quäler, sie werden ja selbst in alle Ewigkeit gequält. Nein, Satan und alle Verdammten haben die Quäler in ihrem eigenen Innern. Vor allem ist da das Gewissen (darum Markus 9: ihr Wurm), das sie ewig anklagt, ohne je zu verstummen. Dazu gesellt sich eine brennende Reue ohne jede Umkehrmöglichkeit; die bergehoch auf¬gehäuften Sünden werden nun mit all ihren ewigen Folgen be¬ständig geschaut. Das schrankenlos im Herzen wirkende Böse und die verzehrende Leidenschaft, die keine Stillung findet, zusammen mit dem bis ins Innerste dringenden Richterblick der „Augen wie Feuerflammen" (Offbg. l, 14), den man nicht mehr los werden kann, das sind Quäler genug. Das erklärt auch, wie wir bereits festgestellt haben, die Unterschiede in der Strafe.
11. Nach Anschauung der Allversöhnungslehrer ist das Versöh¬nungswerk des Christus als misslungen zu betrachten, wenn nicht alle Menschen errettet werden!
Solche Behauptungen sind ungeziemend und unehrerbietig. Es steht dem Menschen nicht zu, zu untersuchen, was Gottes würdig sei. Er hat das Heilmittel angeordnet und das Werk der Erlösung restlos ausgeführt. Darum können wir es Ihm überlassen, wie Er es auch irgend anwenden will. Sicher ist, dass es zu Seines Namens Herrlichkeit ausschlagen wird, und dass die Vollzahl der Erlösten eine überwältigend grosse Zahl sein wird. Der Lohn, den der Herr Jesus für den Kreuzestod empfangen wird, wird grösser sein, als wir denken. Wir müssen uns an das halten, was Gottes Wort uns sagt, nicht an etwas, was es uns nicht sagt. Wehe uns, wenn wir zu Gottes Wort hinzufügen oder von demselben wegnehmen (Offbg. 22, 18-19).
12. Unter Anführung von 1. Korinther 15,26 wird gelehrt, dass der Tod aufgehoben sein werde. Es könne nur der zweite Tod gemeint sein, denn dieser müsse gleicher Art sein wie der erste. Der Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Tod könne kein wesenhafter, sondern nur ein gradweiser sein. Deshalb gebe es auch eine Auferstehung aus dem zweiten Tode!
Wir müssen aber darauf hinweisen, dass im Gegenteil durch den Ausdruck „zweiter Tod" (ebenso wie in den Fällen „erster und zweiter Mensch", „erster und zweiter Bund") gerade ein himmel¬weiter, grundsätzlicher Wesensunterschied doku¬mentiert wird. Dabei ist der grundlegende Hauptunterschied der, dass das erste vergänglich ist, während das zweite sich durch Un¬vergänglichkeit auszeichnet.
In l. Korinther 15 ist vom leiblichen Tod die Rede, sowie von der Auferstehung aus diesem, letztere als Verwandlung des Todes in Sieg und Leben in ewiger Herrlichkeit. Vom Tod der Verdammten, dem zweiten Tod, ist hier gar keine Spur, ausser kurz zusammengefasst in dem Wort: „dann das Ende" als endgültigem Abschluss. Der „zweite Tod" ist erst am Schluss der Bibel erwähnt (Offbg. 20, 6. 14; 21, 8), gleichsam als eine letzte Mitteilung über das Schicksal der vor dem grossen weissen Thron Verurteilten. Dabei wird betont, dass auch der Tod und der Hades in den Feuersee ge¬worfen, also von diesem verschlungen werden. Somit ist der Feuer¬see der endgültige Abschluss der Geschichte der Verdammten. Dazu zieht Gott mit dem Wort: „Es ist geschehen!" noch einen ausdrück¬lichen Schlussstrich (Offbg. 21, 6).
Sehr deutlich redet auch Offenbarung 20, 4-6. Dort ist von zwei Auferstehungen die Rede. Die erste Auferstehung, die der Gläu¬bigen zur ewigen Seligkeit, findet mindestens tausend Jahre vor der zweiten statt und umfasst nur die „des Christus sind bei Seiner Ankunft" (1. Kor. 15, 23) und die Heiligen und die Märtyrer der Drangsalszeit. Die zweite Auferstehung erfolgt erst nach dem Ab¬schluss des Tausendjährigen Reiches und umfasst alle diejenigen, welche vor dem grossen weissen Thron erscheinen müssen, um dort verurteilt zu werden (Offbg. 20, 11-15). Diese Auferstehung zur Verdammnis im Feuersee ist somit die letzte Aufersteh u n g und der Abschluss der Geschichte der Verlorenen auf der Erde, eben „das Ende" gemäss 1. Korinther 15, 24-28.
Hinter diesen wenigen hier beleuchteten Irrtümern der Allversöhnungs- oder Wiederbringungslehre erkennt der wirklich geist¬liche Erforscher des Wortes durch den Heiligen Geist unschwer die altbekannten Methoden der irreführenden Stimme der Schlange, die schon im Paradies geflüstert hat: „H a t Gott wirklich gesagt?" und „Ihr werdet mit nichten sterben". Denn auf dieses läuft, wie wir nachgewiesen haben, auch die Lehre von der A11 Versöhnung hinaus.
Was sind nun die Folgen und Wirkungen dieser Lehre? Nichts Geringeres, als dass das Kreuz des Christus entkräftet und zunichte gemacht wird und all die feierlichen Ermahnungen der Kraft beraubt werden. Denn, wenn nach Aeonen doch alle er¬rettet werden, welchen Wert hat dann noch das Kreuz? Zugleich wird dabei auch das so oft und so ernst dargestellte Urteil Gottes über die Sünde verneint; und doch lehrt Sein Wort: „Der Lohn der Sünde ist der Tod" (Römer 6, 23). Was müssen die Konse¬quenzen dieser Lehre sein? Während das letzte Gebot unseres Herrn vor Seiner Himmelfahrt lautete: „Gehet hin in die ganze Welt und prediget das Evangelium der ganzen Schöpfung" (Markus 16, 15), hätte die Forderung der Bekehrung, die einen wesentlichen Bestandteil des Evangeliums ausmacht, keinen Sinn mehr; Evangelisation wäre nur noch Kraft- und Zeitvergeudung. Für den Sünder aber würde es zu einem leichtsinnigen Unterlassen der Gelegenheit zur Errettung, zum sich Hinwegsetzen über die Gebote und Ermahnungen des Herrn führen, indem ihm eben vorgetäuscht wird, dass er letzten Endes doch auf jeden Fall errettet werde. Wo¬zu denn Bekehrung, wozu der oft dornenvolle und demütigende Weg des Glaubens, wenn es auch ohne diesen geht? Die Allver¬söhnungslehre ist frecher Widerspruch gegen die feierliche Mah¬nung Gottes: Heute!, da sie dreist sagt: Nein, morgen ist noch Zeit! Niemand kann verloren gehen! Man übersieht dabei auch, dass das aeonenlange „Fegfeuer" dem menschlichen Denken so ferne und so unfassbar ist, dass es trotz seiner Furchtbarkeit 14

keinen Eindruck macht, und nur die letzten Endes doch zu errei¬chende Seligkeit im Gedächtnis haften bleibt. Davon könnten man¬che Beispiele erbracht werden.
Somit fallen die Verbreiter der Allversöhnungslehre auch unter das Urteil von 1. Joh. 4, 1-3; es sind falsche Propheten, denn sie entwerten die Worte Gottes und fügen denselben fremde Dinge hinzu und kommen so unter den Fluch von Galater l, 8-9: „Aber wenn auch wir, oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigte, ausser dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei verflucht! Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich euch jetzt wiederum: Wenn jemand auch etwas als Evangelium verkündigt ausser dem, was ihr empfangen habt, er sei verflucht!"
„Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buche geschrieben sind; und wenn jemand von den Worten des Buches dieser Weis¬sagung wegnimmt, so wird Gott sein Teil wegnehmen von dem Baume des Lebens und aus der heiligen Stadt, die in diesem Buche geschrieben sind" (Offbg. 22, 18-19).
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